Mitteilungen der DMG

Heft 2/2002 (Auszüge)


Schwerpunktthema: Luftreinhaltung 

Titelbild: 
Durch EG-Richtlinien werden europaweit neue Immissionswerte zum Schutz der menschlichen
Gesundheit und der Umwelt eingeführt, die deutlich anspruchsvoller sind als die derzeit in
Deutschland gültigen Werte für dieselben Stoffe. Diese Richtlinien werden insbesondere durch eine Nivellierung der Verordnung über Immissionswerte (22. BImSchV) in deutsches Recht umgesetzt. Die 22. BImSchV regelt jedoch nicht näher die Fragen der Genehmigung von Anlagen nach dem BundesImmissionsschutzgesetz unter dem Aspekt der Luftreinhaltung: Hierfür ist die TA Luft maßgeblich. (Fortsetzung des Textes)

Eine größere Version (44kB) dieses Bildes können Sie betrachten, wenn Sie hier klicken. Eine hochauflösende Version (133kB) finden Sie hier.

Inhaltsverzeichnis (durch Anklicken eines Artikels kommen Sie direkt dorthin)
Editorial
Vorhersagen der Luftqualität in NRW- Modellrechnungen zur Umsetzung europäischer Luftqualitätsrichtlinien
Veränderung der UV-B-Strahlung durch stratosphärischen Ozonabbau
Qualitätssicherung von Ausbreitungsmodellen für Schadstoffe
Die neue TA Luft
ZV Frankfurt: Fortbildungstag 2001
Jahr der Geowissenschaften 2002 - Was geschah bisher? Wie geht es weiter?
Die EMS im Aufwind
Spendenaufruf für Erhalt der Säkularstation Potsdam - Reinhard-Süring-Stiftung
Über die Messung der Bedeutung von Fachzeitschriften
Schriftleiter - was ist das eigentlich?
Freie Wahl der Publikationsform bei der DFG
Vilhelm-Bjerknes-Medaille für Prof. Hasselmann
Inbetriebnahme des neuen Hochleistungsrechner beim Deutschen Wetterdienst für die Wettervorhersage
Entwicklung eines globalen Zirkulationsmodells für Klimaforschung und Wettervorhersage
Sonderpostwertzeichen "100 Jahre deutsche Antarktisforschung" - Anlaß für ein Resümee zur Bedeutung der Antarktisforschung
60 Jahre Studienordnung mit Prüfungsordnung für Diplom-Meteorologen
150 Jahre SMF
Buchbesprechung: Alte meteorologische Instrumente
Nachruf Dr. Manfred Laube


Editorial

Liebe Mitglieder,

 der Elfenbeinturm ist nicht der Ort, an dem sich Wissenschaftler aufhalten, auch wenn diese Ansicht in der Bevölkerung verbreitet ist. In diesem Jahr, dem Jahr der Geowissenschaften 2002, zeigen viele erfolgreiche Veranstaltungen, sei es an öffentlichen Orten, wie Bahnhöfen oder Einkaufspassagen, sei es im Bereich von Universitäten, dass vielfältige, gut aufbereitete Themen das Publikum anlocken. Einen Überblick über das Veranstaltungsjahr finden Sie in diesem Heft und natürlich auch im Web. 
      2002 ist darüber hinaus Wahljahr. Nicht allein in der Parteienlandschaft, sondern auch für den neuen Geschäftsführenden Vorstand der DMG, Periode 2003-2005. Die Wahlunterlagen finden Sie diesem Heft beigefügt, und wir erbitten rege Teilnahme.
      All dies ist eingebettet in das Geschehen auf der internationalen Bühne, an dem die DMG durch ihr wichtiges Engagement in der European Meteorological Society Anteil hat. Ob Bildungs-, Qualifikations-, Medien- oder Tagungsfragen, die DMG zeigt Flagge. Jüngst wurde ein EMS-Komitee für Auszeichnungen und Preise gegründet, mit dessen Leitung der DMG-Vorsitzende und EMS-Vizepräsident, Herr Wehry betraut ist. Die ersten fünf Young Scientist Awards werden auf der AMS Mountain Meteorology Conference, die gemeinsam mit dem MAP (Mesoscale Alpine Projekt) Meeting in Utah stattfindet, an hervorragende europäische Nachwuchswissenschaftler verliehen.
      In diesem Heft werden Sie außerdem einem anderen wichtigen, grenzenlosen Thema begegnen: der Luftreinhaltung; aktuell neue Richtlinien für den Immissionsschutz treten in Kraft. 

Abwechslungsreiche Lektüre wünschen Ihnen im Namen des Herausgeberteams

S. Theunert, A. Spekat
Zum Inhaltsverzeichnis


SCHWERPUNKT LUFTREINHALTUNG

Vorhersagen der Luftqualität in NRW- Modellrechnungen zur Umsetzung europäischer Luftqualitätsrichtlinien

Das Informationsangebot der Immissionsschutzbehörden des Bundes und der Länder sieht im allgemeinen vor, gemessene Daten zur Luftqualität zu veröffentlichen, die aus den Messnetzen der Länder erhoben werden. Ergebnisse von Ausbreitungsrechnungen auf Modellbasis sind bisher nur vereinzelt zu finden. So veröffentlicht das Umweltbundesamt Vorhersagen von Ozonkonzentrationen, allerdings nur in der warmen Jahreszeit.

Im Rahmen der Berichterstattung über die Luftqualität, u. a. von den EU Luftqualitätsrichtlinien gefordert, wird in Nordrhein-Westfalen ein weiterer Schritt gegangen. Seit Ende April 2002 werden prognostizierte Belastungskarten der Luftschadstoffkomponenten Ozon, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Partikel (PM10) zur Information im Internet veröffentlicht. Mit der Vorhersage der Luftbelastung wird den Gruppen der Bevölkerung, die auf Luftbelastungen empfindlich reagieren, die Möglichkeit gegeben, ihr persönliches Verhalten auf zu erwartende höhere Schadstoffwerte einzustellen. 

Hintergrund dieses erweiterten Informationsangebots sind Modellrechnungen, die im Rahmen der Umsetzung europäischer Luftqualitätsrichtlinien in NRW durchgeführt werden. Hierzu wird das komplexe Modellsystem EURAD (Europäisches Ausbreitungs- und Depositionsmodell) eingesetzt, das vom Rheinischen Institut für Umweltforschung der Universität Köln entwickelt wurde. Das Modell beschreibt die physikalischen, chemischen und dynamischen Prozesse, die für die chemische Produktion, den Transport und die Deposition atmosphärischer Spurenstoffe von Bedeutung sind. Es besteht im wesentlichen aus dem Modell MM5, das die erforderlichen meteorologischen Felder auf der Basis von aktuellen globalen Vorhersagen des AVN Modells (Aviation Model des National Center of Environmental Prediction) simuliert und dem Chemie-Transportmodell CTM3, das die Bilanzgleichungen der gasförmigen Luftbeimengungen (Transport, RADM2-Gasphasenchemie, Nassphasenchemie, Deposition etc.) berechnet. Das Modell enthält darüber hinaus eine Nesting-Option, die es ermöglicht, die chemischen und dynamischen Prozesse auf der europäischen Skala mit denjenigen auf der regionalen Skala zu verbinden. Die unterschiedlichen Modellgitter sind in Abbildung 1 dargestellt. Dadurch können auch räumlich verschieden aufgelöste Emissionskataster berücksichtigt werden (EMEP=Evaluation and Monitoring of European Pollutants, Emissionskataster des LUA NRW).
 

Abb. 1: Genestete Modellgebiete des EURAD-Systems. Oben: N0 (125 km horizontale Gitterauflösung) mit den Tochtergebieten N1 (25 km Auflösung). Unten: N2 (5 km Auflösung). Unten: das Modellgebiet NRW (N2) mit Tochtergebiet N3 (1 km Auflösung). Wenn Sie auf die Bilder klicken, können Sie Vergrößerungen betrachten. Hochauflösende Versionen finden Sie für Abb. 1a hier und für Abb. 1b hier.
Abb. 2: Belastungskarte von NRW für die Komponente Schwebstaub (PM10, oben)  und Zeitreihe von Luftschadstoffen für den Raum Essen (unten). Wenn Sie auf die Bilder klicken, können Sie Vergrößerungen betrachten. Hochauflösende Versionen finden Sie für Abb. 2a hier und für Abb. 2b hier.

Die Ergebnisse der Simulationen, die für den aktuellen und folgenden Tag bis etwa 11 Uhr MESZ abgeschlossen sind, werden hinsichtlich einer Auswahl der Kenngrößen, die in den EU Luftqualitätsrichtlinien 1999/30/EG und 2000/69/EG genannt werden, aufbereitet und als Flächengrafik sowie als Zeitreihe für ausgewählte Städte in NRW dargestellt. Einen Beispieltag zeigen die Darstellungen in Abb 2. 

Die Seiten können unter http://www.lua.nrw.de/index.htm?luft/ausbreitung/prognose.htm
eingesehen werden. Das gesamte Angebot des Rheinischen Instituts für Umweltforschung befindet sich unter http://www.eurad.uni-koeln.de/

Eine Auswertung auf weitere Luftschadstoffkomponenten und ein Vergleich mit gemessenen Werten zur Qualitätssicherung wird derzeit geplant.

Uwe Hartmann
c/o Landesumweltamt NRW 
Wallneyer Straße 6, 45133 Essen

Hermann Jakobs
Rheinisches Institut für 
Umweltforschung
Aachener Straße 201-209, 50931 Köln
 

Zum Inhaltsverzeichnis


Veränderung der UV-B-Strahlung durch stratosphärischen Ozonabbau

Im Rahmen einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie hat das Fraunhofer-Institut für Atmosphärische Umweltforschung in Garmisch-Partenkirchen die durch den Ozonabbau verursachte Verstärkung der UV-B-Strahlung in der Troposphäre untersucht und damit wissenschaftlich eine Verknüpfung von Montrealer Protokoll und Kyoto-Protokoll hergestellt. Im Einzelnen wurden die Auswirkungen auf Luftchemie, biologische Prozesse, Aerosolpartikel, Wolkenbildung Treibhausgaskonzentration und Klima betrachtet.
     Die Zunahme der UV-Strahlung wirkt negativ auf zahlreiche atmosphärische Prozesse, u.a. liefert sie die Energie für eine verstärkte Bildung von Sommersmog aus anderen Luftverunreinigungen. Darüber hinaus können Lebe-wesen und Materialien durch erhöhte Strahlung geschädigt werden.
     Auf der Grundlage von Literaturrecherchen werden Faktoren beschrieben, die die UV-B-Strahlung beeinflussen können. Es wird u.a. dargelegt, wie sich die Erhöhung der UV-B-Strahlung auf die Fotosynthese, die Isoprenoidproduktion (eine flüchtige organische Verbindung) und das Phytoplankton auswirkt. Außerdem werden die Auswirkungen von Ozonschichtdicke, Aerosolen und Wolken auf die Strahlungsflüsse und die Fotolyse beschrieben. Es zeigt sich u.a., dass die Fotosynthese durch erhöhte UV-B-Strahlung im allgemeinen gehemmt wird, die Wirkung auf die Ernteerträge jedoch stark von der jeweiligen Pflanzenart abhängig ist. Auch für aquatische Ökosysteme kann erhöhte UV-B-Strahlung eine Gefahr darstellen. Darüber hinaus wird die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre beeinflusst und die Sommersmoggefahr steigt. Untersuchungen des Einflusses der UV-B-Strahlung auf die Wolkenbildungsprozesse haben gezeigt, dass erhöhte UV-B-Strahlung zu verstärkter Sulfatbildung und damit zur Vergrößerung der Anzahl der Wolkentropfen führt. Hierdurch kann es zu einer Vergrößerung der Wolkenalbedo (Rückstrahlung von Sonnenlicht durch Streuung oder Reflexion in den Weltraum) und damit zur Veränderung des Strahlungshaushalts kommen. Die obige Abbildung zeigt den Einfluss der UV-Strahlung auf mikrophysikalische Prozesse in der Wolke.

Die Untersuchungen haben u.a. ergeben, dass durch erhöhte UV-B-Strahlung:

  • die VOC-Emissionen (Isoprenoide) - bei erhöhten Lufttemperaturen - verändert werden; diese Prozesse müssen in Modellen zur Luftchemie berücksichtigt werden,
  • eine drastische Abnahme des Phytoplanktons zwar unwahrscheinlich ist, aber eine Veränderung der Artenpopulation hin zu UV-unempfindlicheren Spezies zu erwarten ist,
  • die Bildung von troposphärischem Ozon und anderen Fotooxidantien beeinflusst wird, die jedoch, abgesehen von NOx-Emissionen, extrem stark von den Quellstärken und den Hintergrundkonzentrationen der Kohlenwasserstoffe abhängt. Erhöhte UV-Strahlung verstärkt bei hohen NOx-Konzentrationen  die bodennahe Ozonbildung (Sommersmog). Entscheidender Einfluss auf die Konzentration von troposphärischem Ozon kommt der Temperatur, der Vorbelastung der Luftmasse und dem NOx/VOC-Verhältnis zu.
  • die Säurebildung in Verbindung mit Wolken verstärkt wird, wodurch das globale Klima beeinflusst werden kann.
Zusammengefasst gilt: Die seit 25 Jahren abnehmende Ozonkonzentration der oberen Atmosphäre bewirkt über Veränderungen der UV-B-Strahlung auch Veränderungen in der Luftchemie, der Wolkenchemie und -physik und damit des Klimas. Die Prozesse sind soweit bekannt, quantitative Abschätzungen liegen jedoch bisher für einen großen Teil der Effekte nicht vor.

Der Abschlussbericht des vom Fraunhofer-Institut für Atmosphärische Umweltforschung durchgeführten Forschungsvorhabens kann aus der Bibliothek des Umweltbundesamts,  Fax. 030-8903-2154 unter der Nummer UBA-FB 00013015 ausgeliehen werden.

Quelle: BMU (Zeitschrift Umwelt)

Zum Inhaltsverzeichnis


Qualitätssicherung von Ausbreitungsmodellen für Schadstoffe

Das Meteorologische Institut, Abteilung Technische Meteorologie, an der Universität Hamburg hat ein vom Umweltbundesamt beauftragtes Forschungsvorhaben "Qualitätssicherung von Modellen für die Ausbreitung von Schadstoffen in der Atmosphäre - Sichtung, Bewertung und Erzeugung von Datensätzen für die Modellvalidierung" bearbeitet. Ziel des Vorhabens war es, spezielle im Windkanal gemessene Referenzdatensätze für die Validierung mikroskaliger numerischer Strömungs- und Ausbreitungsmodelle auf der Grundlage eines im Rahmen des Projekts erarbeiteten Anforderungskatalogs zusammen zu stellen.
     Für die Prognose der Luftschadstoffausbreitung werden zunehmend komplexe numerische Ausbreitungsmodelle auch in rechtlich geregelten Bereichen angewendet. Zur Qualitätssicherung der Rechenergebnisse müssen die numerischen Modelle systematisch getestet und die Vorhersagequalität durch Vergleiche mit aus Natur- und Labormessungen gewonnenen Referenzdatensätzen quantifiziert werden. Die hierfür notwendigen systematisch und qualitativ abgesicherten Vergleichsdatensätze fehlen oftmals, oder verfügbare Datensätze sind häufig unvollständig.
     Um solche Datensätze zu gewinnen, haben sich Messungen im Windkanal als eine gut geeignete Annäherung an einige bei der Validierung anstehende Probleme erwiesen. Der Windkanalmodellierung liegen Annahmen zu Grunde, die aus der Ähnlichkeitstheorie abgeleitet werden können. Entsprechend wird hier mit Analogien und mit vereinfachenden Annahmen gearbeitet. Allerdings bietet der Windkanal die spezielle Möglichkeit, unter fest definierten Randbedingungen naturähnliche Ergebnisse zu erzeugen, die bei entsprechender Qualitätssicherung auch reproduzierbar sind. Die im Rahmen dieses Vorhabens ermittelten Datensätze wurden in einer Datenbank zusammengefasst.
     Die erstellte Datenbank CEDVAL (Compilation of Experimental Data for VALidation purposes) besteht zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus drei Datensatzkategorien (vgl. Abbildung, für die mit einem Punkt gekennzeichneten Testfälle liegen Validierungsdatensätze vor).
     Die Ergebnisse des Vorhabens stehen im Rahmen der Weiterentwicklung von Rechenverfahren für den gebiets- und anlagenbezogenen Immissionsschutz zur Verfügung. Sie bieten fachliche Grundlagen oder können als Referenz bei der Ausarbeitung rechtlicher Regelungen dienen.  Der im Rahmen dieses Vorhabens erstellte Bericht steht zusätzlich in begrenztem Umfang auch auf CD-ROM zur Verfügung und kann beim Umweltbundesamt, Fachgebiet II 6. 1, Postfach 33 00 22, 14191 Berlin, angefordert werden. Der Datenfundus ist im Internet verfügbar unter http//www.mi.uni-hamburg.de/ceval/.

Quelle: BMU, Zeitschrift Umwelt

Zum Inhaltsverzeichnis


Die neue TA Luft

Durch EG-Richtlinien werden europaweit neue Immissionswerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt eingeführt, die deutlich anspruchsvoller sind als die derzeit in Deutschland gültigen Werte für dieselben Stoffe. Diese Richtlinien werden insbesondere durch eine Novellierung der Verordnung über Immissionswerte (22. BImSchV) in deutsches Recht umgesetzt. Diese Verordnung regelt jedoch nicht näher die Fragen der Genehmigung von Anlagen nach dem BundesImmissionsschutzgesetz unter dem Aspekt der Luftreinhaltung: Hierfür ist die TA Luft (Technische Anleitung Luft) maßgeblich.
     Die bisher geltende TA Luft enthält jedoch noch die im Vergleich zu dem EU-Recht weniger strengen Werte, die bereits vor dem Jahre 1983 abgeleitet worden sind. Wie die derzeit noch gültige Fassung hat die neue TA Luft einen Immissions- und einen Emissionsteil. Der Immissionsteil enthält Vorschriften zum Schutz der Nachbarn vor unvertretbar hohen Schadstoffbelastungen aus Industrieanlagen. Der Emissionsteil enthält Grenzwerte zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen und legt entsprechende Emissionswerte für alle relevanten Luftschadstoffe fest. Hierin sind auch Anforderungen an Altanlagen enthalten, die nach angemessenen Übergangsfristen grundsätzlich dem  Stand der Technik, d.h. dem  Emissionsniveau von Neuanlagen, angepaßt werden müssen.
     Obwohl die TA Luft weiterhin eine Vorschrift zur Luftreinhaltung ist, wurden die Emissionswerte auch unter integrativer Betrachtung aller Umweltbereiche (Luft, Wasser, Boden) sowie unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Anlagensicherheit, der Energieeffizienz u.a. betroffener Bereiche festgelegt. 
     Das Konzept der alten TA Luft wird im Wesentlichen beibehalten. Sie gilt vorrangig für nach dem BundesImmissionsschutzgesetz genehmigungsbedürftige Anlagen. Sie enthält Anforderungen zum Schutz vor und zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, ausgenommen zum Schutz gegen Gerüche. 
     Für die in der Praxis besonders bedeutsamen Stoffe wie Staub, Stickstoffoxide, Schwefeloxide u.a. wird das bewährte Konzept der Immissionswerte zur Beurteilung schädlicher Umwelteinwirkungen beibehalten. Dabei wird weiterhin unterschieden zwischen Immissionswerten, bei deren Überschreiten grundsätzlich vom Vorliegen schädlicher Umwelteinwirkungen auszugehen ist (Werte zum Schutz der menschlichen Gesundheit) und Immissionswerten, bei deren Überschreitung im Wege der Sonderfallprüfung nachgewiesen werden kann, dass trotz Überschreitung keine schädlichen Umwelteinwirkungen vorliegen (Werte zum Schutz vor erheblichen Nachteilen oder erheblichen Belästigungen).
     Bei den Immissionswerten zum Schutz der menschlichen Gesundheit wird erstmalig auch für einen krebserzeugenden Stoff (Benzol) ein Immissionswert bestimmt. Für Arsen- und Nickelverbindungen sowie andere krebserzeugende Stoffe sind entsprechende Immissionswerte durch den Erlass einer entsprechenden EU-Richtlinie künftig zu erwarten. 
     Da die tatsächliche Belastung durch Chlor, Chlorwasserstoff und Kohlenmonoxid in Deutschland weit unter den geltenden Immissionswerten liegt, werden diese nicht mehr beibehalten. 
     Der Abwägungsrahmen erstreckt sich vor allem auf die Bereiche

  • Luftreinhaltung
  • Gewässerschutz
  • Bodenschutz
  • Abfallvermeidung-, -verwertung, -beseitigung
  • Störfallvorsorge, Anlagensicherheit
  • sparsame und effiziente Energieverwendung
  • Arbeitsschutz/Explosionsschutz

Die Industrie hat schon im eigenen Interesse aus betriebswirtschaftlichen Gründen großen Wert auf eine integrative Betrachtung bei der Planung und Ausführung ihrer Anlagen gelegt. Deshalb stellt die integrierte Umwelttechnik kein prinzipiell neues verfahrenstechnisches Ziel dar. 
     Weitergehende Anforderungen bezüglich der Auswirkungen auf die Umwelt sind in Gebieten zu stellen, in denen unvertretbare hohe Schadstoffbelastungen der Umwelt vorliegen, z. B. eine Überschreitung von gesundheitsrelevanten Immissionswerten. In solchen Fällen greift die Schutzpflicht, so dass eine entsprechende Genehmigung grundsätzlich nicht erteilt werden kann.

Quelle: BMU, Zeitschrift Umwelt

Zum Inhaltsverzeichnis


ZV Frankfurt: Fortbildungstag 2001

Der Fortbildungstag des ZV Frankfurt/Main fand am 28.09.2001 statt. Der Besuch galt diesmal der Landesanstalt für Umweltschutz von Baden-Württemberg. Die sehr interessanten Vorträge gaben den etwa 30 Teilnehmern einen Überblick über den Aufbau der Landesanstalt und vermittelten in anschaulicher Weise die Aufgabenvielfalt der LfU.

Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg und ihre Aufgaben

Die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (LfU) wurde 1975 gegründet und hat den Auftrag, die Ministerien und die Fachbehörden des Landes Baden-Württemberg in allen wissenschaftlichen und technischen Fragen des Umweltschutzes zu beraten und zu unterstützen. Gleichzeitig hält sie Verbindung zu Wissenschaft und Forschung und versteht sich dabei als Mittler zwischen Wissenschaft und Praxis.
     Das Schwergewicht der Arbeit der LfU liegt mittlerweile bei der Beratung und Unterstützung von Ministerien und Umweltverwaltung. Jährlich erscheinen derzeit über fünfzig neue Veröffentlichungen der LfU. Im Internet finden sich zahlreiche Arbeitsergebnisse der LfU unter www.lfu.baden-wuerttemberg.de
     Der Hauptsitz der LfU ist in Karlsruhe. In Stuttgart befindet sich ein Teil des Informationstechnischen Zentrums. Das ebenfalls zur LfU gehörende Institut für Seenforschung ist in Langenargen am Bodensee angesiedelt. In der LfU sind derzeit 457 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. Für die Erfüllung ihrer Aufgaben stehen der LfU 2002 Haushaltsmittel von circa 38 Mio. Euro zur Verfügung. Die LfU gliedert sich in fünf Abteilungen. 
     In  Abteilung 1 "Verwaltung" befinden sich neben den "klassischen" Referaten Organisation, Personal und Haushalt auch das Chemische Zentrallabor. Dieses führt in enger Zusammenarbeit mit den Fachreferaten analytisch-chemische Untersuchungen an verschiedenen Umweltproben aus Wasser, Boden, Luft, aus pflanzlichen und tierischen Stoffen sowie aus Abfallstoffen durch, ist an der Entwicklung von Untersuchungsverfahren beteiligt und übernimmt Koordinierungsaufgaben bei der Qualitätskontrolle der für das Land Baden-Württemberg tätigen privaten Untersuchungslabors. 
     Die Abteilung 2 "Ökologie, Boden- und Naturschutz" befasst sich mit den Themengebieten Nachhaltige Entwicklung, Landschaftsökologie, ökologische Planung, Natur- und Artenschutz sowie Bodenschutz. 
     Zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung  werden Konzepte für das Umweltmanagement und das Umweltcontrolling entwickelt; eine praxisnahe Beratung von Städten und Gemeinden Baden-Württembergs erfolgt durch das in der LfU angesiedelte Agenda-Büro. Die kontinuierlichen Bodendauerbeobachtungen und regionalen Bodenzustandserhebungen dienen zur  landesweiten Erfassung des Ist-Zustandes.
     Ein Schwerpunkt der biologischen Umweltbeobachtung wird zukünftig die Beobachtung der Auswirkungen der Klimaveränderung auf  die belebte Natur sein. Hierzu werden "Rote Listen" der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sowie Programme zum Artenschutz erstellt. Die ebenfalls von der Abt. 2 bearbeiteten Beiträge der LfU zur Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie wurden in dem Vortrag von F. Marx behandelt. 
     Die Abt. 3 "Industrie und Gewerbe, Kreislaufwirtschaft" der LfU ermittelt, prüft und dokumentiert den aktuellen Stand der Technik bei der Verminderung und Vermeidung von Schadstoffen. Betriebliche Emissionsmessungen und  Betriebsuntersuchungen zur Optimierung des Energie- und Stoffeinsatzes sind Teil des Aufgabenspektrums. Weiterhin ist die LfU zentrale Störfall-Meldestelle (Störfall-Verordnung) in Baden-Württemberg und  betreibt ein Radioaktivitäts-Messnetz.  Weitere Aufgaben der LfU sind Berechnungen der Ausbreitung von Luftverunreinigungen in der Atmosphäre unter Berücksichtigung der klimatischen Bedingungen sowie Analyse, Darstellung und Bewertung von Geräuscheinwirkungen und Elektrosmog auf den Menschen.
     Mit Hilfe zielgerichteter Überwachungsprogramme kann die Abt. 4 "Wasser und Altlasten" Risiken für die Gewässer erkennen und  interpretieren, wobei auch schleichende Veränderungen, z.B. aufgrund sich ändernder klimatischer Bedingungen, durch vieljährige Messreihen aufgezeigt werden können.  Zur Gewässerdokumentation wird ein Gewässerbeschaffenheits- sowie ein landesweites Grundwassermessnetz betrieben. Weiterhin ist hier die Hochwasser- Vorhersage- Zentrale (HVZ) mit dem Hochwasser-Lagezentrum, zuständig für Rhein, Neckar, Donau, Main und deren wichtigste Nebenflüsse, angesiedelt (s. Vortrag P. Homagk).
     Die Abt. 5 fungiert als Informationstechnisches Zentrum (ITZ) der LfU. Im Rahmen des Umweltinformationssystems Baden-Württemberg (UIS) stellt das LfU Umweltdaten, zentrale Datenbanken sowie Umweltberichtssysteme bereit. 

Oliver Morlock

Die FFH-Richtlinie als Instrument des Naturschutzes

Die 1979 erlassene Richtlinie des Rates über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (79/409/EWG, kurz: Vogelschutzrichtlinie) und die Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten (kurz: Habitat oder Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) sind die Kernbestandteile des europäischen Naturschutzrechts. Sie verpflichten die Mitgliedstaaten insbesondere zur Schaffung eines europäischen Schutzgebietsnetzes.
     In Baden-Württemberg brüten rund 30 Vogelarten, die im Anhang I dieser Richtlinie aufgeführt sind. Hierunter sind sehr seltene Arten wie der Purpurreiher, der in Baden-Württemberg nur in wenigen Paaren brütet. Die Richtlinie bezieht sich aber nicht nur auf die Brutvögel. Auch für Zugvögel, die nicht in Anhang I aufgeführt sind, müssen geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen werden. 
     Während die Vogelschutzrichtlinie vor allem auf den Schutz der europäischen Vogelarten und ihrer Lebensstätten abzielt, hat die FFH-Richtlinie den Schutz der gesamten biologischen Vielfalt zum Ziel. Biologische Vielfalt meint die Vielfalt der Lebensräume, der Arten und die innerartliche Vielfalt.
     In den Anhängen I und II der FFH-Richtlinie sind die Lebensräume und Arten von gemeinschaftlichem Interesse aufgeführt, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.
     Diese Schutzgebiete bilden zusammen mit den nach der Vogelschutzrichtlinie zu sichernden Gebieten das europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000. Die LfU  ist in diesem Bereich kooridinierend tätig und erstellt eine Vorschlagsliste hierzu. 
     Für jedes bekannte Vorkommen von Lebensräumen und Arten der Richtlinien-Anhänge wurden folgende Daten erhoben (Flächengrößen der Lebensräume, Bestandsgrößen der Arten, Häufigkeit der Vorkommen im Naturraum, Qualität der Flächen usw.). Sämtliche Daten werden in einer Datenbank verwaltet, alle vorgeschlagenen Flächen sind digitalisiert und stehen in einem geographischen Informationssystem zur Verfügung.
     Rund 3000 Gebietsvorschläge mit den dazu gehörenden Sachinformationen wurden in der Baden-Württembergischen Gebietsliste zum Schutzgebietsnetz zusammengestellt. 6,5% der Landesfläche sind als FFH-Gebiet, 4,9% als Vogelschutzgebiet an die europäische Kommission gemeldet worden. Wegen Überlagerungen nimmt NATURA 2000 insgesamt 8,6%, ca. 315.000 ha, der Landesfläche ein. 
     Für das Schutzgebietssystem NATURA 2000 gelten eine Reihe von Schutzbestimmungen. Wesentlich ist das Verschlechterungsverbot und die Pflicht zu Verträglichkeitsprüfungen. Das Verschlechterungsverbot bedeutet, dass ein Gebiet bezüglich der Erhaltungsziele (Lebensräume und Arten) nicht erheblich beeinträchtigt werden darf. Für Projekte und Pläne, deren Realisierung die Erhaltungsziele eines NATURA 2000-Gebiets erheblich beeinträchtigen können, muss die Verträglichkeit in Bezug auf diese Erhaltungsziele geprüft werden. Es gilt ein striktes Vermeidungsgebot für beeinträchtigende Projekte und Pläne. 
     Die Umsetzung von NATURA 2000 zählt sicher zu den umfangreichsten und schwierigsten Aufgaben der Na-turschutzverwaltung in den nächsten Jahren.  Die Landesanstalt für Umweltschutz hat für das Ministerium Ländlicher Raum 1999 ein Faltblatt zur Umsetzung von NATURA 2000 in Baden-Württemberg erarbeitet. Eine ausführliche Broschüre ist im vergangenen Jahr erschienen. 

Jürgen Marx

Umweltindikatoren für Baden-Württemberg

Der Erfolg und die Effizienz von Umweltpolitik wird bislang noch nicht durch gängige und allgemein anerkannte Messgrößen beurteilt. Seit längerem werden in einzelnen Feldern der Umweltpolitik zur Erfassung und Bewertung der Umweltsituation sogenannte Umwelt-indikatoren eingesetzt (z.B. Gewässerhygiene, Raum- und Landschaftsplanung, Eingriffsregelung, Umweltverträglichkeitsprüfungen).  Die Definition von Nachhaltig-keitsindikatoren soll jedoch helfen,  die komplexe Aussagevielfalt auf eine politisch handhabare Übersicht zu reduzieren. Dabei sind, im Unterschied zu "reinen" Umweltindikatoren, die Nachhaltigkeitsindikatoren auch zur Erfassung des Wechselspiels zwischen Umwelt und sozialen, wirtschaftlichen sowie politisch-institutionellen Aspekten gedacht.
     In der während der Konferenz "Umwelt und Entwicklung" der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 verabschiedeten AGENDA 21, Kapitel 40, wird gefordert, Messgrößen oder Beurteilungskriterien zu entwickeln, mit deren Hilfe nationale und internationale Entwicklungen im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeit überprüft werden können.

Internationale Aktivitäten

Die UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung (CSD) hat 1995 ein mehrjähriges Arbeitsprogramm zu Nachhaltigkeitsindikatoren verabschiedet. Kernelement ist eine "Arbeitsliste" mit 134 Einzelindikatoren. Deutschland  nimmt an einer Testphase zur Praxistauglichkeit teil.
     Die Europäische Kommission hat eine Liste "umweltspezifischer Kernindikatoren" erarbeitet. Daneben wurden für ausgewählte Sektoren  "Integrationsindikatoren für Umweltbelange" ausgewiesen. Am weitesten entwickelt sind die Indikatoren für den Verkehrsbereich (TERM = Transport & Environment Reporting Mechanism).

Nationale Aktivitäten

Auf nationaler Ebene hat sich das Bundesumweltministerium (BMU) entschlossen, an der Praxiserprobung der CSD-Indikatoren teilzunehmen. BMU und UBA haben dazu 1999 der CSD einen Zwischenbericht mit rund 250 Indikatoren vorgelegt, die auf etwa 50-60 nationale Nachhaltigkeitsindikatoren zu reduzieren sind.
     Neben den Arbeiten des UBA und des BMU befassen sich noch der  Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie, der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) beziehungsweise das Potsdamer Institut für Klimaforschung (PIK) mit dem Thema Indikatoren.

Stand der Anwendung von Indikatoren in Baden-Württemberg

Die LfU hat im Rahmen der Umweltberichterstattung in den Umweltdaten 95/96 ein erstes Konzept für 16 Umweltindikatoren dargestellt.  Die fünf Schlüsselindikatoren sind: Wasserverbrauch, Abfall-aufkommen, Energieverbrauch, Kohlendioxid-Emissionen (meist jeweils pro Kopf der Bevölkerung) und Flächenverbrauch. Daneben wurden in den Umweltdaten des Landes noch weitere Indikatoren ausgewiesen, die in knapper Form einen übersichtlichen Gesamteindruck zur Entwicklung der Umweltsituation vermitteln sollen. Dieser Ansatz wurde gemeinsam mit der Akademie für Technikfolgenabschätzung für das Jahr 2000 weiterentwickelt und gemeinsam publiziert (s. Tab.1).
     Die Umweltindikatoren sollen Trendaussagen darüber erlauben, ob die umweltpolitischen Ziele erreicht werden und aufzeigen, in welchen Bereichen aus ökologischer Sicht die größten Abweichungen von den Zielsetzungen bestehen und wo der größte umweltpolitische Handlungsbedarf liegt.

Die Weiterentwicklung des Indikatorensystems für den kommunalen Bereich

Für die kommunale Ebene gibt es einzelne Indikatorenansätze, die überwiegend aus dem Ausland kommen. So werden oft die Indikatorenkataloge aus Seattle oder Rotterdam zitiert. Weitere Vorschläge stammen vom  "Local Government Management Board" Großbritanniens, vom  Wuppertaler Institut sowie der Europäischen Umweltagentur.
     Das Ministerium für Umwelt und Verkehr hat 1999 die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg mit einem Projekt zur Entwicklung von "Nachhaltigkeitsindikatoren für die Lokale Agenda 21" beauftragt. Diesem Projekt haben sich die Bundesländer Bayern, Hessen und Thüringen  angeschlossen. Die Ergebnisse sind in einem Leitfaden erschienen und werden zur Zeit in weiteren Kommunen umgesetzt. 

Werner Franke

Die Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg (HVZ)

Über die Informationswege der Hochwasser-Vorhersage-Zentrale Baden-Württemberg (HVZ) bei der Landesanstalt für Umweltschutz werden die Warnmeldungen des DWD gemäß Hochwassermeldeordnung des Landes (HMO) verbreitet. Die HVZ berechnet im Hochwasserfall für den Rhein, den Neckar, den Main und die Donau sowie deren wichtigsten Nebenflüsse stündlich aktualisierte Vorhersagen. Voraussetzung sind aufwändige vollautomatische hydrologische und hydrometeorologische Messnetze mit Datenfernübertragung. Deren Messdaten finden Eingang in verschiedene hydrologische Modelle, die die speziellen hydraulischen und hydrologischen Besonderheiten der jeweiligen Gewässer berücksichtigen und simulieren, und die mit hydrometeorologischen Modellen gekoppelt sind. 
     Die Güte der Hochwasservorhersagen hängt wesentlich von den hydrometeorologischen Inputdaten insbesondere der Niederschlags- und Schneeschmelzvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ab. Auch künftig können wegen der schnellen Abflussbildung und zu ungenauen Niederschlagsvorhersagen für kleine Einzugsgebiete keine verlässlichen Wasserstandsvorhersagen berechnet werden. 
     Ein wesentliches Ziel der Hochwasservorhersage ist es auch, überflüssige Vorsorgemaßnahmen zu vermeiden. 
Weitere Informationen stehen zur Verfügung unter den Adressen der HVZ : 
www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de oder www.hvz.baden-wuerttemberg.de
oder wap.hvz.baden-wuerttemberg.de

Peter Homagk

Zum Inhaltsverzeichnis


Jahr der Geowissenschaften 2002 - Was geschah bisher? Wie geht es weiter?

Mitte des Jahres 2001 rief  das Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Jahr 2002 zum "Jahr der Geowissenschaften 2002" (JdG) aus (s. Bericht DMG-Mitteilungen 4/2001 und 1/2002).  Die meisten, für die Öffentlichkeit angebotenen Veranstaltungen werden durch die Alfred-Wegener-Stiftung (AWS) koordiniert.  Dieser Stiftung gehören 22 geowissenschaftliche Gesellschaften und Institute an, darunter auch die DMG. Im April und Oktober 2001 fanden in diesem Rahmen die vorbereitenden Sitzungen in Hannover und in Potsdam statt, an denen für die DMG ihr Vorsitzender sowie Prof. Tetzlaff (Leipzig) teilnahmen. 
     Der DMG fielen dabei etliche Koordinierungsaufgaben zu: Für Berlin wurden zur Eröffnung - neben der offiziellen Veranstaltung am 17. Januar 2002 mit der Ministerin, Frau Bulmahn - zahlreiche öffentliche geowissenschaftliche Vorträge angeboten, darunter eine Serie von 15 Vorträgen für Schüler. Am 16. Januar organisierte der Sender Freies Berlin außerdem eine Podiumsdiskussion zum Thema "Klimawandel", die auch mehrfach im "InfoRadioBerlin" gesendet wurde. Parallel dazu wurde von der vom BMBF beauftragten Agentur iser+schmidt eine "Science Street" mit insgesamt 12 Ständen im  "Europacenter" an der Gedächtniskirche organisiert, an dem sich mit einem Stand auch das Institut für Meteorologie der FU Berlin beteiligte. Der Besuch der Science Street wurde allgemein als gut bezeichnet, wenn man auch die Einkaufenden und die eigentlich Interessierten nicht ohne weiteres auseinander halten kann. Bei den Vorträgen gab es meist volle Säle, leider jedoch nicht am Sonnabend Vormittag - hier hatten wir das Interesse der Berliner überschätzt. Von Seiten der Meteorologie wurden drei Vorträge gehalten; dazu kam ein Auftritt des "Klimatrios Plus", bei dem Texte zum Klimawandel und musikalische Intermezzi zu Gehör gebracht wurden. Seit Januar wurden zahlreiche regionale Veranstaltungen angeboten, die man auch im Kalender der Homepage des JdG finden kann: http://www.planeterde.de.
     Ein besonderer Höhepunkt war die Einweihung des "Geoschiffs" am 10. April in Potsdam. Dieses 110 m lange und 600 m2 fassende Ausstellungsschiff, das vormals ein Lastenkahn war, wurde unter Federführung von Prof. Wefer, Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven, ausgerüstet. Er hat es auch verstanden, von zahlreichen Institutionen, auch vom Land Bremen, Gelder für dieses Projekt einzuwerben. Daher nahm die Einweihung auch der Bremer Bürgermeister, Herr Scherf, vor. Dieses Schiff schwimmt seitdem über Havel, Elbe, Kanäle, den Rhein bis zum Herbst zur Donau und legt an mehr als 50 Orten zur Besichtigung und zu Aktionen an. http://www.geoschiff.de
     Vom 17.-19. April fand die zweite zentrale Veranstaltung zum Thema "Luft" in Leipzig, hauptsächlich in den Hallen des Hauptbahnhofs statt. Es wurde weitgehend koordiniert von Prof. Tetzlaff. Arbeitsgruppen von Forschungseinrichtungen, sowie Landes- und Bundesbehörden legten sich in's Zeug und stellten ihre Materie mit viel Enthusiasmus vor. Die wesentlich großzügigere Architektur des Bahnhofs und sein zentraler Charakter ließen eine insgesamt sehr ansprechende und publikumswirksame Präsentation zu. Der Clou war ein gewaltiges Rotorblatt einer Windturbine, das nur mit größter Mühe überhaupt in das Bahnhofsgebäude gebracht werden konnte. Weiterhin war der unter der Hallendecke schwebende "Kleinzeppelin" des Leipziger Instituts für Troposphärenforschung ein gelungener Blickfang. Ähnlich wie in Berlin gab es am Eröffnungsabend eine Wissenschafts-Show, die unter Mitwirkung von Schülern, Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern stattfand. 
     Für den 22. April 2002 wurde der "Tag der Erde" ausgerufen. An diesem Tag sollten möglichst viele Geowissenschaftler in die deutschen Schulen, bevorzugt Gymnasien gehen. Verblüffenderweise meldeten sich auch zahlreiche Grundschulen, die wissenschaftlichen Besuch wünschten, denn die Vortragsangebote wurden im Internet auf der Homepage des JdG öffentlich angeboten. Nach Angaben des Gesamt-Koordinators, Prof. Georg Mark aus Tübingen, haben etwa 400 Wissenschaftler in ganz Deutschland ca. 600 Schulen besucht. Dies ist zwar nur ein kleiner Anfang, aber - abgesehen von der Physik - mehr, als je zuvor von einer Wissenschaftssparte für und in Schulen organisiert wurde. Die Anforderungen waren je nach Klasse sehr unterschiedlich: So fragte eine 6. Klasse mit mehr als 50% Ausländeranteil überraschend intensiv  zu den Themen "Wettermessung" und "Wolkenbeobachtung", während eine andere 9.(!) Klasse nahezu uninteressiert blieb, wogegen zwei 11.-Klasse-Kurse gut vorinformiert und wissbegierig waren. Viele andere Kolleginnen und Kollegen haben ebenfalls mehr als eine Schule besucht - Spitzenreiter dürfte der Sekretär der "Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin", Dr. Ellger, mit dem Besuch von 11 Schulen sein.
     Zahlreiche lokale Veranstaltungen wurden auch im Rahmen der DMG organisiert, so am 6. Mai in Berlin das Kolloquium "100 Jahre Stratosphärenforschung", zu dem Frau Prof. Labitzke einlud. Diese Veranstaltung fand auch statt in der Erinnerung an den Ballon-Hochaufstieg von Berson und Süring am 31. August 1901, die damals 10800 m Höhe erreichten, und mit diesem Aufstieg sowie zahlreichen anderen Ballonfahrten die ersten grundlegenden Erkenntnisse über die Troposphäre und Stratosphäre gewannen - der Begriff Tropopause wurde z.B. damals von Teisserent de Bort geprägt, der zeitweise in Berlin war. 
     Dies ist der Stand Anfang Juni 2002. Wie wird es weitergehen? Vom 5. bis 9. Juni fand in Köln die Veranstaltung und Aktion "Feuer" statt, an der hauptsächlich - dem Thema entsprechend - Geologen und Geophysiker beteiligt waren. Vom 27. bis 29. Juni wird in Potsdam auf dem Telegrafenberg das Thema Klima ("Wann kommt die nächste Eiszeit?") vielseitig vorgestellt. Von Seiten der Meteorologie wird es vom 9.-13. September die Herbstschule "System Erde" in Potsdam geben vom 26. bis 28. September findet in Leipzig vom Fachausschuss Geschichte der DMG die Tagung "Internationale Kooperation und Projekte" statt. Viele weitere geowissenschaftliche Veranstaltungen sind auf der Homepage www.planeterde.de zu finden. 
     Nach dem Jahr der Physik und dem Jahr der Lebenswissenschaften ist dies nun das dritte Themenjahr, in dem sich Wissenschaft im Dialog von Forschern und Öffentlichkeit präsentiert, als Wissenschaft zum anfassen, sozusagen. Im täglichen Überangebot von Information ist zwar oftmals in uns selbst bereits Sättigung erreicht, bevor wir genug Nahrung für den Geist aufgenommen haben. Niemand kann aber behaupten, die Wissenschaft verschanze sich in einem Elfenbeinturm oder die Bevölkerung sei durchweg desinteressiert. Die Grundidee und die Aktivitäten rund um das Jahr der Geowissenschaften sind daher voll und ganz zu begrüßen.

Werner Wehry
Arne Spekat
Institut für Meteorologie
FU Berlin
Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10
12165 Berlin

Zum Inhaltsverzeichnis


Die EMS im Aufwind

Die Entwicklung seit der EMS-Gründung

Im Herbst 1999 gründeten 18 europäische nationale meteorologische Gesellschaften in Norrköping die European Meteorological Society. Hauptziel war und ist es, auf europäischer Ebene die wissenschaftlichen Belange der Meteorologie und verwandter Wissenschaften zu fördern und die Entwicklung von Anwendungen in diesen Bereichen durch gemeinsame Initiativen zu unterstützen, zum Nutzen der Menschen in Europa und anderenorts (§ 4 der Satzung der EMS). Dieser Zusammenschluss erfolgte in ähnlichem Geiste, der sicher auch Sie bewog, in der DMG Mitglied zu sein: Die Erkenntnis, dass gemeinsam mehr erreicht werden kann, als es Einzelne vermögen. 
     Bis September 2001 konsolidierte sich die EMS, und es erfolgte in Budapest zusammen mit der 5. European Conference on Applications of Meteorology (ECAM) das First Annual Meeting (s. DMG-Mitteilungen Nr. 1, 2002), nachdem im Jahre 2000 in Cambridge während der 150-Jahr-Feier der Royal Meteorological Society die zweite Mitgliederversammlung stattgefunden hatte. Ein Workshop zur Zertifizierung von Meteorologen und Firmen brachte damals eine erste Übersicht über europaweite Aktivitäten - nachzulesen unter http://www.emetsoc.org/ems_events.html#accred. Die EMS begann zu leben - so der Vorsitzende, René Morin aus Paris.
     Nachdem im März 2000 in Potsdam das Symposium "50th Anniversary of Numerical Weather Prediction" als erste EMS-Veranstaltung stattgefunden hatte, kam in 2001 - editiert von Arne Spekat - das zugehörige Buch heraus, das nun auch über die American Meteorological Society in den USA angeboten wird. Ergebnisse der Annual Meetings werden als EMS-Publikationsreihe herausgegeben und voraussichtlich in Zusammenarbeit mit der Copernicus-Gesellschaft als "Books on Demand" produziert werden.
     Seit der Gründung der EMS sind weitere 7 nationale Gesellschaften aufgenommen worden, so dass sie mehr als 10.000 Meteorologen in Europa repräsentiert. Die großen europäischen Zentren wie EZMW, EUMETSAT und ESA sowie sieben Wetterdienste und sechs Firmen haben sich inzwischen als "Associates" der EMS angeschlossen, zwei weitere (aus Italien und Russland) haben gerade den Antrag auf Aufnahme gestellt (Juni 2002). Dies unterstreicht die Bedeutung und Glaubwürdigkeit der EMS, in der sich ein breites Spektrum an Akteuren wieder-findet. Sie beginnt nun zu handeln, und hier stehen große Herausforderungen an.

EMS-Aktivitäten

Zu den Themenbereichen Professionelle Qualifikation, Bildung, Konferenzorganisation und Medien wurden 2001 EMS-Komitees ins Leben gerufen. Die EMS hat sich als eine neutrale Diskussions-Plattform für ihre durchaus verschiedenartigen Mitglieder etabliert. Natürlich gibt es widerstreitende Themen, vor allem im Be-reich der Anwendungen der Wissenschaft (z.B. Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse für die Wirtschaft, aber auch für die Öffentlichkeit in den Medien) oder der kommerziellen Seite (z.B. Verhältnis nationale Wetter-dienste - private Anbieter) oder beim internationalen Arbeitsmarkt, wozu erst einmal auch für Examina und deren Anerkennung gegenseitige Vereinbarungen getroffen werden müssen. Zu Letzterem gibt es auch EU-Ansätze, z.B. mit der Einführung der ECTS-Punkte für die erfolgreiche Absolvierung von universitären Lehrveranstaltungen (= European Credit Transfer System).
     Ein Antrag von zehn Wissenschaftlern aus acht Ländern auf Förderung eines Projektes "Promoting weather teaching at primary schools for understanding environment and appreciating science" ist von der EMS am 1. Mai 2002 für das Socrates-Programm der EU gestellt worden. Zum Thema Bildung entwickelt sich ein europäisches Netzwerk von Institutionen, Gesellschaften und Forschungseinrichtungen; Beiträge dazu kommen bei der DMG z.B. durch Fortbildungsveranstaltungen wie die "Herbstschule System Erde" im September 2002. Bildungsaktivitäten sind auch als originäre EMS-Aufgaben definiert worden. Immerhin gibt es in allen Schularten und -stufen, aber auch im universitären Bereich (Diskussion um Bachelor und Magister anstelle oder zusammen mit Diplom) dringenden europaweiten Diskussions- und Handlungsbedarf. 
     Somit ist es naheliegend, dass die EMS sich auch bei der im Juli 2003 in Madrid stattfindenden 5th EWOC (Education: Weather, Ocean, Climate) engagiert. Dies ist eine Tagung, die von der Royal Meteorological Society eingeführt und bisher zusammen mit der AMS organisiert wurde, in die nun die EMS den wesentlichen europäischen "Touch" einbringen wird.
     Im Bereich der Universitäten bietet die EMS durch ihre Mitglieder hervorragende Kontakte zu nahezu allen europäischen, aber auch zahlreichen überseeischen Institutionen. 

Zusammenarbeit mit der AMS

Wesentlich ist die Zusammenarbeit mit der American Meteorological Society (AMS), mit der eine entsprechende Übereinkunft abgeschlossen wird. Immerhin ist die AMS mit etwa 12.000 Mitgliedern die weltgrößte meteo-rologische Gesellschaft. Felder der Zusammenarbeit sind:

  • Unterstützung der im Juni 2002 in Utah stattfindenden Mountain Meteorology Conference mit fünf Preisen für junge europäische Wissenschaftler von je 500 Euro. Die nächste Mountain-Meteorologie-Tagung wird übrigens vom 19.-23.5.2003 in Brig/Schweiz stattfinden.
  • Radarmeteorologie-Tagungen.
  • Medien-Konferenz, geplant für 2004 in Genf.
  • Hinweise auf Konferenzen und Publikationen
Insgesamt sieht die AMS in der EMS den eigentlichen europäischen Ansprechpartner.

Die Jahrestreffen der EMS

Ein zentrales Feld, auf dem die EMS Akzente setzt und Impulse gibt, ist die Veranstaltung der Jahrestreffen. Das erste fand 2001 in Budapest statt (s.o). 
     Zum 2nd Annual Meeting lädt die EMS vom 14.-15.11.2002 nach Brüssel ein, wo zusammen mit der 4th European Conference on Applied Climatology (ECAC, 12.-14.11.) eine Vortrags- und Diskussions-Serie über z.B. "Minimizing negative short-term effects of climate variability in Europe" und "Economic protection against risks from climate variablity in Europe" organisiert wird. 
     Für das 3rd Annual Meeting wird schon jetzt zum 15.-19.9.2003 nach Rom eingeladen. Zusammen mit dem Wetterdienst der Italian Air Force wird diese Tagung gemeinsam mit der 6th European Conference on Applications of Meteorology (ECAM) organisiert. Von Seiten der EMS wird es eigene Vortragsreihen geben, die sich mit übergeordneten wissenschaftlichen Anwendungen wie "Zukunft der Nutzung von Satelliteninformation" und "Zusammenarbeit in Europa" befassen werden.
     Ab 2004 werden die Annual Meetings voraussichtlich in Eigenregie der EMS unter Einbeziehung von ECAC, ECAM und weiteren Tagungen veranstaltet. Bei der Organisation kooperiert die EMS mit der Copernicus-Gesellschaft (Katlenburg bei Göttingen), um kostengünstig Tagungen ausrichten zu können. Diese Gesellschaft organisiert seit vielen Jahren die EGS-Tagungen  (in 2003 ca. 10.000 Teilnehmer in Nizza!) sowie etliche weitere große internationale Konferenzen. 

Fazit

Sie sehen, die EMS engagiert sich auf vielen Gebieten. Sie ist gleichzeitig neutraler Grund, auf dem Diskussionen zu Gegenwart und Zukunft der Meteorologie stattfinden. Eine so wichtige Organisation mit diesem Profil zu unterstützen und aktiv zu begleiten ist vornehme Pflicht und steht auch für die DMG außer Frage.

Arne Spekat
EMS-Sekretär
ems_sec@met.fu-berlin.de

Zum Inhaltsverzeichnis


Spendenaufruf für Erhalt der Säkularstation Potsdam - Reinhard-Süring-Stiftung

Ab 2006 wird der Beobachtungsdienst an der Säkularstation Potsdam eingestellt und durch einen Automaten ersetzt. Damit wird eine Beobachtungsreihe abgebrochen, die seit 1893 unter immer gleichen Bedingungen ein weit über den Rahmen des Normalen hinausgehendes Beobachtungsprogramm ohne Lücken repräsentiert, das durch einen Automaten nicht ersetzt werden kann. Da es weltweit keine vergleichbare Station dieses Datenumfangs und dieser Qualität gibt, ist es dringend erforderlich, die Säkularstation in ihrer jetzigen Form auch in Zukunft weiterzuführen. Die dazu notwendigen Mittel sollen über eine Stiftung eingeworben werden. Um diese Stiftung, die den Namen Reinhard Sürings tragen soll, ins Leben rufen zu können, wird ein Grundkapital von 50.000 Euro benötigt. 
     Die Sammlung der Spenden und deren Verwaltung übernimmt bis zur Gründung der Stiftung treuhänderisch die Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V., vertreten durch ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Werner Wehry, Meteorologisches Institut der Freien Universität Berlin, Carl-Heinrich-Becker-Weg 6-10, 12165 Berlin. Der Vorstand der DMG bittet alle Mitglieder, sich an der Spendenaktion zur Stiftungsgründung zu beteiligen. Dabei ist jede Spende willkommen. (Wenn jedes Mitglied der DMG in Höhe seines Jahresbeitrages spenden würde, wäre das Grundkapital bereits vorhanden, und die Stiftung kann ihre Arbeit aufnehmen.)
     Wenn Sie spenden möchten, überweisen Sie bitte Ihren Beitrag auf das  Sonderkonto
Kto.-Nr.: 07 133 066 00 BLZ: 221 800 00 bei der Dresdner Bank AG, Filiale Elmshorn, Kontobezeichnung: DMG e.V., Süring-Stiftung.
     Die Spende ist steuerlich abzugsfähig. Jeder Spender erhält eine Spendenbescheinigung. Vergessen Sie bitte nicht, Ihre Anschrift mit anzugeben. 

Sollte die Stiftung wider Erwarten nicht zustande kommen oder aufgelöst werden, tritt §14 der Stiftungssatzung in Kraft:

§ 14

Vermögensanfall

Bei der Auflösung bzw. Aufhebung der Stiftung ist das Vermögen auf die Deutsche Meteorologische Gesellschaft e.V. zu übertragen mit der Auflage, es ausschließlich und unmittelbar für die Förderung von Wissenschaft und Forschung - insbesondere für die geldliche Unterstützung von Maßnahmen Dritter zur Erfassung, Sicherung und Aufbereitung klimatologischer Daten - zu verwenden.

Für weitere Informationen zur Säkularstation und zur Reinhard-Süring-Stiftung existiert eine Homepage. Sie erreichen Sie über diesen Link: http://www.klima-potsdam.de/

gez. :  Prof. Dr. W. Wehry  - Vorsitzender der DMG

Zum Inhaltsverzeichnis


Über die Messung der Bedeutung von Fachzeitschriften

Die Journale Meteorologische Zeitschrift und Beiträge zur Physik der Atmosphäre - Letztere in gemeinsamem Besitz von DMG, ÖGM und SGM - hatten sich zu Beginn ihrer Kooperation 2000 der Aufgabe gestellt, den Citation Index zu erreichen. Dieses Ziel wurde höchst erfreulicherweise bereits 2001 erreicht; wir berichteten an dieser Stelle davon.
     Was befördert ein Journal in diese hehre Gesellschaft? Wie würden Sie eine solche Bemessung konstruieren? Nun, in der Branche hat sich die Denkweise durchgesetzt, dass eine Zeitschrift "heiß" ist, wenn von vielen Autoren daraus zitiert wird. Ein Rest von Grauzone bleibt bei diesem Verfahren, sicher, aber es ist ein guter Kompromiss. In der Praxis läuft es etwa so: Internationale Konsortien flöhen Tausende Journale - für Meteorologie und atmosphärische Wissenschaften sind es dabei rund 50, darunter auch die Meteorologische Zeitschrift/Beiträge zur Physik der Atmosphäre. Die Zählung von Zitierungen ist eine Form der gegenseitigen Anerkennung und spiegelt im Grunde die Abhängigkeit der Community von der Arbeit einzelner Wissenschaftler und Journale wieder. Man könnte sagen, diese Quellen bilden den Kern einer Community. Zum Zuge kommen dabei Beiträge in Büchern, Journalen, Konferenzpublikationen und Institutsberichten. In einigen Disziplinen gehören auch Patente dazu. Reine Abstracts (z.B. in Tagungsbänden), Leserbriefe und Korrekturen werden i.d.R. nicht mitgezählt. 
     Das Datenmaterial wird facettenreich aufbereitet. Eine sehr wichtige Maßzahl ist der Quotient aus den zählerisch ermittelten Zitaten und der Anzahl der vom betreffenden Journal publizierten Artikel. Ob dabei die Zitate aus dem eigenen Journal mitgezählt werden oder nicht, ist ein Quell trefflichen Lehrmeinungsstreits. Nicht, dass Idealismus einer der zentralen Beweggründe ist: Kürzlich musste die konkurrierende Firma Prestigefactor ihren Betrieb einstellen und das jahrzehntealte ISI (Institute for Scientific Information) hatte den Markt wieder so gut wie für sich. Im untersuchten Spektrum der Fachrichtungen und der Häufigkeiten sind die Geowissenschaften übrigens im Mittelfeld. Es gibt ausgesprochene Vielschreiber-Disziplinen, wie die Immunologie, bei denen ein Autor z.B. zehnmal öfter als ein Geophysiker zitiert sein muss, damit er als "heiße Quelle" betrachtet wird. In der Mathematik dagegen ist es im Verhältnis zu den Geowissenschaften nur etwa ein Zehntel.
     Erbsenzählerei? Die sehr aufwändige Arbeit ist auch für Bibliotheken von großer Wichtigkeit, denn bei knapper werdenden Kassenbeständen entsteht der Zwang, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für die Meteorologische Zeitschrift/Beiträge zur Physik der Atmosphäre ist es jedenfalls bemerkenswert, sich sozusagen messbar etabliert zu haben.

Arne Spekat
Schriftleiter Meteorologische Zeitschrift/Beiträge zur Physik der Atmosphäre
Ted_MetZ@met.fu-berlin.de

Zum Inhaltsverzeichnis


Schriftleiter - was ist das eigentlich?

Als EMS- und DMG-Sekretär ist das Tätigkeitsfeld bereits sehr umfangreich; doch damit nicht genug: Die Konstruktion beinhaltet auch die Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift. Schriftleiter oder - im internationalen Idiom - Technical Editor ist einer von vielen Faktoren im Gefüge einer Publikation. Der Aufgaben-Kuchen wird dabei von Journal zu Buch zu Newsletter ganz unterschiedlich aufgeteilt.
     Bei der Meteorologischen Zeitschrift/Beiträge zur Physik der Atmosphäre ist die Schriftleitung beispielsweise die offizielle Anlaufstelle für die einreichenden Autoren und Aufbereitungsstelle für die angenommenen Artikel. Aber eins nach dem anderen. 

Artikeleingang

Bei der Schriftleitung eintreffende Manuskripte werden nach einer Vorprüfung registriert. So ist es möglich, über eine Auftragsverfolgung und eine Langzeit-Archivierung des Texteingangs zu verfügen. Danach wird ein Text in die so genannte "Pipeline" gegeben. Hinter diesem, hoffentlich nicht despektierlich klingenden Begriff verbirgt sich die Gruppe von Editoren. Der spezifizierte Editor koordiniert dann den Begutachtungsprozess, will sagen, identifiziert Gutachter, versorgt diese mit Review-Kopien des Textes, verfolgt Fristen und kommuniziert mit dem Hauptautor, wenn es um Annahme, Revision oder Ablehnung seines Artikels geht. Eine modifizierte Fassung dieses Vorgangs erfolgt, wenn ein Themenheft, wie beispielsweise zu BALTEX, zur Sonnenfinsternis-Kampagne 1999 oder zur Mettools-Tagung erarbeitet wird - dann wird zumeist ein externer Gasteditor bestimmt oder aus der entsprechenden Community vorgeschlagen, der sich aller Beiträge dieses Heftes annimmt. 

Druckvorstufe

Wenn die Begutachtungsphase für den Autor erfolgreich durchlaufen wurde und der Editor sein Imprimatur gegeben hat, wird die Schriftleitung erneut aktiv. Nun gilt es, die Endfassung des Textes und der Abbildungen in Besitz zu bringen. Dies ist bisweilen mit einer ordentlichen Portion Kommunikation verbunden, denn das am heimischen PC gezimmerte Bild und die für die Druckwiedergabe notwendige Reproqualität sind durchaus nicht immer identisch. Die Zusammenstellung der Hefte und das Zeitschriften-Layout entsteht bei mir auf dem Rechner; es beinhaltet alle Texte, Formeln, Tabellen und Abbildungen in Dateiform, d.h. im Druckprozess werden keine Kamera-fertigen Aufsichtvorlagen abgelichtet und zu Druckplatten montiert - all dies geschieht statt dessen elektronisch. Dazu muss ich eine Mischung aus Meteorologie-, Gestaltungs- und Repro-Sachverstand in die Waagschale werfen. Dieses Produktions-Format ist auch geeignet, die Webversionen der Artikel ganz mühelos zu erstellen.
     Bevor die Texte gedruckt werden, bekommen die Autoren die Druckfahnen - was für ein wunderbar anachronistischer Begriff, denn es sind natürlich inzwischen auch elektronisch versendbare Dateien - zur Korrektur zu sehen. Und gar nicht so viel später halten Sie dann das Resultat in Ihren Händen.

Arne Spekat
Schriftleiter Meteorologische Zeitschrift/Beiträge zur Physik der Atmosphäre
Ted_MetZ@met.fu-berlin.de

Zum Inhaltsverzeichnis


Freie Wahl der Publikationsform bei der DFG

Die Publikationsförderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) wird erweitert und umgestellt. In allen wissenschaftlichen Disziplinen soll die jedem Projekt angemessene Form der Veröffentlichung unterstützt werden.
     Die DFG wird ihre Publikationsförderung umstellen und deutlich erweitern. Zukünftig kann eine Publikationsförderung bei der DFG unmittelbar mit einem Projekt oder einem Stipendium beantragt werden, wobei die Publikationsform in der freien Wahl des Antragstellers liegt. Auf diesem Wege will die DFG dazu beitragen, in allen wissenschaftlichen Disziplinen die jedem Projekt angemessene Form der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen zu unterstützen. Sie wird dafür ab 2002 erweiterte Fördermittel bis zu jährlich fünfzehn Millionen Euro bereitstellen.
     Ab sofort können Publikationskosten im Rahmen eines jeden DFG-Projektes oder Stipendiums bis zu 750 Euro jährlich beantragt werden. Diese Mittel können in der Laufzeit des Projekts angespart und im Einzelfall durch die Umdisposition aus anderen Projektmitteln auf bis zu 2 500 Euro jährlich aufgestockt werden. Dabei kann von der jeweiligen Projektleitung die sinnvollste Publikationsform gewählt werden - von der klassischen Monographie über den Aufsatz in einer oft kostenpflichtigen Fachzeitschrift bis zur elektronischen Veröffentlichung (CD-ROM, Online-Publikation). Das gilt auch für wissenschaftliche Qualifikationsschriften.
     Darüber hinaus ist die projekt-unabhängige finanzielle Förderung für solche Werke möglich, die wissenschaftliches Grundlagenmaterial für die weitere Forschung zugänglich machen, das heißt insbesondere Quellen- und Werkeditionen. Diese Förderung erfolgt auf der Basis einer Begutachtung. In diesem Zusammenhang können Dissertationen nur im Ausnahmefall gefördert werden. Projektanträge, die auch Publikationskosten umfassen, können ab sofort der DFG-Geschäftsstelle vorgelegt werden. Weitere Informationen sind im Internet unter 
www.dfg.de/ aktuell/index.html abrufbar.

Quelle: Forschung 4/2001

Zum Inhaltsverzeichnis


Vilhelm-Bjerknes-Medaille für Prof. Hasselmann

Am 21. April 2002 wurde Prof. Dr. Klaus Hasselmann in Nizza mit der Vilhelm-Bjerknes-Medaille der Europäischen Geophysikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Medaille wird seit 1995 durch die Sektion "Ozeane und Atmosphäre" zur Erinnerung an das wissenschaftliche Werk von Vilhelm Bjerknes verliehen.
     Prof. Hasselmann erhält diese Auszeichnung in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten auf den Gebieten der Theorie und der Modellierung der Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre und der Klimavariabilität. Durch seine Arbeiten ist die Vorhersage von Ozeanwellen und der Nachweis des Klimawandels verbessert worden.
     "Prof. Hasselmann ist ein Pionier auf dem Gebiet der Wechselwirkung Ozean-Atmosphäre und einer der Väter der modernen Klimaforschung. Er war die treibende Kraft bei der Entwicklung komplexer gekoppelter Atmosphäre-Ozean-Modelle, die zur Untersuchung der natürlichen Klimavariabilität und des anthropogenen Klimawandels verwendet werden. Er war der Erste, der die Klimavariabilität mit Hilfe der Wechselwirkung der verschiedenen Subsysteme des Klimasystems, insbesondere des Ozeans und der Atmosphäre, beschrieb. Er erkannte die Analogie zur Brownschen Bewegung in der statistischen Physik und zeigte, dass die schnell veränderliche Atmosphäre niederfrequente Variabilität in den Ozeanen induzieren kann.
     Hasselmann ist auch einer der führenden Statistiker in den atmosphärischen Wissenschaften. Er entwickelte Konzepte, um komplexe dynamische Systeme (z.B. Principal Interaction Patterns, PIP, und Principal Oscillation Patterns, POP) zu vereinfachen und um ein anthropogenes Klimasignal gegen das Hintergrundrauschen nachzuweisen.
     Hasselmann war einer der Ersten, die die Rolle der nichtlinearen Wechselwirkungen bei der Bildung natürlicher Oberflächenwellenfelder verstanden haben, und der Erste, der die Energieentwicklungsgleichung (auch bekannt als kinetische Gleichung) komplexer Oberflächenwellensysteme gelöst hat. Die Verallgemeinerung dieser Ergebnisse war ein grundsätzlicher Fortschritt in der allgemeinen Theorie stochastischer Wellenprozesse. Einige Jahre später organisierte und leitete er das JONSWAP Wellenprojekt, das einer der wichtigsten Meilensteine in unserem Verständnis der Eigenschaften von Oberflächenwellen wurde. Der Wellenmodellierungskomplex WAM, der auf der Basis der Energieentwicklungsgleichung entwickelt wurde, und die Kenntnisse aus den Be-obachtungen bei JONSWAP sind inzwischen Standardtools in vielen Institutionen." (Quelle: EGS 2002, aktuelle Begründung der Preisverleihung).
 
 

Vilhelm-Bjerknes-Medaille der EGS:
Die Sektion Ozeane und Atmosphäre der Europäischen Geophysikalischen Gesellschaft (EGS) verleiht die Vilhelm-Bjerknes-Medaille für hervorragende Forschung in den atmosphärischen Wissenschaften. Die Medaille wurde nach Vilhelm Bjerknes (1862-1951), einem der führenden atmosphärischen Wissenschaftler der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts benannt.

     Prof. Hasselmann, der von 1975 bis 1999 Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie war, wurde 1931 in Hamburg geboren. 1957 promovierte er in Göttingen zum Dr. rer. nat.; 1963 habilitierte er sich an der Universität Hamburg, an der er von 1966 bis 1975 als ordentlicher Professor lehrte und von 1972 bis 1975 als Direktor des Instituts für Geophysik tätig war. Neben seiner anschließenden Tätigkeit als Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie war er von 1988 bis 1995 Wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Klimarechenzentrums in Hamburg. Zahlreiche längere Forschungsaufenthalte im Ausland begleiteten  seine wissenschaftliche Laufbahn. Prof. Hasselmann ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften sowie Träger hoher Auszeichnungen. Gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Dr. Lennart Bengtsson und Prof. Dr. Hartmut Graßl vom Max-Planck-Institut für Meteorologie erhielt er 1998 den Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Im Jahr 2000 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der University of East Anglia verliehen.

Annette Kirk
MPI für Meteorologie
- Öffentlichkeitsarbeit -
Bundesstr. 55
20146 Hamburg
annette.kirk@dkrz.de

Zum Inhaltsverzeichnis


Inbetriebnahme des neuen Hochleistungsrechner beim Deutschen Wetterdienst (DWD) für die Wettervorhersage

Nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit übernahm am 9. April der neue IBM-Super-computer die Berechnungen von Wetteranalyse und -vorhersage beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Er ist einer der leistungsstärksten Supercomputer Europas und bietet den Wetterspezialisten genügend Kapazität, um die numerischen Vorhersagemodelle zu optimieren und neue Modelle und Vorhersagemethoden zu entwickeln. 
     Das IBM-Parallelrechnersystem RS/6000 SP besteht aus 80 Rechenknoten mit jeweils 16 Prozessoren, so dass für die Aufgaben des Deutschen Wetterdienstes insgesamt 1280 Prozessoren zur Verfügung stehen. Das neue System liefert ein Vielfaches der Anwendungsleistung des bisherigen Rechners vom Typ Cray T3E und ist in das Supercomputer-Netzwerk EUROGRID integriert. Im Rahmen dieses Netzwerks ist der Rechner beim Deutschen Wetterdienst (DWD) Pilotprojekt für ein zukünftiges METEOGRID in Europa.
     Mit dem Verbund-Projekt EUROGRID wird allen teilnehmenden Forschungszentren (u.a. das CSCS in Manno/Schweiz, die Universität Manchester, IDRIS in Frankreich, das Forschungszentrum Jülich) in Zukunft eine einheitliche Benutzerschnittstelle zur Verfügung stehen. Dieses Netzwerk beruht auf dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten UNICORE Plus Projekt. Im Rahmen dieses Projektes arbeiten Forscher, unterstützt von den Softwareentwicklern, gemeinsam an Techniken, um über das Internet auf Supercomputer-Ressourcen unterschiedlicher Rechner mit verschiedenen Datenspeichersystemen zugreifen zu können. Zu diesem Zweck entwickelt UNICORE Softwaretools, die es dem Anwender ermöglichen, durch ein einheitliches Interface die Ressourcen der Rechner zu nutzen, ohne über detaillierte Kenntnisse der einzelnen Systeme zu verfügen. Ziel ist es, weltweit einen einheitlichen, herstellerübergreifenden Standard für Grid-Computing zu entwickeln. Die EUROGRID-Partner arbeiten mit ihren Kollegen aus den USA in einem gemeinsamen Projekt der EU, um eine kombinierte GRID Lösung zu entwickeln, die die Vorteile von GLOBUS und UNICORE vereinigt. 

Quelle: Presseinfo DWD und IBM

Zum Inhaltsverzeichnis


Entwicklung eines globalen Zirkulationsmodells für Klimaforschung und Wettervorhersage

Bereits wenige Wochen nach der Inbetriebnahme eines neuen Rechners beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach wurde im Mai 2002 eine Kooperation zwischen dem Deutschen Wetterdienst und dem Max-Planck-Institut für Meteorologie zur Entwicklung eines neuen globalen Erdsystemmodells vereinbart. Basis der Entwicklung ist das aktuelle globale Vorhersagemodell GME des DWD, das auf einer hexagonalen Gitterstruktur beruht, und das Klimamodell ECHAM5 des MPI. Am Ende der Entwicklung wird ein ganz neues, hocheffizientes Modell der allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre stehen, das für beide Anwendungszwecke geeignet ist: Beim MPI für die Simulation des Klimasystems einschließlich der Chemie der Atmosphäre und beim DWD für die detaillierte und weiter optimierte globale Wettervorhersage. Zu Beginn dieses gemeinsamen Projektes fand im Mai 2002 ein Workshop in Hamburg statt, bei dem sich Wissenschaftler des MPI und des DWD mit mehr als 20 führenden Experten aus ganz Europa, Australien, USA und Japan zu einem Meinungsaustausch trafen. Der Workshop diente ebenfalls dazu, weitere nationale und internationale Kooperationen anzubahnen. Das neue gemeinsame Modell soll durch die verbesserte Simulation chemischer Prozesse in der Atmosphäre eine deutliche Verbesserung bei der Vorhersage der wetter- und klimarelevanten Prozesse erbringen.

Quelle: Presseinfo: DWD

Zum Inhaltsverzeichnis


Sonderpostwertzeichen "100 Jahre deutsche Antarktisforschung" - Anlaß für ein Resümee zur Bedeutung der Antarktisforschung

Briefmarkengestaltung und Historie

Die deutsche Antarktisforschung feiert ihr 100jähriges Jubiläum. Um die traditionsreiche Geschichte der deutschen Meeres- und Polarforschung und deren Pioniere zu würdigen und der breiten Öffentlichkeit die Bedeutung und Notwendigkeit der Erforschung der Antarktis näher zu bringen, stellte das Bundesfinanzministerium jüngst in Bremerhaven auf dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" die Sonderpostwertzeichen-Blockausgabe "100 Jahre deutsche Antarktisforschung" vor. Die Marken sind seit November 2001 erhältlich.

     Am 11. August 1901 startete das deutsche Forschungsschiff "Gauss" von Kiel aus zur ersten deutschen Südpolarexpedition unter der Leitung von Erich von Drygalski. Am 14. Februar 1902 erreichte die "Gauss" die Treibeisgrenze und wurde nach einer Woche vom Eis eingeschlossen. Ein ganzes Jahr dauerte die Überwinterung in der Antarktis, in der vielfältige intensive wissenschaftliche Arbeiten durchgeführt wurden. Erich von Drygalski machte aus dem Forschungsschiff "Gauss" eine "antarktische Universität", wie Fachkollegen anerkennend bemerkten. Am 8. Februar 1903 konnte das Schiff durch das aufgebrochene Eis wieder Fahrt aufnehmen und kehrte am 24. November 1903 wohlbehalten in seinen Ausgangshafen Kiel zurück.
     Die Messungen und Versuche dieser Reise bildeten den Grundstock für spätere Untersuchungen und finden heute noch Anwendung. Die umfangreichen wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Expedition, die in 20 Buchbänden und zwei Atlanten zusammengefasst sind, gab von Drygalski zwischen 1905 und 1931 heraus. Hiermit hatte der deutsche Polarforscher einen wesentlichen Grundstein für das Verständnis der antarktischen Naturverhältnisse gelegt. Diese Erkenntnisse stellen bis heute eine große Hilfe für die weitere Polarforschung zukünftiger Expeditionen dar. An den Forscher erinnern der in der Antarktis liegende und nach ihm benannte "Drygalski-Gletscher" sowie eine Insel mit seinem Namen. Die Geographische Gesellschaft München hat eine Medaille nach dem Forscher benannt. Neben Straßennamen findet man sogar auf einer Mondkarte am Südpol des Mondes eine große Vertiefung mit dem Namen "Drygalski-Krater".
     Erich von Drygalski (1865-1949), in Königsberg geboren, war Schüler des berühmten Geographen und Asien-forschers Ferdinand von Richthofen, dem er 1886 nach Berlin folgte. Aber auch andere Pioniere der deutschen Polarforschung und Geophysik, wie Alfred Wegener, nach dem das Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven benannt wurde, Carl Koldewey und Georg von Neumayer, Eduard Dallmann oder auch Wilhelm Filchner müssen hier genannt werden. Deutsche Forschungsstationen tragen ihre Namen. 
     Die Blockausgabe "100 Jahre deutsche Antarktisforschung" wurde zur schönsten Briefmarke des Jahres 2001 gewählt. Rund 32,8 Prozent der Teilnehmer an der Wahl entschieden sich für die Marke nach einem Entwurf des Grafikers Ernst Kößlinger. Rund 400 000 Kunden der Deutschen Post beteiligten sich an dieser Wahl. 

Antarktisvertrag

1978 wurde die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Mitglied des Internationalen Scientific Committee on Antarctic Research (SCAR), einer wissenschaftlichen regierungsunabhängigen Organisation, die am 28. Juli 1958 gegründet wurde. Die Antarktis untersteht einem völkerrechtlichen Vertragssystem. Grundlage hierfür ist der Antarktisvertrag. Er lässt die Nutzung der Antarktis für friedliche Zwecke zu und verbietet ausdrücklich alle Maßnahmen und Eingriffe militärischer Art. Die Bundesrepublik Deutschland trat am 5. Februar 1979 dem Antarktisvertrag bei, 1981 folgte die DDR.

Förderung der Antarktisforschung in Deutschland

Führende Forschungseinrichtungen und -projekte in Deutschland werden mit insgesamt 260 Millionen Mark pro Jahr gefördert. Zum Forschungsspektrum gehört auch die Meeres- und Polarforschung, die unter anderem zu einem besseren Verständnis der Rolle der Ozeane im Ökosystem Erde (Klima, Ressourcen, Naturstoffe) beiträgt und zur Erkennung von natürlichen und durch den Menschen verursachten Veränderungen der Meere und Küstenregionen führt.

Rolle der Ozeane und Polargebiete im globalen Klimageschehen

Mit einem Anteil von rund 80 Prozent an der Erdoberfläche stellen die Ozeane und die Polargebiete die bedeutendsten Teilsysteme der Erde. Das Zusammenwirken von Atmosphäre, Ozean und Eisflächen schafft die Lebensbedingungen auf unserem Planeten. 90 Prozent des Eises und drei Viertel der Süßwasserreserven der Welt befinden sich in der Antarktis. Die Antarktis ist der kälteste, trockenste und stürmischste aller Kontinente. Sie ist etwa doppelt so groß wie Australien. Die Eismengen werden auf 30 Millionen Kubikkilometer geschätzt, wobei die höchste Stelle 4000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das in der Antarktis bebundene Wasser entspricht einer Meeresspiegelhöhe von 60 - 65 Metern. 

Einsatz von Forschungsschiffen

Das Forschungsschiff "Polarstern", ist mit Arbeitsplätzen für über 50 Wissenschaftler einer der bedeutendsten Forschungseisbrecher weltweit. Weitere Schiffe, Stationen und Flugzeuge sind Bestandteile des polaren Forschungsnetzwerkes und der Meeresforschung, wie z.B. das im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland ste-hende Forschungsschiff "Meteor". Aber auch kleinere Forschungsschiffe, die für Messfahrten und gewässer-kundliche Untersuchungen eingesetzt werden, wie die neu in Dienst gestellte "Vogelsand", sind "Werkzeuge" der Meeresforschung. 
     Die deutsche Forschungsflotte wird um ein weiteres modernes Forschungsschiff verstärkt werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) wird gemeinsam mit den vier Küstenländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen den Bau dieses Schiffes fördern. Die Gesamtkosten werden auf ca. 50 Millionen Euro geschätzt, wobei der Bund 75 Prozent trägt. Es wird voraussichtlich im Frühjahr 2004 zum Einsatz kommen. Es soll die Leistungsfähigkeit Deutschlands in den Geowissenschaften, der
Klimaforschung und der Meeresbiologie stärken und wird das erste mittelgroße Forschungsschiff in Europa sein, das für einen Einsatz im Nordatlantik und am Rande des Polareises geeignet ist. Es wird allen Institutionen der deutschen Meeresforschung zur Verfügung stehen und soll das 1967 erbaute Forschungsschiff "Alexander von Humboldt" ablösen. 

Forschungseinrichtungen

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) wurde 1980 gegründet. Ebenso wurde die Georg von Neumayer-Antarktis-Station eingerichtet. Durch eine dort installierte Webkamera kann jeder Internet-Nutzer live einen Blick auf die Antarktis werfen.
     Zum Zentrum der deutschen Meeres- und Polarforschung, dem Alfred-Wegener-Institut (AWI) - ein markanter Bau in Form eines Schiffes - in Bremerhaven, gehören weitere Einrichtungen wie die Forschungsstelle Potsdam des AWI, die geowissenschaftliche Studien betreibt und mit weiteren Einrichtungen im Rahmen der Klimaforschung eng zusammenarbeitet. Die Forschungsstelle wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert. Internationale Zusammenarbeit finanziert.

Weiterhin werden Projekte internationaler Zusammenarbeit gefördert:

  • deutsch-französische Expedition zu einem Tiefsee-Schlammvulkan vor Norwegen 
  • Einweihung des Otto Schmidt-Labors am 12. Okt. 2001 in St. Petersburg 
  • deutsche und amerikanische Forschung am Nordpol
  • deutsch-russische Expedition nach Sibirien 
Quelle sowie Literatur und weitere Information: s. unter www.Bundesregierung.de

Zum Inhaltsverzeichnis


60 Jahre Studienordnung mit Prüfungsordnung für Diplom-Meteorologen

Am 20. Oktober 1941 erließ der damalige Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung einen Erlaß zur "Neuordnung des Studiums der Geophysik, der Meteorologie und der Ozeanographie" (Az.: WJ2761 K I (b)). Die Begründung hierfür lautete: Die bedeutenden Aufgaben, welche der Geophysik, der Meteorologie und der Ozeanographie insbesondere im Rahmen der Wehrmacht, aber auch seitens der Wirtschaft und des Verkehrs gestellt werden, erfordern von ihren künftigen Vertretern gründliche fachwissenschaftliche Kenntnisse, die nur in einem gesonderten Studiengang vermittelt werden können. Im Verfolg der von mir betriebenen allgemei-nen Studienreform habe ich mich daher entschlossen, das Studium der Geophysik und Meteorologie sowie der Ozeanographie mit Wirkung vom 01. November 1941 ab durch Inkraftsetzung der beiliegenden Studien- und Diplomprüfungsordnung reichseinheitlich neu zu regeln.
     Nach dem Erlaß wurde neben dem Abschlusszeugnis ein Diplom für die Verleihung des akademischen Grades eines Diplom-Meteorologen ("Dipl.-Met.") ausgefertigt. Die ersten Prüfungen in der Meteorologie nach dieser neuen Ordnung fanden im März/April 1942 an der Universität Berlin im damaligen Meteorologischen Institut am Schinkelplatz statt. Zu den Prüfern in der mündlichen Prüfung gehörten: 
Prof. Dr. Knoch, Prof. Dr. Ertel, Prof. Dr. Zistler, Prof. Dr. Bartels, Prof. Dr. A. Defant und Prof. Dr. Orthmann, die insgesamt 152 Urkunden zur bestandenen Diplom-Hauptprüfung überreichen konnten. Im Herbst 1942 folgten weitere 15 Kandidaten. Von den insgesamt 167 Diplom-Meteorologen des Jahres 1942 leben derzeit noch 46.
     Für diese ersten Diplom-Meteorologen prägten ältere Meteorologen während der ab 15. Mai 1942 anschließenden Referendarzeit den Begriff "Jungmeteorologen", der auch nach 1945 in den Wetterdiensten noch gebräuchlich war.

Prof. Dipl.-Met. H. Schirmer
Körnerstr. 51
63067 Offenbach

Zum Inhaltsverzeichnis


150 Jahre SMF

Aus Anlaß des 150jährigen Bestehens der Sociéte Météorologique de France (SMF) wird eine öffentlich zugängliche Ausstellung zum Thema urbane Luftreinhaltung im Rathaus von Paris veranstaltet. Anhand von pädagogisch aufbereiteten Postern, Software und Instrumenten soll der breiten Öffentlichkeit die neuesten Erkenntnisse im Bereich städtischer Umweltverschmutzung sowie Innenraumverschmutzung in Gebäuden vorgestellt werden. Es werden insbesondere die Wirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit, die Vegetation und die Gebäude zur Sprache gebracht und Maßnahmen zur Reduzierung der Luftschadstoffe, Prognosemethoden und Forschungsarbeiten vorgestellt. Weiterhin werden mehrere Konferenzen zum Thema Luftverschmutzung wie "Beobachtung und Überwachung", Luftchemie, Ozon, Auswirkungen auf die Gesundheit und Gebäude sowie die Rolle des Urbanismus organisiert. Ein Fotowettbewerb zum Thema "Luftverschmutzung und Wetterphänomene" begleiten die Ausstellung.

S. Theunert
Kolberger Str. 21
54516 Wittlich

Zum Inhaltsverzeichnis


Buchbesprechung: Alte meteorologische Instrumente

MeteoSchweiz, 2000: Alte meteorologische Instrumente, Zürich 190 S. Bezugsquelle: Meteo-Schweiz, KrähbühlStraße 38, CH-8044 Zürich.SMA, 1991, 1881 - 1981.

Was sonst außer einem alten Observatorium oder einem technischen Museum wäre dazu prädestiniert, eine Ausstellung mit alten meteorologischen Instrumenten aufzunehmen? Die traditionsreiche Bundesanstalt für Meteorologie und Klimatologie der Schweiz (MeteoSchweiz) hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Die Bundesanstalt wurde 1881 als Meteorologische Centralanstalt gegründet und hatte u.a. das "Studium der Meteorologie durch Anstellung systematischer Beobachtungen an den Stationen" zur Aufgabe (SMA 1991: 9). Der Erhalt alter Instrumente gehört jedoch nicht in das Aufgabengebiet eines modernen nationalen Wetterdienstes. Deshalb freut es um so mehr, im Meteo-Schweiz-Museum auf eine derartige Ausstellung zu treffen, die im Bereich Klima angesiedelt ist. Verständlicher Weise darf es nicht verwundern, dass in der Ausstellung keine kontinuierliche Entwicklung in der Verwendung verschiedener Messgeräte und Verfahren dargestellt wird, denn die Instrumente können nach Aussage der Aussteller nur einen bedingt repräsentativen Querschnitt durch die Schweizer Instrumentengeschichte zeigen. Hier wie auch sonst in anderen Instituten und Observatorien wurden alte ausgediente Geräte per Definition wertlos und deshalb meist entsorgt. Es sei denn, unter den Angestellten gab es einen Liebhaber, der vielleicht lange mit diesen Instrumenten gearbeitet hatte oder der von ihrer technischen Ästhetik bzw. Funktionsweise fasziniert war. Dieser fand auch einen Platz, um diese Schätze aufzuheben. Solch eine Sammlung lieferte die Basis für die Ausstellung in Zürich. Die geretteten Geräte wurden durch einen technisch sehr versierten Pensionär fachkundig restauriert, während andere die historischen Informationen zusammentrugen und für das Museum aufbereiteten. Zusätzlich entstanden für den Katalog längere Beschreibungen der Instrumente und ihrer Funktionsweise.
     Im Ausstellungskatalog werden in 13 Kapiteln die einzelnen Messgrößen wie Feuchtigkeit, Temperatur, Wind, Luftdruck, Niederschlag, Luftelektrizität, Sonnenschein und Strahlung beschrieben. Ebenso werden Wetterhütten, Radiosonden, Agrarmessgeräte,  die Instrumentation des Observatoriums auf dem Säntis in 2500 m Höhe sowie verschiedene Auswerte- und Kommunikationsgeräte vorgestellt.
     Nach einer allgemeinen Einleitung, in der auch historische Hinweise gegeben werden, folgt in chronologischer Reihe die Beschreibung der ausgestellten Instrumente entsprechend ihrer Funktion als -geber, -meter oder -messer. Am Schluss stehen die aufzeichnenden Instrumente (-graph, oder -schreiber). Wie beim Barometer werden auch kurze und präzise Beschrei-bungen einzelner Gerätetypen gegeben. Zusätzlich wird auf die Erfinder des Instruments, den Hersteller und den Einsatz im Messdienst der Schweiz hingewiesen. An manchen Stellen erfolgt ein spezieller geschichtlicher Hinweis. Die deutschen Bezeichnungen der Haupt- und Nebenwindrichtungen sind übrigens schon um 800 unter Karl dem Großen eingeführt worden. Auch hätte man erwähnen können, dass das Kondensationshygrometer auf eine Erfindung des Großherzogs Ferdinand II. von Medici in Jahr 1655 zurückgeht. Besonders erwähnenswert sind im Katalog die zum Teil sehr detaillierten Funktionsbeschreibungen mit Hinweisen auf Schwächen der Geräte im Einsatz. Jedes Instrument wird mit einem Schwarzweiß-Foto oder einer zusätzlichen Skizze präsentiert. Das Buch schließt mit der letzten Wetterkarte, die am 31.5.1996 per Fax von der MeteoSchweiz empfangen wurde. 
     Insgesamt ist der Katalog sehr informativ, insbesondere für jemanden, der nicht mit der Praxis meteorologischer Messungen vertraut ist, denn hier wird durch die Beschreibung der Probleme sozusagen der Blick hinter die Kulissen gewährt. Es wäre zu wünschen, dass auch in Deutschland eine Sammlung und Ausstellungen von meteorologischen Messgeräten eingerichtet werden, welche die Entwicklung der Methoden und Messtechniken bis hin zur Satellitenmessung aufzeigen. Insbesondere sollte auch dargestellt werden, wie die Messdaten in der Vergangenheit ausgewertet wurden und welche Hilfsmittel, z.B. spezielle Lineale und Rechenschieber, Rechenmaschinen, Tabellen, Kurven, Auswertepapiere (Stüvepapier) etc. dabei im Einsatz waren. Auch die Entwicklung der Kommunikation mittels Briefen und Meldepostkarten über Telegraphie und Funk bis hin zu Satellit und Internet hat ja enorme Fortschritte in der weltweiten Verbreitung der Daten geleistet. Die heutigen Errungenschaften in der Meteorologie und der Wettervorhersage sind nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis einer langen Entwicklung. Dies sollte nicht ganz in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung der Meteo-Schweiz zeigt den Weg und fixiert ihn mit ihrem schönen Katalog. Wer nicht nur Fakten über die reine Bedienungsanleitung hinaus sondern auch persönliche Erfahrungen im Gebrauch der Messgeräte und über ihre Tücken erfahren möchte, dem sei dieser Katalog wärmstens empfohlen.

Cornelia Lüdecke
FA Geschichte der Meteorologie
Valleystr. 40
81371 München

Zum Inhaltsverzeichnis


Nachruf
Dr. Manfred Laube

Dr. Manfred Laube
* 27.11.1935 in Düsseldorf   + 29.01.2002

Dr. Manfred Laube starb am 29. Januar 2002 im Alter von 66 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. Mit ihm ist unerwartet ein Kollege von uns gegangen, mit dem wir gerne auch im Ruhestand noch wissenschaftlichen Fragen nachgegangen wären und die privaten Kontakte weiter gepflegt hätten. Wir werden ihm ein ehrendes und freundschaftliches Andenken bewahren.
     Manfred Laube wurde am 27. November 1935 in Düsseldorf geboren. Von 1942 bis 1955 besuchte er die Volksschule und dann das Engelbert-von-Berg- Gymnasium in Wipperfürth. Im Sommersemester 1955 nahm er das Studium der Meteorologie und Geophysik an der Universität zu Köln auf. Sein erster akademischer Lehrer war Professor Dr. Hellmut Berg, der ihn durch sein hohes Engagement und seine besondere didaktische Begabung wie viele andere seiner Kommilitonen beeindruckte und für das gewählte Studienfach begeisterte. H. Berg verdankte er auch das Thema seiner Dissertation. Es ging um das Verhalten der Lufttemperatur in der planetaren Grenzschicht. Doch starb sein Betreuer, noch bevor Manfred Laube die Arbeit abschliessen konnte. Diese wurde erst vollendet, nachdem Professor Dr. H. K. Paetzold nach Köln berufen worden war und das Kölner Institut für Geophysik und Meteorologie, das aus dem Meteorologischen Institut hervorging, übernommen hatte.
     Manfred Laube wurde 1964 wissenschaftlicher Mitarbeiter von H. K. Paetzold. Es war eine Zeit reger wissenschaftlicher Aktivität in der Geophysik und Meteorologie. Die ersten Satelliten umkreisten die Erde, internationale geophysikalische Jahre wurden veranstaltet, immer leistungsfähigere Großrechner wurden für die Forschung verfügbar. Das Institut unter H. K. Paetzold griff die neuen Methoden und sich ergebenden Fragen mit großem Einsatz im Verbund mit anderen nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen auf. Manfred Laube hat einen ganz erheblichen Anteil daran, dass das Institut den steigenden Ansprüchen in Wissenschaft und Ausbildung gerecht werden konnte. Sein Interesse galt dabei vor allem der Datenverarbeitung und Numerik. Seine Begeisterung für meteorologische Modelle und insbesondere für die Konvektion und konvektive Wolken wuchs im Laufe der Jahre. Er gab diese Begeisterung und sein Wissen gerne und an eine wachsende Zahl von Studenten weiter. Zu seinen ersten Forschungsprojekten gehörte die Verbesserung der quantitativen Niederschlagsvorhersage. Die Summe seiner Kenntnisse und Erfahrungen brachte er 1988 zusammen mit H. Höller in den mit großser Sorgfalt verfassten Artikel "Cloud Physics" für den renommierten "Landolt-Börnstein" ein. 
     Es gab keine Trennung von Forschung und Lehre bei Manfred Laube. Er hat das geophysikalische Praktikum mit aufgebaut und betreut. Er hat zahlreiche Lehrveranstaltungen der Geophysik und Meteorologie mitgestaltet und selbständig durchgeführt. Sein Können als akademischer Lehrer und sein herausragender Einsatz bei der wissenschaftlichen Betreuung wurden von den Studenten hoch geschätzt.
     Das Spektrum der Interessen Manfred Laubes in der allgemeinen Geophysik war beeindruckend breit. Zunächst mehr mit der Erde und ihrer Atmosphäre befasst, nahm er nach 1982, nachdem Prof. Dr. F. M. Neubauer die Nachfolge von H. K. Paetzold angetreten hatte, auch intensiv an Projekten der Weltraumphysik teil. Dabei ging es u. a. um den Kometen Halley und sein Magnetfeld, die Atmosphären des Saturnmondes Titan und des Jupiter-satelliten Io sowie die globale Zirkulation der Marsatmosphäre. Als ab 1985 am Institut ein umfangreiches Pro-jekt zur Modellierung der Chemie und des Transports von Luftschadstoffen vorbereitet und aufgebaut wurde, gehörte Manfred Laube mit zu den Initiatoren und Betreuern des Vorhabens. Eine der ersten Arbeiten, an denen er sich beteiligte, war die Untersuchung der radioaktiven Wolke, die sich nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl über ganz Europa ausbreitete.
     Die Frage der Gefährdung der Menschheit durch friedliche und kriegerische Nutzung der Atomenergie hat ihn lange Zeit nicht losgelassen. Auf wissenschaftlicher Grundlage hat er sich für die Ächtung von Nuklearwaffen und die schärfere Kontrolle von Atomkraftwerken eingesetzt und sich mit Vorträgen an der Aufklärung über die Grundlagen der Nukleartechnik und ihres Gefahrenpotenzials beteiligt. Hier wird ein besonderer Charakterzug Manfred Laubes erkennbar. Er war über die Wissenschaft hinaus, die er liebte und die ihn faszinierte, mehr als die meisten anderen auch an politischen und sozialen Fragen interessiert, wobei er durch seine Erfahrungen in der Atmosphären- und Umweltforschung geprägt wurde.
     Er hat in verschieden Universitätsgremien und -kommissionen mitgewirkt, u. a. im Personalrat. Er engagierte sich in Politik und Kultur in seiner Heimatgemeinde Wipperfürth, wo er von 1979 bis 1999 das Amt des Vizebürgermeisters bekleidete. Während dieser Zeit betrieb er unter anderem die Neugründung des Heimat- und Geschichtsvereins Wipperfürth. Von den Pflichten des Vizebürgermeisters entlastet, übernahm er die Funktion eines Schiedsmannes. Dies alles tat er in stiller, zurückhaltender Weise. Es gehörte zu seinem Wesen, ruhig und im Hintergrund, aber mit vollem persönlichem Einsatz zu wirken. 
     Schon von der Krankheit gezeichnet, hat er sich noch für Pläne begeistert, die Modellierung konvektiver Wolken weiter voranzutreiben. Sein Tod kam viel zu früh und schmerzlich einschneidend in vieles, was nun unvollendet bleibt, für seine Familie, für seine Freunde und seine Kollegen.

Adolf Ebel und F. M. Neubauer
Institut für Geophysik und Meteorologie
der Universität zu Köln

Zum Inhaltsverzeichnis

Stand: 26. September 2002, Webimplementierung: A. Spekat