Mitteilungen der DMG

Heft 4/2001 (Auszüge)


Schwerpunktthema: DACH MT 2001

Titelbild: 
150 Jahre Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien - Anlass für die Einladung zur Deutsch-Österreichisch-Schweizerischen Meteorologentagung (DACH-Tagung) in die österreichischen Hauptstadt.
     Vor ca. 150 Jahren gab Kaiser Franz-Josef selbst am 23. Juli 1851 seine allerhöchste Erlaubnis zur Gründung der Zentralsanstalt in Wien. Seit 1872 hat die Zentralanstalt ihr Domizil in den Gebäuden der Hohen Warte.
     Die DACH-MT 2001 fand im Messe Congress Center nahe dem Prater statt.

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Editorial
Nachlese zur DACH´MT in Wien vom 18. bis 21. September  2001
Georgi-Preis der AWS
Alfred-Wegener-Medaille der DMG
Albert-Defant-Medaille der DMG
Ehrenmitgliederschaft in der DMG
Reinhard-Süring-Medaillen der DMG für Christian Hänsel
Reinhard-Süring-Medaillen der DMG für Konrad Balzer
Paulus-Preis 2001
Förderpreis der DMG
Preis der DMG für die Postergestaltung
Unterstüzung von Studenten zur Teilnahme an der DACH´MT
Protokoll der Mitgliederversammlung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) e.V.
Neues von der EMS
Der vernachlässigte Wetterbegriff


Editorial

Liebe Mitglieder,

Auch wenn Sie dieses Heft nach dem Jahresbeginn 2002 in den Händen halten: Ich wünsche allen Mitgliedern ein frohes und gesundes neues Jahr. Ein ereignisreiches Jahr 2001 ist nun zu Ende gegangen. An hervorragender Stelle stand aus Sicht der DMG dabei die DACH-Tagung der Gesellschaften aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, von der in dieser Ausgabe der Mitteilungen ausführlich berichtet wird. Sie fand auf Einladung der Österreichischen Meteorologischen Gesellschaft anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erstmalig in Wien statt. Zahlreiche Teilnehmer, auch aus 15 weiteren Ländern, fanden den Weg zur DACH-Tagung. Den Kollegen in Österreich gebührt auch an dieser Stelle herzlicher Dank für die Ausrichtung und Organisation. Die nächste Meteorologentagung findet 2004 in Karlsruhe statt.
     In diesem Jahr bietet sich eine besondere Gelegenheit, Meteorologie und alle Erdwissenschaften in der Öffent-lichkeit zu präsentieren, denn 2002 ist das Jahr der Geowissenschaften. In zahlreichen Veranstaltungen wird die Materie vielfältig und spannend vorgestellt. Sie können dies u.a. auf unseren Webseiten und in den Mitteilungen verfolgen. Herausragend von unserer DMG-Seite wird eine vor allem für Lehrer - aber auch alle anderen Inter-essierten sind eingeladen - geplante Fortbildungsveranstaltung vom 9. bis 13. September 2002 in Potsdam sein, die wir zusammen mit dem GeoForschungsZentrum mit etwa 20 hochkarätigen Rednern anbieten werden.
     Mit der Euro-Einführung ist der Kontinent weiter zusammengewachsen. Die DMG und weitere 24 Meteorologische Gesellschaften, sowie ein gutes Dutzend Wetterdienste, Organisationen und Firmen tragen zum Gemeinwesen bei, indem die Europäische Meteorologische Gesellschaft (sie ist seit 2001 offiziell im Vereinsregister in Berlin eingetragen) Aktivitäten auf den Gebieten wie Bildung, Qualitätskontrolle, Medien und Tagungsorganisation entfaltet.
     Eine aktive DMG ist eine attraktive DMG; und so möchte ich mit dem Wunsch schließen, dass 2002 ein weiteres aktives und erfolgreiches Jahr für uns alle wird.

Werner Wehry


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SCHWERPUNKT DACH-MT 2001

Nachlese zur DACH´MT in Wien vom 18. bis 21. September 2001

150 Jahre Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien - Anlass zur Einladung einer gemeinsamen  Dreiländer  "Jubiläums"-Tagung, Deutsch-Österreichische-Schweizerische Meteorologen-Tagung, DACH-Tagung, in die österreichische Hauptstadt. 
     Vor ca. 150 Jahren gab Kaiser Franz-Josef  selbst am 23. Juli 1851 seine Allerhöchste Erlaubnis zur Gründung der Zentralanstalt in Wien. Carl Keil, vormals Direktor der Prager Sternwarte, wurde der erste Direktor. Er war zugleich auch Professor für Physik an der Universität zu Wien. Diese personelle Verbindung von zwei Ämtern besteht auch heute noch. Keil baute das meteorologische und seismographische Beobachtungsnetz im Kaiserreich aus. Seit 1872 hatte die Zentralanstalt ihr Domizil in den Gebäuden der Hohen Warte. Von hier gingen wesentliche Impulse für die weltweite Organisation der Meteorologen aus, welches letztendlich zur Gründung der WMO führte. Seit 1877 wird eine tägliche Wettervorhersage herausgegeben. Viele bedeutende Meteorologen hatten den Direktorenposten inne - stellvertretend seien hier die Namen von Hann, Exner und Margules  genannt.
  Die Tagungsräume befanden sich im Messe Congress Center nahe dem Prater. Die Lage des Hotels bedingte morgendliche Spaziergänge durch das verschlafene Entertainment-Center Prater, welcher abends dann, zu dieser Jahreszeit, noch mit buntem Treiben erfüllt war und einladend mit Lichtreklamen glänzte.  Während der Mittagspause konnte man sich auch hier das Essen schmecken lassen.
     Die Tagungseröffnungs-Veranstaltung bot Gelegenheit während einer Schweigeminute der Opfer der Terroranschläge in den USA zu gedenken. Nach den Grußadressen der DMG und der SGM wurden von  Prof. Hammerl und Prof. Pichler die Geschichte der Zentralanstalt  für Meteorologie und Geodynamik vorgestellt. Weiterhin wurden den diesjährigen Preisträgern der Deutschen und der Österreichischen Meteorologischen Gesellschaft die Urkunden und Medaillen überreicht. 
     Die Vortragsreihen fanden jeweils in drei Parallelsitzungen statt. Die DACH-MT 2000 bot den deutschsprachigen Meteorologen und in verwandten Disziplinen Tätigen ein Forum, sich über chemische und physikalische Prozesse in der Atmosphäre sowie deren Wechselwirkungen mit Biosphäre und Geosphäre zu informieren. Ein reger Erfahrungsaustausch fand im Bereich der neuesten technischen Entwicklungen von Beobachtungs- und Fernerkundungssystemen wie Windprofiler, Satelliten, Radar und ihrer Anwendungen auf dem Gebiet der Meteorologie statt. 
     In vielfältiger Form beschäftigten sich die Vortragsinhalte auch mit dem Thema Klimaänderungen sowie Wettervorhersage.  Weiterhin beteiligten sich die Fachausschüsse der DMG, BIOMET, HISMET und AKUMET mit eigenen Sitzungen an der Tagung.  Die Präsentation erfolgte in Form von Vorträgen und Postern, wobei die Poster günstig entlang des Ganges vor den drei nebeneinander angeordneten Vortragssälen positioniert waren. 
     Während der Pausen bot sich Gelegenheit diese anzusehen, wobei einigen Postern auch die ausführlichen Texte ausgelegt waren. Durch das gedrängte Vortragsprogramm kam die Poster-Präsentation etwas zu kurz. Die Postern wurden meist kurz von den Covernern vorgestellt,  die eine oder andere ad hoc-Präsentation in der Kaffeepause organisiert.
     Der Oberbürgermeister der Stadt Wien lud am Mittwoch zu einem stimmungsvollen Abend beim Heurigen in Grinzig ein.  Es fiel sicherlich nicht schwer in Wien ein eigenes Programm neben der Tagung zu genießen: die Fiaker warteten schon vor der Hofburg, die Glocken des Stephansdoms luden zur Stadt- und Dombesichtigung ein oder Wiener Walzer der Straußära in kleinen Sälen, Kleinode vergangener Architektur. 
     Am Freitag ging eine gut organisierte Tagung mit einem vielfältigen Programm zu ende,  welches trotz der Fülle des Gebotenen noch Raum für Diskussionen, Erfahrungsaustausch  und Betrachten ließ. Den Organisatoren und dem Programmkommitee vor Ort sei für diese gelungene Tagung gedankt. Die Vorträge sind dieses Mal sehr ausführlich, teilweise mit den farbigen Abbildungen, auf einer CD-ROM  zusammengefasst worden.

S. Theunert, Wittlich
dmg-sekretariat@t-online.de

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Preisverleihungen

Georgi-Preis der AWS

Prof. Tetzlaff  (Leipzig) begrüßte  zunächst den Preisträger Prof. Dr. Ehrhard Raschke sowie die Zuhörer im Saal und hielt dann folgende Laudatio:
     Es ist mir eine besondere Freude Ihnen heute hier den Kollegen Herrn Prof. Dr. Ehrhard Raschke als Georgi-Preisträger des Jahres 2001 vorstellen zu dürfen.
  Der Georgi-Preis wird von der Alfred-Wegener-Stiftung  unter Beteiligung der DMG verliehen und entstammt einer Stiftung, die auf den Namensgeber des Preises zurückgeht. Der Preis wird alle zwei Jahre an Personen verliehen, die besondere Leistungen im Bereich der meteorologischen Wissenschaft aufzuweisen haben. In der Vergangenheit wurde der Georgi-Preis stets im Rahmen der Veranstaltungen der Alfred-Wegener-Stiftung überreicht. Das war insofern richtig und passend, als die DMG Mitglied im Stifterverband der Alfred-Wegener-Stiftung ist und sich aktiv an deren Arbeit beteiligt. Zu Ihrer Information darf ich Ihnen die letzten Preisträger nennen: es sind dies die Professoren Augstein und Egger und vor zwei Jahren die Forschungsabteilung des DWD.
     Dieses Mal wird nun der Georgi-Preis erstmals im Rahmen einer Veranstaltung der DMG verliehen. Der Grund ist einfach: zum einen hat die AWS in diesem Jahr keine Veranstaltung mit meteorologischer Beteiligung durchgeführt, zum anderen eignet sich gerade der Rahmen der übergreifend veranstalteten DACH 2001 zu Preisverleihung.
     Herr Raschke wurde 1936 in Sachsen geboren, mit Abitur dort und einem Geophysik-Studium an der Bergakademie in Freiberg bis zum Vordiplom. Das Diplom folgte dann in Mainz 1961, die Promotion in München 1965. Dieses war zugleich auch die Wende im Interessengebiet: die Promotion erfolgte im Fach Meteorologie und hatte die Auswertung und Interpretation von TIROS II-Daten zum Gegenstand. Mit diesen Auswertungen wurde innovativ wissenschaftliches Neuland betreten, schließlich gab es solche Satellitenfernerkundungsdaten in Deutschland erst nach dem Jahre 1961. Das Thema prägte die gesamte weitere wissenschaftliche Laufbahn von Herrn Raschke, denn die Satellitenforschung ließ ihn nicht mehr los. 
     Nach der Habilitation im Jahre 1971 an der Ruhruniversität Bochum erfolgte 1973 der Ruf an die Universität Köln, Institut für Meteorologie. Dort blieb Herr Raschke bis 1989 und nahm dann einen Ruf an das Forschungszentrum Geesthacht an. Dort blieb er bis zum Juni 2001 und ist nunmehr seit einigen Monaten im Ruhestand.
     Lassen Sie mich neben diesen formalen biographischen Daten einige seiner wissenschaftlichen Stationen erwähnen. Wie Sie dem Ausbildungsgang entnommen haben, waren seit der Promotion Strahlung und Satelliten Zentralthema seiner wissenschaftlichen Arbeiten. Dabei nahmen die Arbeiten zur Behandlung der Strahlungsübertragung in Theorie und Praxis einen wichtigen Platz ein. Solche grundsätzlichen Überlegungen führen fast zwangsläufig zu weiteren Fragestellungen. So war denn die Frage nach der Bestimmbarkeit der Strahlungsbilanz der Erdoberfläche vom Satelliten aus auch eine Art Dauerthema, das Sie, Herr Raschke, bis an das Ende Ihrer beruflichen Laufbahn immer wieder beschäftigt hat. Insbesondere war für jedes Messsystem die erreichbare Genauigkeit zu erarbeiten. Nun ist es eine Binsenweisheit, dass die Strahlungsbilanz von Wolken stark beeinflusst wird. Das gilt in doppeltem Sinne. Zum einen prägen die Wolken die Strahlungsbilanz, zum anderen können sie auch als Genauigkeitsschädlinge auftreten, so wie die Cirren in den Subtropen. Verschiedene Ansätze zur Quantifizierung der Eigenschaften von Cirren wurden von Ihnen, Herr Raschke, entwickelt und durch Ihre Arbeitsgruppen gefördert. 
     Aus den Betrachtungen zum Strahlungshaushalt der Erdoberfläche folgt nahezu zwangsläufig die Frage nach deren Energiebilanz. Es stellt sich heraus, dass Satelliten viel dazu beitragen können, aber nicht alles. So kam als ein Bestandteil des globalen Energie- und Wasserbilanz-Experimentes (GEWEX) die regionale Ausprägung an der Ostsee zustande, weil Sie, Herr Raschke, dieses unermüdlich propagierten und betrieben: BALTEX.
     Die Ausführung solcher Arbeitsprogramme im nationalen und internationalen Rahmen erfordern das Durchsetzen gegen eine starke Konkurrenz und den Einsatz dafür geeigneter Mittel. Dieses hat Sie tief in die internationale Arbeit in Gremien und in der Wissenschaft geführt. Sie haben natürlich Arbeitsgruppen zu Ihren Themen über viele Jahre hinweg betreut, Sie haben in vielen Journalen publiziert, leider nur relativ wenig in den Blättern der DMG, und haben dafür durch die Einladung zu Gastprofessuren und - aufenthalten Anerkennung gefunden.
     Nehmen Sie den Georgi-Preis als Anerkennung für Ihre wissenschaftlichen Leistungen, die Sie auch für die hier versammelte ...nun auf neuhochdeutsch... Community erbracht haben. Ich beglückwünsche Sie zu diesem Preis.

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Alfred-Wegener-Medaille der DMG

Prof. Hauf (Hannover) trug nach Begrüßung des Publikums sowie des Preisträgers, Prof. Dr. U. Schumann (Weßling),  folgende Laudatio vor:

Als ich die Kunde von der diesjährigen Verleihung der Alfred-Wegener- Medaille an Sie vernahm, war meine spontane Reaktion Freude und eine große innere Genugtuung über diese Entscheidung. 
     Auch ist es mir eine besondere Ehre diese kurze Laudatio für Sie halten zu dürfen und Ihnen damit auch meinen persönlichen Dank aussprechen zu können für fünfzehn Jahre Mitarbeit in Ihrem Institut. 
     Sie haben 1969 als Diplom-Ingenieur Ihr Maschinenbaustudium in Berlin abgeschlossen, dann 1973 in Strömungsmechanik an der Universität Karlsruhe promoviert und sich 1978 auch dort habilitiert. Der Meteorologie nahe gekommen sind Sie während eines einjährigen Gastwissenschaftleraufenthaltes am National Center for Atmospheric Research in Boulder/Colorado, bis Sie dann 1982 als Direktor an das Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen  berufen wurden. Für Sie ein neuer Anfang in einem für Sie damals noch etwas fernen Gebiet und für die Meteorologie, so darf man heute mit Fug und Recht feststellen, ein Glücksfall.
     Viele von uns haben Sie in den vergangenen fast zwanzig Jahren in Ihrer Wirkungsstätte kennen gelernt, sei es als Mitarbeiter, als Student in Ihrer Vorlesung, denn seit 1985 sind Sie auch Professor in Theoretischer Meteorologie an der Fakultät für Physik der Universität München, als Doktorvater von über 30 Promotionen, als Wissenschaftler und Kollege, oder als Gesprächspartner in einem der vielen Gremien, in denen Sie Mitglied sind. Für alle waren und sind Sie ein fairer Gesprächspartner mit stets vorhandenen und deutlich ausgeprägten eigenen Vorstellungen, aber auch Verständnis für die Anliegen anderer, sei es dienstlich oder auch persönlich. Die Arbeitsatmosphäre in Ihrem Institut ist fachlich äußerst fruchtbar und durch ein menschliches Miteinander geprägt, ein Faktor, der in manchen Führungspositionen anderswo oft vermisst wird. Bewundernswert ist die Effizienz, mit der Sie arbeiten können. Ich erinnere mich noch sehr gut, als wir beide am Bildschirm saßen und Sie innerhalb von drei Stunden die gesamte Struktur unseres damals entwickelten Wolken- und Strömungsmodells MESOSCOP komplett umgestellt hatten. Eine Aufgabe, für die jeder von uns, wenn er sich daran überhaupt gewagt hätte, mindestens zwei Wochen veranschlagt hätte. Ihre Konzentrationsfähigkeit und enorme Auffassungsgabe sind unschätzbare Gaben, die Ihnen in die Wiege gelegt wurden. Sichtbar wird dies neben der erwähnten Anekdote immer wieder, wenn Sie für eine Veröffentlichung die Literatur durchforsten. In Windeseile haben Sie zur Verblüffung aller, die Aufsätze durchgearbeitet, das Wesentliche herausdestilliert und in Ihren eigenen Aufsatz eingearbeitet. Mittlerweile sind es so über 118 Publikationen, bei denen Sie vielfach alleiniger Autor sind. In Ihrem Institut ließe sich sicherlich - in Anlehnung an die Reklameschilder mancher Restaurants - das Schild aufstellen: Hier schreibt der Chef selbst! Zu diesen Fähigkeiten kommt Ihr enormer Arbeitswille und -einsatz hinzu. Das kommt nicht nur durch den vollen Terminkalender zum Ausdruck, denn den haben viele von uns auch, sondern auch durch die vielen Arbeitsstunden an Wochenenden und Abenden. Von den entgangenen und geopferten Urlaubstagen ganz zu schweigen. 
     Von Krankheiten sind Sie, soweit mir bekannt, glücklicherweise verschont geblieben, und wenn es Sie einmal erwischt hat, dann glaubten Sie, und das ist bezeichnend für Sie, sich entschuldigen zu müssen. Dafür dass Sie Ihre Arbeitskraft nicht, wie versprochen, einsetzen konnten. 
     Willensstärke, Einsatzbereitschaft, ein gründliches Wissen, sehr schnelle Auffassungsgabe und ein effizienter Arbeitsstil machen Sie zu einem erfolgreichen Wissenschaftler. Hierin ähneln Sie, wenn ich es mir erlauben darf zu sagen, dem Namensgeber unseres Preises: Alfred Wegener.
     Das schon erwähnte MESOSCOP war Ihre erste große Aufbauleistung in Ihrem Institut, nachdem Sie sich schon vorher weltweit einen Namen auf dem Gebiet der numerischen Turbulenzsimulation gemacht hatten. Als weitere Leistungen seien stichwortartig genannt: Initiator und Motor der Forschung zum Umwelteinfluss des Luftverkehrs, die in Folge durchgeführten  Untersuchungen zu Kondensstreifen, zur Stickstoffproduktion in Gewittern und aus dem Luftverkehr. Die erzielten Ergebnisse führten zu einer Bewertung der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs mit einem Bericht für das Intergovernmental Panel on Climate Change, an dem Sie als Hauptautor beteiligt waren. Während Sie sich am Anfang Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn noch mit Rohrströmungen befassten, so sind Sie heute global forschend tätig, z.B. bei Messungen zum Zusammenhang zwischen Aerosolen und Cirruseigenschaften auf der Nord- und Südhemisphäre. Da für so weit reichende Forschung auch eine entsprechende Forschungsplattform benötigt wird, haben Sie eine Initiative zur Beschaffung eines neuen großen hoch- und weitfliegenden Forschungsflugzeugs "HALO" mit auf den Weg gebracht 
     Sie haben mit Ihrer Forschung internationale Anerkennung gefunden und sind eine der herausragenden wissenschaftlichen Persönlichkeiten in der deutschen Atmosphärenforschung. Sie haben dennoch keinen Hang zur öffentlichen Selbstdarstellung und bleiben immer sachbezogen, auch auf das Risiko hin, in dieser Zurückhaltung missverstanden zu werden. Ihre Basis ist die wissenschaftliche Erkenntnis, unabhängig von Interessengruppen und der Tagesmeinung.
     Ich denke es ist hier und heute der richtige Augenblick, Ihr Eintreten für die Sache der Meteorologie in aller Öffentlichkeit und Deutlichkeit hervorzuheben und mit der Verleihung der Alfred-Wegener-Medaille zu hono-rieren und Ihnen damit unser aller Dank auszusprechen.

Herr Schumann, wir alle gratulieren Ihnen.

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Albert-Defant-Medaille der DMG

Für den diesjährigen Preisträger, Prof. Dr. E. Maier-Reimer hatte Prof. Sündermann (Hamburg) die Laudatio übernommen. Nach Begrüßung der Zuhörer im Saal setzte er seine Rede fort mit folgenden Worten: 

Ernst Maier-Reimer wurde am 9. März 1944 in Liegnitz geboren. Aufgewachsen aber ist er in Schwaben und damit - wie der Namensgeber der Medaille, Albert Defant - im Binnenland. Am Dialekt merkt man ihm den Schwaben nicht an, wohl aber an den inneren Werten, als da sind: Beharrlichkeit, Solidität, Unabhängigkeit, Urtümlichkeit.
     Er besuchte von 1949 bis 1962 die Grund- und Oberschule in Tübingen und schloss mit dem Abitur ab. Im gleichen Jahr nahm er das Studium der Physik in Göttingen auf (Physik natürlich in Göttingen!), das er nach 3 Jahren in Hamburg fortsetzte. Im Januar 1971 wurde er - knapp 27-jährig - Diplom-Physiker mit einer Arbeit über Elementarteilchen-Detektoren. Im Mai des gleichen Jahres trat er als Assistent in das Institut für Meereskunde der Universität Hamburg ein, dessen Direktor damals Prof. Walter Hansen war. Hansen war ein Vorreiter der numerischen Modellierung, und so konnte Ernst Maier-Reimer eigentlich selbst nur (aber 'nur' in einem erhabenen Sinne) Modellierer werden. Er ist es bis heute geblieben und hat seinen Lehrmeister sicher übertroffen.
     Am Rande sei übrigens vermerkt, dass ich selbst zu dieser Zeit meine 9-jährige Tätigkeit am Institut für Meereskunde gerade beendete und einem Ruf nach Hannover folgte. Ernst Maier-Reimer übernahm mein Zimmer unter dem Dach der Villa in der Heimhuder Straße und - darauf bin ich heute noch stolz - mein Nordseemodell.
     Als knapp 29-jähriger promovierte er 1973 mit einer Dissertation über die numerische Behandlung von Transportvorgängen in der Nordsee. Die Arbeit setzte Maßstäbe bei der numerischen Integration der Advektions-Diffusions-Gleichung, insbesondere beim Vergleich von Eulerschen und Lagrangeschen Lösungsverfahren mit Monte-Carlo-Techniken. Sie hatte den überaus vorbildlichen Umfang von 49 Seiten! Ernst Maier-Reimer verbrachte gut 7 Jahre am Institut für Meereskunde und prägte durch seinen Ideenreichtum, durch theoretische und praktische Anleitung und durch menschliche Originalität eine ganze Studentengeneration. Mehr als jede andere Lehrperson begeisterte er junge Menschen für die Wissenschaft, etwa durch spannende Aufgabenstellungen, durch Programmiertricks oder durch solidarisches Warten auf nächtliche Computerausdrucke in einer Kneipe in der Nähe des Rechenzentrums. In kaum einer studentischen Danksagung aus jener Zeit fehlt sein Name.
     Im Oktober 1978 begann für Ernst Maier-Reimer mit dem Eintritt in das junge Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg eine neue Phase seiner wissenschaftlichen Arbeit, die - natürlich mit wechselnden Aufgabenstellungen - bis heute anhält. Von den wirklich gestandenen Wissenschaftlern des MPI ist er heute wohl einer der dienstältesten. Es war ja nicht die Eigenart des Direktors, Klaus Hasselmann, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ewig festzuhalten. Die Leute sollten sich qualifizieren, sich habilitieren, zum Ruhme des Hauses beitragen und dann irgendwo einen ehrenvollen Ruf annehmen. Ernst Maier-Reimer hat diese Leistungen alle getreulich erbracht (habilitiert hat er sich 1986 für das Fach "Ozeanographie" mit seinen Entwicklungsarbeiten für ein globales Zirkulationsmodell) - mit Ausnahme eben des letzten Schrittes. In seinem Falle glaube ich auch, dass Klaus Hasselmann nicht sonderlich gedrängelt hat. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass er der einzige war (vielleicht neben Erich Roeckner), auf den das MPI auf keinen Fall verzichten konnte; auf ihn, den Vater der ozeanischen Zirkulations- und Transportmodelle, die ja integraler Bestandteil der Hamburger Klimaschule waren und sind. Klaus Hasselmann ist inzwischen emeritiert, Guy Brasseur ist gekommen; Ernst Maier-Reimer wird wohl noch bis zu seiner Pensionierung bleiben. Ein bisschen Karriereverweigerung eines Urgesteins ist vielleicht auch dabei.
     Welches sind nun die wissenschaftlichen Verdienste von Ernst Meier-Reimer? Ich orientiere mich dabei an seinen 80 Veröffentlichungen in besten Zeitschriften, zu denen immerhin zweimal Nature und immer wieder Journal of Physical Oceanography, Journal of Geophysical Research, Paleoceanography, Climate Dynamics, Journal of Climate zählen. In seiner Universitätszeit, deren Ausstrahlung etwa 1983 endet, beschäftigte er sich vorwiegend mit der Nordsee. Er berechnete erstmalig detailliert die mittlere klimatologische Zirkulation, Verweil- und Austauschzeiten der Wassermassen, die die Grundlage für die Einschätzung des ökologischen Zustandes der Nordsee wurden. Im Sonderforschungsbereich 94 "Meeresforschung" entwickelte er schon 1975 (gemeinsam mit Günther Radach) ein erstes Modell der Primärproduktion, das dann mit den Daten des historischen Fladengrund-Experimentes 1976 verifiziert wurde. Beides waren herausragende, originäre Leistungen, die fruchtbare Entwicklungen auf diesen Gebieten eingeleitet haben. Darüber hinaus waren es aber immer wieder die kleinen, kreativen Einzelleistungen am Rande, die seinen legendären Ruf als Ideenproduzenten und Nothelfer begründeten. So etwa ein kontinuierlich fokussierendes Gitternetz des Weltozeans mit maximaler Auflösung in der Deutschen Bucht, die Entwicklung numerischer Tracer-Verfahren für nichtkonservative Größen, nicht zuletzt die Schöpfung der geradezu kultischen Plotroutine FISLIN lange vor den heutigen Softwarehilfen.
     Mit dem Eintritt in das Max-Planck-Institut, das damals daranging, sich in der weltweiten Klimaforschung zu etablieren, widmete er sich der Entwicklung und Erprobung globaler Zirkulationsmodelle des Weltozeans und der Simulation und Analyse rezenter und erdgeschichtlich älterer Klimazustände. Er gilt als Mitschöpfer, wenn nicht als Urvater der international renommierten Modellcodes LSG (= Large Scale Geostrophic) und HOPE (= Hamburg Ocean Primitive Equations), den Arbeitspferden zahlreicher Klimaforschungsgruppen. Seine originäre Hauptleistung besteht aber in der Konzeption und Realisierung des weltweit renommierten ozeanischen Kohlenstoffmodells HAMOCC (= Hamburg Model of Ocean Carbon Cycle), mit dem er die Schlüsselrolle des Ozeans im globalen Kohlenstoffkreislauf aufklärte und quantifizierte. Rund 30 seiner Veröffentlichungen befassen sich allein mit dieser Thematik, viele davon gemeinsam mit den international führenden Experten (wie Wallace Broecker) verfasst. Unter den physikalischen Modellierern gehört er sicher zu denjenigen, die am meisten auch von Chemie und Biologie verstehen. So hat er sich auch mit den Flüssen von Eisen, Blei, Stickstoff, Phosphor, Silizium, Sauerstoff im Weltozean befasst, mit deren Transporten in gelöster und partikulärer Form, mit Primärproduktion und Remineralisierung.
     Lassen wir seinen ehemaligen Direktor, Klaus Hasselmann, zu Wort kommen, der an den Nominierungsausschuss schrieb:
 

"Der internationale Ruf des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in der Klimamodellierung beruht ganz entscheidend auf den Verdiensten von Ernst Maier-Reimer. Während die atmosphärische Komponente des MPI-Klimamodells von den Gruppen von Günther Fischer und Lennart Bengtsson entwickelt wurde, wurden prak-tisch alle anderen Komponenten des Klimamodells (Ozean, Kohlenstoffkreislauf, Meereschemie, Meereis usw.) von Ernst Maier-Reimer, weitgehend im Alleingang, erstellt. Darüber hinaus war Maier-Reimer der zentrale Anlaufpunkt des Instituts für alle allgemeinen Fragen der Numerik, Physik und Mathematik, bis hin zu Fragen der Literaturzitate und der Grammatik (im Zweifelsfall nahm auch meine Sekretärin den Weg zu Herrn Maier-Reimer). Durch seine Geduld, seine Gutmütigkeit und sein Verständnis war Herr Maier-Reimer unter den jungen Doktoranden und Nachwuchswissenschaftlern außerordentlich beliebt. Er hat durch seinen Rat sehr viele Arbeiten des Instituts entscheidend mitgetragen."

Soweit die Wissenschaft. Nun noch etwas zum Menschen Ernst Maier-Reimer. Herr Hasselmann fügt in seinem Brief nämlich noch an:
 

"Durch seine zurückhaltende und manchmal etwas skurrile Art fand Herr Maier-Reimer nicht immer die gleiche äußere Anerkennung wie viele seiner Kollegen. In Ausschüssen konnte er beharrlich schweigen. Auch mussten einige seiner kreativsten Modellschöpfungen aus verborgenen Schubfächern von anderen an das Licht der Welt gebracht werden."

Ich füge hinzu, dass sich nicht nur seine Kommissionsbeiträge, sondern auch seine Veröffentlichungen und Vorträge durch spartanische Kürze auszeichnen konnten. Im Geophysikalischen Kolloquium der Universität Hamburg, einer ehrwürdigen Einrichtung mit etwa einstündiger Redezeit, hält er den Turborekord von 17 Minuten. Sein Arbeitszimmer gleicht einem Sedimenthaufen mit Schüttung von den oberen Schranktüren über den unsichtbaren Schreibtisch bis zum papierbedeckten Boden. Die Ordnung herrscht halt im Kopf, und er wird jeden Vorgang im räumlichen Chaos in Sekundenschnelle finden. Bemerkenswert zur Abrundung einer prallen Persönlichkeit ist auch noch seine abenteuerfreudige Reiselust. So ist er mit dem Auto auf dem Landwege bis nach Indien und in den Niger gelangt.
     Die DMG hat mit dieser Nominierung der Kette ihrer hochrenommierten, prominenten Preisträger wie Henry Stommel oder Pierre Welander ganz bewusst einen stilleren Arbeiter hinzugefügt, der an seiner Stelle den Fortschritt der Wissenschaft ebenso wirksam gefördert hat. Sie will damit ausdrücken, dass kreative Wissenschaft eine Mischung aus großen Konzeptionen und umfassenden, gründlichen Realisationen ist.

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Ehrenmitgliederschaft in der DMG

Prof. Dr. J. Taubenheim wurde die Ehrenmitgliedschaft der DMG verliehen. Die Laudatio verfasste Joachim Neisser (Lindenberg):

Der Vorstand der DMG hat beschlossen, Herrn Prof. Dr. Jens Taubenheim die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft zu übertragen. Damit wird eine Persönlichkeit geehrt, die als Wissenschaftler auf dem Gebiet der Atmosphärenphysik, aber auch in der persönlichen Haltung unter den komplizierten gesellschaftlichen Randbedingungen im Deutschland der vergangenen 4 - 5 Jahrzehnte, in einem außerordentlichen Maße die Kreativität des Forschers und die Integrität des Wissenschaftlers und Hochschullehrers vereinigt.
     In Hamburg 1929 geboren, aufgewachsen im Anhaltinischen, studierte Jens Taubenheim Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre anfangs in Leipzig, später aber besonders bei Hans Ertel in Berlin, Geophysik und begann sein Berufsleben als Assistent bei Ertel am Institut für Physikalische Hydrographie in Berlin-Friedrichshagen. Den weitaus größten Teil seines Berufslebens war er als Wissenschaftler, Arbeitsgruppen-, Abteilungs- und Bereichsleiter und schließlich auch Direktor am Heinrich-Hertz-Institut (HHI) der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof  tätig. Die Themen seiner Promotionsarbeit bzw. der Habilitationsschrift - zum einen "Sonneneruptionseffekte in der E-Schicht der Ionosphäre", zum anderen "Die statistische Auswertung geophysikalischer und meteorologischer Daten" - repräsentieren die dominierenden Schwerpunkte in seiner Tätigkeit als Forscher und Hochschullehrer. In den 50er und 60er Jahren waren die Probleme der Einwirkung des Ausbreitungsmediums Erdatmosphäre - ionisiert oder neutral - auf die Informationsübertragung mit Hilfe von Kurz-, Mittel- und Langwellen von hoher praktischer Relevanz. Umgekehrt konnte man mit Hilfe der Ausbreitungseigenschaften von elektromagnetischen Wellen die Struktur und Dynamik des Ausbreitungsmediums Strato-, Meso- und Ionosphäre untersuchen. Jens Taubenheim lieferte bereits in dieser Zeit unter dem damaligen Direktor des HHI Otto Hachenberg eine Vielzahl neuer Erkenntnisse zu diesen Forschungszielen. Er war wesentlich am Aufbau der lonosphärenstation in Juliusruh/Rügen an der Ostsee beteiligt, die bis heute Methoden der atmosphärischen Funkwellenausbreitung für aeronomische Untersuchungen anwendet. Die Wellenausbreitungsmethodik war während seines gesamten Forscherlebens das wesentliche Hilfsmittel für Struktur- und Trendanalysen des dynamischen und thermischen Regimes der Strato- und Mesosphäre als Folge des Zusammenwirkens von kurz- und langperiodischen solaren und terrestrischen Einwirkungen. In einer Vielzahl von Originalbeiträgen und wissenschaftlichen Fachvorträgen sind diese Forschungsergebnisse dokumentiert. Ein zweiter Schwerpunkt der Forschungstätigkeit von Jens Taubenheim waren Untersuchungen über die Anwendung statisti-scher Methoden in der Geophysik und Meteorologie. Mit dem aus seinen Forschungen und der universitären Lehrtätigkeit entstandenen Buch "Statistische Auswertung geophysikalischer und meteorologischer Daten" hat er bereits Ende der 60er Jahre ein Standardwerk geschaffen, das für Fachwissenschaftler und Generationen von Studenten zum Nachschlagewerk bei der statistischen Behandlung der im allgemeinen in der Geophysik deutlich zeit- und ortsabhängigen Messgrößen geworden ist. Leider konnte aus technischen Gründen die von ihm gewünschte überarbeitete Version nicht zum Druck gelangen.
     Die Breite seiner Forschertätigkeit zeigt sich auch in der Flexibilität, auf neue Herausforderungen der Grundlagenforschung zu reagieren - so war er in den 80er Jahren verantwortlicher Autor einer Studie über die physikalischen Grundlagen der Schallsondierung der atmosphärischen Grenzschicht - einem bis heute expandierenden Verfahren zur Fernsondierung der auch stark durch Umweltbeeinflussung geprägten untersten Atmosphärenschicht. 
     Prof. Taubenheim war als Wissenschaftsorganisator in vielen Funktionen tätig, so z. B.

  • von 1970-1990: 

  • Vorsitzender und Kurator des Komplexes "Solar-terrestrische Physik" im Rahmen der KAPG der damaligen Ostblockländer. Dabei erwarb er sich besondere Verdienste bei der aktiven Gestaltung der internationalen Kooperation und der Weiterbildung in Sommerschulen sowie als Initiator und Herausgeber der Zeitschrift "Physica Solari Terrestris"
  • von 1975-1979: 

  • Sekretär der Kommission ICMUA (International Commission on Meteorology of the Upper Atmosphere) der IAMAP
  • von 1978-1987: 

  • Vice-Chairman und Chairman der "Interdivisional Commission on Middle Atmosphere" in der IAGA
  • von 1982-1988: 

  • Vice-Chairman der Task Group on "International Reference Atmosphere" von COSPAR/URSI
Ein wesentlicher Bestandteil seines Wirkens war über fast 40 Jahre die Tätigkeit als Hochschullehrer - anfangs an der Bergakademie Freiberg, besonders aber über viele Jahre an der Humboldt-Universität Berlin und zuletzt an der FU Berlin. Die Physik der Hochatmosphäre, die kosmische Physik und die mathematische Statistik waren die Themen der Vorlesungen von Prof. Taubenheim. Viele seiner Schüler erinnern sich an die didaktisch hervorragenden Vorträge mit einem Tafelbild, in der Zeit der Dominanz von Kreide und Zeigestock, das unverändert gedruckt werden konnte.
     Jens Taubenheim war schon über 60 Jahre,  als noch eine besondere Herausforderung auf ihn zukam - die schwierige Zeit der Eingliederung der ostdeutschen Atmosphärenforschung in einen gesamtdeutschen Wissenschaftsrahmen Anfang der 90er Jahre. Dabei erwarb er sich besondere Verdienste. Auf der Grundlage seiner über die Grenzen bekannten wissenschaftlichen Leistungen und seiner über Jahrzehnte währenden persönlichen Integrität war er in dieser Umbruchperiode ein Kristallisations- und Orientierungspunkt für Ost und West bei der Erarbeitung von strategischen Entscheidungen, die erheblichen Einfluss auf das Schicksal von Forschungseinrichtungen und das persönliche Schicksal der betroffenen Wissenschaftler hatten. Dabei bemühte sich Jens Tau-benheim u.a. als Mitglied der AG Umweltforschung des Wissenschaftsrates der BRD, als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats beim Deutschen Wetterdienst sowie in Evaluierungskommissionen um die Erhaltung und Stabilität von wichtigem Atmosphärenforschungspotenzial im Ostteil Deutschlands. In dieser Zeit wird er 1990 zum Vorsitzenden der Meteorologischen Gesellschaft in der DDR gewählt, und nach der deutschen Wiedervereinigung ist  er stellvertretender Vorsitzender der nunmehr gesamtdeutschen DMG. Jens Taubenheim förderte die Vereinigung der beiden Fachzeitschriften zur "Meteorologischen Zeitschrift" (Neue Folge) und fungiert als einer der ersten Herausgeber.
     Seine Verdienste sind mehrfach Gegenstand von Ehrungen, so erhält er z.B. 1985 die Johannes-Stroux-Medaille der Akademie der Wissenschaften, und 1995 bekommt er das Bundesverdienstkreuz der BRD. Er ist Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher "Leopoldina". 1994 wird Prof. Taubenheim am Institut für Meteorologie der FU Berlin emeritiert. Bis heute hat er ein stets offenes Ohr für neue Forschungen in der Universität in der Geophysik und ist oft Diskussionspartner auf den Kolloquien der Universität und bei der DMG im ZV Berlin-Brandenburg.
     "Hervorragende Verdienste um die Meteorologie oder um die DMG...",  so fordert es die Satzung unserer Gesellschaft für Ehrenmitglieder. Beides trifft in hohem und besonderem Maße auf das Ehrenmitglied der DMG Jens Taubenheim zu.

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Reinhard-Süring-Medaillen der DMG

Prof. Christian Hänsel

Die Laudatio für den Preisträger Prof. Christian Hänsel erstellte Peter Hupfer (Berlin):

Christian Hänsel konnte seine akademische Ausbildung infolge von Militärdienst und mehrjähriger Ge-fangenschaft erst 1953 beginnen, als er in Leipzig das Meteorologiestudium aufnahm. Nach Ablegen der Diplom-Prüfung folgte er dem Angebot von Karl Schneider-Carius, den er neben Horst Philipps zu seinen akademischen Lehrern im engeren Fachgebiet zählte, eine Stelle als Assistent am Geophysikalischen Institut anzutreten. Er befasste sich in Lehre und Forschung zunächst vornehmlich mit synoptischer Meteorologie, ein Gebiet, dem auch die Themen von Promotion und Habilitation sowie etliche Publikationen entstammen. Nach dem frühen Tod von Schneider-Carius oblagen Christian Hänsel zahlreiche Pflichten in der Leitung von Studiengang und Institut, die aber zugleich seine fachliche Kompetenz erweiterten und sein Interesse an der Nutzung der Potenzen der Universität für die interdisziplinäre Zusammenarbeit weckten.
     Nach der nicht zu rechtfertigenden Schließung des traditionsreichen, von Vilhelm Bjerknes gegründeten Geophysikalischen Instituts der Universität Leipzig mit dem Studiengang Meteorologie im Zuge einer Hochschulreform in der DDR  widmete sich Christian Hänsel mit seinem breiten Fachwissen vor allem umweltbezogenen Forschungsthemen und erschloss neue fachübergreifende Lehrgebiete für Physik- und Lehrerstudenten sowie in steigendem Umfang auch für die Weiterbildung von Geophysikern, Meteorologen und anderen Geowissenschaftlern. Sein besonderes Interesse galt weiterhin der Entwicklung der Zusammenarbeit mit der Physik, für deren Studenten er beispielsweise mehrmals die Lehrveranstaltungen in Messtechnik bestritt. Auf diese Weise leitete Christian Hänsel schon früh eine Entwicklung ein, die nach 1990 mit der Gründung der Fakultät für Physik und Geowissenschaften ihre institutionelle Form erhielt. Hervorzuheben sind die von ihm 1978 begründeten Universitäts-Kolloquien zu naturwissenschaftlichen Umweltproblemen, die schnell dadurch bekannt und beliebt wurden, dass auch für die damalige Zeit heikle Themen in größtmöglicher Offenheit für einen breiten Interessentenkreis, insbesondere auch für Angehörige technischer Disziplinen, auf der Tagesordnung standen. Als Leiter des Umwelt-Arbeitskreises hat er über Jahre hinweg einwöchige Workshops durchgeführt, die universitären Querschnittsthemen gewidmet waren. Auf dem Universitäts-Hochhaus richtete er ein "Stadtobservatorium" ein, das die Gewinnung neuartiger Daten zu den Eigenschaften der Stadtatmosphäre ermöglichte. Christian Hänsels Interesse richtete sich auch auf die Klimaschwankungen, über die er nicht nur ein Buch veröffentlichte, sondern auch mit Kollegen von der Geologie zu Problemen der Paläoklimatologie arbeitete, wobei sich die Untersuchungen in Braunkohlentagebauen als regional recht ergiebig erwiesen. In Anerkennung seiner vielseitigen Aktivitäten und Ergebnisse wurde er im Jahr 1979 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Umweltgeophysik berufen und 1985 zum Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Bis in die neunziger Jahre hinein nutzte er die durch diese Akademie gebotenen Möglichkeiten, interdisziplinär zusammengesetzte Arbeitsgruppen zu leiten, um umweltrelevante Problemstellungen zu lösen.
     Christian Hänsel war Gründungsmitglied der 1957 ins Leben gerufenen Meteorologischen Gesellschaft in Ostdeutschland. An Tagungen und zahlreichen Veranstaltungen der Gesellschaft hat er sich stets aktiv beteiligt. Nach der Bildung regionaler Sektionen war er von Mitte der siebziger Jahre bis 1990 Vorsitzender der Sektion Süd der Gesellschaft und sorgte in dieser Funktion für interessante und auch auf Nachbargebiete übergreifende Veranstaltungen. Engagiert förderte er ab 1990  die Vereinigung der beiden Gesellschaften in Deutschland und die Bildung des Zweigvereins Leipzig der DMG.  Die Mitglieder wählten mit Christian Hänsel einen Vorsitzenden, der allseits beliebt und durch seine Kompetenz nach wie vor sehr geachtet war. Er sorgte in Zusammenarbeit mit den in Leipzig neu entstandenen Instituten gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern für ein reges Zweigvereins-Leben. Nachdem er 1992 wiedergewählt worden war, übernahm er nach Ablauf der Wahlperiode aus Altersgründen keine Funktionen in der Gesellschaft mehr, blieb ihr aber bis heute durch die Teilnahme an Veranstaltungen und reges Interesse an der Entwicklung der Meteorologie eng verbunden. Auf seinen Vorschlag hin wurde in Leipzig die Meteorologen-Tagung 1998 ausgerichtet. 
     Durch die Verleihung der Süring-Medaille ehrt die Deutsche Meteorologische Gesellschaft in Professor Dr. Christian Hänsel ein langjähriges Mitglied, das sich durch herausragende fachliche Leistungen sowie durch eine vieljährige aktive Förderung der Tätigkeit der Gesellschaft um die Meteorologie verdient gemacht hat.Zum Inhaltsverzeichnis


Reinhard-Süring-Medaillen der DMG

Konrad Balzer

Udo Gärtner, Präsident des DWD,  hielt die Laudatio für den Preisträger  Dipl.-Met. Konrad  Balzer  zur Verleihung der Reinhard-Süring-Medaille (zusammengefasst von Sabine Theunert, Wittlich):

Die Vergabeordnung in der Satzung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft sieht vor, dass die Reinhard-Süring-Medaille für hervorragende wissenschaftliche Verdienste um die Ziele der DMG verliehen werden soll. Ein ganz wesentliches Ziel der DMG ist die Öffentlichkeitsarbeit, und mit dem Preisträger Konrad Balzer wurde eine Persönlichkeit geehrt, die sich insbesondere mit öffentlichkeitswirksamen Fragestellungen beschäftigt hat.
     Seine humanistische Ausbildung erhielt Konrad Balzer, Jahrgang 1936, an der traditionsreichen Dresdner Kreuzschule und schloss diese 1954 mit dem Abitur ab. Er studierte Meteorologie in Leipzig und trat 1959 in den Meteorologischen Dienst der DDR ein. Der Schwerpunkt seiner beruflichen Tätigkeit während der ersten zehn Jahre war die Wettervorhersage in der mitteldeutschen Wettermeldestelle in Leipzig. Schon die ersten Jahre seiner Tätigkeit regten ihn an, sich mit Ursachen von Fehlprognosen und der Leistungsfähigkeit der Wettervorhersage auseinander zu setzen, das heißt insbesondere mit der Objektivierung der Vorhersage und ihrer Verifikation.  Ab dem Jahr 1968 leitete er die Gruppe "Synoptische Forschung" des MD in Potsdam, ab 1974 war er als Leiter der Gruppe "Automatisierung der Wettervorhersage mittels statistischer Interpretation" eingesetzt. Diesem Tätigkeitszeitraum ist eine Vielzahl von Veröffentlichungen zuzuordnen, die sich vertieft mit der Automatisierung der Wettervorhersagen und deren Umsetzung im praktischen Dienst beschäftigen, wobei sich Konrad Balzer nicht scheute,  auch die Grenzen der Vorhersagbarkeit zu untersuchen. Nach der Wende erfolgte 1990 die Übernahme in den Deutschen Wetterdienst, wo er Leiter des Sachgebietes "Verifikation von Vorhersagen lokalen Wetters" wurde. Der Schwerpunkt war nunmehr nicht nur die Güte-Kontrolle, sondern auch der Faktor Mensch in Wechselwirkung mit der Technik sowie die Leistungsfähigkeit von Ensemble-Vorhersagen.
     Der Laudator wies insbesondere darauf hin, dass Konrad Balzer mit seiner wissenschaftlichen Arbeit für die Automatisierung der Wettervorhersagen und über statistische Methoden Impulse gegeben hat. Seine wissenschaftlichen Beiträge waren außerordentlich wichtig. Durch eine Vielzahl von Publikationen, auch in nationalen und internationalen Zeitschriften, hat er fachlich Signale gesetzt, die er stets in Vorträgen und Fortbildungsveranstaltungen durch lebhafte und kontroverse Diskussionen kompetent vertreten hat. Allein die letzten Jahre zeugen von einer vielfältigen Vortrags- und Fortbildungstätigkeit in ganz Deutschland, aber auch international, wobei er gern gesehener Gastredner bei vielen Zweigvereins-Veranstaltungen oder Tagungen (DMT) der DMG ist. Wie nur wenige Wissenschaftler versteht er es, durch seinen Vortragsstil und -inhalt die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Dabei hat er die Fähigkeit sein Wissen weiter zu vermitteln und Verständnis bei den Zuhörern zu erzeugen - beides Voraussetzung für eine öffentlichkeitswirkame Information über meteorologische Themen.

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Paulus-Preis 2001

Frau  Dr. C. Luedecke war die Laudatorin für den Paulus-Preisträger Dr. St. Emeis: 

Der Paulus-Preis für Geschichte der Meteorologie, der mit 2000 DM verbunden ist, soll einenAnreiz für historische Forschungen in unserem Fach geben. Er wurde von Dr. Rudolf Paulus, der den Fachausschuss Geschichte der Meteorologie initiiert hatte, während der letzten Meteorologentagung in Leipzig für eine deutschsprachige Arbeit ausgelobt, die durch Auswertung historischen Quellen zustande gekommen ist. Bevorzugt werden sollen solche Arbeiten, die den Zusammenhang der Entwicklung der Meteorologie mit der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung darstellen bzw. sich mit der Entwicklung der Meteorologie vor 1900 befassen.
     Der Vorstand des Fachausschusses Geschichte der Meteorologie hat es sich nicht leicht gemacht, aus den vorgelegten Arbeiten den Preisträger zu bestimmen, der diese Anforderungen erfüllt. Der Paulus-Preis der Meteorologentagung in Wien 2001 geht an Herrn Dr. habil. Stefan Emeis vom Fraunhoferinstitut in Garmisch-Partenkirchen. Wie sie sich vielleicht erinnern, hat Herr Emeis während zweier Tagungen ausführlich über den Stand der Thermodynamik Ende des 18. Jhdts. (Leipzig, Sept. 1998) und die meteorologischen Arbeiten des Geologen L.A. Deluc (Wernertagung, Freiberg/Sachsen, Sept. 1999) vorgetragen. Darüber hinaus hat Herr Emeis in der Meteorologischen Zeitschrift (2000) einem geschichtlichen Beitrag über "Who created Réaumur's thermometer scale?" veröffentlicht. Über Deluc hat er auch ein ausführliches Manuskript für den Tagungsband der Wernertagung vorbereitet, der in diesen Tagen herauskommen soll. 
     Die Vorträge und das eingereichte Manuskript über Deluc mit dem Titel "Der Meteorologe und Geologe J.A. Deluc (1727-1817) und der Wandel naturwissenschaftlicher Sicht- und Denkweisen während seiner Schaffenszeit" zeigen, wie tief Herr Emeis neben seinen aktuellen Forschungsarbeiten in die meteorologischen Vorstellungen des 18. Jahrhunderts eingedrungen ist. Dieses Manuskript ist über diesen Link abrufbar.
     In geeigneter Weise belegt Herr Emeis, dass detaillierte Kenntnisse über die Entwicklung der eigenen Disziplin wichtige Anregungen geben können für die jeweils aktuellen Arbeiten. Dies hat Herr Emeis auch in seinem kürzlich erschienenen Buch "Meteorologie in Stichworten" demonstriert, das in seinen kompakten Teilkapiteln eine Vielzahl von historischen Bezügen herstellt.
     Auch während der nächste Meteorologentagung im Jahr 2004 wird ein Paulus-Preis verliehen. 
Möge diese Tagung weitere Anregungen für historische Arbeiten liefern.

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Förderpreis der DMG

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Preis der DMG für die Postergestaltung

 
Abb.: Der 1. Preis für das schönste Poster ging an Foken et al., Deutschland sowie Suny, Österreich.

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Unterstüzung von Studenten zur Teilnahme an der DACH´MT

Wie bei jeder Meteorologentagung bezuschusste auch dieses Mal die DMG die Teilnahme einer größeren Anzahl von Studenten an der Meteorologentagung  DACH´MT 2002 in Wien. Die Unterstützung wurde auf Zweig-vereinsebene organisiert. Nachfolgend werden Berichte von zwei Studenten des ZV Rheinland, der Universitäten Bonn und Trier  stellvertretend abgedruckt, die einen exemplarischen Einblick in das Tagungsgeschehen geben bzw. auch kritisch hiermit auseinander setzen. 

Bericht I 
Durch die Teilnahme an der konnte mir einen Überblick über die Vielzahl der angebotenen wissenschaftlichen Vorträge, Diskussionen und Poster verschaffen. Schwerpunktmäßig interessierten mich die beiden Sessions am Freitag, Session 7b "Prozesse an Landoberflächen" und 7c "Regionalisierung von Wechselwirkungen",  über die ich im folgenden detaillierter berichten möchte.
     Session 7b begann mit einem Übersichtsvortrag von Franz Meixner über "Stickoxid- und Ozonflüsse zwischen Atmosphäre und unterschiedlichen Landoberflächen - ein Beispiel aus der Regenwaldrodung", in dem Ergebnisse von Flussmessungen über einem Regenwaldgebiet und einer durch Brandrodung entstandenen Weidefläche in Brasilien gezeigt wurden. Festgestellt wurde, dass die biogenen Stickoxidflüsse aus dem Waldboden erheblich größer sind als die entsprechenden Emissionen aus dem Weideboden. Tagsüber jedoch erreicht nur ein kleiner Teil des vom Waldboden emittierten NO die Atmosphäre über dem Bestand, da (bei stabiler thermischer Schichtung) der größere Teil mit von oben eingemischtem Ozon zu NO2 reagiert. Die nächtliche instabile thermische Schichtung am Waldboden begünstigt den turbulenten NO-Transport in höhere Bestandsschichten, und aufgrund der dort zu dieser Zeit geringen Konzentration von Ozon führt dies zu einer ausgeprägten NO-Emission in die Atmosphäre. 
     Thomas Foken berichtete in seinem Vortrag über "Das Energiebilanzexperiment EBEX-2000" welches im Sommer 2000 in Kalifornien (USA) über einem geschlossenen Bestand mit starker Verdunstung (bewässertes Baumwollfeld) stattfand. Untersucht werden sollte dabei die Fragestellung, warum mikrometeorologische Messungen der einzelnen Terme der Energiebilanzgleichung oftmals zu keiner Schließung der Gesamtbilanz führen. Üblicherweise können nur 70-90% der Strahlungsbilanz geschlossen werden, sodass 100-300 W/m2 fehlen. Im Rahmen des Experiments EBEX-2000 konnte mit Hilfe verschiedener Korrekturen der Messdaten (Gerätekor-rekturen, spektrale Korrektur, sowie Berücksichtigung von horizontalen Flussdivergenzen) eine Schließung bis auf 20-50 W/m2 im zeitlichen Mittel erreicht werden. Im anschließenden Beitrag "Landoberflächenprozesse über heterogener Unterlage: Ergebnisse aus dem LITFASS-Projekt des Deutschen Wetterdienstes" stellte Frank Beyrich das LITFASS-Projekt kurz vor und präsentierte einige ausgewählte Ergebnisse von Messungen der Energie-bilanzkomponenten über verschiedenen Landoberflächen im LITFASS-Gebiet (es umfasst ca. 20x20 km2 in der Nähe des Meteorologischen Observatoriums Lindenberg). Ziel des Projektes ist die Langzeitüberwachung von vertikalen turbulenten Flüssen über heterogenen Landoberflächen. Dieser Langzeitdatensatz für die Untersu-chung von Wechselwirkungsprozessen zwischen einer heterogenen Landoberfläche und der Atmosphäre soll sowohl zur Modellentwicklung und -validation als auch zur Anbindung von Satellitendaten an bodennahe Messungen dienen. 
      Im Anschluss an diesen Vortrag erfolgte eine kurze Vorstellung der Posterbeiträge dieser Session, bevor Christian Bernhofer die Reihe der Vorträge mit dem Beitrag "VERTIKO - Ein Forschungsverbund zur Bedeutung kleinräumiger Heterogenitäten in der Atmosphärenforschung (Ziele und erste Ergebnisse)" fortsetzte. VERTIKO als Forschungsverbund von 12 deutschen und einer Schweizer Institution hat als Ziel, mit Hilfe der Verbindung von experimenteller und modellgestützter Arbeit die Vertikaltransporte durch die atmosphärische Grenzschicht als Flächenmittel zu erfassen, ohne die vorhandene - oft sehr kleinräumige - Heterogenität zu vernachlässigen. Dazu wurden und werden im Zielgebiet, welches die wesentlichen Landnutzungsformen Deutschlands umfasst, verschiedenste Mess- und Teststationen aufgestellt, die zum Aufbau von Datenbanken dienen, mit Hilfe derer verbesserte Grenzschichtmodelle entwickelt und validiert werden sollen. 
     Armin Raabe hielt einen Vortrag über die "Räumliche Variabilität turbulenter Parameter von Luftströmungen abgeleitet über ein Verfahren der akustischen Laufzeittomographie". Die recht neue Methode der Laufzeituntersuchung bei der horizontalen Ausbreitung von Schallwellen zielt auf die Überprüfung von Punktmessungen in Bezug auf ihre Repräsentativität für die sie umgebenden - nicht immer horizontal homogenen - Flächen. Es wurden Ergebnisse eines Experiments in Lindenberg 1999 präsentiert, wobei eine Korrelation zwischen experimentell ermittelten horizontalen Gradienten im Lufttemperaturfeld und gleichzeitig beobachteten Schließungslücken in parallel zum Tomographieexperiment durchgeführten Energiebilanzmessungen festgestellt wurde. 
     Nach der Kaffeepause setzte Eva van Gorsel die Session mit einem Vortrag zur "Turbulenzstruktur über Flächen unterschiedlicher Rauigkeit und Komplexität" fort. Sie zeigte Ergebnisse von Messungen verschiedener turbulenter Parameter aus mehreren Messkampagnen (u.a. EBEX-2000, MAP-RIVIERA). Als ein wichtiges Ergebnis wurde herausgestellt, dass die Turbulenzstruktur in und über einem alpinen Laubwald (komplexe Topographie) in erheblichem Maße durch die vorhandene Vegetation bestimmt wird. 
     Anschließend stellte Bodo Wichura in seinem Beitrag "CO2-Austauschprozesse über einem Fichtenbestand anhand von 13C- und CO2-Flussmessungen und Waveletanalysen" vor. Anhand von 13C-Flussmessungen nach der Hyperbolic Relaxed Eddy Accumulation Methode und CO2-Profil- und Flussmessungen konnte gezeigt werden, wie sich der CO2-Austausch als Resultat der Überlagerung von verschiedenen Prozessen vollzieht. Zudem wurde eine zeitweise Entkopplung von Impuls- und CO2-Austausch-prozessen über dem Fichtenbestand nachgewiesen. 
     Valeri Goldberg zeigte in seinem Vortrag "Test verschiedener Kopplungsindizes mit dem gekoppelten Vegetations-Grenzschichtmodell HIRVAC", dass das Modell HIRVAC in der Lage ist, Kopplungsmechanismen zwischen der vegetationsbedeckten Erdoberfläche und der Atmosphäre mit den vorgestellten Kopplungsindizes zu beschreiben. Des weiteren ist mit Hilfe des Modells eine Separierung einzelner Kopplungsmechanismen sowie die Untersuchung des Einflusses einzelner Parameter auf die Kopplung möglich, was im Feldexperiment nicht zu realisieren ist. 
     Abschließend in Session 7b stellte ich in meinem Beitrag "Grenzschichtmessungen und Modellvalidation über bewachsenen Land-oberflächen" einige Ergebnisse aus Messungen einer boden- und flugzeuggestützten Mess-kampagne über einem land- und forstwirtschaftlich genutzten Gebiet in der Nähe von Bonn mit anschließender Validation des Lokal-Modells (LM) des Deutschen Wetterdienstes vor.
     Als letzte Sitzung die  Session 7c "Regionalisierung von Wechselwirkungen" besucht. Nach einem Übersichtvortrag von Franz Fiedler über "Vergleiche der verschiedenen Verfahren zur Wechselwirkung Boden-Atmosphäre" folgte ein Beitrag von Heinz-Theo Mengelkamp mit dem Titel "Modellierung des Abflusses im Oberlauf der Oder mit einem gekoppelten atmosphärischen/hydrologischen Modell", wo die Bedeutung der Kopplung von meteorologischer und hydrologischer Modellierung zur Sprache kam. 
     Sonja Weinbrecht stellte anschließend eine "LES-Modellvalidierung mit dem Verfahren der akustischen Laufzeittomographie" vor. Diese schon in der Vormittagssitzung angesprochene Messmethode bietet die Möglichkeit, die LES-Daten in vergleichbarem Format und vergleichbarer Auflösung zu validieren. 
     Es folgten zwei Beiträge zum LITFASS-Lokal-Modell (LLM) des Deutschen Wetterdienstes, das eine hochaufgelöste Version des schon operationell eingesetzten Lokalmodells (LM) für das LITFASS-Gebiet darstellt. 
     Hans-Joachim Herzog sprach in seinem Vortrag "LLM - eine hochaufgelöste Version des LM zur Bestimmung turbulenter Flüsse in Bodennähe" diverse theoretische Modellaspekte des LLM an, während Gerd Vogel "Zum Einsatz des LLM als Validierungsinstrument für die numerische Wettervorhersage"einige Anwendungsbeispiele präsentierte. 
     Beendet wurde Session 7c von Kristina Fröhlich mit dem Vortrag "Der Einfluss der Schneedecke auf das System der Wechselwirkungen zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre", in dem sie nach einer Übersicht über die physikalischen Vorgänge in einer Schneedecke auf deren numerische Umsetzung einging und anhand einer Fallstudie einige Vergleiche von Mess- und Modellergebnissen vorstellte.
     Insgesamt stellte die DACH-MT 2001 in Wien eine gelungene Tagung dar und bot einen vielfältigen Informationsaustausch unter den anwesenden Wissenschaftlern. Dennoch möchte ich abschließend noch zwei Aspekte kritisch anmerken. Zum einen war die Qualität der im Kongresszentrum vorhandenen Overhead-Projektoren nicht besonders gut (es gibt wesentlich lichtstärkere Geräte), und zum anderen sollte vielleicht in Zukunft von den Leitern der einzelnen Sessions mehr auf die Einhaltung der Redezeit geachtet werden, um den Zuhörern zu ermöglichen, auch zeitlich nahe beieinanderliegende Vorträge verschiedener Sessions anzuhören.

Bernd Maurer
Meteorologisches Institut, Universität Bonn


Bericht II
Durch die freundliche Unterstützung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft wurde mir die Teilnahme an dieser Tagung ermöglicht.
     Nachfolgend gebe ich einen Überblick über einige mich besonders interessierende Vorträge:

Mittwoch 19. Sept.
GRÖHN, I.: Qualitätskontrolle und Analyse von Beobachtungsdaten
Nach einer kurzen Einführung in die Problematik der Homogenisierung von Datenreihen und den verschiedenen Fehlerarten wurde ein Verfahren zur Qualitätskontrolle von Messdaten vorgestellt.
Dieses wird derzeit in der Praxis für den Luftdruck, die potenzielle Temperatur, sowie die horizontalen Komponenten  des Bodenwindes angewendet.

GRIESER, J.: Werden extreme Wettersituationen wahrscheinlicher?
Eine Antwort auf diese Fragestellung soll durch die Analyse von Zeitreihen gefunden werden. Am Beispiel einer 100-jährigen Zeitreihe der Monatsmitteltemperaturen von Frankfurt am Main wurde aufgezeigt, dass schon kleine Trends in den Mittelwerten zu gewaltigen Änderungen in den Extremwerten führen können.

MENZEL A.: Start und Ende der Vegetationsperiode aus phänologischen Bodenbeobachtungen und Satellitendaten
Es wurde der Versuch unternommen, sowohl Start als auch  Ende der Vegetationsperiode von verschiedenen Pflanzenarten mittels Satellitendaten zu bestimmen. Der Beginn der Vegetationsperiode ist gut aus den derzeit zur Verfügung stehenden Satellitendaten abzuleiten. Probleme, die weitere Untersuchungen erfordern, treten jedoch noch bei der Bestimmung des Endes der Vegetationsperiode auf.

Donnerstag, 20. September
Kuttler, W.: Analyse der urbanen Luftqualität mittels mobiler Messungen 
(Der Vortrag wurde nicht von Prof. Dr. Kuttler, sondern von seinem Mitarbeiter THOMAS, D. gehalten.)
Die Ergebnisse einer mobilen Messkampagne im Stadtgebiet von Essen wurden vorgestellt, auftretende Probleme sowie Lösungsansätze geschildert. Mittels multipler Korrelationsanalysen wurde die durchschnittliche tägliche Verkehrsdichte als wichtigster Faktor der Schadstoffbelastung ausgemacht. Leider stehen jedoch immer noch keine geeigneten Messverfahren für die mobile Staubmessung zur Verfügung.

SPERLING, T.: Anwendung eines komplexen Ausbreitungsmodells zur Bestimmung von Immissions-Kenngrößen im gegliederten Gelände
Der Einsatz des Gauß-Fahnenmodells zur Bestimmung der atmosphärischen Zusatzbelastung von genehmigungspflichtigen Anlagen im gegliederten Gelände ist nur eingeschränkt möglich. Das Programmsystem WiTaK, mit höherwertiger Modellphysik, verwendet gemessene Windrosen als Startfaktor zur Berechnung der flächendeckenden Windverhältnisse. Es zeigte sich, dass der Einfluss der Orographie sehr gut durch das Modell abgebildet wird.

MAYER, H: Ansätze für Luftqualitätsindizes
Neben der Erfassung und Bewertung einzelner Immissionskomponenten sind Aussagen über die integrale Qualität der Luft mittels Indizes notwendig. Der Bedarf an solchen Luftqualitätsindizes ist vorhanden. Verschiedene Ansätze wurden vorgestellt und diskutiert. 

  • Statistische, nicht wirkungsbezogene Indizes, die meist als Summe von verschiedenen Schadstoffen berechnet werden, eignen sich gut für Aussagen über charakteristische Luftbelastungen. 
  • Wirkungsbezogene Indizes, die über den höchsten Wert einer Immissionskomponente den Wirkungsbezug herstellen
Letztendlich kann keine der beiden Ansätze die Bewertung der Einzelkomponenten ersetzen, sondern diese nur unterstützen.

KUNKA, R.: Flächenhafte Regionalisierung von Klimagrößen aus Messfahrten durch GIS-gestützte mathematische  Analyseverfahren
Die flächenhafte Regionalisierung von Temperaturfeldern durch GIS-gestützte Verfahren sollen eine Alternative zu aufwendigen Simulationen oder Thermalbefliegungen darstellen. Mittels mobiler Temperaturmessungen, festen Referenzstationen sowie Informationen über die Landnutzung im Untersuchungsgebiet wurden durch Korrelationsberechnungen plausibel flächendeckende Temperaturfelder erzeugt. Durch die Kombination der Temperaturfelder mit weiteren örtlichen Parametern ist sowohl die Abgrenzung von Klimatopen als auch das Treffen von planungsrelevanten Aussagen möglich.

BIGALKE, K.: METRAS+: Ein benutzerorientiertes Werkzeug zur Stadt- und Regionalplanung für Beratungsunternehmen und Behörden.
Das von der Firma METCON entwickelte, nicht kommerzielle Software-Paket METRAS+ zur Simulation von Ausbreitungs- und Depositionsvorgängen wurde mittels Anwendungsbeispielen vorgestellt. Das in das Programmpaket integrierte Evaluierungsprogramm genügt der geplanten VDI Richtlinie 3788 Bl. 7 und trägt zur Qualitätssicherung der durchgeführten Berechnungen bei.

Freitag 21. September
SAUSEN, R.: Das Thema des ursprünglich angekündigten Vortrags wurde aus aktuellem Anlass geändert. Thema des neuen Vortrags "Die Höhe der Tropopause als Detektionsvariable für Klimaänderungen"
Die Trennung der natürlichen Klimavariabilität (Rauschen) von einer Klimaänderung aufgrund menschlichen Verhaltens (Signal) stand im Mittelpunkt des Vortrags. 
Diese Trennung kann über geeignete Variablen mit einem hohen Signal/Rausch-Verhältnis und ausreichend vielen Messwerten erfolgen. Dazu geeignet sind die mittlere bodennahe Lufttemperatur, zonal gemittelte vertikale Temperaturverhältnisse, der Wärmegehalt der Ozeane sowie die thermische Tropopause. Mit Hilfe der thermischen Tropopause als geeignete Variable wurde der Nachweis der anthropogenen Klimaänderung erbracht.

Neben den interessanten und informativen Fachvorträgen konnte ich vor allem durch viele Gespräche und Diskussionen mit anderen Tagungsteilnehmern wertvolle Anregungen für meine weitere Arbeit im Fachbereich der Klimatologie erhalten.
     Folgende Punkte sollen jedoch als konstruktive Kritik angeführt werden, da es bekanntlich keine perfekte Veranstaltung gibt:
     Die Übersichtsvorträge waren in der Regel leider nur verlängerte spezielle Fachvorträge und wurden ihrem eigentlichen Sinne, einen Überblick über den aktuellen Forschungs- und Wissensstand der jeweiligen Thematik zu geben, nicht immer gerecht. Leider wurden bei Ausfall eines Vortrages die restlichen Vorträge einfach vorgezogen, sodass auch der morgendlich  aktualisierte Zeitplan nicht eingehalten wurde. Dies ist bei drei parallelen Sessions leider von sehr großen Nachteil, da das gezielte Wechseln zwischen den Sessions aufgrund  dieser Verschiebung nur sehr schwer möglich war.
     Es gab leider keine eigene Poster-Session. Meiner Ansicht nach wäre es vorteilhafter gewesen, zu einer bestimmten Zeit, zu der keine Vorträge gehalten werden sollten, die jeweiligen Autoren der Poster, soweit anwesend, zu ihren Postern zu bitten, um für Fragen und Diskussionen zur Verfügung zu stehen.
     Abschließend möchte ich mich nochmals herzlich für den von der DMG gewährten Zuschuss bedanken, der mir die Teilnahme an der DACH-MT in Wien ermöglichte.

Dipl. Geogr. J. Junk 
Uni Trier, Fachbereich Geographie/Geowissenschaften/Fach Klimatologie

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Protokoll der Mitgliederversammlung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) e.V.

Ort: Wien, Messe
Datum: 21.09.2001
Dauer: 18.30 Uhr bis 21 Uhr
Teilnehmer: 82 stimmberechtigte Mitglieder, Gäste

1. Tagesordnung:
2. Verlesen und Genehmigung der Tagesordnung
3. Genehmigung des Protokolls von de Mitgliederversammlung in Leipzig (Sept. 98)
4. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden
5. Bericht des Kassenwartes
6. Bericht der Kassenprüfer
7. Entlastung des Kassenwartes
8. Entlastung der Kassenprüfer
9. Bericht des Sekretariats
10. Entlastung des Vorstandes
11. Neufestsetzung des Mitgliederbeitrages in EURO
12. Bericht zum Stand der "Meteorologischen Zeitschrift" (Zeitschriftenbeauftragter, Schriftleiter)
13. ZV Hamburg: DMT auf zweijährigen Turnus verkürzen
14. Bericht über Promet 
15. Bericht über die Entwicklung der European Meteorological Society (EMS)
16. Anträge
17. ZV Hamburg: Mitgliederwerbung, Attraktivität der Gesellschaft
18. Verschiedenes

Vor Beginn der eigentlichen Mitgliederversammlung werden die besten Poster der DACH-MT prämiiert.
     Eine anerkennende Erwähnung gibt es für den Stand des Fachausschusses Umweltmeteorologie (incl. die dortigen Poster) und das Poster  "Projekt studentische Wetterdiagnose" von Thiele und Unger , Deutschland.
     Den 3. Preis erhält das Poster "Upscaling mittlerer monatlicher Niederschlagssummender Messstationen  mit Hilfe von neuronalen Netzen..." von Loibl und Schwarz, Österreich (100,- DM)
Den 2. Preis erhalt das Poster "Heinrich v. Fickers Föhnfahrten im Gasballon" von Steinacker, Österreich (150,- DM)
     Der 1. Preis wird geteilt vergeben an die Poster "Reaktionszeiten im System Atmosphäre-Pflanze, gemessen während der totalen Sonnenfinsternis in Süddeutschland am 11. August 1999" von Foken et al., Deutschland und  "Temperatureinsenkung bei einer Sonnenfinsternis" von Sudy, Österreich (je 200,- DM)

Von der DMG wurden außerdem die folgenden Preise und Medaillen vergeben:

  • Ehrenmitgliedschaft: Prof. J. Taubenheim (ZV BerlinBrandenburg)
  • Süring-Medaille: Prof. C. Hänsel und  K. Balzer
  • Albert-Defant-Medaille: Dr. E. Maier-Reimer
  • Alfred-Wegener-Medaille: Prof. U. Schumann
  • Förderpreis DMG: Dr.J.  Wotawa
  • Stiftung Umwelt und Schadensvorsorge: Katja Weber
  • Paulus-Preis: Dr. S. Emeis
  • Georgi-Preis: Prof. E. Raschke 
TOP 1
Der Vorsitzende, Prof. W. Wehry, eröffnet die Mitgliederversammlung und begrüßt die anwesenden DMG-Mitglieder und Gäste. Die Tagesordnung wird einstimmig angenommen.

TOP 2
Das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 16.9.1998 in Leipzig wird ohne Änderungen angenommen (1 Enthaltung).

TOP 3
Der Vorsitzende berichtet den Mitgliedern über die Tätigkeit der Gesellschaft und insbesondere des Vorstandes in den letzten 3 Jahren.
     Nach längeren Verhandlungen sind nunmehr in Wien endgültige Verträge für die Meteorologische Zeitschrift zwischen den Gesellschaften DMG, ÖGM und SGM untereinander sowie mit dem Bornträger-Verlag unterzeichnet worden. Damit ist auch der Weg frei für Zahlungen von Lizenzgebühren vom Verlag an die Gesellschaften. 
     Der Abonnementspreis der Meteorologischen Zeitschrift beträgt ab 2002 für alle Mitglieder 65 EURO.
     Das Erscheinungsbild der Mitteilungen hat sich gewandelt, ist moderner geworden und die Texte sind gut. Der Vorsitzende spricht seinen Dank an Frau Theunert aus, die hauptverantwortlich für die Herstellung der Mitteilungen ist.
     Weiterhin gilt der Dank auch allen ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Zweigvereinen, dem Kassenwart und Promet-Herausgeber sowie an den Sekretär als technischer Herausgeber der MZ.
     Die European Meteorological Society (EMS) hat sich seit ihrer Gründung im Jahre 1999 ständig vergrößert und umfasst derzeit 25 nationale Gesellschaften aus 22 Ländern sowie 14 assoziierte Mitglieder (Wetterdienste, Industrie etc).

TOP 4
Der Kassenwart trägt Entwicklungen der Mitgliederstatistik vor und weist dabei darauf hin, dass insbesondere neue junge Mitglieder geworben werden müssen. Neben der Jahresabrechnung und Kassenbilanz für 2000 legt Herr Behr noch den Kassenbericht für den Zeitraum 1999 - 2001 (letzteres erst vorläufig) vor. In den letzten Jahren erfolgte vor allem durch den Kauf der Contributions, verstärkte Reisetätigkeit, Anstellung eines wissenschaftlichen Sekretärs und Zahlungen an die EMS ein Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben, das aber durch den hohen Kassenbestand abgefangen werden konnte.

TOP 5 
Der Kassenprüfer Herr Bakan verliest den Bericht der beiden Kassenprüfer. Es wurden keine Unstimmigkeiten festgestellt.

TOP 6
Die Mitglieder stimmen mit einer Enthaltung der Entlastung des Kassenwartes zu.

TOP 7
Die Mitglieder stimmen mit einer Enthaltung der Entlastung der Kassenprüfer zu.

TOP 8
Herr Spekat berichtet über die bisherige Tätigkeit als wissenschaftlicher Sekretär, und er weist in diesem Zusammenhang auf den stark angewachsenen Arbeitsanfall hin. Da er gleichzeitig auch Sekretär der EMS ist und hier anfangs die Arbeitsbelastung noch gering war, konnte ein Ausgleich geschafft werden. Im Rahmen der Tätigkeit als technischer Herausgeber der Meteorologischen Zeitschrift und deren grundsätzlich erfreulicher Entwicklung bei der Erhöhung der Seitenzahl  ist auch hier zunehmend Zeit zu veranschlagen, so dass nunmehr eine Unterstützung für diese und andere Aufgaben notwendig wird.

TOP 9
Auf Antrag aus dem Auditorium stimmen die Mitglieder der Entlastung des Vorstandes zu. Der Vorstand selbst enthält sich der Stimme.

TOP 10
Der Kassenwart legt zunächst Übersichten über die Entwicklung der Mitgliedsbeiträge seit 1990 und die am 24.11.2000 durch den Vorstand beschlossene Erhöhung der Mitgliedsbeiträge als Folien vor.
     Letztmalig 1993 waren die Beiträge erhöht worden, die jetzt zur Abstimmung vorgelegten höheren Beiträge ergeben in der Summe eine Mehreinnahme von rund 12000,- DM.
     Verbunden mit der Erhöhung ist eine Umstellung auf Euro, und zwar auf glatte Euro-Beträge.
     In der folgenden Diskussion werden einige Änderungen angeregt: 

  • Studentenbeiträge sollten einheitlich 15 Euro betragen
  • Ehefrauen Ost und West einheitlich 15 Euro
  • Vollzahler Ost sollen auf 50 Euro angehoben werden
  • Rentner Ost sollen niedriger als Einzelmitglieder Ost bleiben.
Es wurde auch noch vorgeschlagen, die Beiträge gehaltsabhängig zu staffeln, was aber längere Vorbereitungszeit braucht und auch Widerspruch auslöste.
     Bei zwei Enthaltungen stimmte die Mitgliederversammlung der vorgeschlagenen und während der Versammlung modifizierten Erhöhung der Mitgliedsbeiträge zu.

TOP 11
Prof. Tetzlaff als Zeitschriftenbeauftragter berichtet über die wendungsreiche Entwicklung der Meteorologischen Zeitschrift während der letzten 3 Jahre, sowohl verwaltungstechnisch wie wissenschaftlich. Der Umfang der Zeitschrift hat in 2001 den Umfang beider vorheriger Zeitschriften erreicht und ist auf den Citation Index gelangt.
     Der Dank der Versammlung geht an die Herren Tetzlaff und Spekat sowie auch an die Schwestergesellschaften ÖGM und SGM für deren Mitwirken.

TOP 12
Prof. Wehry erläutert der Versammlung, dass auf Hinweis des Steuerberaters eine jährliche Mitgliederversammlung abgehalten werden muss. Auf der letzten Vorstandssitzung wurde daher beschlossen, die Mitgliederversammlung an die Meteorologentagung, die Deutsche Klimatagung und im dritten Jahr an eine sonstige Veranstaltung eines Zweigvereins zu koppeln. Bei einer Beibehaltung des Abstandes von 3 Jahren für die MT (nächste in 2004) und DKT (nächste in 2003) müsste in 2002 eine Mitgliederversammlung mit einer noch zu bestimmenden Zweigvereinsveranstaltung verbunden werden. 
     Herr Claußen stellt in diesem Zusammenhang Termin und Programm der nächsten Deutschen Klimatagung im September 2003 vor. Mit Beifall wird die Ankündigung aufgenommen, keine Tagungsgebühren zu verlangen.
     Der Antrag des ZV Hamburg, die DMT alle zwei Jahre abzuhalten, wird mit deutlicher Mehrheit von der Versammlung abgelehnt (1 Enthaltung, 2 Ja-Stimmen).

TOP 13
Herr Behr ist seit Ende 1999 Hauptschriftleiter von Promet. Nach einer längeren Lücke sollen nur wieder regelmäßig Promet-Hefte erscheinen. Das Heft Photosmog I ist in 3000 Exemplaren an alle Mitarbeiter des DWD und Geophys (ab Bes.-Gr. A9) sowie an alle Festangestellten in den Universitätsinstituten verteilt worden. Der Re-daktionsausschuss hat während der DACH-MT getagt und die nächsten Hefte festgelegt: 

  • Photosmog II (verantwortlich Prof. Fiedler)
  • Neue Modellgeneration des DWD
  • Numerische Klimamodelle  (verantwortlich Prof. Graßl).
Es ist geplant, pro Jahr vier Einzelhefte erscheinen zu lassen.
     Herr Hasse erinnert daran, dass die Anregung für "promet" und Konzeption als Fortbildungszeitschrift von Prof. Wippermann kam. Von Anfang an war die DMG an "promet" beteiligt und zahlreiche Beiträge sind von DMG-Mitgliedern außerhalb des DWD geschrieben worden. Herr Hasse appelliert an die Kollegen, auch weiterhin zu "promet" beizutragen. Fortbildung als Teil der Lehre gehöre zu den Aufgaben der Hochschullehrer, und "promet" sei auch in den Universitätsinstituten immer stark gefragt gewesen.
     Der Vorsitzende spricht seinen Dank an Herrn Behr, die Leitung des DWD und alle Manuskriptgeber aus.  

TOP 14
Entfällt, da bereits in TOP 3 erwähnt.

TOP 15
Entfällt, keine Anträge eingegangen.

TOP 16
Der Vorsitzende berichtet über die diesbezüglichen Diskussionen in der letzten Vorstandssitzung. Es sollten Aktivitäten auf mehreren Schienen anlaufen:

  • Ermunterung von Universitätsinstituten, Studenten als Mitglieder zu werben,
  • Interesse bei Schülern verstärkt wecken,
  • Durchführung von Fortbildungsveranstaltungen mit Lehrern,
  • Kontakt zu den Kultusministerien und Verbänden mit dem Ziel, Meteorologie stärker in den Lehrplänen zu verankern.
Es gibt bereits durchgeführte bzw. in konkreter Planung befindliche Fortbildungsveranstaltungen für Physik- und Geographie-Lehrer. Bemängelt wird vor allem auch die schlechte Qualität des Lehrmaterials.
     Ideen, wie die Attraktivität der wissenschaftlichen Gesellschaft DMG gesteigert werden kann, werden dringend erbeten. 

TOP 17 
Es entsteht eine lebhafte Diskussion um den Verlauf der Tagung und hier insbesondere um die Präsentation der Poster sowie um die Anordnung der Übersichtsvorträge. Die hohe Zahl von Vortragsanmeldungen brachte es mit sich, dass eine Reihe von Vorträgen in die Postersessions mussten, um nicht mehr als 3 Parallelsitzungen zu haben.
     Es wurde mehrheitlich festgestellt, dass die Art der Posterpräsention auf der DACH-MT verbesserungsbedürftig ist. Die kurze Vorstellung durch die Convener wird den Posterautoren bisweilen nicht gerecht und außerdem gilt es dem Eindruck entgegenzuwirken, dass Poster gegenüber Vorträgen einen schlechteren Stellenwert haben.
     Gleichzeitig stattfindende Übersichtsvorträge wurden ebenfalls kritisiert, doch eine
zeitliche Aufeinanderfolge in Plenarsessions wäre auf Kosten von Vorträgen gegangen, da die Übersichtsvorträge ja eine Session eröffnen sollen.
     Es wird von Teilnehmern ferner zur Diskussion vorgeschlagen, ob die Mitgliederversammlung nicht nach dem Ende der Sessions am Abend, sondern nachmittags abgehalten werden könnte.
     Prof. Hasse als Experte für Satzungsfragen ruft dazu auf, die Rollen der Zweigvereine und der Geldverteilung an die Zweigvereine zu überdenken und bis zur nächsten Mitgliederversammlung Änderungen vorzubereiten.
     Abschließend lädt Herr Prof. Fischer als Vorsitzender des ZV Frankfurt zur nächsten Meteorologentagung im Jahr 2004 nach Karlsruhe ein (Termin wahrscheinlich im September).

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Neues von der EMS

Getreu dem Motto "was auf drei Beinen steht, steht solide" ist der DMG-Sekretär nicht nur für die Gesellschaft aktiv; auch die Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift und das Sekretariat der European Meteorological Society tragen zur vielfarbigen Berufspraxis bei. Für die letztgenannte Gesellschaft waren Herr Wehry, der dort für die DMG im Council sitzt und ich im September, gleich im Anschluss an die DACH-Tagung in Budapest. Denn dort gab es nicht nur die European Conference on Applications of Meteorology (ECAM) zu besuchen, -achten und -staunen, es fanden auch Treffen des EMS-Councils, eine EMS-Hauptversammlung und das First Annual EMS Meeting statt.
     Es ist nur etwas mehr als zwei Jahre her, dass die EMS gegründet wurde, geboren aus der Idee, dass die gebündelte Kraft Meteorologischer Gesellschaften Dinge bewirken, die einzelne Gesellschaften überfordern oder zumindest über Gebühr beanspruchen. Die EMS hat das rege Interesse und die Aufmerksamkeit der verschiedenen "Players" gefunden: Gesellschaften, Organisationen, Institutionen, Firmen, Wetterdienste. Für alle Seiten ist die EMS offenkundig ein hinreichend neutrales Terrain, auf dem trefflich für die Zukunft gestritten und gearbeitet werden kann. Es ist erfreulich, aber auch fast ein wenig unheimlich, wie schnell all dies gewachsen ist und weiter wächst.
     In Budapest wurden nun zwei neue Kapitel aufgeschlagen, denn nachdem die EMS begonnen hat, zu leben und sich zu etablieren, muss sie sich Aktivitätsfeldern zuwenden. Neues Kapitel Eins: Es wurden vier Komitees gegründet, die sich der Themen Qualitätskontrolle (Accreditation), Aus- und Fortbildung (Education), Medien und Tagungen (Meetings) annehmen. Auch die DMG wird sich aktiv in den Komitees betätigen. Neues Kapitel Zwei: In Budapest wurde im Rahmen der ECAM das First Annual EMS Meeting durchgeführt (die Zählung im Jahr 2001 zu beginnen ist nicht ungeschickt...). Zum Thema "The Future of Meteorology in Europe" wurde unter starker Beachtung der Tagungsteilnehmer - und dies ist jetzt nicht das überschäumende Eigenlob, glauben Sie es nur - an einem Nachmittag und einem Vormittag in jeweils einstündigen eingeladenen Vorträgen Perspektivisches zu Gehör gebracht. Die Referentenliste war ausgesprochen attraktiv: John Zillman (WMO), Tillman Mohr (EUMETSAT), Dave Burridge (ECMWF), Rupert Collins-White (PC Advisor Journal), Claude Pastre (EUMETNET), Olivier Moch (Météo France), Lennart Bengtsson (MPI Hamburg), Hans Sandebring (SMHI Norrköping), Ivan Mersich (Ungarischer Wetterdienst) und Harry Otten (Meteo Consult). Das Foto zeigt den abschließenden Round Table geleitet von René Morin (EMS-Präsident) mit Harry Otten, Hans Sandebring, John Zillman, Lennart Bengtsson und Olivier Moch, die sich den recht kontrovers formulierten Fragen aus dem Auditorium stellten.
     Ein großes Kompliment kam von Dave Burridge, dem Chef des ECMWF, der als Round-Table-Skeptiker feststellte, dass dies das erste Mal sein, dass eine solche Veranstaltungsform tatsächlich funktioniere.

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Der vernachlässigte Wetterbegriff
 

Nach wie vor wird der Begriff "Wetter" in den Lehrbüchern oft gar nicht oder nur stiefmütterlich behandelt (wenige rühmliche Ausnahmen gibt es). Für einen meteorologischen Zentralbegriff ist diese Tatsache erstaunlich, zumal über den Parallelbegriff "Klima" als zeitliche Synthese des Wetters eine überreiche Diskussion geführt wurde und eine umfangreiche Literatur zur Begriffsdiskussion bereitsteht. 
     Als willkürlich herausgegriffene Beispiele von Lehrbüchern seien genannt:

  • Das Buch "Die Atmosphäre der Erde" von H. Kraus (2000) widmet dem Wetterbegriff 2 Zeilen, dem Klimabegriff etwa eine Seite, mit zugehöriger Diskussion noch wesentlich mehr. 
  • "Meteorologie und Klimatologie" von H. Malberg (1994) diskutiert den Klimabegriff auf etwa einer Seite, der Begriff "Wetter" wird dagegen nur etwas unscharf im Sinne von "Erscheinungen der unteren Luftschichten" erwähnt und im Stichwortverzeichnis nicht genannt. 
  • H. G. Häckels "Farbatlas Wetterphänomene" (1999), der ja seinem Titel gemäß tatsächlich Wettererscheinungen behandelt, verzichtet in seinem umfangreichen Textteil ebenfalls auf eine Begriffsdiskussion. Im Stichwortverzeichnis findet sich nur ein Hinweis auf "schönes Wetter". 
  • J. England und H. Ulbricht diskutieren in ihrer "Flugmeteorologie" (1990) trotz der großen Bedeutung des Wetters für den Flugverkehr den Wetterbegriff nicht. 
  • K. Balzer befasst sich in seinem Buch "Wettervorhersage - Fortschritte und Grenzen" (1989) in tiefgründiger Form mit den historischen, methodischen  und erkenntnistheoretischen Problemen der Wettervorhersage, der Wetterbegriff selbst wird aber ebenfalls nur gestreift. 
Diese Beispiele ließen sich fortsetzen. 
     Bei Grundbegriffen ist es für die Verständigung nützlich, wenn wissenschaftlicher und populärer Sprachgebrauch übereinstimmen. Die Verständigung wird erschwert, wenn beides auseinander klafft. Für den Wissenschaftler ist z. B. die Meteorologie die Wissenschaft von der Atmosphäre, für den Laien nur die Wettervorhersage. Beim Wetterbegriff besteht eine solche Diskrepanz nicht. Nach der sowohl von den Meteorologen als auch von Laien tatsächlich verwendeten Definition des Wetters ist aber die übliche Definition in den Lehrbüchern "Wetter ist der atmosphärische Zustand an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt" falsch, wird zumindest in dieser Form weder von den Meteorologen noch von den Laien verwendet. Eine Diskrepanz besteht also zwischen dem tatsächlichen Sprachgebrauch und der üblichen schriftlich fixierten Wettterdefinition.
     Angenommen, es herrsche eine Hochdruckwetterlage mit wolkenlosem Himmel und die Temperatur sei mittags 15 Grad höher als morgens. Dann wird weder der Meteorologe noch der Laie von einer Wetteränderung oder einem Wetterumschwung sprechen, obgleich sich der atmosphärische  Zustand deutlich geändert hat. Wenn sich aber eine Wolkendecke bildet, so werden - sogar bei evtl. gleichbleibender Temperatur - sowohl Meteorologen als auch Laien eine Wetteränderung bzw. einen Wetterumschwung konstatieren. Offenbar ist der Begriff des Wetters nicht mit dem atmosphärischen Zustand schlechthin, sondern nur mit besonderen bzw. ausgewählten Erscheinungen verbunden, und zwar allgemein mit aperiodischen Änderungen außerhalb des periodischen Tagesganges der atmosphärischen Größen, vor allem mit sichtbaren Erscheinungen wie Bewölkung und Niederschlag.
     Danach ergibt sich folgende mögliche Definition des Wetters: Das Wetter ist der atmosphärische Zustand an einem Ort zu einem bestimmten Zeitpunkt, soweit er auf aperiodischen, vor allem auf sichtbaren Erscheinungen wie Bewölkung und Niederschlag beruht, wobei periodische tageszeitliche Änderungen ausgeschaltet werden. 
     Man erkennt eine gewisse Unschärfe des Wetterbegriffs, ganz im Gegensatz zum sehr scharf profilierten Klimabegriff.  Die periodische jahreszeitliche Veränderung wird im Unterschied zur tageszeitlichen beim Wetterbegriff eher berücksichtigt. Wolkenarmes Hochdruckwetter im Winter und im Sommer repräsentieren im Sprachgebrauch unterschiedliches Wetter. 
     Eine weitere Besonderheit des Wetterbegriffs besteht darin, dass das Wetter von vornherein eine Tendenz zur mittelräumigen Erstreckung zeigt. Auf den verschieden exponierten Seiten eines kleinen Hügels oder eines Bauwerks herrscht ein unterschiedliches Klima, aber kein unterschiedliches Wetter. Erst ein größeres Gebirge mit Stau- und Leeeffekten erzeugt Wetterunterschiede. Es be-stände also auch die Möglichkeit, in der genannten Definition des Wetters vom Bezug auf einen Ort abzugehen und "an einem Ort" durch "in einem Gebiet" zu ersetzen. Nach dieser Definitionsvariante träfe dann nicht mehr zu, dass das Klima die zeitliche Synthese des Wetters darstellt, weil das Klima streng ortsbezogen ist. 
     Ein häufig vorkommendes Beispiel aus der Praxis der Wetterprognose sei noch genannt. Nicht selten findet man in Wetterprognosen die Formulierung "Die Temperatur steigt morgen auf xx Grad". Dabei umfasst der prognostizierte Anstieg sowohl den nicht wetterbezogenen periodischen bzw. klimatologischen Tagesgang der Temperatur als auch die echt wetterhafte Veränderung beispielsweise durch herankommende Warmluft oder durch allmähliche Wärmeakkumulation bei wolkenarmem Hochdruckwetter in der strahlungsreichen Jahreszeit. Im Sinne des Nutzens für den Anwender wäre es besser, den meist mehr interessierenden wetterbezogenen Aspekt zu betonen und statt dessen oder ergänzend z. B. zu formulieren "Die Mittagstemperatur wird morgen xx Grad höher (bzw. niedriger) liegen als heute". 
     Die angeschnittenen Probleme sollten in der Fachwelt und in den Lehrbüchern mehr als bisher diskutiert werden.  

Literatur:  Flemming, G., Die Definition des Wetters. Mitt. DMG 3/96 S. 27-28 und 4/96 S. 31 

Prof. Dr. G. Flemming
Dorfhainer Str. 6
01189 Dresden

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Stand: 9. April 2002, Webimplementierung: A. Spekat