Mitteilungen der DMG

Heft 1/2000 (Auszüge)


Titelbild: Schneefernerhaus unterhalb der Zugspitze

 
Inhaltsverzeichnis (durch Anklicken eines Artikels kommen Sie direkt dorthin)
Grußwort des neuen Vorsitzenden der DMG
In eigener Sache
Bericht von der Sitzung des Gesamtvorstandes der DMG
DMG-Webseiten wurden Hacker-Opfer
Eine neue Zeitschrift für drei meteorologische Gesellschaften
Stellungnahme des Vorstands der DMG zur Gründung des Fachverbandes Umweltphysik innerhalb der DPG
ZV Leipzig und FAGEM Fortbildungsveranstaltung:
Christian Hänsel, Markkleeberg: Beiträge zur Wissenschaftsentwicklung der Meteorologie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts
Cornelia Lüdecke, München: Von der Messung zur Abstraktion - Meteorologie um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert
Gerhard Kluge, Jena: Wetterbeobachtungen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach in den Jahren 1770 bis 1832
Michael Börngen, Leipzig: "Eine frische Aufmunterung genoß ich zuletzt durch Herrn Brandes" - Ein Lebensbild des Astronomen, Physikers und Mathematikers Heinrich Wilhelm Brandes (1777-1834)
Zur Gründung des FA Hydrometeorologie der DMG
Workshop des Fachausschusses Hydrometeorologie
Vorbereitungssitzung für die gemeinsame Meteorologentagung DACH-MT in Wien 2001
Umweltforschung "auf höchstem Niveau"
50 Jahre WMO
"Klima" auf der Expo Hannover
Was ist ein Experte? Versuch einer Definition mit Hilfe der Meteorologie
GKSS School of Environmental Research
Eduard-Brückner-Preis
Inbetriebnahme des neuen numerischen Modellvorhersagesystem des Deutschen Wetterdienstes
Online-Wetterprognoseturnier an der FU-Berlin
Bücher- und Literaturhinweise

 
Grußwort des neuen Vorsitzenden der DMG

In einer Zeit sich beschleunigender und immer vielfältiger werdender Informationen und Entwicklungen hat die Deutsche Meteorologische Gesellschaft in den vergangenen Jahren Weichen gestellt, die es uns Meteorologen ermöglichen, präsent zu sein und Stellung zu nehmen. Ein wesentlicher Schritt war der Übergang zu einer Professionalisierung, indem wir Herrn Arne Spekat als Sekretär der Gesellschaft gewinnen konnten - wie in fast allen Lebensbereichen sind für Steuerungsfunktionen ehrenamtliche Mitarbeiter überfordert. Dies heißt jedoch nicht, dass nun alle diese Funktionen von unserem (Teilzeit-) Sekretär übernommen werden können, sondern dass wir verstärkt Zuarbeit von möglichst vielen freiwilligen Mitarbeitern benötigen, der Sekretär ist Koordinator und in unserem DMG-Fall auch Schriftleiter der mit neuem Gesicht und Inhalt erscheinenden Meteorologischen Zeitschrift (MZ). 
Auf zahlreichen Feldern wurden in den vergangenen Jahren Aktivitäten angestoßen:

1. Die Internationalisierung und deren Koordination auf meteorologischem Gebiet kann nun über die European Meteorological Society (EMS) erfolgen. Auch hier benötigt der Vorstand der DMG und der Sekretär dringend freiwillige Mitarbeit, sei es, dass überregionale Informationen und Kontakte von unseren Mitgliedern kommen, sei es dass nationale Fortbildungs-Konzepte auch europaweit erfolgreich sein mögen. Mit der American Meteorological Society (AMS) konnten wir im vergangenen Januar für die EMS Kontakte und erste Kooperationen für Tagungen, einige Veröffentlichungen und für den Schul-Bereich verabreden.

2. Die Meteorologische Zeitschrift braucht gute Artikel, um das Ziel zu erreichen, international anerkannt und - formal - um in den Citation-Index aufgenommen zu werden. Hier gilt die Aufforderung vor allem unseren Wissenschaftlern, die ihre Veröffentlichungen bevorzugt der MZ anbieten sollten.

3. Die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschafts-Gesellschaften wird verstärkt. So ist soeben mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) verabredet worden, für die nächste Meteorologen-Tagung 2001 in Wien zusammen mit dem DPG-Fachverband Umweltphysik eine Sitzung zum Themenbereich "Umwelt" auszuschreiben.

4. Die Qualität meteorologischer Information für Öffentlichkeit und Bildung, vor allem in Schulen, muss weiter beobachtet werden; entsprechendes Lehrmaterial und Qualitäts-Maßstäbe sind zu erstellen. Eine Menge hat dazu bereits der Lizenzierungs-Ausschuss unter der Leitung von Prof. Lutz Hasse geleistet. Hier gilt es noch viel mehr zu tun. Der neue Vorstand und der Sekretär der DMG haben kürzlich mit einer "Initiative Naturwissenschaft und Schule" Kontakte zu Lehrerverbänden (Mathem.-Naturw. Unterricht/ MNU, Verband der Schulgeographen, Gesellschaft für Didaktik des Physik- und Chemie-Unterrichts/GDPC) aufgenommen und erste gemeinsame Veranstaltungen für Lehrer verabredet. Die Gründung eines Fachausschusses könnte dieser Initiative die nötige Dynamik verleihen. Eine ähnliche Aktivität geht von der Alfred-Wegener-Stiftung aus.

5. Für die bisherigen und die beschriebenen zum Teil neuen Aufgaben brauchen wir eine möglichst starke DMG. Dies bedeutet nicht nur viele freiwillige Mitarbeiter, sondern natürlich auch möglichst viele Mitglieder: Je stärker wir sind, desto besser können wir uns Aufmerksamkeit verschaffen! 

Daher: Bitte unterstützen Sie die DMG auch hier und werben Sie neue Mitglieder!
Auf eine gute Zusammenarbeit in den kommenden drei Jahren!

21. Februar 2000 
Werner Wehry, Vorsitzender

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In eigener Sache

Wie Ihnen sicher nicht verborgen geblieben ist, haben die (gedruckten, Anm. des Webmasters) DMG-Mitteilungen mit dem Eintritt ins Jahr 2000 ihr Gesicht gewandelt. Doch nicht nur die Form, auch der Inhalt ist einer Wandlung unterzogen - so werden neben Ihnen vertrauten Rubriken wie den Berichten aus dem Leben unserer Gesellschaft, Personalia oder Beiträgen aus dem Berufsfeld Meteorologie in Zukunft häufig thematische Schwerpunkte gesetzt, meteorologische Medien (dazu gehören neben Büchern auch CD-ROMs, Foliensätze, Websites u.v.a.m.) vorgestellt und die Aktivitäten anderer meteorologischer Gesellschaften porträtiert.
Die Redaktion der DMG Mitteilungen setzt sich zusammen aus:
Sabine Theunert (Leitung und verantwortlich im Sinne des Presserechts), Thomas Prenosil (Hauptschriftleiter), Peter Döll, Arne Spekat, Friedrich Theunert, Jürgen Becker
Wir hoffen, daß Sie mit uns diese Reise bestreiten, und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und für Sie.

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Bericht von der Sitzung des Gesamtvorstandes der DMG am 26./27.11.1999 im PIK, Potsdam

Auf Einladung von Prof. Martin Claußen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), und derzeitiger Vorsitzender des Zweigvereins Berlin und Brandenburg, traf sich der Gesamtvorstand auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Wesentliche Themen waren:

1. Die Ausgestaltung der "Meteorologischen Zeitschrift" (MZ) nach der Fusion mit den "Beiträgen zur Physik der Atmosphäre" ist weitgehend abgeschlossen. Konsens wurde auch den Mitherausgebern, nämlich der Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaft für Meteorologie (ÖGM und SGM) erzielt. Das erste Heft der "neuen" MZ wird voraussichtlich im März 2000 erscheinen. Die MZ wird allen bisherigen Abonnenten der "Beiträge.." angeboten, deren letztes Heft im Dezember 1999 erschienen ist. (s. Beitrag in dieser Ausgabe

2. Das Herausgebergremium der MZ besteht nun aus den Herrn Claußen, Hantel, Richner, Sausen und Kerschgens (Vorsitzender), die Schriftleitung liegt bei Herrn Spekat. Das Koordinationsgremium wird von Seiten der DMG mit Herrn Tetzlaff, für die ÖGM von Frau Kromp-Kolb und die SGM Herrn Richner sowie von Seiten des herausgebenden Borntraeger-Verlages mit Dr. Nägele besetzt. Der Preis der MZ für DMG-Mitglieder wird auf DM 100,- festgesetzt, Mitglieder aus den Neuen Bundesländern zahlen DM 85,-. Studierende zahlen dieselben Preise.

3. Unter Federführung des DWD wird im Jahre 2000 die Fortbildungs-Zeitschrift PROMET wieder erscheinen, die Redaktion liegt in der Verantwortung des Kassenwartes der DMG, Herrn Behr. Für das erste Heft ist das Thema "Bodennahes Ozon" vorgesehen. Es wird angestrebt, vier Hefte pro Jahr herauszubringen.

4. Dem Vorschlag von Herrn Tetzlaff folgend wird der Fachausschuss Hydrometeorologie eingerichtet (s. Beitrag in dieser Ausgabe)

5. Der Vorstand stellte fest, dass Herr Spekat seine Probezeit als Sekretär erfolgreich absolviert hat. Bis zur Formulierung eines endgültigen Arbeitsvertrages mit der Absicht einer dauerhaften Anstellung wird der Vertrag bis Dezember 2000 verlängert.

6. Wegen des Kaufs der "Beiträge...", der Anstellung des Sekretärs der DMG und des Engagements in der European Meteorological Society wurde 1999 ein großer Teil des dafür angesparte Geld ausgegeben. Es zeichnet sich außerdem ab, dass in den Jahren 2000 und 2001 die Ausgaben die Einnahmen überschreiten werden, danach jedoch ab 2002 - vor allem durch zu erwartende höhere Einnahmen der MZ sowie geringere Beiträge für die EMS nach der Anschubphase - wieder ausgeglichene Haushalte zu erwarten sind. Durch eine genaue Planung der Ausgaben konnte ein eventuelles Defizit ausgeschlossen werden, wenngleich auch die bisherigen Reserven weitgehend verbraucht sein werden. 

7. Die Richtlinien für den "Qualitätskreis Wetterberatung" wurden in Kraft gesetzt

Werner Wehry
Vorsitzender DMG
Institut für Meteorologie, FU Berlin
Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10
12165 Berlin
wehry@bibo.met.fu-berlin.de

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DMG-Webseiten wurden Hacker-Opfer

Nicht nur große Internet-Firmen, auch so "kleine Fische" wie die Webpräsenz der DMG sind gelegentlich Zielscheibe von Hackerangriffen. Der Gastgeber-Rechner für die Webseiten der DMG, des Zweigvereins Berlin und Brandenburg, des Fachausschusses für Geschichte und der European Meteorological Society in der Satellitenabteilung des Instituts für Meteorologie der FU Berlin mußte zeitweilig abgeschaltet werden, nachdem Hacker in das Betriebssystem eingedrungen waren. Damit war die Webversorgung für Sie unterbrochen, wobei es nicht einmal möglich war, einen Hinweis zu platzieren. Ich bitte Sie für den Ausfall um Entschuldigung.
Inzwischen sind die Webseiten umgezogen. Diejenigen unter Ihnen, die mit http://www.dmg-ev.de bei uns einsteigen benötigen keine weiteren Änderungen; wer jedoch seine Bookmarks oder Favorites auf Seitennamen der tiefer in der Hierarchie steckenden Dateien gesetzt hat, möge bitte darauf achten, dass die neuen Webseiten schematisch 
http://www.met.fu-berlin.de/dmg/dmg_home/<xyz.html> 
heißen und die Verweise entsprechend ändern. Kürzlich ist auch der "alte", von Hackern attackierte Server wieder an das Netz gegangen, dennoch wird er mittelfristig nicht mehr die neuesten DMG-Seiten beinhalten; ich stelle ihn bald so um, dass Besucher, die sich hierhin "verirren" auf die neue Adresse hingewiesen, bzw. automatisch weitergeleitet werden.

Arne Spekat
Sekretär DMG
Institut für Meteorologie/FU Berlin
Carl-Heinirch-Becker Weg 6-10
12165 Berlin
dmg@bibo.met.fu-berlin.de

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Eine neue Zeitschrift für die drei meteorologischen Gesellschaften
von Deutschland, Osterreich und der Schweiz



Sehr geehrtes Mitglied,

pünktlich zum letzten Jahr dieses Jahrtausends ist es der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft gelungen, ihre Zeitschriften neu zu ordnen. In der Vergangenheit zeigte sich vielfach, dass die vier Zeitschriften der DMG doch eher zu viele als zu wenige Möglichkeiten boten und mitlangsam sinkenden Abonnentenzahlen, vergleichsweise geringem Umfang und Verdrängung ausdem "Science Citation Index" zu kämpfen hatten.

Daher suchten die Meteorologischen Gesellschaften von Osterreich, der Schweiz und Deutschland intensiven Kontakt zu den Verlagen der beiden wissenschaftlichen Zeitschriften. Es herrschte sehr bald Einmütigkeit darüber, dass die Kapazität an Lesern und Autoren in Mitteleuropa zwar für eine wissenschaftliche Zeitschrift ausreichend sei, nicht aber für zwei. Die Vereinigung der beiden Zeitschriften war aber bei den angetroffenen Eigentumsverhältnissen nicht unmittelbar erreichbar.

Eine Lösung wurde erst möglich, nachdem der Vieweg-Verlag dem Verkauf der "Beiträge" an die drei Gesellschaften zugestimmt hatte. Damit konnte dann die Fusion der beiden Zeitschriften herbei geführt werden, die nunmehr gemeinschaftlich vom Verlag Gebr. Borntraeger und den drei Gesellschaften weitergeführt wird. Das bedeutet, dass die beiden Zeitschriften ab Februar 2000 unter dem Titel Meteorologische Zeitschrift auch thematisch vereinigt und in englischer Spracheerscheinen. Damit ist sichergestellt, dass Autoren und Leser der "Beiträge" ihre fachliche "Heimat" bezüglich der Zeitschrift behalten.

Der Verlag und die Gesellschaften werden sich in jeder Weise darum Bemühen, die langen Traditionen beider Zeitschriften auf eine neue gemeinsame Grundlage zu stellen. Dazu werden in besonderer Weise die Professoren Claußen und Sausen als neu hinzugekommene Herausgeber beitragen und Prof. Kerschgens (Köln) als Chief Editor. Da die Gesellschaften nunmehr auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Zeitschrift verflochten sind, wird ein Koordinationsgremium aus Mitgliedern der ÖMG, SSM, DMG und dem Verlag die Verbindung zu den drei Gesellschaftenhalten.

Die Ziele der Herausgeber sind: 1000 Abonnenten in weiterer, internationaler Verbreitung und 1000 Seiten pro Jahr und Rückkehr in den "Science Citation Index". Dies alles wird nicht sofort erreichbar sein. Aber die Voraussetzungen dafür sind geschaffen.Bitte unterstützten Sie die DMG und den Verlag bei der Erreichung dieser Ziele indem Sie IhreVeröffentlichungen bevorzugt bei der neuen, vereinigten Zeitschrift einreichen!

Laufende Abonnements der "Beiträge" (ab 2000: vereinigt mit der "Meteorologischen Zeitschrift") werden automatisch weitergeführt.

Falls Sie als DMG-Mitglied ein neues Abonnement der "Meteorologischen Zeitschrift" wünschen, wenden Sie sich bitte direkt an den Kassenwart der DMG, Herrn Dr. Behr (Tel. 04121-492563, FAX: 04121-492564, Email: hein-dieter.behr@dwd.de).
 
 

Deutsche Meteorologische Gesellschaft

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Stellungnahme des Vorstands der DMG zur Gründung des Fachverbandes Umweltphysik innerhalb der DPG


Die 'Umweltphysik', als Teilgebiet der Physik, beschäftigt sich mit Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Fluß von Energie und Materie in der Umwelt, d.h. innerhalb der klassischen Umweltsysteme Wasser, Boden, Luft und Ökosystemen, sowie zwischen diesen Systemen (Trans-ferprozesse an  den Grenzen). Das Wort 'Physik' weist auf die spezielle Methode hin, quasi auf den Blickwinkel, unter dem die Probleme betrachtet werden. Ein methodischer Aspekt der Umweltphysik ist die Modellbildung, die dem Systemcharakter der Umwelt Rechnung trägt (Bericht zum Arbeitstreffen "Umweltphysik", April 1997, Heidelberg). 

Auf ihrer Frühjahrstagung 1998 in Regensburg hat die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) beschlossen, die "Umweltphysik" in die Reihe der Fachverbände (FV) aufzunehmen. Der neue FV Umweltphysik ist ein Zusammenschluss des FV Meeresforschung und -technik und des FV Agro-und Ökosysteme mit der Hinzunahme der Atmosphärenphysik. Die Gründung wurde initiiert von Mitgliedern der Physikalischen Universitätsinstitute, die sich mit physikalischen Vorgängen in der Atmosphäre und dem Ozean beschäftigen, z.B. die Institute für Umweltphysik an den Universitäten Bremen und Heidelberg. Der Anlass für diese Initiative war, dass sich die Physiker bisher mit ihren Arbeiten in der DPG, in der sie fast alle Mitglied sind, nicht richtig vertreten und sich als Physiker mehr zur DPG als zur DMG hingezogen fühlten. Mit ihrer Definition der Umweltphysik , d.i. "Erforschung des Systems Erde mit physikalischen Methoden", könnte die Gruppe ebenso der DMG angehören.; dies ist durch Doppelmitgliedschaft belegt. 

Das System Atmosphäre-Ozean-Erde ist so komplex, dass es nur interdisziplinär erfolgreich untersucht werden kann. In diesem Sinne begrüßt die Deutsche Meteorologische Gesellschaft die Gründung des FV Umweltphysik in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft; dadurch werden die innerhalb der DPG vorhandenen Kompetenzen auf dem Gebiet der Atmosphären und -Ozeanphysik zusammengefasst.

Da die in der DMG vertretenen Fächer Meteorologie und Ozeanographie sich als Physikalische Fächer verstehen, wird es eine große Überlappung mit dem neuen Fachverband geben. Die DMG bietet daher dem FV Umweltphysik eine enge Zusammenarbeit an, die sich in gemeinsamen Veranstaltungen erweisen kann, aber auch bei öffentlichen Erklärungen zu den Problemen der Umwelt zeigen sollte. Die DMG hofft, dass durch die Zusammenarbeit die Belange der Meteorologie, der Ozeanographie und wer Umweltphysik sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei Förderinstitutionen größeres Gewicht erhalten werden.

Rückfragen bitte an
Werner Wehry
Vorsitzender DMG
Institut für Meteorologie/FU Berlin
Carl-Heinirch-Becker Weg 6-10
12165 Berlin
wehry@bibo.met.fu-berlin.de

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ZV Leipzig und FAGEM Fortbildungsveranstaltung 


Gerade im Goethejahr liegt es angesichts der vielfältigen naturwissenschaftlichen Interessen Goethes auf der Hand, einerseits den Einfluß Goethes auf die Entwicklung der Meteorologie als Wissenschaft, aber andererseits und vor allem auch das geowissenschaftliche Umfeld zu dieser Zeit einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Goethe war Freund und Förderer der Meteorologie; hat selbst eifrig Barometer- und Wolkenbeobachtungen gemacht und aktiv bei der Errichtung des Meßnetzes in Sachsen-Weimar mitgewirkt. Sein ausgeprägtes meteorologisches Interesse dürfte andere Zeitgenossen zur Beschäftigung mit der Wetterkunde angeregt haben. So sind auch Goethe direkt und indirekt manche der Fortschritte zu verdanken, welche die Meteorologie zu seiner Zeit gemacht hat. Wesentliche Impulse hierzu gingen von Mitteldeutschland aus. In der Fortbildungsveranstaltung am 10. November 1999 an der Universität Leipzig war der Schwerpunkt auf die allgemeine meteorologische Entwicklung speziell um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gelegt worden. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und es entspann sich eine rege Diskussion. Die insgesamt 4 Vorträge umfaßten zum einen die Einrichtung von Beobachtungsnetzen zur systematischen Erfassung des Wettergeschehens und zum anderen die wissenschaftstheoretisch-philosophische Entwicklung der Wetterkunde zu einer modernen Wissenschaft.

Einblicke in Goethes geowisssenschaftliche Studien wurden in einer Posterpräsentation vermittelt. Die Poster sind auch im Internet unter der Adresse
http://www.uni-leipzig.de/~jacobi/dmg/goethe.htm
zu finden.

Michael Börngen und Christoph Jacobi, Leipzig
Cornelia Lüdecke, München

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Beiträge zur Wissenschaftsentwicklung der Meteorologie bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts

Christian Hänsel, Markkleeberg

Aus der präinstrumentellen Epoche der Wetterkunde finden sich auch im mitteldeutschen Raum zahlreiche Überlieferungen besonderer Ereignisse, meist solcher mit katastrophalen Folgen. Zu besonders bemerkenswerten Wetterchroniken gehören das Wetterjournal (1579 -1582) des Kurfürst August, Aufzeichnungen aus dem Hause des Philipp Melanchthon (1548-1551) und des Arztes Heinrich Milichius in Jena (1553-1559). Nach der Erfindung von Meßgeräten für Luftdruck und -temperatur tauchen nach ersten Versuchen Otto v. Guerickes (um 1650) mit einem Wasserbarometer die Quecksilberbarometer in Deutschland auf, mit denen u.a. ab 1700 der Arzt Friedrich Hoffmann in Halle Messungen anstellt. Um diese Zeit wird auch bereits die Forderung nach korrespondierenden Messungen (G. A. Hamberger, Jena) laut.

Im 18. Jahrhundert entstehen vielerorts meist kurzlebige Beobachtungsgesellschaften und Sammlungen von Beobachtungsdaten. Zu den herausragenden frühen Datensammlungen im mitteldeutschen Raum zählen die "Breslauer Sammlung" (1717-1726) des Arztes J. Kanold und die Wittenberger akademischen Schriften (ab 1729) des J. F. Weidler. Am Anfang des 19. Jahrhunderts folgen berühmt gewordene Gründungen temporärer meteorologischer Beobachtungsgesellschaften: Goethes "Anstalten für Witterungskunde" (1821-1832), J. S. Chr. Schweiggers (erste!) Gesellschaft zur Gewitterbeobachtung in Halle (gegr. 1820) und W. G. Lohrmanns vorbildlich ausgerüstetes und organisiertes Beobachtungsnetz in Sachsen (1828-1837).

Fundgrube und Zeugnis für den schon hohen Wissensstand in der Atmosphärologie" (damals gebräuchlicher Begriff für die Wissenschaft von der Atmosphäre) bildet J. S. T. Gehlers "Physikalisches Wörterbuch" (5 Bd., Leipzig 1787-1795) , in dem man u.a. noch heute gültige Definitionen zu den Begriffen "Meteorologie" und "Klima" findet.

Zu den herausragenden Persönlichkeiten der Wissenschaftsentwicklung der Wetterkunde in jener Zeit gehören Wilhelm Heinrich Brandes (1777-1834), der mit Arbeiten in Breslau und Leipzig die synoptische Methode in der Meteorologie begründet und die erste Wetterkarte entwirft, sowie Wilhelm August Lampadius (1772-1842), der mit seiner Monographie "Systematischer Grundriß der Atmosphärologie" (Freiberg 1806) ein beispielhaftes Lehr- und Handbuch unter Einschluß eigener scharfsinniger Beobachtungen liefert. In der Folgezeit trägt der Leipziger Geologe Carl Friedrich Naumann (1797 -1873) mit der Erkenntnis der Inlandvereisung wesentlich zur Formierung einer Paläoklimatologie bei, und der Astronom sowie Mitbegründer und Leiter eines neuen, beständigen Wetterbeobachtungsnetzes in Sachsen (ab 1863), Carl Christian Bruhns (1830-1881), gehört zusammen mit dem Schweizer Heinrich von Wild (1833-1902) und dem Österreicher Carl Jelinek (1822-1876) zu den Initiatoren für eine internationale meteorologische Organisation, die im September 1873 in Wien gegründet worden ist.

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Von der Messung zur Abstraktion - Meteorologie um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert

Cornelia Lüdecke, München

Im ausgehenden Zeitalter der Aufklärung fand in der Meteorologie allmählich ein Wechsel von der reinen Datensammlung zur Abstraktion der Sachverhalte und schließlich zur Ausbildung von Theorien statt. An mehreren Beispielen soll dieser Vorgang erläutert werden. 

Als Naturgelehrte in die Alpen vordrangen, um geowissenschaftliche Fragestellungen wie nach dem Ursprung Alpen, der Eiszeit und der Klimaänderungen zu untersuchen, bildete sich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts der wissenschaftliche Alpinismus aus. Barometer und Thermometer wurden zu ständigen Begleitern der Forscher. Die Ergebnisse wurden publiziert, aber oft konnte die Ursache noch nicht richtig erklärt werden. So beobachte der Genfer Naturgelehrte H.-B. Saussure (1740-1799) im Jahr 1760 einen roten Niederschlag auf dem Schnee des Breven bei Chamonix. Nach eingehenden Untersuchungen deutete er ihn als Blütenstaub, dessen Herkunft unklar blieb. Später führte Saussure während seiner ausgedehnten Reisen durch die Alpen gezielte meteorologische Messungen durch. Insbesondere interessierte ihn die Frage, was die Kälte auf den Bergen verursachte und wie die Gebirgsformen die aufsteigenden Winde beeinflußten. Für seine Untersuchungen entwickelte Saussure ein Cyanometer zur Bestimmung der Himmelsbläue und ein Haarhygrometer, dessen Meßprinzip zur Feuchtigkeitsbestimmung noch heute verwendet wird. Saussures Alpenkenntnis war allgemein bekannt, so daß selbst J. W. Goethe (1749-1832) sich 1779 bei ihm Informationen über die günstigste Reiseroute für seine zweite Reise in die Schweiz einholte. Darüber hinaus verwendete Goethe das Saussure'sche Cyanometer, das er durch eine größere Farbpalette erweiterte.

Einzelne meteorologische Meßkampagnen, wie die Saussure'schen, wurden erst gebündelt, als 1780 Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724-1799) die Societas Meteorologica Palatina gründete. Damit legte er den Grundstein für das erste weltweite meteorologische Meßnetz, das auch heutigen Ansprüchen genügt, wenn man die damaligen Möglichkeiten berücksichtigt. Mit gleichen Meßgeräten sollten zu gleichen Uhrzeiten Beobachtungen durchgeführt und die Ergebnisse in gleiche Formulare eingetragen werden. Von 1781 bis 1791 wurden die Daten in Mannheim gesammelt, Tagesmittel aus den Werten von 7, 14 und 21 Uhr und daraus Monatsmittel sowie Jahresmittel berechnet und in den Ephemeriden veröffentlicht. Berlin und Erfurt waren Teil des Stationsnetzes und meldeten ihre Daten zwischen 1781 und 1788 nach Mannheim. Daneben erschienen in den Ephemeriden auch einzelne meteorologische Abhandlungen beispielsweise über Luftdruckänderungen oder über den "Hehrauch" (Höhenrauch), der von Juni bis August 1783 durch Vulkanausbrüche in Island hervorgerufen wurde.

Auch A. v. Humboldt (1769-1850), den Goethe sehr bewunderte und mit dem er vor dessen Reise nach Südamerika (1799-1804) in engem wissenschaftlichen Kontakt stand, führte während seiner Forschungsreisen meteorologische Untersuchungen durch. Er wollte einen Funktionszusammenhang zwischen Wettergeschehen und geographischen Gegebenheiten der Erdoberfläche herstellen. In Südamerika bestieg Humboldt am 23.6.1802 den Chimborasso bis etwa 5600 m und sammelte dabei grundlegende Informationen zur Pflanzengeographie und für seine Studien über die Schneegrenze. Wieder nach Europa zurückgekehrt hatte Humboldt mehrere Jahre zusammen L.J. Gay-Lussac (1778-1850) ein Zimmer in der École Polytechnique in Paris. Ihre gemeinsamen gasanalytischen Untersuchungen (1805-08) führten zu dem nach Gay-Lussac benannten Volumengesetz der Gase.

Der Ballonaufstieg von Gay-Lussac und J. B. Biot (1774-1862) am 24.8.1804 war ein bahnbrechendes Experiment. Sie stellten fest, daß die Temperaturabnahme bis 3900 m Höhe geringer war als bislang angenommen. Verläßlichere Angaben machte Gay-Lussac mit verbesserter Instrumentierung während seines Rekordfluges am 16.9.1804, der bis über 7000 m hinaufging. Aus Luftproben dieses Fluges bestimmte er den Sauerstoffgehalt mit 21,49 %. 

Die Abstraktion der meteorologischen Daten fand zunächst in Mittelbildungen und in tabellarischen Auflistungen statt, die später in verschiedenen Abbildungen dargestellt wurden. Zunächst entwickelte Humboldt 1817 mit ergänzten Daten der Palatina eine Isothermenkarte, die er an die Darstellung der magnetischen Deklination aus dem Jahr 1701 anlehnte. Er gab damit erstmals ein Abbild des "realen Klimas", das vom bisher angenommenen "solaren Klima" abwich. Daraus leitete Humboldt später seine Klimadefinition ab. Insbesondere führte Humboldts Abstraktion der Meßergebnisse zu einer Wende in der Meteorologie, indem er die theoretischen Vorstellungen der Realität anpaßte.

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Wetterbeobachtungen im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach in den Jahren 1770 bis 1832

Gerhard Kluge, Jena

Im Jahre 1770 begann der Pfarrer I. G. Ch. Zeissing in Jena mit regelmäßigen Wetterbeobachtungen, die er früh, mittags und abends durchführte. Dabei wurden Temperatur, Druck und Wind sowie Angaben über Niederschläge, Bewölkung, Nebel und andere auffällige Erscheinungen aufgezeichnet. Im Jahre 1791 wurde Zeissing nach Isserstedt bei Jena versetzt, wo er seine Beobachtungen bis zu seinem Tode 1803 zuverlässig fortsetzte.

Von 1780 bis 1801 liegen Wetteraufzeichnungen auch von dem Jenaer Mathematik- und Physikprofessor L. J. D. Suckow vor. Leider sind die Originale beider Reihen verschollen. Bis zur Gründung der Jenaer Universitätssternwarte im Jahre 1812 liegen keine Messungen meteorologischer Elemente mehr vor. Offenbar bestand aber bereits in dieser Zeit am großherzoglichen Hof in Weimar Interesse an Wetterbeobachtungen, denn es gibt beschreibende Witterungsbeobachtungen verschiedener Standorte der herzoglichen Jägerei in Weimar im Zeitraum von Oktober 1808 bis Oktober 1810.

In Jena werden ab Oktober 1813 durch den ersten Direktor der Sternwarte, C. D. von Münchow, wieder meteorologische Messungen angestellt. Sie sind sehr lückenhaft, auch die durchgehenden Beobachtungen vom Dezember 1816 bis zum Oktober 1817 werden nicht immer zum gleichen Zeitpunkt durchgeführt. Brauchbare Aufzeichnungen existieren erst ab Oktober 1819 unter dem Direktor der Sternwarte, Professor J. F. Posselt, dem ab März 1820 der Gehilfe und spätere Professor L. Schrön zur Seite stand. 

In diesen Jahren wurde auch auf Weisung des damaligen Staatsministers Goethe das erste staatliche Messnetz Deutschlands im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach unter der Leitung von Schrön aufgebaut. Diesem Netz gehörten neben Jena mit unterschiedlicher Dauer die Hilfsstationen Schöndorf bei Weimar, Weimar, Wartburg, Eisenach, Weida, Mosen bei Weida, Ilmenau, Frankenheim und Allstedt an. Die Daten dieser Stationen wurden zum Teil von Schrön ausgewertet und für die Jahre 1822 bis 1827 in den meteorologischen Beobachtungen, mitgeteilt von der großherzoglichen Sternwarte zu Jena, veröffentlicht.

Nach dem Tode Goethes 1832 mußten alle Hilfsstationen ihre Arbeit einstellen. Nur an der Universitätssternwarte wurden auf Initiative von Schrön die Messungen nun sogar sechsmal täglich bis zu seinem Tode im Jahre 1875 fortgeführt. Nach einer kurzen Zwischenzeit mit Meßlücken kam die Jenaer Station 1881 zum Meßnetz des Preußischen Meteorologischen Instituts in Berlin. Seit dieser Zeit werden die Klimadaten bis auf den heutigen Tag zu den Mannheimer Stunden erfaßt und Jena verfügt so über eine der längsten homogenen Klimameßreihen in Deutschland.

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"Eine frische Aufmunterung genoß ich zuletzt durch Herrn Brandes" - Ein Lebensbild des Astronomen, Physikers und Mathematikers Heinrich Wilhelm Brandes (1777-1834)

Michael Börngen, Leipzig

Goethe wurde bei seinen Bemühungen um die Meteorologie am meisten - nach L. Howard - von Heinrich Wilhelm Brandes gefördert, einem Mann, der auf vielen Gebieten der Naturwissenschaft Hervorragendes geleistet hat.

Brandes wurde am 27. Juli 1777 in Groden (heute zu Cuxhaven gehörend) als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Nach seinem Schulbesuch übte er unter Anleitung des Wasserbaudirektors Woltmann in den Jahren 1794 und 1795 die Aufsicht über die Wasserbauten auf der kaum bewohnten Insel Neuwerk aus. Das einsiedlerische Leben gestattete ihm mannigfaltige mathematisch-naturwissenschaftliche Studien.

Von 1796 bis 1798 studierte Brandes in Göttingen. Da eine weitere Anstellung beim Wasserbau beabsichtigt war, beschäftigte er sich vor allem mit Baukunst und Feldmessen, betrachtete dagegen höhere Mathematik und Physik eher als Nebenstudien. Einen großen Gewinn, zumal in Bezug auf wissenschaftliche Klarheit seiner späteren Arbeiten, brachten die Vorlesungen von Lichtenberg.

Nach kurzem Aufenthalt in Hamburg übte Brandes auf Empfehlung von Woltmann von 1801 bis 1811 das Amt des "Deichconducteurs" in dem abgelegenen Dorfe Eckwarden (Herzogtum Oldenburg) aus, wo er Beobachtungen über Strahlenbrechung anstellte und seine mathematischen Studien fortsetzte. Zuletzt war er "Deichinspector" am (unteren rechten) Weserufer.

1811 erhält Heinrich Wilhelm Brandes den Ruf als Professor der Mathematik an die soeben gegründete Universität Breslau. Den Ruf aus Dorpat, den er 1818 erhält, schlägt er aus. 1820 erscheinen bei J. A. Barth in Leipzig seine "Beiträge zur Witterungskunde", denen Goethe die "frische Aufmunterung" verdankt. Der Hauptteil des Werkes besteht in einer Geschichte der Witterung des Jahres 1783, mit der die synoptische Betrachtungsweise in die Meteorologie eingeführt wird.

Ostern 1826 übernimmt Brandes die Professur für Physik an der Universität Leipzig, die zuvor L. W. Gilbert innehatte. Diesem gegenüber hatte Brandes bereits zehn Jahre früher den Vorteil einer kartenmäßigen Darstellung der Wettererscheinungen geschildert. Mit der in Leipzig eingereichten Dissertation verwirklicht nun Brandes - wenn auch in bescheidenerem Maße - diesen Plan. Die hier enthalten Abbildungen, in denen die Abweichungen des Luftdrucks vom örtlichen Mittelwert zu einem bestimmten Zeitpunkt an verschiedenen Koordinaten dargestellt sind, gelten als die ersten synoptischen Wetterkarten überhaupt.

Innerhalb der Jablonowskischen Societät der Wissenschaften förderte Brandes durch die Ausarbeitung von drei Preisaufgaben die Weiterentwicklung der Meteorologie. Als Vorsteher der Apparatesammlung hat er sich sehr um die Errichtung eines physikalischen Institutes im neu errichteten Augusteum bemüht. Die Verwirklichung hat er nicht mehr erlebt; er starb am 17. Mai 1834 als Rektor der Leipziger Universität.

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Zur Gründung des FA Hydrometeorologie der DMG

Fragestellungen zum Wasserhaushalt sind seit vielen Jahren Kernfragen der Meteorologie, aber auch der Hydrologie.So gibt es einige fachübergreifende gemeinsame Forschungsprogramme. Es seien hier beispielhaft das abgelaufene Vorhaben zum Wasserkreislauf ebenso genannt wie das Programm BALTEX. Vor diesem Hintergrund fanden sich in der Vergangenheit wiederholt die Kollegen der beiden Disziplinen zusammen und dabei kam auch immer wieder die Frage nach einem Forum für die Wahrung gemeinsamer Interessen zum Ausdruck. Schließlich wurde während der Deutschen Meteorologentagung in Leipzig im September 98 eine Sitzung dem Thema Wasserkreisläufe gewidmet. Die 15 Vorträge und 17 Poster boten den Teilnehmern, Hydrologen und Meteorologen, Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch. Hieraus ging dann ein Treffen hervor, auf dem die Teilnehmer der beiden Disziplinen Einigung darüber erzielten, die notwendigen Schritte zur Gründung eines Fachausschusses zur Thematik Wasserkreislauf zu unternehmen. Insbesondere der Kontakt zwischen den naturwissenschaftlich arbeitenden Hydrologen und den Meteorologen sollte gepflegt und entwickelt werden. Der Vorstand der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft erklärte sich offen für diese Ziele und begrüßte die Initiative. Auf seiner Vorstandssitzung vom September 99 beschloss der Vorstand der DMG dem Vorschlag von Herrn Tetzlaff folgend einen FA Hydrometeorologie zu gründen. Herr Tetzlaff wurde als (von den Teilnehmeren der vorbereitenden Treffen bereits gewählter) Vorsitzender des FA Hydrometeorologie bestätigt. 

Gerd Tetzlaff, 
Institut für Meteorologie
Univ. Leipzig
Stephanstr. 4
04103 Leipzig
tetzlaff@rz.uni-leipzig.de

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Workshop des Fachausschusses Hydrometeorologie

Der Fachausschuss Hydrometeorologie hatte sich in seiner 2. Tagung der Frage der detaillierten Messung und der integrierten Modellierung gewidmet. Es wurde auf den Einfluss der Landnutzung auf die Verdunstung und den Abfluss von der Mikroskala bis zur Makroskala (entspricht in der Meteorologie der Mesoskala alpha/beta) eingegangen. Im Zentrum der Diskussion standen zum einen die Bewertung von Verfahren zur Bestimmung der Verdunstung über natürlichen Flächen, die Fehlerabschätzung, Vergleiche von Verfahren und Konzepten und die Evaluierung von Modellen und Modellansätzen. Dabei wurden sowohl semi-empirische als auch theoretisch hergeleitete Ansätze zur Bestimmung der Evapotranspiration sowie verschiedene Verfahren vorgestellt, die Evapotranspiration zu messen. Die konzeptionellen Unterschiede als auch die in den Ergebnissen wurden aufgezeigt. Dabei stand im Zentrum des Interesses, welche Verfahren für welche Fragestellungen geeignet erscheinen. Es wurde als richtig erachtet, dass sichergestellt sein muss, dass (1) verwendete Daten nicht überinterpretiert werden und (2) Modellkonzepte in sich konsistent sein müssen, um vertrauenswürdige Ergebnisse erzielen zu können. Die Daten, Modelle und Modellvorstellungen müssen also für die Fragestellungen geeignet sein, für die man sie anwendet (Vermeidung von Fehlnutzung). Der Hydrologische Atlas als eine wichtige und gute Grobinformation anzusehen. Man hat aber im speziellen Fall der Anwendung eine spezifische Analyse der erreichbaren Aussagen vorzunehmen.

Es bestand Übereinkunft darüber, dass die Prozesse auf der Zeitskala untersucht und die Daten auf der Zeitskala erhoben werden müssen, auf der die Prozesse ablaufen, d.h., es müssen auch die Modelle auf der Prozessskala erstellt werden.

Wie ein roter Faden zog sich durch alle Beiträge die Frage der Übertragbarkeit von Daten in die Fläche und die damit verbundenen Fehlerquellen. Es wurde folgende Vorgehensweise für sinnvoll erachtet: 

  • Bestimmung der Fehler in den Eingangsdaten und Abschätzung der Auswirkung für die auf die Fläche übertragenen Ergebnisse
  • Fehlerfortpflanzungsrechnungen (dort, wo möglich)
  • Bestimmung der Fehler, die aus der Notwendigkeit der Parametrisierung bzw. vereinfachter Annahmen resultieren


Diese Schritte können jeder für sich dazu beitragen, aufzuzeigen, wo mit minimalem Aufwand am besten und schnellsten (kostengünstigsten) Verbesserungen sowohl in den Messungen als auch in der Modellierung erzielt werden können.

Es wurde weiterhin als wünschenswert angesehen, für mikrometeorologische Messungen Qualitätserfordernisse auf neuestem Stand zusammenzustellen, ähnlich wie es in den WMO Merkblatt vorgenommen wurde. Ferner erschien es wünschenswert, Qualitätskriterien analog auch für Modelle zu erarbeiten. Diese Arbeiten könnten wesentlich dazu beitragen, Diskrepanzen zwischen Beobachtung und Modell besser bewerten zu können und würden somit erheblich zur Qualitätssicherung beisteuern. Als erstrebenswert wurde auch eine Zusammenschau existierender Daten angesehen (z.B. Landnutzung (SPOT-, LANDSAT-, CORINNE- Daten), Bodentypen, pflanzenspezifische Parameter (zeitabhängig), etc.).

Es wurde ein Tagungsband mit Kurzfassungen der Vorträge für das Workshops erstellt. Die Artikel geben eine Übersicht der Inhalte des Workshops, der zu fruchtbaren Diskussionen führte. Der Tagungsband erscheint in der Reihe Wissenschaftlichen Mitteilungen aus dem Institut für Meteorologie, Universität Leipzig und dem Institut für Troposphärenforschung, Leipzig als Band 16.

Nicole Mölders (Leipzig)
Gerd Tetzlaff (Leipzig)
Uwe Grünewald (Cottbus)
Institut für Meteorologie
Univ. Leipzig
Stephanstr. 4
04103 Leipzig
tetzlaff@rz.uni-leipzig.de

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EMS stellt sich bei der Jahresversammlung der AMS vor

Die Jahresversammlung der American Meteorological Society ist eindeutig eines der Großereignisse in der Meteorologie weltweit, zieht sie doch rund 2500 Teilnehmer, sehr überwiegend aus den USA an - lediglich 50 Europäer nahmen teil. Verständlicherweise kann eine solches Mega-Treffen nur in den größten Konferenzzentren der USA veranstaltet werden, wie zum Beispiel dem Long Beach Convention Centre in Los Angeles. Die Jahresversammlung beinhaltet eine ganze Reihe Symposien, Konferenzen, Workshops, Ausstellungen und Pressekonferenzen und ist ein hervorragendes Beispiel für eine gut organisierte Großveranstaltung, die den gesamten AMS-Stab von etwa 45 Personen absorbiert.

Unter den 50 ausländischen Teilnehmern war eine kleine und (hoffentlich) feine Delegation der European Meteorological Society, bestehend aus dem EMS-Präsidenten, René Morin, dem Repräsentanten der DMG im EM-Rat und DMG-Präsidenten, Werner Wehry und mir selbst. Wir alle suchten den Kontakt mit der AMS-Leitungsebene, doch diesen zu finden war nicht immer leicht, da die AMS selbst viele Geschäftstreffen absolvierte.

Nichtsdestotrotz wurden am Rande eines Eröffnungsempfangs der neuen TIROS-Mission ein erstes Kennenlernen möglich. Am 10. Januar traf sich die EMS-Delegation zu einer einstündigen Unterredung mit James F. Kimpel (AMS Präsident), Richard Hallgren (AMS Past President), Ron McPherson (Executive Director der AMS) und Richard Greenfield (AMS Director of Atmospheric Public Policy Program). Einzelne transatlantische Aktivitäten, bei denen die EMS vermittelnd oder als Ansprechpartner aktiv werden wird sind bereits im Aufbau, zum Beispiel bei der Information für Schulen und Öffentlichkeit, bei der Radarmeteorologie oder bei der Satellitenmeteorologie. Bisher war dies zumeist bilateral zwischen einzelnen Meteorologischen Gesellschaften (DMG, die französische SMF oder die britische RMS) und der AMS geschehen, doch nunmehr sind wesentlich umfassendere Kooperationen möglich. Die AMS wird sich auch an der European Conference on the Applications of Meteorology (ECAM - bei der ECAM99 in Schweden wurde die EMS gegründet) und am Festival de la Météorologie, das in Genf und Paris dieses Jahr organisiert wird themenorientiert beteiligen.

Im Namen der DMG, aber auch mit Hinblick auf in Europa anlaufende Bildungsinitiativen, knüpften Herr Wehry, der eine Präsentation bei der Education Conference vorstellte und ich Kontakte zu den AMS-Bildungs- und Informationssachverständigen; das Interesse gerade an Information und Kooperation auf diesem Gebiet war von amerikanischer Seite groß.

Für die EMS wurde zudem die Möglichkeit einer formalen Vorstellung beim Conference Luncheon geschaffen, die der EMS Präsident, René Morin sehr gern wahrnahm - es war eine AMS-Geste in einer ganzen Reihe, die auch den kostenlosen Abdruck einer EMS-Informationsseite im Konferenzprogramm sowie die Verteilung von Hinweisen auf das Symposium "50 Jahre Numerische Meteorologie" am 9. und 10. März in Potsdam umfasste.
 

EMS-Besuch beim AMS-Praesidium, v.l.n.r.: Werner Wehry (DMG-Vorsitzender und EMS-Ratsmitglied), Richard Hallgren (AMS Past President), Rene Morin (EMS-Praesident und SMF-Ehrensekretaer), James F. Kimpel (AMS President), Richard S. Greenfield (AMS Atmospheric Policy Program) und Ronald D. McPherson (EMS Executive Director).

Am 14. Februar fand schließlich ein weiteres einstündiges Arbeitstreffen statt, an dem für die AMS Yale Schiffman (Director of Meetings Operations) und Keith Seitter (Stellvertrender Executive Director) und für die EMS und DMG Herr Wehry und ich teilnahmen. Obwohl die EMS nach ihrer Gründung im September 1999 in der Frühphase steckt, wurden die gemeinsamen Interessen auf den Gebieten Vermarktung des Meteorologischen Kalenders, Tagungsorganisation und Bildung herausgearbeitet und vielversprechende Kontakte geknüpft und die Erwartungen an diese Begegnungen übertroffen. Wir sind mit dem Eindruck der gegenseitigen Beobachtung aber auch der gegenseitigen Beachtung aus Long Beach zurückgekehrt.

Arne Spekat
Sekretär DMGund EMS
Institut für Meteorologie/FU Berlin
Carl-Heinrich-Becker Weg 6-10
12165 Berlin
ems-sec@bibo.met.fu-berlin.de

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Bericht über die Vorbereitungssitzung für die gemeinsame Meteorologentagung DACH-MT in Wien 2001

Auf der Meteorologentagung 1998 in Leipzig hatte Prof. Pichler angeregt, dass anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien im Jahr 2001 die Meteorologentagung in Österreich stattfinden möge. Am 28. Januar 2000 fand in den Räumen der ZAMG in Wien die erste Vorbereitungssitzung zu dieser Tagung statt. Sie war zu diesem frühen Zeitpunkt notwendig geworden, um noch einen geeigneten Tagungsort für den Termin 18.-21.September 2001 auszuwählen.

Neben Frau Seifriedsberger und den Herren Neuwirth, Rudel und Steinhauser (zeitweise) von der ZAMG bzw. ÖGM nahmen Herr Richner von der SGM sowie die Herren Wehry, Raabe und Eckardt von der DMG teil. Da ursprünglich auch eine gemeinsame Tagung mit der EMS zur Diskussion stand, beteiligten sich die Herren Morin und Cornford ( Präsident und Schatzmeister der EMS) an dieser Sitzung. Inzwischen wurde jedoch entschieden, die erste EMS-Tagung gemeinsam mit der ECAM-Tagung in Budapest im Jahr 2001 abzuhalten.

Die lokale Organisation wird von der ZAMG unter Leitung von Herrn Rudel übernommen. Für den Zeitraum der Tagung in 2001 standen nur noch die Hofburg und das Messe Wien Congress Center als Tagungsorte zur Verfügung. Die österreichischen Kollegen hatten eine Besichtigung mit sachkundiger Führung der beiden Orte organisiert und eine erste Finanzplanung vorgelegt. In ihr fehlten noch wichtige Positionen wie Kosten für eingeladene Vortragende oder Einnahmen von Sponsoren, ohne die bereits erheblich Defizite entstehen. Ein Kostenbeitrag von 100 Euro pro Teilnehmer wurde als Obergrenze angesehen, wobei die Bereitstellung eines Tickets für den öffentlichen Nahverkehr eingeschlossen ist.

Wegen der für die Hofburg doch erheblich höheren Kosten wurde beschlossen, die gemeinsame Meteorologentagung vom 18.-21. September 2001 im Messe Wien Congress Center durchzuführen.

Da die Tagung gemeinsam von den drei Gesellschaften DMG, ÖGM und SGM veranstaltet wird, wurde nach einem Namen gesucht und der Vorschlag DACH-MT 2001 wurde akzeptiert. DACH setzt sich aus den Nationalitätenkennzeichen für Autos von Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Die DMG als federführende Gesellschaft wird auf ihrer nächsten Vorstandssitzung einen Chairman für das Scientific Committee (SC) sowie Zahl und Namen der Mitglieder des SC benennen.

Folgender Zeitplan wurde für die weiteren Aktivitäten benannt:

  • Ende März 2000: erste Ankündigung via Internet über Homepages und Links
  • Juni 2000: detaillierte Ankündigung mit vorgesehenen Themenbereichen und deadlines
  • Ende Januar 2001: Einreichen von Abstracts
  • Ende März 2001: Entscheidung der SC´s über Vortrag oder Poster der angemeldeten Beiträge
  • Ende April 2001: Nachricht an alle ausgewählten Teilnehmer über Art der Präsentation
  • Ende Juni 2001: Ablieferung der Extended Abstracts.
Die angereisten Teilnehmer wurden dankenswerterweise von den österreichischen Kollegen  zum Essen und zu einem Abend in einem "echten" Heurigenlokal eingeladen.

Matthias Eckardt
Schriftleiter DMG
Institut für Meteorologie/FU Berlin
Carl-Heinrich-Becker Weg 6-10
12165 Berlin
eckardt@metx04.met.fu-berlin.de

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Zum Titelbild: Umweltforschung "auf höchstem Niveau"

Mit der "Umweltforschungsstation Schneefernerhaus" (UFS) in 2650 üNN knapp unterhalb des Zugspitzgipfels wurde am 12. Mai 1999 eine in Deutschland einzigartige Meßplattform zur Untersuchung atmosphärischer Prozesse offiziell eröffnet.

Nach umfangreichen Bauarbeiten und Investitionsmaßnahmen konnten damit das Land Bayern und die Bundesrepublik Deutschland für Wissenschaft und Forschung eine außergewöhnliche Einrichtung mit einem ebenso besonderen Betriebskonzept bereitstellen, das neben einem kontinuierlichen Meßbetrieb in Form eines Höhenobservatoriums gleichzeitig auch die Durchführung zeitlich begrenzter wissenschaftlicher Experimente und längerfristig angelegter, eher praxisorientierter Entwicklungs- und Anwendungsstudien erlaubt.

Dazu dienen Teile der UFS dem Deutschen Wetterdienst und dem Umweltbundesamt als gemeinsame Basis für den Betrieb einer der derzeit weltweit 19 Hauptstationen des auf der Konferenz von Rio de Janeiro beschlossenen "Global Atmosphere Watch"-Programms der WMO. Wissenschaftlichen Wechselnutzern bietet die UFS insgesamt 566 m2 an Labor-, Büro-, Werkstatt- und Lagerflächen und 230 m2 an Experimental- und Beobachtungsterrassen; längerfristigen Mietern aus Forschung und Industrie können multifunktionale Flächen von 21-85 m2 angeboten werden. Die Grundausstattung für die Wechselnutzer wurde aus Mitteln des Bundesminsteriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanziert.

Aufgrund ihrer Höhenlage gestattet die UFS häufig Messungen in der "freien" Troposphäre und bietet wegen niedriger Temperaturen, Wasserdampfkonzentrationen und Aerosolgehalte der Umgebungsluft gute Voraussetzungen für den Einsatz von Fernerkundungsmethoden, mit deren Hilfe vertikale Profile von Spurenstoffen und meteorologischen Parameter bis in die Stratosphäre/Mesosphäre gemessen und ihre zeitlichen Veränderungen verfolgt werden können.

Das Schwergewicht der Arbeiten liegt damit sicherlich auf Untersuchungen zur Physik und Chemie der Atmosphäre. Wegen der breit angelegten Arbeitsmöglichkeiten des Hauses lassen sich in den gut ausgestatteten physikalischen und chemischen Labors aber auch Materialforschung, Sensorentwicklung, Solar-technik, Höhenmedizin u. ä. oder industrielle Forschungsarbeiten betreiben, für die Reinluftbedingungen oder die in dieser Höhe extremen Witterungs- und Strahlungsbedingungen erforderlich sind.

So wurden bisher u. a. schon Tests mit neuentwickelten Sensoren, Radiometerinterkalibrationen, Studien zur Wolkenmikrophysik, Vergleichsmessungen zur meteorologischen und luftchemischen Standortcharakterisierung und medizinische Studien zur Strahlungsbelastung von Flugzeugbesatzungen durchgeführt. 

Die ausgezeichnete Versorgung der UFS mit Strom, Wasser, Reinstwasser, Flüssigstickstoff und Kälte läßt den Betrieb auch großer und leistungsstarker Meßinstrumente zu, einen optimalen Meßbetrieb erlaubt die emissionsfreie Konzeption des Hauses: Abluftführung über unterirdischen Stollen zur stationsabgewandten Bergseite, Anschluß an Kanalisation, elektrische Beheizung mit zusätzlicher Wärmegewinnung durch Solartechnik, Kompensation der durch Meßgeräte und Laborbetrieb erzeugten Prozeßwärme, separate Abluftführung in Chemikalien- und Gaslagern.

Neben dem Regelzugang über Seilbahnen ist die UFS über einen eigenen Gleisanschluß der Zugspitz-Zahnradbahn im Untergeschoß auch direkt vom Tal aus erreichbar. Er ermöglicht in Verbindung mit Lastenaufzug, Hubstapler und Hebezeug im und am Haus den Antransport auch schwerster Meßgeräte, gewährleistet einen ganzjährigen, witterungsunabhängigen Zugang und prädestiniert damit das Schneefernerhaus besonders auch als Standort größerer Forschungsvorhaben mit umfangreicher experimenteller Ausrüstung.

Auch die weitere Infrastruktur des Hauses ist auf die Bedürfnisse von längeren Forschungsaufenthalten zugeschnitten: So hält die UFS fünf Doppelzimmer jeweils mit Dusche/WC und einem zusätzlichen Notbett bereit, bietet Selbstversorgern eine voll eingerichtete Küche und verfügt über modernste Kommunikationstechnik: ISDN-Anschlüsse in allen Arbeitsräumen für den Kontakt per Telefon, Fax, E-Mail und Internet mit der Außenwelt, Glasfaserkabel zur internen Datenübertragung (operationell erfaßte meteorologische Basisparameter und luftchemische Daten aus dem GAW-Programm stehen allen Nutzern der Station online bzw. nach Aufbereitung über das hauseigene Datennetz zur Verfügung).

Darüber hinaus bietet sich das Schneefernerhaus auch als außergewöhnlicher Veranstaltungsort für Workshops, Seminare, Tagungen und Präsentationen an. Dazu verfügt es über einen Konferenzsaal mit modernster Medientechnik für bis zu 100 Personen, einen anschließenden kleineren Konferenzraum und einen Vorraum mit 60 m² Ausstellungsfläche.

Damit steht in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus eine gut ausgerüstete Meßplattform zur Erfassung der chemischen und physikalischen Eigenschaften der Troposphäre zur Verfügung. Neben der Überwachung der Atmosphäre durch kontinuierliche Beobachtungen erlaubt sie die Durchführung spezifischer Meßkampagnen zur Erforschung von atmosphärischen Prozessen und Spurenstoffkreisläufen, bietet Industrie und Wirtschaft Platz und Untersützung bei umweltrelevanten Anwendungsstudien und kommt dadurch dem Bedürfnis entgegen, Wissenschaft und Praxis in der Umweltforschung zusammenzuführen und in die Kontinuität eines operationellen Observatoriums einzubetten.

Für Forschungsaufenthalte wissenschaftlicher Wechselnutzer, insbesondere aus dem universitären Bereich, sind von der Fraunhofer Management GmbH Stipendien aus Mitteln des BMBF zu vergeben. Einzelheiten dazu sowie weitere Detailinformationen zu Lage, Anfahrt, Ausstattung, operationellem Meßprogramm der UFS usw. finden sich auf den Internetseiten des Schneefernerhauses unter der Adresse http://www.schneefernerhaus.de.

Gerhard Enders
Umweltforschungsstation Schneefernerhaus 
Wissenschaftliches Management
c/o Meteorologisches Institut
Universität München
Theresienstraße 37
80333 München8

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50 Jahre WMO
 




Am 23 März war Weltmeteorologietag, Gründungsdatum der World Meteorological Organisation (WMO) im Jahre 1950. Diese zwischenstaatliche Organisation koordiniert die internationale Zusammenarbeit im Bereich der Meteorologie und verwandter Fächer wie Hydrologie, Geophysik, Geochemie und Physikalische Ozeanographie. Die Ziele sind die Einrichtung von Stationsnetzen für meteorologische, hydrologische und andere verwandte geophysikalische Beobachtungen, Förderung meteorologischer und verwandter Dienste und der schnelle Austausch von Informationen, die Standardisierung der Beobachtungen und die Sicherstellung einheitlicher Veröffentlichungen der Datenbestände und der Statistik. 

1853 trafen sich zum ersten Mal die Meteorologen der Welt. Zur Verbesserung der Koordination der Windmessungen über dem Ozean lud US Navy Lieutenant Matthew Fontaine Maurys zur ersten Internationalen Meteorologischen Konferenz nach Brüssel ein. Maurys war bekannt für seine Wetterkarten. Die hauptsächlichen Anliegen der Konferenz waren die Bereitstellung standardisierter Anweisungen für die meteorologischen Beobachtungen auf See und eines Systems zur Sammlung der Schiffsaufzeichnungen. 

Im Jahre 1873 wurde dann der Vorgänger der WMO, die Internationale Meteorologische Organisation (IMO) in Wien gegründet. Diese Organisation koordinierte die Sammlung und den internationalen Austausch von meteorologischen Daten und Informationen. Unter der IMO dehnte sich das Beobachtungsnetz der Nordhemisphere zum den Pol und zum Äquator hin aus. 

Am Ende der 60er Jahren hatte die WMO 135 Mitglieder. Die siebziger Jahre brachten neue Herausforderungen für die WMO, wie Ozonloch, Klimaänderungen, Ausdehnung der Sahara und Nahrungsmangel in den Entwicklungsländern.

Die Zielvorgaben für die Jahre 1996 bis 2005 beinhalten die Stärkung der nationalen meteorologischen und hydrologischen Dienste sowie deren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung im Rahmen der UN Conference of the Environment and Development (UNCED), Agenda 21 und verwandter Vereinbarungen (Ozonschicht, Klimaänderungen, Desertifikation etc). 

Ein wichtiger Aspekt der künftigen WMO-Aktivitäten ist auch die Nutzung der neuen Technologien in den Bereichen Satellitendaten, Computer und Internet, vor allem zur Weiterentwicklung des World Weather Watch (WWW), des Hauptprogrammes der WMO.

Eine ausführliche Darstellung der vergangenen und zukünftigen Aktivitäten der WMO ist unter http://www.wmo.ch zu finden.

Anlässlich des 50. Geburtstages der WMO sind auch einige Veranstaltungen geplant, unter anderem während der Expo 2000 in Hannover im UN-Pavillon sowie zu den Olympischen Spielen in Sydney.

Sabine Theunert
Redaktion Mitteilungen DMG
Mont Royal
56841 Traben-Trarbach
dmg-sekretariat@t-online.de

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Das Thema "Klima" auf der Expo Hannover
vom 1.Juni bis 31.Oktober 2000

" Mensch, Natur, Technik - eine neue Welt entsteht" ist das Thema der Expo 2000 in Hannover (http://www.expo2000.de). Seinen Ursprung hat es in der Agenda 21, dem umweltpolitischen Handlungsrahmen für das 21. Jahrhundert, der auf der Konferenz der UN in Rio de Janeiro 1992 von 179 Staaten unterschrieben wurde.

Eines der neun Ausstellungsthemen auf der Expo 2000 heißt "Umwelt: Landschaft, Klima".  Neben den Länderpavillons ist ein Themenpark zu den neun Themen der Expo vorhanden. 

Die Filmakademie Baden-Württemberg hat in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover das Expo-Thema "Umwelt: Landschaft, Klima" visualisiert.  Es wird versucht, in einem sog. "begehbaren Film" dem Besucher unterschiedliche Zeitskalen erlebbar zu machen, Klima und Wasser sind hierbei Beispiele für langfristige Prozesse der Natur. Widersprüchlich und provokant soll sich der Besucher mit Aspekten der Umweltnutzung, ihren Problemen und Lösungen auseinandersetzen.

Daneben befassen sich  noch ca. 20 der sogenann-ten EXPO-Projekte in verschiedenen Orten in Deutschland mit dem Thema Klima schwerpunktmäßig, oder Klima stellt einen der Gesichtspunkte dar. 

Eines der Projekte mit Schwerpunkt Klima stellt die Auswirkungen menschlichen Handelns auf das Klima dar. Projektträger sind das Max-Planck-Institut für Meteorologie und das deutsche Klimarechenzentrum in Hamburg.  Es wird untersucht, welche regionalen und globalen Klimaänderungen infolge des Treibhauseffektes, regionaler Schadstoffausbreitung, Abholzung tropischer Regenwälder und der Wälder im Mittelmeerraum zu erwarten sind. Die Ergebnisse werden mittels einer Video- und Computerinstallation präsentiert, wobei der interessierte Besucher unterschiedliche Szenarien anwählen und daraus resultierende Auswirkungen auf das globale Klima erfahren kann. Ziel der Präsentation ist es, die Sensibilität des einzelnen für das Zusammenspiel von Klima und menschlichen Einflüssen zu stärken (http://www.dkrz.de, http://www.mpimet.mpg.de)

Der Zusammenhang zwischen Ozean und Klima wird durch zwei Projekte verdeutlicht. Das Zentrum für Angewandte Meereswissenschaften in Kiel stellte die Weltmeere als wichtige Klimaregler vor, wobei insbesondere die Erfassung von aktuellen Messdaten sowie die historische Analyse vorzeitlicher Ablagerungsschichten am Meeresboden eine wichtige Rolle spielen und zu realistischen Voraussagen der Klima- und Meeresspiegelentwicklung beitragen können (http://www.geomar.de/add_info/public/expo2000, http://www.expo-sh.de). 

"Das Meer als Klimafaktor, Nahrungsquelle, Ressource und Transportweg"  ist Thema der "EXPO am Meer" rund um den einzigen Tiefwasserhafen Deutschlands in Wilhelmshaven. Projektträger ist die  Stadt Wilhelmshaven. Konferenzen, Ausstellungen, Symposien, Workshops und Kongresse runden das Programm ab (http://www.expo-am-meer.de).

Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften - das Projekt "Klimaschutzregion Elbe-Elster" (Projektträger Landkreis Elbe-Elster, Herzberg/Brandenburg) zeigt, wie dieser Landkreis ökologisch wirtschaftet, indem er seine regenerativen Rohstoffe und Energien umweltverträglich und kostengünstig nutzt, i.e. Ansätze zum Aufbau einer lokalen Kreislaufwirtschaft (http://www.klima-elbe-elster.de).

Stellvertretend für die resourcenschonende, damit klimaschützende Nutzung von regenerativen Energiequellen sei hier das Umwelt-Informationszentrum Gaytal Park in Körperich-Obersgegen (Rheinland-Pfalz) genannt (http://www.gaytalpark.de).

Hinweise auf einige der internationalen Projekte könnten auch für Meteorologen interessant sein, wie das chilenische Projekt "Nebelfänger" (Nebel fängt sich in über dem Boden aufgespannten Netzen und läuft als Wasser über ein Drainagesystem in ein Auffangbecken und speist von dort aus die dörfliche Wasserversorgung) oder das südafrikanische Projekt "Malaria-Risikoatlas für Afrika", d.h. Risiko-Landkarten, die unter anderem auch den Klimafaktor berücksichtigen.

Auf einem dreidimensionalen, virtuellen  Spaziergang kann man sich bereits jetzt über das  Ausstellungsgelände bewegen oder auch das Wetter über Hannover mittels einer Webcam studieren (http://www.expo2000.de)

Sabine Theunert
Redaktion Mitteilungen DMG
Mont Royal
56841 Traben-Trarbach
dmg-sekretariat@t-online.de

Quelle: zusammengestellt nach Ausstellungsunterlagen der EXPO-Hannover GmbH

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Was ist ein Experte?
Versuch einer Definition mit Hilfe der Meteorologie

Mit dem Hinweis auf einen "Experten" bei der Erläuterung eines naturwissenschaftlich/technischen Zusammenhangs ist man in den Medien rasch zur Hand, suggeriert man doch dem Leser oder Zuschauer damit Sachkompetenz und Seriosität. Gerade bei umweltrelevanten Themen mit i.a. hohem Aufmerksamkeitsgrad beim Publikum erreicht der Gebrauch des Begriffs "Experte" mittlerweile inflationäre Ausmaße. Es scheint deshalb erforderlich, sich mit der Definition des Experten näher zu beschäftigen.
Dass die Wissenschaft sich beim Transfer komplexer Sachverhalte in die Öffentlichkeit schon vor mehr als 10 Jahren in der Defensive befun-den hat, zeigt ein Artikel von O. Hutzinger im Editoral von Umweltwissenschaften und Schadstoffforschung, Zeitschrift für Umweltchemie und Ökotoxikologie (1989) 4: S.1. Seine Expertendefinition und vor allem seine Definition von Nicht-expertentum am Beispiel der da-maligen Dioxindiskussion ist auch heute noch hochaktuell. Ich habe deshalb seine Argumentation und in Teilen auch die Formulierung übernommen und den chemischen Kontext durch einen meteorologiebezogenen ersetzt.

Das Herkunftswörterbuch definiert den Begriff des Experten folgendermaßen:
Experte
"Sachverständiger": Im 19. Jh. nach frz. expert "erfahren, sachkundig"; aus lat. expertus "erprobt, bewährt" entlehnt. Über das zugrunde liegende Verb lat. experiri "versuchen, erproben", vgl. Experiment.
Experiment
"(wissenschaftlicher) Versuch; (gewagtes) Unternehmen": Im 17. Jh. aus lat. experimentum "Versuch, Probe; Erfahrung" entlehnt. Zu lat. ex-periri "versuchen, erproben" vgl. Experte.

Wesen und Aufgaben des Experten können auf dieser Grundlage wie folgt definiert werden: Während die Erkenntnisgewinnung Aufgabe des Forschers ist, erfolgt durch den Experten die Aufarbeitung der Erkenntnis zu Verfügungswissen. Der Experte bringt wissenschaftliche Erkenntnisse als Verfügungswissen in das öffentliche Bewußtsein und in die wissenschaftliche Politikberatung ein. Expertentum ist das Ergebnis langfristig erworbener Kompetenz.

An dieser Stelle soll nun der Ver-such gemacht werden, die De-fini-tion pragmatisch am Beispiel der Verbindung von Meteorologie/ Klimatologie und Öffentlichkeit zu illustrieren; denn gerade die verkürzte, dafür aber öffentlichkeitswirksame Darstellung in Berichten über Orkane und Klimaänderungen hat in letzter Zeit, nach Waldschäden und Dioxinen, erneut die Unsitte des Pseu-doexpertentums aufblühen lassen.

Beispiel: Meteorologe als Experte für Sturm-/Orkanentstehung und Klimaänderungen

Experte: Ein Wissenschaftler mit jahrelanger Erfahrung in seinem Fachbereich einschließlich des zur Diskussion stehenden Problems. Seine Erfahrungen sollten durch Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften oder durch adäquate Arbeiten und Aktivitäten dokumentiert sein. 

Experte ist man in der Regel nicht im gesamten Spektrum einer wissenschaftlichen Disziplin wie der Meteorologie, Klimatologie oder der Physik, sondern in einem meist nicht allzu großen Teilbereich davon. 

Kein Experte im strengen Sinn: Ein Wissenschaftler, der in seinem Fachbereich, in diesem Fall der Meteorologie, über breit angelegtes Wissen verfügt, doch nicht mit einer speziellen Thematik, in unserem Beispiel der Orkanentstehung oder der Klimaänderung vertraut ist. Ausnahmen bestätigen hier die Regel.

Ein Wissenschaftler, der mit einer speziellen Fragestellung vertraut ist, in diesem Fall der Orkanentstehung oder der Klimaänderung, doch kein Meteorologe ist z.B. ein Chemiker oder Geologe, der Aussagen zum Zonalindex auf dem Nordatlantik macht, und damit nicht über das notwendige übergeordnete Fachwissen verfügt. Auch hier können Ausnahmen die Regel bestätigen.

Ganz gewiß kein Experte ist Jemand, der nie mit meteorologischen Daten und Modellen wissenschaftlich gearbeitet  hat, sondern seine Wissen aus sekundären und tertiären Quellen bezieht. Dazu zählen i.a. auch Repräsentanten von Wetterfirmen mit häufiger Medienpräsenz.

Solche "Pseudoexperten" wissen alles, haben rasche Antworten bei der Hand, können auf alle Fragen antworten, sprechen nie von Unsicherheiten.

Für die Öffentlichkeit ist es nicht leicht, zwischen "echten" und "selbsternannten" Experten zu unterscheiden. Häufig finden solche "Experten" gerne Beachtung, die eine die Öffentlichkeit besonders interessierende Thematik mit einer bestimmten Tendenz verfolgen.

Für alle, die bemüht sind, zu wissenschaftlicher Erkenntnis vorzudringen, oft ein jahrelanges Ringen, bei dem fast immer Unsicherheiten und Unwägbarkeiten übrig bleiben, ist solches Expertentum verständlicherweise ein Ärgernis:
In öffentlichen Diskussionen ziehen sie - im Gegensatz zu den "Pseudoexperten" - meist den kürzeren, da sie eben keine Patentlösung anbieten können und Unsicherheiten einräumen müssen; kurz, sie können die Hoffnung der Öffentlichkeit auf rasche, vollständige und risikolose Lösungen kaum befriedigen.

Zudem müssen sie zusehen, wie die Öffentlichkeit einseitig, also verzerrt, und unzulässig simplifiziert informiert wird. Das kann möglicherweise dazu führen, daß Erkenntnisse und Urteile der echten Experten überstimmt werden.

Um diesem Mißstand zu begegnen, genügt es nicht, aus einer Verteidigungsposition heraus auf Behauptungen der "falschen" Experten zu reagieren -.und das dann noch häufig hausbacken und ungeschickt. Vielmehr müssen die "richtigen" Experten ihre Position mit den Mitteln der modernen Medien offensiv vertreten. Wenn sie nicht lernen,  die Medien zum Zwecke der Kommunikation mit der Öffentlichkeit zu akzeptieren und zu instrumentalisieren - und zwar so wie sie sind - dann ist in der Tat in sehr naher Zukunft nicht mehr die Information sondern die Art der Präsentation der dominierende Faktor.

Ulrich Otte
Kreuzstr. 12
40882 Ratingen
ulrich.otte@dwd.de

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GKSS School of Environmental Research

Die Umweltforschung des GKSS-Forschungszentrums befaßt sich mit natürlichen und anthropogenen Veränderungen im norddeutschen Küstenraum. Dabei werden Klima sowie Stoffflüsse von Nährstoffen, Schwermetallen und organischen Spurenstoffen, Schwebstoffen und Sedimenten in Wasser und Atmosphäre betrachtet. Ziel ist das Verständnis, die Beobachtung und Vorhersage von Veränderungen. Um diese Forschungsinhalte zu kommunizieren und eine breit angelegte Diskussion zwischen Forschern in aller Welt und jungen Wissenschaftlern auf der Ebene von Diplomanden, Doktoranden und Post-Docs zu schaffen, hat die GKSS die GKSS-Schule zur Umweltforschung (GKSS School of Environmental Research) ins Leben gerufen. Dabei werden international renommierte Wissenschaftler eingeladen, im Zeitraum von einer Woche zu einem der GKSS-Umweltforschung verwandten Thema ihr Wissen an junge Forscher aus aller Welt weiterzugeben. Die Inhalte der Vorträge werden in einer besonderen Reihe des Springer-Verlages veröffentlicht.

Zwei Schulen haben bisher in der Tagungsstätte "Zündholzfabrik" in Lauenburg stattgefunden: die erste befaßte sich mit "Anthropogenic Climate Change" und fand im April 1997 statt, die zweite im September 1998 zum Thema "Models in Environmental Research". Das Buch zur ersten Tagung ist erschienen, das zweite Buch ist in Vorbereitung. Die dritte Schule ist für Juni 2001 geplant und wird sich mit "Monitoring the Regional Environment" beschäftigen.
WWW-Seiten: GKSS-Schule: http://w3g.gkss.de/hgf/GKSSschool.html
Dritte GKSS-Schule: http://w3g.gkss.de/hgf/3rdschool.html

Götz Flöser
GKSS Forschungszentrum
Max-Planck-Straße
21502 Geesthacht
floeser@gkss.de

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Eduard-Brückner-Preis

Die Klimaforschung hat eine lange Tradition und eine Reihe von Metamorphosen durchgemacht. In klassischen Zeiten stand die Wirkung des mittleren atmosphärischen Zustandes auf den Menschen im Vordergrund, später entstand die Klimatographie  und schließlich eine Palette von sich zumeist unabhängig entwickelnden disziplinären Sichtweisen in Fächern wie Geologie, Meteorologie, Geographie oder Ozeanographie. Erst unter dem Eindruck drohender anthropogener Klimaänderungen im letzten Jahrzehnt und dem unmittelbaren Beratungsbedarf von Politik und Gesellschaft beginnen diese Disziplinen sich aufeinander zu zu bewegen. Tatsächlich kann das "Klimaproblem" nicht als Forschungsgegenstand etwa vorrangig der Meteorologie verstanden werden. Einerseits muß das Verstehen des Klimas als geophysikalische Herausforderung gesehen werden. Andererseits wird die Wahrnehmung und tradiertes Wissen von Klima Gegenstand sozial- und kulturwissenschaftlicher Forschung, weil Klima Gegenstand öffentlichen Interesses und öffentlicher Sorge geworden ist.

Um diesen Prozeß der interdisziplinären Verbreiterung der Klimaforschung zu fördern, wird anläßlich der 5. Deutschen Klimatagung im Oktober 2000 erstmalig der

Eduard Brückner-Preis

für herausragende interdisziplinäre Leistungen in der Klimaforschung vergeben. Eduard Brücker, 1862-1927, Schüler Albrecht Penck's, war Geograph in Hamburg, Bern, Halle und Wien. Neben seinen Arbeiten über die Gletscher der Alpen tat sich Brückner besonders hervor durch seine Analyse langjähriger Reihen instrumenteller und indirekter Beobachtungen von Klimaschwankungen. Dabei unterschied er klar zwischen natürlichen Klimaschwankungen und systematischen Veränderungen. Er identifizierte Trends in seiner jüngeren Vergangenheit als Ausdruck natürlicher Variabilität und wies verbreitete Spekulationen, daß diese Trends anthropogen (Entwaldung) seien, zurück. Er war interessiert an den gesellschaftlichen Auswirkungen der von ihm beschriebenen natürlichen  Klimavariabilität, inbesondere im Hinblick auf die Verbreitung von Krankheiten, Landwirtschaft und Transporte. (vgl. auch Stehr et al., 1995: The 19th century discussion of climate variability and climate change: analogies for present day debate? World Res. Rev. 7, 589-604). Eine Webseite finden Sie unter http://w3g.gkss.de/events/5dkt/BruecknerPreis.html

Götz Flöser
GKSS Forschungszentrum
Max-Planck-Straße
21502 Geesthacht
floeser@gkss.de

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Inbetriebnahme des neuen numerischen Modellvorhersagesystem des Deutschen Wetterdienstes

Nach einer mehr als 15monatigen präoperationellen Testphase wurde das neue numerische Vorhersagesystem, bestehend aus dem Globalmodell "GME" und dem Lokalmodell "LM", im Oktober 1999 in den operationellen Betrieb übernommen. Die Abschaltung der alten Modellkette Globalmodell - Europamodell - Deutschlandmodell (GM - EM - DM) erfolgte am 30. November 1999. Im folgenden soll ein kurzer Überblick über die aus meiner Sicht wichtigsten Eigenschaften des neuen Modellsystems sowie das zur Verfügung stehende Rechnersystem gegeben werden:
 

Abb. 1 Gittergenerierung im GME. ni ist die Anzahl der Intervalle auf eine großen Dreiecksseite (Länge: etwa 7054 km)

Das GME simuliert das Wettergeschehen weltweit. Es hat gewissermaßen die Modelle GM und EM abgelöst, beruht auf einem hydrostatischen Gleichungssystem und verwendet ein auf einem Ikosaeder basierendes Dreiecksgitter. Zur Gittergenerierung (s. Abb. 1) wird ein Ikosaeder derart in die Einheitskugel plaziert, daß jeweils eine Spitze den Nord- und Südpol berührt. Je 5 Punkte des Ikosaeders sind dann auf der Kugeloberfläche auf dem Breitenkreis 26.565°N (und S) im Abstand von 72° angeordnet. Diese 12 speziellen Punkte werden durch Großkreise verbunden, so daß 20 große sphärische Dreiecke entstehen (Abb. 1a). Zur Erzeugung des eigentlichen Gitters werden diese Dreiecksseiten in "ni" Intervalle unterteilt, wobei diese Intervallanzahl günstigerweise eine Zweierpotenz ist, denn durch die sukzessive Halbierung der Kanten entsteht eine Hierarchie von immer feineren Gittern (Abb. 1b-d). Der entscheidende Vorteil eines solchen Dreiecksgitters liegt in der geringen Variation der Maschenweite (im Gegensatz etwa zu einer vorgegebenen geographischen Längendifferenz, deren eigentliche Länge sich vom Äquator zum Pol hin stetig verjüngt). Für das GME beträgt die Intervallanzahl ni 128 und damit die mittlere Maschenweite 59.9 km. Die Gesamtzahl der Gitterpunkte ergibt sich unter Berücksichtigung der verwendeten 31 Modellschichten zu mehr als 5 Mio.. Hinsichtlich der Diskretisierung wird für den "trockenen" Modellteil, d. h. für den Bodendruck, die Temperatur und die horizontalen Windkomponenten die eulersche Formulierung verwendet. Demgegenüber wurde für den Wasserdampf und das Wolkenwasser ein Semi-Lagrange-An-satz gewählt, um positiv-definite, formerhaltende Advektion dieser Variablen zu gewährleisten. Die verwendeten physikalischen Parametrisierungen wurden zum weitaus überwiegenden Teil aus der alten Modellkette (EM, DM) übernommen. Allerdings wird der Einfluß der subskaligen Variabilität der orographischen Struktur auf die mittlere Strömung durch ein zusätzliches Paramerisierungsverfahren berücksichtigt. Das Analyseverfahren ist ein auf der Optimalen Interpolation (OI) beruhendes intermittierendes vierdimensionales Assimilationsverfahren mit einem sechsstündigen Zyklus und einem dreistündigen Beobachtungsfenster. Die Meeresoberflächentemperatur wird um 00 UTC analysiert. Es wird eine inkrementelle digitale Filterinitialisierung verwendet, mit dreistündiger adiabatischer Rückwärts- und dreistündiger diabatischer Vorwärtsintegration, zentriert zur Analysenzeit.
 
 

Abb. 2 Gebiet und Topographie des Lokalmodelles (LM)

Das LM, Nachfolgemodell des DM, weist im Gegensatz zum GME ein nichthydrostatisches Gleichungssystem auf und umfaßt das bisherige DM-Gebiet (s. Abb. 2). Es hat ein rotiertes Gitter mit geographischen Längen- und Breitenkoordinaten, eine horizontale Maschenweite von 7 km und, unter Berücksichtigung der 35 Schichten, etwa 3.7 Mio. Gitterpunkte. Zur Optimierung des Rechenzeitschrittes sind die Lösungsverfahren gesplittet explizit in horizontaler Richtung und implizit in vertikaler Richtung. Wie beim GME wurden auch hier die Parametrisierungsverfahren im wesentlichen aus der alten Modellkette entnommen. Zur Simulation des vertikalen turbulenten Austausches liegt eine prognostische Gleichung für die turbulente kinetische Energie vor.  Das LM wird vom GME mit Anfangs- und Randbedingungen versorgt, zusätzlich erfolgt eine kontinuierliche, auf der Nudging-Methode basierende  Datenassimilation.

Das wesentliche Handwerkszeug zur Durchführung der Datenassimilation und der darauf aufbauenden Modellvorhersage ist eine Cray T3E 1200 mit massiv parallelem Prozessorsystem. Dieser Rechner besteht aus 792 PEs (processing elements) zur Anwendung (20 mit einem Kernspeicher von 0.5 GByte, 772 PEs mit jeweils 128 MByte) und 24 PEs für Steuerungszwecke einschließlich Betriebssystem. Jedes PE verfügt über eine nominale Spitzenleistungsfähigkeit von 1.2 Gflops (floating point operations per second); - für typische numerische Wettervorhersage-Programme konnte eine Geschwindigkeit von 64 Gflops gehalten werden bei Ausnutzung aller Anwendungs-PEs. Programme, die auf der T3E laufen, rufen Standard-MPI-Routinen (Message Passing Interface) zum Austausch von Daten zwischen den Prozessoren auf. Weiterhin dient ein SGI Origin 2000 System mit 2x10 Prozessoren, 5.5 Gbyte Kernspeicher sowie 1700 Gbyte Plattenplatz als Daten-Server. Alle Beobachtungen und Modellresultate werden in einer umfangreichen ORACLE-Da-ten-basis gespeichert.

Insbesondere die präoperationelle Testphase wurde durch regelmäßige Treffen einer Arbeitsgruppe begleitet, die sich einerseits aus Mitarbeitern des Entwicklungsteams, andererseits aus Vertretern der Anwenderseite zusammensetzte. Während dieser Treffen erfolgte eine Information der Anwender über den Fortgang der Entwicklungsarbeiten, weiterhin ein gewisser Erfahrungsaustausch, welcher wiederum als Anregung für die weiteren Arbeiten diente. Die anfangs erwähnte offizielle Abschaltung der alten Modellkette setzte nun auch diesen Treffen ein Ende, das allerdings - auch unter Berücksichtigung der jahreszeitlichen Gegebenheiten - nicht ganz trocken vonstatten ging. Abb. 3a,b mögen hiervon einen Eindruck vermitteln - der Tagesordnungspunkt nannte sich "Abschaltung von GM/EM/DM bei Sekt und Lebkuchen".
 
 

Friedrich Theunert
Kolberger Str. 21
54516 Wittlich

Quellen: Berichte und Beschreibungen des DWD, insbesondere: "Quarterly Report of the Operational NWP-Models of the Deutscher Wetterdienst No. 20" sowie "Kurze Beschreibung des Global-Modells GME und seiner Datenbanken auf dem Datenserver (DAS) des DWD"

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Neues Online-Wetterprognoseturnier an der FU-Berlin

Seit Februar 2000 wird von Studenten des Meteologischen Instituts der FU-Berlin ein Online-Wet-ter-prog-noseturnier veranstaltet. Die Aufgabe besteht darin, jedes Wochenende das Wetter für Berlin so genau wie möglich vorherzusagen. Als Vorbild diente dabei ein schon seit längerem am Institut für Meteorologie der Universität zu Köln veranstalteter Prognosewettbewerb, der dort mehr oder weniger intern von Mitarbeitern und Studenten während der Vorlesungzeit durchgeführt wurde.  Die Idee wurde jetzt von Berliner Studenten aufgegriffen und als Online-Version im INTERNET für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht.

Abgabeschluss für die Prognosen ist jeweils freitags 16:00 Uhr MEZ. Dabei sollen folgende meteorologische Größen für die Folgetage Samstag und Sonntag vorhergesagt werden:

  • Bedeckungsgrad um 12 UTC
  • Windrichtung um 12 UTC
  • Windgeschwindigkeit um 12 UTC
  • Wetterzustand vormittags (6-12 UTC)
  • Wetterzustand nachmittags (12-18 UTC)
  • Luftdruck um 12 UTC
  • Temperaturmaximum (6-18 UTC)
  • Temperaturminimum (18-6 UTC)
  • Taupunkt um 12 UTC
  • Niederschlagssumme (6-6 UTC)
Die abgegebenen Prognosen werden mit den Werten der beiden Referenzstationen in Berlin-Tegel und Berlin-Tempelhof (DWD) verglichen. Die Bewertung der Prognosen erfolgt anhand eines Punktesystems, das auch schon beim Kölner Wettbewerb verwendet und für das Berliner Turnier noch verfeinert wurde:

Maximal 200 Punkte sind zu erreichen. Von der maximalen Punktzahl ausgehend gibt es für eventuelle Abweichungen der Prognose von den beiden Referenzstationen entsprechende Punktabzüge. 

Wie in Köln ergibt sich so für jedes Prognosewochenende eine Rangliste, aus der der Tagessieger ermittelt wird. Für die sogenannten Jahreszeitenwertungen werden alle innerhalb einer Jahreszeit erzielten Punktzzahlen aufaddiert, so dass zum Ende jeder Jahreszeit  ein Gesamtsieger ermittelt werden kann. Im Normalfall finden pro Jahreszeit etwa acht bis zwölf Prognosen statt.

Neu ist beim Berliner Wetterprognoseturnier die fortlaufende Rangliste, in die jeweils die letzten 15 Prognosewochenenden eingehen.

Unter den Teilnehmern sind derzeit neben Studenten der FU- Berlin auch Meteorologen verschiedener Wetterdienste, aber auch Hobby- Meteorologen.  Da beim Kölner Vorbild nur Mitarbeiter bzw. Studenten teilgenommen haben, bleibt abzuwarten, welche Chancen man als Nichtmeteorologe nur mit den im INTERNET zur Verfügung stehenden Daten hat. An den ersten Berliner Prognosewochenenden hat sich aber zumindest schon gezeigt, dass gute bis sehr gute Prognosen für Amateure möglich sind, wenn auch nicht in der Konstanz wie bei den Profis.

Am Meteorologischen Institut findet jenen Freitag ein studentische Wetterbesprechung statt.  Hier werden gemeinsam die zur Verfügung stehenden Daten und Modelle analysiert und die Wetterlage diskutiert. Anschließend erstellt jeder Teilnehmer seine eigene Prognose für das Turnier.

Das Berliner Wetterprognoseturnier wird über das INTERNET abgewickelt. Für Interessenten nachfolgend die Homepageadresse: http://www.met.fu-berlin.de und die e-mail prognose@bibo.met.fu-berlin

Jan Hoffmann, Christoph Gatzen (Studenten)
Institut für Meteorologie/FU Berlin
Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10
12165 Berlin
cagatzen@zedat.fu-berlin.de

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Bücher- und Literaturhinweise

Die allmähliche Entdeckung, dass der Mensch des Industriezeitalters das Klima zu wandeln vermag und dass dieser Klimawandel zu fürchten sei. 
Fleming, James Rodger: Historical Perspectives on Climate Change. New York: Oxford University Press 1998. 194 S.

Endlich ein Buch, welches der Klimaforschung historische Tiefenschärfe zu geben verspricht! James Rodger Fleming, Wissenschaftshistoriker am Colby College, Maine, ist der erste und bislang einzige Autor, der in die Archive gestiegen ist und ein ernstliches Forschungsprojekt zur Geschichte sowohl des systematischen als auch des populären Nach-denkens über den "Klimawandel" durchgeführt hat. Diese Forschungslücke verwehrt der Öffentlichkeit die Antwort auf die Frage: Warum wurde die CO2-Problematik, von den übrigen Treibhausgasen ganz zu schweigen, nicht zu Beginn des Projekts "Industrialisierung" umfassend geprüft? Warum diese seltsame Verzögerung in der Wahrnehmung des Problems?

Flemings Darstellung schließt diese Lücke nicht. Seine Fragestellung ist zugleich zu weit und zu eng. Unter "Climate Change" versteht er nicht pointiert den Klimawandel allein auf Grund der anthropogenen Emission von Treibhausgasen. Die Studie ist zugleich zu eng, als sie allein auf individuelle Forscherpersönlichkeiten als Träger des Erkenntnisprozesses ausgerichtet ist. Der institutionelle Hintergrund dagegen, die Frage, wie die Forschungsfragen gestellt und wie die ja nicht unerheblichen Mittel zu ihrer Beantwortung bereit gestellt wurden, bleibt ausgespart. Mindestens seit 1950 aber ist bereits der Forschungsprozeß auf diese Weise nicht mehr verstehbar - der Prozess der öffentlichen Wahrnehmung erst recht nicht.

Zeugnis kluger Selbstbeschränkung ist sicherlich Flemings Entscheidung, nicht systematisch in einem Stück sondern in Form von zehn Essays zu schreiben. Einnehmend klingt, was Fleming in der Einleitung als seine Leitfrage formuliert. Im letzten Kapitel hält er sie dann auch als Schema seiner Antwort durch. Der Autor kündigt an, eine Geschichte der "Wahrnehmung (apprehension) des Klimawandels seitens Wissenschaft und Öffentlichkeit" zu schreiben. Und sein breiter Wahrnehmungsbegriff, den er zur Ordnung seines umfänglichen Material in die Trias von (1) awareness Or understanding, (2) anticipation Or dread und (3) intervention unterteilt hat, verspricht auch Erfolg. Im Ergebnis aber zeigt sich, dass die Frage im Grunde nicht trägt. Das Zusammenspiel von wissenschaftlicher und öffentlicher Wahrnehmung wird nicht durchsichtig, das Ausgreifen in die Zeit vor Fourier (in vier Kapiteln) bleibt in seinem Ertrag unerfindlich.

Als erstes springt der immer wieder, so auch diesmal verblüffende Tatbestand ins Auge, dass Naturwissenschaft, was ihre eigene Geschichte angeht, legendenträchtig ist. Statt sich wie sonst der Tatsachen zu vergewissern, ist bei historischen Sachverhalten Abschreiben üblich. Fleming widmet einen halben Essay allein der peinlichen Dokumentation dessen, wer von wem wie bei einem Kettenbrief abgeschrieben hat. Gängig ist heute die Behauptung, dass Fourier in seinem memoir von 1827 der erste gewesen sei, der die Erwärmung der Erdatmosphäre mit dem Geschehen unter einem Treibhausglasdach verglichen habe. Tatsache ist dagegen, dass es sich bei der Publikation von 1827 lediglich um einen Reprint einer Vorlesung in der Academie Royale des Sciences im Jahre 1824 handelt, die im selben Jahre auch veröffentlicht wurde. Ins Englische übersetzt und veröffentlicht wurde der Text Fouriers im Jahre 1837. Nach Fleming erweckt im übrigen keines der vielfältigen 'Zitate' von Fouriers Artikel den Eindruck, dass 
 der Zitierende im Besitz der Fourierschen Originalveröffentlichung gewesen sei. Doch wie auch immer es sich mit dem memoir von 1824 verhalten mag, wer Fourier die Priorität bei der Entdeckung des Treibhausgedankens zuschreiben will, der sollte wissen, dass der Gedanke selbst von Fourier bereits in seinem "magnus opus of 1822 and in his earlier papers" entwickelt worden sei. Im übrigen ist die Vokabel "greenhouse" nicht bei Fourier zu finden, dort findet sich lediglich ein "statement most suggestive to the gereenhouse Effekt". Die heute übliche Vokabel wurde erst 1937 eingeführt - Arrhenius bzw. sein Übersetzer James Walker sprechen noch von einem "hothouse effect".

In dieser vielzitierten Textstelle erläutert Fourier eigentlich nur ein Messinstrument. Ferdinand de Saussure hatte in den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts mit einem sog. "Heliothermometer" zeitgleiche Messungen in den Bergen und in der Ebene durchgeführt. Das Heliothermometer ist ein normales Thermometer, welches, so die ursprüngliche Intention, zur Steigerung des Erwärmungseffekts durch die Sonne und zugleich zum Schutz gegen den kühlenden Wind in eine Luftatmosphäre hinter drei gestaffelte Glasscheiben gestellt und ansonsten mit Kork umgeben worden war. Saussure konnte mit diesem Instrument einen merklichen Anstieg der "solar heat" in Abhängigkeit von der Höhe der Messung zeigen. Fourier versuchte mit seiner 'Treibhaustheorie' dieses Messinstrument zu erläutern.

Den entscheidenden Schritt zum genaueren Verständnis des Treibhauseffekts, der als Phänomen bereits bekannt war, hat der Brite John Tyndall mit seinem neuentwickelten ratio spectrophotometer getan. Damit maß er die Absorptionseigenschaften von verschiedenen Gasen und Dämpfen gegenüber Strahlungswärme. Am 26. Mai 1859 berichtete er der Royal Society in Lon-don von seinen Ergebnissen. Danach erwiesen sich die "elementaren Gase" und Hauptbestandteile der Luft, Sauerstoff, Stickstoff und Wasserstoff, als "beinahe transparent für Strahlungswärme, während andere sich als ziemlich opak zeigten." Tyndalls Experimente zeigten, dass Wasserdampf, Kohlendioxid, und Ozon die höchsten Absorptionseigenschaften haben. Damit war klar, dass gerade diejenigen Bestandteile der Luft, deren Anteil verschwindend gering ist, bezüglich des Strahlungshaushaltes Eigenschaften haben, die die Geringheit ihres Vorkommens mehr als aufwiegen. Kleine Mengen konnten, das war seitdem klar, große Wirkungen haben. Die Nicht-Linearität des Wirkungsmechanismus war etabliert: "each molecule of water vapour absorbs and radiates sixteen thousand times lore heat than a molecule of air." 

Arrhenius war es dann, der im Jahre 1896 die Detailbeobachtungen vieler anderer kompilierte und freiweg so etwas wie einen gesetzlichen Zusammenhang zwischen dem Gehalt des Spurengases CO2 und der Temperatur der Erdatmosphäre postulierte: Wenn das Kohlendioxid geometrisch ansteigt, steigt die Temperatur arithmetisch. In seinem populären Buch "Das Werden der Welten" (1912) formulierte er dann den berühmten Satz, dass eine Verdoppelung des CO2-Gehalts der Atmosphäre zu einem Anstieg der Temperatur an der Erdoberfläche um 4 °C führen werde (81). Dabei ist aber zu bedenken, dass Arrhenius' Thema die Erklärung der Eiszeiten war und seine Sorge ihrer drohenden Wiederkehr galt. Im Original ist der Zusammenhang von CO2-Gehalt und Temperaturänderung deshalb zunächst anders herum formuliert: Eine Halbierung des CO2-Gehalts führe zu einer Vermin-derung der Temperatur um 4 °C.

Fleming deutet, wenig überraschend, an, die Debatte sei im 20. Jahrhundert im wesentlichen vom Vorliegenden gesteuert gewesen, d. h. vom auffallend irregulären Temperaturverlauf. Bekanntlich ist die Erdmitteltemperatur von 1910 bis 1940 um 0,5 °C gestiegen, dann bis Mitte der siebziger Jahre um etwa 0,2 °C gesunken, um dann seit den siebziger Jahren bis heute wieder um 0,4 °C anzusteigen. Die öffentliche Diskussion und die wissenschaftlichen Anstrengungen hätten einen konjunkturartigen Verlauf genommen, der dem Temperaturverlauf entsprochen habe. Bei dieser Erklärung bleibt allerdings Entscheidendes unerfindlich: 1. weshalb das Faktum "steigende CO2-Konzentration" nicht bereits Anlass zu Sorge gab, und 2. wie es dazu kam, dass, anders als noch bei Arrhenius, steigende Temperaturen heute gefürchtet werden.

Besonders eindrücklich, auch noch in dem leider zu kurz gehaltenen Abriss zu dieser entscheidenden Person seiner Zeit, ist der Ozeanograf Roger Revelle. Er klärte mit Hans Suess zusammen die Frage der Aufnahmekapazität der Ozeane und prognostizierte in der Folge, erstaunlich korrekt, den Anstieg der Konzentration des (verbleibenden) CO2 in der Atmosphäre bis Ende des 20. Jahrhunderts auf "20 bis 40 Prozent" - tatsächlich erreicht haben wir nun 30 Prozent. Fleming weist im übrigen auf die hochbedeutsame Tatsache hin, dass beider berühmter Artikel in Tellus im Jahre 1957 "was not the dramatic turning point in our awareness of the risk of global warming that later authors perceived. it to be." Ihre hellsichtig präzise Formulierung des Geschehens als "Menschheitsexperiment" ungewissen Ausgangs, welche spätere Autoren so zu alarmieren vermochte, hatte bei ihnen noch einen ganz anderen, viel unschuldigeren Sinn. Sie gingen offenbar davon aus, dass die Menschheit viel mehr Zeit zur Klärung der Zusammenhänge hat, als sich dann später herausstellte. Die Verbreitung der industriellen Wirtschaftsweise in Form eines Imitationsprozesses, der die Gestalt einer e-Funktion hat, war ihnen nicht vor Augen. Dass Revelle den experimentellen Charakter des Geschehens und insbesondere seine Einmaligkeit so betonte, ist eher der Moral des guten empirischen Naturwissenschaftlers geschuldet. Er wollte darauf hinweisen, dass dieses einmalige Experiment besonders kostbar sei und deswegen in seinem Ertrag, den Daten, gewissenhaft zu dokumentieren sei, um daraus später Lehren ziehen zu können. Das Wort vom "Menschheitsexperiment ungewissen Ausgangs" hatte nicht die alarmistische Konnotation, die später und heute darin vernommen wird. 

Weitere Aufklärung über diese Geschichte der allmählichen Wahrnehmung des Klimaproblems tut Not.

Hans-Jochen Luhmann
Abt. Klimapolitik
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
Döppersberg 19
42103 Wuppertal
jochen.luhmann@wupperinst.org


Meteorologen und im Meteorologinnen aus dem deutschen Sprachraum. Ein Biografischees Findbuch. R. Paulus und R. Ziemann unter Mitarbeit von A. Cappel, g. Götschmann, h.-G. Körber, M. Köstler und H. Schirmer.  Herausgeber: Deutscher Wetterdienst, Offenbach, 1999, 130 Seiten. ISBN 3-88148-335-7

Dieses Findbuch will die Forschung zur Geschichte der deutschen Meteorologie erleichtern. Es enthält ca. 3000 Namen seit dem 13. Jahrhundert, mit Informationen über Geburt und Tod und gibt Hinweise auf Publikationen, die weitere biografische Angaben enthalten.  Aufnahme fanden Person, die als Akademiker in der Meteorologie tätig waren (geb. vor 1929, gest. vor 1996/1997).  Unter den Persönlichkeiten findet sich auch Kurfürst Carl Theodor, der 17180 ie Societas Meteorologica Palatina gründete, in der Folge entstand das erste weltweite Wetterbeobachtungsnetz mit Zentrale in Mannheim.

In der rasante Namen für die Pfälzische Familienforschung: Achilles, Alfurth, Bardt, Bohr, Burckhardt, Cappel, v. Dalberg, Dinis, Geiger, Gesellgen, Habermehl, Klar, Köhler, Kopp, Kremp, Nikolaus von Kues, Loeser, Markus zum Lamm, Mayer, v. Neumayer, Schneider, Siegenthaler, Soeder, Sorg, v. Stengel, Süssenberger, Thierwlf, Zewe,u.a.

Bezug: Bibliothek des DWD, Frankfurter Str. 135, 63067 Offenbach/Main.

Albert Cappel
Am Hinterberg
63073 Offenbach/Main


Publikationen des Bundesumweltministeriums

Das Bundesumweltministerium in Berlin hat in der zweiten Jahreshälfte 1999 eine Reihe von Publikationen herausgegeben.  Folgende Titel sind gegebenenfalls für meteorologische Fachfragen interessant:

  • 2103 Erneuerbare Energien und Nachhaltige Entwicklung- Natürliche Ressource umweltgerechte Energieversorgung (Oktober 1999)
  • 1031 Kommunaler Klimaschutz  - Namen, Anschriften, Aktivitäten-(August 1999) 
  • 3014 Klima'99 (Oktober 1999)
  • 4020 Handbuch Lokale Agenda 21 Wege zur nachhaltigen Entwicklung in den Kommunen (Juni 1998)
Das Informationsmaterial kann kostenlos bezogen werden beim BMU, Referat, 11055 Berlin, oder im Internet über  http://www.bmu.de.

Quelle: Umwelt Nr. 12/1999

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Stand: 11. April 2000, Webimplementierung: A. Spekat