Mitteilungen der DMG

Heft 3/2002 (Auszüge)


Schwerpunktthema: HOCHWASSER 2002

Titelbild: Semperoper in der Schlammflut.
Das Hochwasserereignis vom August 2002, das vielleicht als "Neue Sächsische Sintflut" (als Synonym zur "Sächsischen Sintflut" vom März 1845) in die Geschichte eingehen wird, führte in den Flussgebieten des mittleren und östlichen Erzgebirges sowie im Bereich der Elbe zu Schäden von nationaler Dimension. Der geschätzte Gesamtschaden beträgt allein in Sachsen 16,5 Mrd. EURO.

Der Universitätsstandort Tharandt, in dem sich die zwei Dienstgebäude des Lehrstuhls für Meteorologie der TU Dresden befinden, wurde vom Hochwasser der Wilden Weißeritz stark betroffen. Die Gesamtschäden am Standort belaufen sich auf geschätzte 15 Mill. EURO. 
(Fortsetzung des Textes)

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Inhaltsverzeichnis (durch Anklicken eines Artikels kommen Sie direkt dorthin)
Editorial
Das Niederschlagsgeschehen in Mitteleuropa in den ersten 12 Tagen im August 2002
Verlauf der Hochwasserkatastrophe vom 12.-14. August 2002 in Tharandt
Zum Starkniederschlagsgeschehen im August 2002
Protokoll zur Wahl des geschäftsführenden Vorstandes der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft 2003-2005
Sekretariate der DMG und EMS, Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift/Contributions - wie geht es weiter?
Sekretariat Traben-Trarbach
DMG ZV Rheinland: Exkursion zu den Eifelmaaren
Einführung von gestuften Studienabschlüssen im Studienfach Meteorologie an der Universität Hamburg
Die DFG reformiert ihr Begutachtungssystem
Antarktisforschung mit internationaler Ausrichtung
Sprites-Phänomene in der Mesosphäre
Autorenwort
Leserbriefe
Geburtstage
In memoriam
Nachrufe


Editorial

Liebe Mitglieder,

hinter uns liegt ein wahrlich ereignisreicher Sommer. Vier Themen des vergangenen Quartals und ihre Behandlung im vorliegenden Heft der Mitteilungen seien an dieser Stelle hervorgehoben. Die Skalen sind recht unterschiedlich: Klimakonferenz in Johannesburg, Hochwasser in Mitteleuropa, DMG-Vorstandswahl und Umstrukturierung in DMG-Sekretariat und Mitteilungen-Herausgabe.
     Johannesburg: Der Mensch muss beginnen, aufzuwischen, obwohl der Wasserhahn weiter tropft - so könnte das Signal der Konferenz in Johannesburg bezeichnet werden. Der Klimawandel kennt keine Landesgrenzen und kann niemanden kalt lassen.
     Hochwasser in Mitteleuropa: Wandel und Vorhersagbarkeit waren auch im Zusammenhang mit dem August-Hochwasser bewegende Themen. Dieses Extremereignis hat z.B. im Institut für Meteorologie und Hydrologie der Technischen Universität Dresden in Tharandt unübersehbare Spuren an der Substanz verursacht. Es wird der Frage nachzugehen sein, inwieweit sich derartige Ereignisse im Rahmen der normalen Schwankungen des Klimas bewegen.
     Diese Diskussion wird auch in der DMG geführt. Der im Sommer gewählte neue DMG-Vorsitzende, Prof. Martin Claußen, dem an dieser Stelle herzlich gratuliert sei, wird hier ganz sicher Akzente setzen. Sein Stellvertreter wird der bisherige Vorsitzende, Prof. Werner Wehry. Der DMG-Sekretär wechselt in den ehrenamtlichen Bereich und wird Schriftführer.
     Last (but least?) sei noch die neue Struktur des DMG-Sekretariats skizziert: Es wird seinen alleinigen Sitz in Berlin haben - dort werden zukünftig auch die Mitteilungen produziert. In der Redaktion werden sich die neue Sekretariatsleitung, die bisherige Chefredakteurin der Mitteilungen, der DMG-Schriftführer und weitere Mitstreiter engagieren. Das für uns alle bedeutungsvolle DMG-Archiv behält seinen angestammten Platz in Traben-Trarbach.

Wir wünschen Ihnen eine abwechslungsreiche Lektüre

Sabine Theunert
Arne Spekat

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SCHWERPUNKT AUGUST-HOCHWASSER 2002

Das Niederschlagsgeschehen in Mitteleuropa in den ersten 12 Tagen im August 2002

Nachdem im Juli dieses Jahres in vielen Gebieten Deutschlands überdurchschnittliche Regenmengen gefallen und so die Böden größtenteils gesättigt waren, gab es in den ersten Tagen des August in Mitteleuropa weitere Starkregenereignisse mit großen Folgeschäden durch Überflutungen. 
     Am 1. August waren zunächst besonders Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Brandenburg betroffen. Dabei wurden an einigen Stationen neue Rekorde für die tägliche Niederschlagshöhe im August registriert (Cuxhaven 63,6 mm). Am 5. August waren wiederum die Küstengebiete betroffen. An diesem Tag traten die stärksten Niederschläge in Schleswig mit 73 mm auf. Am folgenden Tag fielen an dieser Station nochmals 44 mm Niederschlag. In dieser Region gab es damit innerhalb von 2 Tagen rund 150 % des normalen Niederschlags für den gesamten Monat August.
     Während diese Niederschläge im wesentlichen durch Gewitter entstanden, die sich immer wieder innerhalb einer labilen feuchten Luftmasse bildeten, traten am 6. und 7. August in Ostbayern, Böhmen und Österreich großräumige Starkniederschläge auf, als sich ein Tief mit feuchtwarmer Luft vom Mittelmeer nach Norden bewegte und dort auf kühlere Luftmassen stieß. Dabei wurden teilweise an beiden Tagen mehr als 50 mm Niederschlag gemessen (Passau 55 und 52 mm, Budweis, Böhmen, 66 und 64 mm). Am Wendelstein wurde am 6. August sogar eine Tagesniederschlagsmenge von 110 mm registriert, wobei 62 mm innerhalb von 6 Stunden fielen. In St. Pölten (Niederösterreich) wurden 80 mm Niederschlag innerhalb von 12 Stunden registriert. Die Gesamtnieder-schläge dieses Unwetterereignisses betrugen über 140 mm (Linz, Oberösterreich,149 mm, Wendelstein 150 mm). Dies war teilweise mehr als der normale Monatsniederschlag im August. Bisherige Rekorde für tägliche Niederschlagshöhen im August, die meist aus dem Jahr 1970 stammen (z. B. Wendelstein 133,8 mm am 10.08.1970), wurden jedoch zumindest an den deutschen Stationen in diesem Zeitraum (1.-8. August) nicht erreicht. Das Starkniederschlagsgebiet wanderte im Laufe des 8. August weiter nach Nordwesten. Dabei traten im Bereich der Weser- und Elbmündung nochmals extreme Niederschläge auf. So fielen in Bremerhaven am Abend des 8. August innerhalb von 6 Stunden 70,5 mm Niederschlag.
  Ein weiteres Tiefdruckgebiet mit dem Namen "Ilse" auf ähnlicher Zugbahn brachte ab dem 10. August zunächst in der Ostschweiz und im südwestlichen Deutschland großräumige Starkniederschläge. Dabei fielen innerhalb von 48 Stunden bis über 170 mm Niederschlag (Säntis 171 mm). Bei der Ostverlagerung des Tiefs traten auf sei-ner Rückseite am Nordrand der Ostalpen sehr starke Niederschläge auf. So wurden im Salzkammergut verbreitet mehr als 70 mm Niederschlag in 12 Stunden registriert, Gebiete in  Ober- und Niederösterreich waren erneut betroffen.
     Im Laufe des 11. August weitete sich das Regengebiet weiter nach Norden aus. Dabei kam es auch im Erzgebirge und im Harz zu Starkregenfällen, wobei innerhalb von 24 Stunden Regenmengen von über 60 mm auftraten. Auf dem Brocken im Harz wurde sogar eine 24stündige Niederschlagshöhe von 101,5 mm registriert. 
     Das Tiefdrucksystem wanderte dann am 12. August nach Polen. Auf seiner Rückseite stellte sich eine Nordströmung ein, die die Niederschläge im Erzgebirge durch Stau und orographische Hebung noch verstärkte. Dabei ergaben sich an mehreren Stationen neue Rekordwerte für den 24stündigen Niederschlag. So wurden in Dresden 158 mm Niederschlag registriert. Damit wurde der bisherige Rekordwert für diese Station (77,4 mm am 02. 08. 1998) mehr als verdoppelt. An der Station Zinnwald-Georgenfeld südlich von Dresden wurden sogar 312 mm Regen gemessen. Das ist der absolut höchste Tagesniederschlag, der je in Deutschland beobachtet wurde. Der bisherige Extremwert war 260 mm (gemessen in Zeithain/ Kr. Riesa am 06.07.1906 und in Stein / Kr. Rosenheim am 07.07.1954). Der neue Rekordwert entspricht etwa dem Vierfachen des normalen Niederschlags im gesamten August. 
     Zur Bewertung dieser Extremereignisse lässt sich etwa folgendes feststellen: Die Mitteltemperaturwerte in Deutschland haben sich im letzten Jahrhundert um etwa 0,6°C erhöht. Dieser Trend, der allerdings nicht gleichmäßig verlief, entspricht weitgehend den auch global beobachteten Veränderungen. Nach einem deutlichen Anstieg der Temperatur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es wieder einen leichten Rückgang mit einem Minimum um 1970. Seit 1985 war ein besonders kräftiger Anstieg der Mitteltemperatur zu verzeichnen, so dass der Mittelwert für die Periode 1990-2001 rund 0,7 °C über dem Wert für die ganze Zeitreihe liegt. So klein diese Änderungen erscheinen mögen, so können sie doch erhebliche Auswirkungen haben. So hat sich z. B. die Vegetationsperiode, die Zeit, in der die Pflanzen sich aktiv entwickeln, um einige Tage verlängert, während die Zahl der Frosttage (Temperaturminimum unter 0 °C) abgenommen hat. Bei extremen Wetterereignissen sind in Deutschland hingegen bisher keine signifikanten Trends zu beobachten gewesen. Auch solche Ereignisse wie die Hochwassersituationen im August 2002 gehören zum normalen Repertoire unseres Klimas. Grundsätzlich gilt allerdings, dass eine wärmere Atmosphäre mehr Energie enthält und auch mehr Wasserdampf speichern kann, so dass bei Unwettern entsprechend mehr Energie und Niederschlag frei werden können. Da nach den bisherigen Forschungen und Untersuchungen auf Grund der anthropogenen Zunahme strahlungsaktiver Spurenstoffe in der Atmosphäre, insbesondere CO2 und Methan, im nächsten Jahrhundert mit einer Zunahme der globalen Temperaturen um 1,7 bis 5,9 °C (IPCC) zu rechnen ist, könnte sich längerfristig auch eine Zunahme und Verstärkung von Unwetterereignissen ergeben. Die regionale Verteilung der Klimatrends ist jedoch noch sehr unsicher. So wird von vielen Klimamodellen eine besonders starke Temperaturzunahme im Polargebiet vor-ausgesagt, während die Veränderungen in den Tropen relativ klein bleiben sollen. Damit würden die das globale Wetter antreibenden Unterschiede zwischen den Breitenzonen geringer, und es könnte zu einer Abschwächung der für unser Klima wesentlichen Westwinde kommen.
 
 

Weitere Informationen: 
Der Deutsche Wetterdienst hat eine Reihe von Informationen zusammengestellt, die aus verschiedenen Blickwinkeln die extremen Niederschlägen von Anfang August 2002 analysieren. Es handelt sich (unter www.dwd.de/de/ abrufbar) um folgende Beiträge:
Die extremen Niederschläge in Mitteleuropa Anfang August 2002
     FundE/Klima/KLIS/prod/spezial/regen/rr-extrem_200208.pdf)
Das Niederschlagsgeschehen in Mitteleuropa in den ersten 12 Tagen des August 2002 im Vergleich zum klimatologischen Mittel 1961-1990
    FundE/Klima/KLIS/prod/spezial/regen/rr-extrem_200208_sum.pdf)
Starkniederschläge im Südosten Deutschlands vom 11. bis 13. August 2002
     wir/Geschaeftsfelder/Hydrometeorologie/besondere_ereignisse/pre02aug.htm)
An weiteren Beiträgen wird noch gearbeitet.
Aktuelle Beiträge zu Niederschlagsereignissen aus klimatologischer Sicht
finden Sie unter
     FundE/Klima/KLIS/prod/spezial/regen/index.htm
Aktuelle Beiträge zu Niederschlagsereignissen aus hydrologischer Sicht
finden Sie unter   wir/Geschaeftsfelder/Hydrometeorologie/besondere_ereignisse/besondere_ereignisse.htm.
 Hochwasser August 2002
     www.agrowetter.de/Agrarwetter/Aktuell/index.htm)

Stefan Rösner, DWD, stefan.roesner@dwd.de

Quelle: DWD

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Verlauf der Hochwasserkatastrophe vom 12.-14. August 2002 in Tharandt

Das Hochwasserereignis vom August 2002, das vielleicht als "Neue Sächsische Sintflut" (als Synonym zur "Sächsischen Sintflut" vom März 1845) in die Geschichte eingehen wird, führte in den Flussgebieten des mittleren und östlichen Erzgebirges sowie im Bereich der Elbe zu Schäden von nationaler Dimension. Der geschätzte Gesamtschaden beträgt allein in Sachsen 16,5 Mrd. EURO.
     Der Universitätsstandort Tharandt, in dem sich die beiden Dienstgebäude des Lehrstuhls für Meteorologie der TU Dresden befinden, wurde vom Hochwasser der Wilden Weißeritz stark betroffen. Die Gesamtschäden am Standort belaufen sich auf geschätzte 15 Mill. EURO. Allein die Geräte- und Sachmittelverluste am Lehrstuhl für Meteorologie betragen etwa 500 Tausend EURO.
     Zum Hergang und Verlauf der Hochwasserkatastrophe aus meteorologisch-hydrologischer Sicht:
Das Vb-Tief "Ilse", das bereits im Vorfeld zu großen Hochwasserschäden in Bayern, Österreich und Tschechien geführt hatte, verlagerte sich in der Nacht vom 11. zum 12. August mit seinem Niederschlagsfeld sehr langsam über Tschechien nach Ostsachsen. Damit geriet das mittlere und östliche Erzgebirge in den Bereich lang anhaltender und intensiver Aufgleitniederschläge. Diese wurden bei bodennaher nordwestlicher Anströmung orographisch deutlich verstärkt. Der Niederschlag setzte von Süden her in den frühen Morgenstunden des 12. August ein und dauerte ohne Unterbrechung bis in die Nachmittagsstunden des 13. August. Dabei traten bisher nicht gemessene Niederschlagsmengen auf. Der Gesamtniederschlag in diesem Zeitraum betrug im Dresdner Raum etwa 180 mm, in den unteren und mittleren Lagen des Osterzgebirges etwa 250-300 mm und in den Hoch- und Kammlagen über 300 mm, z.T. über 400 mm (Zinnwald-Georgenfeld: 415 mm!). Allein vom 12. August, 6:00 UTC bis zum 13. August, 6:00 UTC fielen in Zinnwald 312 mm (Allzeitrekord für Deutschland), in Oberbärenburg ca. 300 mm, in Dippoldiswalde 186 mm, auf dem Fichtelberg 193 mm, in Grillenburg 260 mm und in Dresden 158 mm Niederschlag. Im gleichen Zeitraum wurde im Lee des Erzgebirges weniger als 50 mm Niederschlag gemessen (Tusimice: 43 mm). Diese Wassermengen führten vor allem in den Flussgebieten von Mulde, Wilder und Roter Weißeritz, Müglitz und Gottleuba zu außerordentlich starken Flutwellen mit großen Materialverfrachtungen und Fließschäden. Die Pufferwirkung der Talsperren in den Flusseinzugsgebieten war vergleichsweise gering, da die Bewirtschaftungsrichtlinien nur einen Hochwasserstauraum von etwa 25% vorsehen, der bei einem maximalen Zufluss von bspw. ca. 150 m3/s an der Wilden Weißeritz schnell gefüllt war. In Tharandt begann die Überflutung des Bädertales mit zeitlicher Verzögerung erst in den Morgenstunden des 13. August, nachdem bereits 80% des Gesamtniederschlages gefallen waren. Dies hängt u.a. mit dem relativ späten Öffnen des maximalen Grundablasses von 25 m3/s und einem damit verbundenen länger anhaltenden Überströmen der Talsperre Klingenberg zusammen. Hierbei muss erwähnt werden, dass die Talsperrenverwaltung laut Unwettervorhersage des DWD wahrscheinlich nicht anders handeln konnte. In dieser Warnung war von maximal 60-80 mm Niederschlag die Rede. An dieser Stelle soll jedoch kein weiterer Beitrag zur seitens der Firma Meteomedia z.T. unsachlich geführten Diskussion zum Vergleich der Unwettervorhersagen geleistet werden. Fest steht, das kein Modell diese Niederschlagsmengen vorhergesagt hat.
     Von offizieller Seite gab es in Tharandt weder eine längere Vorwarnung noch eine organisierte "Rettung" von Sachgütern. Der Geistesgegenwart bzw. "Vorahnung" der Mitarbeiter des Lehrstuhls für Meteorologie ist es zu verdanken, dass die Rechentechnik aus dem Erdgeschoss geräumt wurde. Dadurch ist zum jetzigen Zeitpunkt die Arbeitsfähigkeit in einem Interimsquartier in Tharandt wieder hergestellt. Die Gebäudeschäden sind sehr unterschiedlich verteilt. Während  im Dienstgebäude Pienner Str. 21 lediglich der Keller überflutete, befand sich das Hauptgebäude Pienner Str. 9 im Sedimentationsgebiet des neuen (alten) Flussbettes der Weißeritz. Das Erdgeschoss wurde bis zu einer Höhe von etwa 2,2 m überflutet, bis zu einer Höhe von 1,5 m wurden im Gesamtbereich Sand, Schlamm, Flussschotter und Teile der abgetragenen Asphaltstraße abgelagert. Der maximale Durchfluss wurde in Tharandt mit 150 m3/s angegeben. Das entspricht dem mehr als Hundertfachen des Normalabflusses und einer geschätzten Wiederkehrhäufigkeit von 500-1000 Jahren.
     Die vollständige Überflutung des Bädertales in Tharandt hielt bis zum 14. August an. Danach begannen die Aufräumarbeiten im ausgerufenen Katastrophenfall. Große Hilfe erhielt der Lehrstuhl dabei von der Bundeswehr (Gebirgsjägerbataillon Schneeberg), Studenten der Wasser- und Forstwirtschaft und von vielen freiwilligen Helfern aus Tharandt und den umgebenden Gemeinden. Mittlerweile sind große Teile des Weißeritztales vom Flussmaterial geräumt, und die Sanierung der Gebäude hat begonnen.
     Diese Naturkatastrophe wird allen direkt und indirekt Betroffenen für immer im Gedächtnis bleiben und ihr Leben verändern. Neben dem vielen Leid bleibt die Hoffnung, dass dieses Ereignis zu einer dauerhaften Solidarisierung der Gesellschaft und einem nachhaltigeren und verantwortungsvolleren Umgang mit den natürlichen Ressourcen führt.

Valeri Goldberg
Institut für Hydrologie und Meteorologie
TU Dresden
valeri.goldberg@forst.tu-dresden.de

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Zum Starkniederschlagsgeschehen im August 2002

In der Tabelle sind die Tageswerte der Niederschlagshöhe für den 12.08.2002 und für den Zeitraum vom 11.08 bis 13.08.2002 an ausgewählten Stationen aufgeführt. 
 
 

Station
hN [mm]
T (a)
hN [mm]
T (a)
 
12.08.2002
11.08 bis 13.08.2002
Zinnwald-Georgenfeld 312,0 >> 100 406,2 >> 100
Klingenberg (TS) 280,6 >> 100 313,6 > 100
Lauenstein 267,3 >> 100 324,7 > 100
Tharandt-Grillenburg 241,2 >> 100 271,0 > 100
Tanneberg 228,2 >> 100 250,4 > 100
Malter (TS) 219,0 >> 100 250,9 > 100
Lichtenberg (TS) 201,4 > 100 227,9 > 100
Leuben 173,3 >> 100 237,9 > 100
Dresden-Klotzsche 158,0 > 100 181,7 > 100
Carlsfeld 144,8 > 100 209,7 > 100
Fichtelberg 135,4 > 100 201,5 > 100
Oschatz 108,5 > 100 117,1 42
Baruth 99,0 82 109,1 25
Holzdorf 95,8 100 102,4 29
Doberlug-Kirchhain 93,8 53 114,2 32
Potsdam 84,1 48 107,2 42
Chemnitz 78,0 30 109,3 15
Aue 79,9 9 135,6 13
Lichtenhain-Mittelndorf 62,3 4 86,6 3
Tabelle: Tageswerte der Niederschlagshöhe hN und deren Wiederkehrzeit T am 12.08.2002 und im Zeitraum 11.08. bis 13.08.2002

     Die 72-stündige Niederschlagshöhe vom 11.08.2002 bis 13.08.2002 beträgt über große Teile des Einzugsgebiets der Elbe mehr als 150 mm, im Erzgebirge z.T. mehr als 200 mm. Der prozentuale Anteil der 72-stündigen Niederschlagshöhe dieser drei Tage an der mittleren Niederschlagshöhe des Monats August beträgt verbreitet mehr als 200 Prozent, teilweise sogar mehr als 350 Prozent. An dem herausragenden Niederschlagstag, dem 12.08.2002, wurden verbreitet mehr als 100 mm/Tag gemessen. Mit solchen Niederschlagshöhen ist dort vielerorts deutlich seltener als einmal in hundert Jahren zu rechnen. Die Wiederkehrzeiten 
(Jährlichkeiten) T für Starkniederschlag, wie sie gemäß der KOSTRA-Gleichung in der Form ln T = [hN(D;T) - u(D)] / w(D) ermittelt wurden, sind für ausgewählte Stationen in der Tabelle angegeben.
     Eine Spitzenposition nimmt die Station Zinnwald-Georgenfeld im Erzgebirge ein. In den 24 Stunden vom 12.08.2002, 7:00 Uhr bis zum 13.08.2002, 7:00 wurden dort 312 mm (l/m2) gemessen. Das ist der größte Tageswert der Niederschlagshöhe, der seit Beginn routinemäßiger Messungen in Deutschland registriert wurde. Er kommt in einem Gebiet von bis zu 25 km2 der vermutlich größten Niederschlagshöhe nahe, die im Raum Zinnwald-Georgenfeld physikalisch überhaupt möglich ist.

Gabriele Malitz
DWD, GF Hydrometeorologie, Berlin-Buch
und DMG Zweigvereinsvorsitzende Berlin-Brandenburg
gabriele.malitz@dwd.de

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Protokoll zur Wahl des geschäftsführenden Vorstandes der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft 2003-2005
Wahlberechtigte 1645 Mitglieder der DMG
Abgegebene Stimmen 538 ( 32.7% )
Davon ungültige Stimmen 3 ( 0.6% )
Gültige Stimmen 535 ( 99.4% )
Davon stimmten
- für den Wahlvorschlag 509 ( 95.1% )
- gegen den Wahlvorschlag 17 ( 3.2% )
- Enthaltungen 9 ( 1.7% )

Damit ist der neue Vorstand entsprechend dem Wahlvorschlag gewählt.

Potsdam, d. 29.08.2002

Für den Wahlvorstand

F.-W. Gerstengarbe  H. Österle P.C. Werner
Vorsitzender Mitglied Mitglied

Damit setzt sich der Geschäftsführende Vorstand der DMG für die Wahlperiode 2003-2005 folgendermaßen zusammen:

Vorsitzender:
Prof. Dr. Martin Claußen, Potsdam
Stellvertreter:
Prof. Dr. Werner Wehry, Berlin
Schriftführer: 
Dipl.-Met. Arne Spekat, Berlin
Stellvertreter:
Dipl.-Met. Hasso Vogt, Berlin
Kassenwart: 
Dr. Hein Dieter Behr, Hamburg 
Stellvertreter:
Dipl.-Met. Klaus Baese, Schleswig

Kassenprüfer: 
Dipl.-Met. Günter Heise, Neu Wulmstorf - Stellvertreter: Dr. Stephan Bakan, MPI für Meteorologie, Hamburg
Dipl.-Met. Manfred Bauer, Deutscher Wetterdienst, Hamburg - Stellvertreter: Dipl.-Met. W. Seifert, Halstenbek

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Sekretariate der DMG und EMS, Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift/Contributions - wie geht es weiter?

Neben den vielen Dingen, die Ihre Aufmerksamkeit beanspruchen, werden Ihnen vielleicht zwei Details aufgefallen sein: Eine Stellenausschreibung für das DMG-Sekretariat und die Kandidatur und Wahl eines gewissen Arne Spekat als DMG-Schriftführer. Hier kündigt sich Veränderungen im DMG-Sekretariatsgefüge an, die zudem eine weitere wichtige Komponente besitzen: Der bedeutende und tief mit der DMG verbundene Sekretariatsstandort Traben-Trarbach reduziert seinen Aufgabenkreis. Hon. Prof. Dr. Prenosil legt nach knapp vierjähriger Mitarbeit sein Amt als Hauptschriftleiter der DMG-Mitteilungen aus beruflichen Gründen nieder. Frau Dr. Theunert, zentrale Figur und der DMG langzeitverbundene Seele an der Mosel hat den Vorstand gebeten, ihren Zuständigkeitsbereich zu verkleinern - die Aufgaben, auch als Herausgeberin der DMG-Mitteilungen, stehen zunehmend in Konkurrenz mit (haupt-) beruflichen Aktivitäten, sie wird jedoch weiterhin in der Mitteilungs-Redaktion mitarbeiten. 
     Damit verbleibt ab 2003 der Standort Berlin für das DMG-Sekretariat.
     Aber der hauptamtliche DMG-Sekretär, wieso sucht der denn nun das Weite? Direktantwort: Erstens sucht er es nicht und zweitens wird er es nicht finden. Die Realisierung meiner Arbeitsstelle steht derzeit auf einer dreifachen Basis: a) DMG-Sekretariat, b) Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift und c) EMS-Sekretariat. Auf den ersten Blick ein lokales Optimum, denn das Doppelte Lottchen plus Zeitschriftenfacette unter einem Kuppeldach und durch eine Person ausgefüllt ist sicher eine recht sparsame Sache. Die Arbeitsteilung erfordert allerdings inzwischen auch - um es auf den Punkt zu bringen - drei Hirnhälften... 
     Als Konsequenz wird für das Sekretariat, bereichert um die Herausgabe der DMG-Mitteilungen, und die Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift eine Nachfolgepersönlichkeit einzustellen sein. Zwar wird die Europäische Meteorologische Gesellschaft in Zukunft mein ausschließlicher Brötchenbäcker sein, aber es ist ja nicht verboten, dazu ehrenamtlich mit der DMG verbunden zu sein, nicht wahr? In geeigneter Form - so erschien es mir - sollte dies eine ehrenamtliche Tätigkeit als DMG-Schriftführer sein. In diesem Bereich bestehen enge Anbindungen an meine zukünftige Sekretariatsvergangenheit und, was wichtig sein könnte, ich bin bei Bedarf auch für die neue Sekretariatsleitung greifbar. 
     Die Kontinuität zu wahren und ruckfrei den Übergang zu schaffen, ist auch für die Meteorologische Zeitschrift wichtig. 6 Hefte pro Jahr wollen im Wortsinne produziert sein. Das inhaltliche Niveau und seine immerwährende Steigerung ist primär Aufgabenbereich der Editoren und Koordinatoren; die Schriftleitung ist bei der eingespielten Lösung im Kern für die Manuskriptverwaltung sowie das visuelle und technische Niveau da und kann mich in Zukunft gegebenenfalls konsultieren. 
     Die ersten beiden Sätze des vorigen Abschnittes gelten auch für die Mitteilungen der DMG, wiewohl "6" durch "4" zu ersetzen ist. Die Zuständigkeiten sind dabei allerdings weniger scharf getrennt, denn die Aufgabenbereiche Inhalt und Form, inklusive der Herstellung waren und werden in der selben Ebene bearbeitet. 
     Mit Engagement und ohne seismische Aktivität wird die DMG durch diese Entwicklungsphase gehen, so viel ist sicher.

Arne Spekat

Sekretariat Traben-Trarbach

Seit vielen Jahren werden Aufgaben des Sekretariats DMG mit Unterstützung des Amtes für Wehrgeophysik durchgeführt. Die Umstrukturierungsmaßnahmen der Bundeswehr  führen auch zu personellen Änderungen für den Sekretariatsstandort Traben-Trarbach sowie zur Umgestaltung der unterstützenden Infrastruktur im AWGeophys. Die sich abzeichnende Neubesetzung  und Umorganisation des Sekretariatsstandortes Berlin möchte ich daher nutzen, um die technischen Layoutarbeiten sowie Verantwortlichkeiten, verbunden mit viel Verwaltungsaufwand, nach Berlin zu verlagern, um mich trotz meiner beruflichen Tätigkeit mehr auf die textlichen  Belange und graphischen Elemente der Mitteilungen bei meiner weiteren Mitarbeit in der Redaktion zu konzentrieren. Die Mitteilungen haben sich in den letzten zwei Jahren inhaltlich sowie bzgl. der äußeren Gestaltung anspruchsvoll weiterentwickelt. Das Konzept hat viel Anklang gefunden. Diesen Weg werden wir weiter verfolgen, allerdings müssen hierfür professionelle Werkzeuge der Layouterstellung verfügbar sein. Es ist sinnvoll, dieses zukünftig an einem Standort zu konzentrieren. Aus der Führung des Archivs sollte ein engerer Kontakt zu den Zweigvereinen und Fachausschüssen erwachsen, der sich inhaltlich in den Mitteilungen niederschlagen sollte. 

Sabine Theunert

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DMG ZV Rheinland: Exkursion zu den Eifelmaaren

Am Freitag, den 14. Juni 2002, fand die Exkursion des ZV Rheinland statt. Sie führte uns ab 8 Uhr zu den Maaren und Vulkanen in der Eifel. Erst vor wenigen Jahren hat man die Eifelmaare als wertvolle Quellen für paläoklimatologische Daten entdeckt. Die Sedimente in den Maaren haben sich als sogenannte Warven oder Jahresschichten abgelagert und erlauben somit durch Abzählen (absolute) Datierungen. Der Zusammenhang zum Vulkanismus in der Eifel, die Methoden zur Gewinnung der Sedimente aus den Maaren, ihre paläontologische Bearbeitung und paläoklimatische Interpretation wurden fachkundig und fesselnd von Herrn Prof. Thomas Litt vom Paläontologischen Institut der Universität Bonn erläutert. Dreißig Teilnehmer aus Essen, Köln, Bonn und Traben- Trarbach hatten die erste Tuchfühlung mit der Materie im Brohltal, wo Herr Litt die Bimsablagerungen des Laacher Vulkanausbruches vor ca. 13000 Jahren zeigen konnte, eine Explosion bis in Tropopausenhöhe mit 64 km3 Ascheeintrag. Die Transportvorgänge sind in Mitteleuropa bis Berlin bzw. Turin nachweisbar. Die Tönnissteiner CO2-Quelle zeugt von der magmatischen Aktivität im Laacher Seengebiet. Der See selbst mit seinen noch aktiven vulkanischen Komponenten, die sich z. B. in Kohlendioxidfontänen und Blasenaufstiegen äussern, war die nächste Station. Nach der Feststellung des wissenschaftlichen Leiters, dass die Magmakammer unter dem Laacher See (der im übrigen kein Maar, sondern eine Caldera ist) mit ziemlicher Sicherheit noch mal explodieren wird, machte sich die Exkursiongesellschaft auf den Weg zum nächsten vulkanischen Ereignis der jüngsten geologischen Eifelgeschichte, dem ca. 11000 Jahre alten Ulmener Maar. Inmitten des malerischen Städtchens Ulmen gelegen, ist der Kontrast zwischen dem dunklen, ruhigen Maar und dem die vulkanischen Aktivität anzeigenden Auswurfkrater sehr markant. Herr Litt erläuterte die Lage der jüngeren Maare anhand eines wie "Schweizer Käse" zerschossenen devonischen Grundgebirges, mit den Maaren in den Löchern. Die ältesten Maare sind 45 Mio. Jahre alt, wie das Eckfelder Maar, welches berühmt ist für seine Fossilienfunde von Urpferd und Honigbiene. 
     Es folgten eineinhalb Stunden gemütlichen Mittagessens in einem Landgasthof in Schalkenmehren, von Frau Theunert im Vorfeld der Exkursion hervorragend organisiert. Nach dem Mittagessen wurde dann die letzte Station angefahren, das Holzmaar, dem Herr Litt und die Arbeitsgruppe von Herrn Prof. Negendank vom Geo-Forschungs-Zentrum in Potsdam Sedimentbohrungen entnommen haben, die sich aus jahreszeitlich geschichtetem Material zusammen setzen. Die Bedeutung dieser Sedimente für die Paläoklimaforschung wurde von Herrn Litt nachdrücklich vorgeführt. Ein kurzer Abstecher noch zum benachbarten Drögen Maar, in dem sich ein Hochmoor bildete beendete die Exkursion. 

Th. Burkhadt, A. Hense, Bonn
S. Theunert, Wittlich

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Einführung von gestuften Studienabschlüssen im Studienfach Meteorologie an der Universität Hamburg

Der Studiengang Meteorologie an der Universität Hamburg ist reformiert worden. Die neue Prüfungs- und Studienordnung gilt ab dem Wintersemester 2002/2003. Der Studienreform liegen folgende Überlegungen zugrunde: 

1. Ausgangssituation
Ziel des Studiums im Fach Meteorologie ist die Erlangung von Kenntnissen und Fertigkeiten, die zur Ausübung des Berufs des Meteorologen befähigen. Da sich das Berufsbild ständig ändert, ist im Beruf die Fähigkeit zur selbständigen Lösung stets wechselnder Probleme, zur flexiblen Reaktion auf veränderte Herausforderungen und zur Innovation in allen Bereichen dieser Wissenschaft gefordert. Der bisherige zum Diplom führende Studienplan legt daher Wert auf eine solide mathematisch-physikalische Grundausbildung im ersten Teil des Studiums, auf eine breite fachspezifische, sowohl theoretische als auch experimentelle Ausbildung im Hauptstudium, wobei die Mitarbeit als studentische Hilfskraft in drittmittel-finanzierten Forschungsprojekten die Regel ist, und auf die Anwendung des Erlernten am Beispiel einer spezifischen Fragestellung im Rahmen einer einjährigen Diplomarbeit.
     Da etwa 2/3 unserer Absolventen nach Abschluß des Studiums in der Forschung tätig werden und auch die die Forschung verlassenden Jungakademiker in Beratungsbüros, beim Deutschen Wetterdienst, in der Versicherungswirtschaft oder in den Umweltbehörden eine wissenschaftsnahe Tätigkeit ausüben, gibt es keine Veranlassung, von den bisherigen Qualifikationszielen im Fach Meteorologie abzurücken.

2. Warum gestufte Studienabschlüsse im Fach Meteorologie?
Anders als bei den Ingenieuren gibt es für unsere Absolventen keinen nennenswerten Arbeitsmarkt, der auch Absolventen nachfragt, die lediglich naturwissenschaftliches Grundwissen mitbringen und weitergehende Qualifikationen erst in der betrieblichen Praxis erwerben sollen. Meteorologiestudierende bereits nach 3 Jahren in die Praxis zu entlassen, macht daher wenig Sinn. Die Einführung international üblicher, gestufter Studienabschlüsse im Fach Meteorologie basiert auf anderen Motiven:

  • Die Meteorologie ist wie kaum ein anderes Fach international ausgerichtet. Wesentliche Zusammenhänge des Klimawandels, der Wetterentwicklung oder von Umweltveränderungen ("Ozonloch") sind nur bei globaler Betrachtung zu verstehen. Es ist daher notwendig, unsere Absolventen auf eine im internationalen Kontext stattfindende Tätigkeit gezielt vorzubereiten.
  • Die Vorbereitung auf die internationale Zusammenarbeit sollte bereits während des Studiums eingeübt werden. Ziel ist es daher, sowohl qualifizierte ausländische Studierende vermehrt zum Studium der Meteorologie in Hamburg zu bewegen als auch deutschen Studierenden den Wechsel an ausländische Hochschulen zu erleichtern.
  • Der internationale Austausch von Studierenden und Absolventen wird in der Meteorologie weniger durch unterschiedliche Studieninhalte als vielmehr durch unter-schied-liche Studienstrukturen erschwert. Abhilfe ist von der Einführung gestufter Studiengänge mit der international kompatiblen Gradbezeichnung Bachelor und der Gleichwertigkeitsbescheinigung für das Diplomzeugnis (siehe unten) zu erwarten. Studiengänge mit diesen Abschlüssen werden von ausländischen Studienbewerbern erfahrungsgemäß stärker nachgefragt als unsere im Ausland weniger bekannten Diplomstudiengänge. Sie erleichtern den deutschen Absolventen die Weiterqualifizierung an einer ausländischen Universität.
  • Die Gliederung des Studiums in eine Bachelor- und Masterphase (Diplom mit Gleichwertigkeitsbescheinigung) erlaubt einen problemlosen Wechsel an einen ausländischen Studienort bereits nach dem 3. Studienjahr. Es ist wünschenswert, dass ausländische Studierende, die einen ersten Abschluss (Bachelor) in ihrem Heimatland erworben haben, ebenso wie deutsche Studierende, die vermutlich auch künftig ihr Studium überwiegend in Deutschland beginnen werden, diese Zäsur nutzen, um ein Auslandsstudium zum Erwerb ei-nes Grades auf Master-Niveau anzuschließen.
  • Neben der Förderung der internationalen Vergleichbarkeit wird mit der Einführung eines zusätzlichen Bachelor-Abschlusses eine Verbesserung der Chancen unserer Absolventen auf dem Arbeitsmarkt angestrebt. Die meisten Meteorologen sind nach Abschluss des Studiums in der Forschung tätig. Dieser Markt ist wie kaum ein anderer Schwankungen unterworfen. Er hängt von der öffentlichen Kassenlage ebenso ab wie von der Rezeption von Umwelt- oder Klimathemen in den Medien und ihrer anschließenden Verankerung in politischen Programmen. Als zahlenmäßig kleines Orchideenfach "produziert" die Meteorologie mal zu viele und dann wieder (wie gegenwärtig) viel zu wenige Absolventen. Da unsere Studierenden ein solides mathematisch-naturwissenschaft-liches Basiswissen erworben haben und über umfangreiche Kenntnisse in der Datenverarbeitung verfügen, führen "Überschüsse" regelmäßig nicht zur Arbeitslosigkeit, sondern zur Abwanderung in informationstechnisch geprägte Tätigkeitsfelder. 
  • Die Einführung des Bachelor-Grades ermöglicht es den Studierenden, zeitiger als bisher auf Änderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren. Bei Nachfrageausfall können sie leichter auf andere Gebiete ausweichen und dort das Diplom oder den Master erwerben. Bei Nachfrageüberhang sollte es möglich sein, Bachelor aus anderen mathematisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen für einen Diplomstudiengang im Fach Meteorologie zu begeistern. Es wird erwartet, dass die Verminderung des Arbeitsplatzrisikos das Fach Meteorologie für künftige Studienanfänger attraktiver macht.
3. Was ändert sich mit der Einführung der neuen Studienstruktur?
Das Studium der Meteorologie ist ein Studium der Physik mit spezieller Ausrichtung auf die Atmosphäre. Das Grundstudium bis zum Vorexamen ist durch Lehrimporte aus der Physik und Mathematik geprägt. Nur etwa ein Viertel der Studieninhalte sind schon meteorologisch zu nennen.
  • Die mathematisch-physikalische Ausrichtung des Grundstudiums wird im vollen Umfang beibehalten. Ein Wechsel des Studienfachs von der Meteorologie zur Physik, zur Ozeanographie (Physik des Meeres) oder zur Geophysik (Physik der festen Erde) und umgekehrt wird auch künftig bis zum Ende des 4. Semesters möglich sein.
  • Die Diplom-Vorprüfung wird weiterhin in den vier Fächern 
    • Mathematik
    • Experimentalphysik
    • Theoretische Physik 
    • Einführung in die Meteorologie

    • absolviert. Anders als bisher werden die vier Prüfungen jedoch nicht mehr im Block innerhalb von 4 Wochen, sondern studienbegleitend abgeprüft.
  • Im Hauptstudium findet die eigentliche Spezialisierung im Fach Meteorologie statt. Bisher wurde es nach dem 8. Semester mit der ebenfalls im Block und innerhalb von 4 Wochen abzulegenden Diplomprüfung in den Fächern
    • Physikalische Meteorologie
    • Theoretische Meteorologie
    • Physik
    • Nebenfach

    • abgeschlossen. Es folgte die in physikalischen Fachrichtungen übliche 1-jährige Diplomarbeit. 
Künftig wird das Hauptstudium in 3 Phasen aufgeteilt:
  • Phase I (Semester 5 und 6) wird mit dem Bachelor of Science abgeschlossen. Die Bachelor-Prüfung umfasst den bis zum Ende dieses Studienabschnitts gehörten Stoff, nimmt also Teile der bisherigen Diplomprüfung vorweg. Ferner ist eine Bachelor-Thesis anzufertigen.
  • In Phase II (Semester 7 und 8) werden die noch fehlenden Teile der Physikalischen und Theoretischen Meteorologie sowie das Nebenfach gehört und studienbegleitend abgeprüft.
  • Phase III (Semester 9 und 10) bleibt unverändert und gibt den Studierenden Zeit für die Anfertigung der ersten eigenen Forschungsarbeit, der Diplomarbeit.
Anders als bisher wird also auch die Diplomprüfung nicht mehr im Block, sondern studienbegleitend abgelegt. Inhaltlich wurde der bisherige Lehr- und Prüfungsstoff verschlankt. Dadurch wurde Raum für die verstärkte Vermittlung von Kenntnissen in den Bereichen Numerik/Datenverarbeitung sowie für die Anfertigung der Bachelor- Thesis geschaffen.
  • Um unseren Studierenden den Zugang zu europäischen Austauschprogrammen zu erleichtern und um andererseits den Meteorologiestudiengang der Universität Hamburg ausländischen Studierenden auch für nur ein- oder zweisemestrige Aufenthalte zu öffnen, wird ein 'credit point'-System eingeführt. Solche Anrechnungssysteme erleichtern die Anerkennung von an fremden Hochschulen erworbenen Leistungsnachweisen und fördern die studentische Mobilität. Die Bewertung der Leistungen orientiert sich an den Vorgaben der Kultusministerkonferenz (KMK).
  • Flankierend zur Internationalisierung des Studiengangs Meteorologie an der Universität Hamburg wird die englischsprachige Komponente verstärkt. Bereits jetzt werden in den Fachvorlesungen wichtige Begriffe in deutsch und englisch eingeführt, der bereits behandelte Stoff wird zu Beginn vieler Vorlesungen in englischer Sprache zusammengefasst. Künftig können durchgängig alle Studien- und Abschlussarbeiten, Seminarvorträge, Antworten in Prüfungen etc. von den Studierenden wahlweise in deutsch oder in englisch abgefasst werden.
4. Was wird aus dem traditionellen Diplom in Meteorologie?
  • Der bisherige Diplom-Grad im Fach Meteorologie wird beibehalten. Er ist im deutschen Sprachraum etabliert und garantiert hier einen allgemein anerkannten Qualitätsstandard. Das bestandene Diplom wird auch künftig als erster für den Beruf des Meteorologen qualifizierender Abschluss angesehen. 
  • Nach 6 Semestern wird mit dem 'Bachelor of Science' bestätigt, dass die Studierenden solide mathematisch-physikalische Grundkenntnisse erworben haben. Es ist nicht beabsichtigt, einen 'Bachelor of Meteorology' zu verleihen.
  • Die Vergabe des Master-Grades wird pragmatisch gehandhabt. Im Fach Meteorologie ist es schon bisher gängige Praxis, an renommierten ausländischen Hochschulen erworbene Masterabschlüsse als gleichwertig zum deutschen Diplom anzuerkennen und umgekehrt. Den Absolventen des Fachs Meteorologie der Universität Hamburg wird künftig zusammen mit dem Diplomzeugnis eine Bescheinigung in englischer Sprache ausgestellt, die die Gleichwertigkeit dieser Urkunde mit dem Certificate "Master of Science in Atmospheric Physics" bescheinigt (Gleichwertigkeitsbescheinigung). Zwar wäre es besser, den Studierenden gleich beide Grade zu verleihen oder ihnen die freie Wahl zwischen Diplomzeugnis und Master Certificate zu lassen. Eine so weitgehende Lösung lassen die von der Kultusministerkonferenz gesetzten Regeln jedoch bisher nicht zu. 
5. Zusammenfassung
Die Umstellung der Studienstruktur mit Einführung des Bachelor-abschlusses und der Gleichwertigkeitsbeschei-nigung zusätzlich zum vorhandenen Diplomabschluss macht das Studium der Meteorologie an der Universität Hamburg für ausländische Studierende attraktiver,
  • da sie eine internationalen Standards entsprechende, modular aufgebaute Studienstruktur vorfinden,
  • in der sie die deutsche Sprache zwar verstehen müssen, alle Studienleistungen jedoch in der internationalen Wissenschaftssprache Englisch erbringen dürfen,
  • in der sie innerhalb von Kurzzeitaufenthalten transferierbare "credit points" und 
  • innerhalb der auch an renommierten ausländischen Hochschulen normalen Studienzeiten international übliche Studienabschlüsse erwerben können.
Die deutschen Studierenden profitieren von der Neuregelung, da sie
  • nun sowohl nach der Diplomvorprüfung als auch nach dem Bachelorabschluss, ohne Nachteile auf sich nehmen zu müssen, an einer deutschen bzw. ausländischen Hochschule weiterstudieren können,
  • wegen des 'credit point'-Systems auch während des Studiums ohne Zeitverlust Auslandssemester einlegen können,
  • wegen der Internationalisierung des Studiengangs frühzeitiger und verstärkt gezwungen werden, in der internationalen Wissenschaftssprache Englisch kommunizieren zu lernen, und 
  • bei sich abzeichnenden Engpässen auf dem meteorologischen Arbeitsmarkt frühzeitig reagieren und auf Master- oder Diplomstudiengänge außerhalb der Meteorologie ausweichen können.
Die im Vergleich zu angelsächsischen Studiengängen durchaus bestehenden Vorteile des an deutschen naturwissenschaftlichen Fakultäten etablierten Studiums bleiben unvermindert erhalten. Auch künftig wird auf eine Verschulung des Studiums verzichtet. Den Studierenden wird wie bisher ein erhebliches Maß an Selbständigkeit beim Wissenserwerb und an Selbstverantwortung bei der Durchführung des Studiums abverlangt. Sie werden jedoch nicht orientierungslos gelassen. Auch für die neue Studienstruktur gibt es wieder einen detailliert ausgearbeiteten  Studienplan, der für "hinreichend vorgebildete und befähigte, sich vollzeitig dem Studium widmende Regelstudierende" aufzeigt, welche Studienleistungen zu welchen Zeiten erbracht werden sollten. Jahrgangs-Tutoren aus dem Lehrkörper laden ihre Studierenden in regelmäßigem Turnus ein, um in Beratungs- und Informationsgesprächen zusätzliche Orientierung zu vermitteln und um von studentischer Seite zu erfahren, auf welche Weise sich das Studium weiter verbessern ließe.
     Auch in Zukunft werden unsere Studierenden frühzeitig in die Forschung eingebunden. Dies geschieht üblicherweise über bezahlte Mitarbeit in einem der zahlreichen Drittmittelprojekte. Der hieraus resultierende enge Kontakt der Studierenden zu den Doktoranden und wissenschaftlichen Mitarbeitern gibt wertvolle Orientierung bei der Auswahl der Arbeitsgruppe, in der die das Studium abschließende Diplomarbeit angefertigt wird.
      Last but not least dürfte die Art und Weise der hier vorgeschlagenen Änderung der Meteorologenausbildung auch für die Universität und die sie tragende Freie und Hansestadt Hamburg attraktiv sein. Sie beinhaltet eine Reform und Internationalisierung des Studiengangs Meteorologie ohne hiermit eine Forderung nach Bereitstellung zusätzlicher Lehrkapazität zu verbinden. Zudem wird erwartet, dass die Studienreform einen wirksamen Beitrag zur Angleichung der tatsächlichen Studienzeit an die Regelstudienzeit leisten und sich auch dadurch positiv auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Absolventen auswirken wird.
     Die Prüfungs- und  Studienordnung sowie der neue Studienplan sind auf der Homepage des Meteorologischen Instituts der Universität Hamburg  (http://www.mi.uni-hamburg.de) unter "Lehre" zu finden.

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Die DFG reformiert ihr Begutachtungssystem

Senat und Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft haben nach ausführlicher Diskussion eine Reform des Begutachtungssystems der DFG beschlossen. Das Reformpaket ist am 3. Juli von der Mitgliederversammlung verabschiedet worden. Wesentliche Ziele der Reform sind die Stärkung des Prinzips der Selbstverwaltung der Wissenschaft in der DFG durch Ausdehnung des Einflusses der gewählten Gutachter, die fachliche Qualitätssicherung aller Begutachtungsprozesse durch gewählte Mitglieder von Fachkollegien, eine größere Transparenz aller Begutachtungsverfahren sowie der Versuch, den neuen Anforderungen des Wissenschaftssystems im Hinblick auf Interdisziplinarität und Entwicklung neuer Fächer und Arbeitsrichtungen entgegenzukommen.
     Dies soll erreicht werden, indem Begutachtung und Bewertung von Forschungsvorhaben klar voneinander getrennt werden, die Zusammenarbeit der Programmdirektorinnen und Programmdirektoren unserer Geschäftsstelle mit den gewählten Fachvertretern deutlich gemacht wird und schließlich die Kompetenz der gewählten Fachvertreter allen Förderinstrumenten der DFG zugänglich gemacht wird.
     Das Begutachtungssystem der DFG mit dem Prinzip der Beurteilung aller Anträge durch gewählte Fachgutachter geht auf die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft von 1920 zurück und ist seit 1952 in nahezu unveränderter Form durch die Bestimmungen des § 9 der Satzung festgelegt. Das Förderinstrumentarium der DFG hat sich seitdem allerdings unter qualitativen und quantitativen Aspekten umfassend fortentwickelt. Die Heranziehung von Spezialisten, auch aus dem Ausland, als Gutachter ist in der Satzung noch ebenso wenig berücksichtigt wie die seit 1952 neu hinzugekommenen kooperativen Förderverfahren wie Schwerpunktprogramme, Forschergruppen, Sonderforschungsbereiche und Graduiertenkollegs. Die für eine klare Regelung des Begutachtersystems erforderliche Satzungsänderung wurde von der Mitgliederversammlung im Juli 2002 beschlossen. 
     In Zukunft sollen durch alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bei der DFG antragsberechtigt sind, Fachkollegien gewählt werden. Die gewählten Mitglieder dieser Fachkollegien sollen in allen Begutachtungsprozessen mitwirken. Sie sollen in die strategischen Entscheidungsprozesse innerhalb  der DFG eingebunden werden. Insgesamt zielt das 
Konzept auf eine Stärkung der Verantwortung der gewählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Im schriftlichen Begutachtungsverfahren (Sachbeihilfen, Stipendien etc.) sollen Mitglieder der Fachkollegien künftig im Wesentlichen die Funktionen wahrnehmen, die bisher von den Fachausschussvorsitzenden und ihren Stellvertretern wahrgenommen werden. Das ist vor allem die abschließende und vergleichende Würdigung der Anträge, verbunden mit einer Qualitätskontrolle der vorangegangenen Begutachtung jedes einzelnen Antrags. Dies soll ihnen auch den notwendigen Freiraum verschaffen, verstärkt als Gutachter im Rahmen der koordinier-ten Verfahren und bei vergleichenden Begutachtungen von Einzelanträgen mitzuwirken. Bei den koordinierten Verfahren stimmt die Geschäftsstelle die Zusammensetzung der jeweiligen Gutachtergruppen mit gewählten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ab. In jeder Gutachtergruppe soll künftig mindestens ein gewählter Fachvertreter mitwirken. Die Erfahrung der gewählten Gutachter aus den Begutachtungsprozessen  der verschiedenen Förderverfahren soll künftig mehr als bisher in die strategischen Entscheidungen der DFG einfließen. Siehe auch: 
www.dfg.de/reform.html

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Antarktisforschung mit internationaler Ausrichtung

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat die Weiterführung der Antarktisforschung als Schwerpunktprogramm beschlossen. Mit dieser Entscheidung sichert die DFG deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einen planungssicheren Zugang zur internationalen Polarforschung. Die Laufzeit des Programms beträgt vorerst fünf Jahre und wird jährlich mit 2 Millionen Euro gefördert.
     Forschung in den Polargebieten hat insbesondere im Hinblick auf klimarelevante Untersuchungen international stark an Bedeutung gewonnen. Durch die bisherige Förderung der DFG und anderer Drittmittelgeber ist es der deutschen Polarforschung gelungen, im internationalen Vergleich einen Platz in der Spitzengruppe zu erreichen. Die Einrichtung des Schwerpunktprogrammes "Antarktisforschung" soll die Bedeutung der deutschen Antarktisforschung im internationalen Feld weiter ausbauen. Das soll insbesondere durch die Nutzung der vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung  (AWI) bereitgestellten logistischen Ausstattung -  wie Landstationen, Forschungsflugzeuge oder den Forschungseisbrecher "Polarstern" - erreicht werden, die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen des Schwerpunktprogramms ermöglicht wird.
     Von 1981 bis 1995 wurde die Antarktisforschung bereits als Schwerpunktprogramm gefördert und im Anschluss  als koordiniertes Programm im Rahmen der Einzelförderung weitergeführt. Mit der zukünftigen Förderung im Schwerpunktprogramm will die DFG den spezifischen Anforderungen der Arktis- und Antarktisforschung, insbesondere der Interdisziplinarität und der internationalen  Vernetzung besser gerecht werden. 

Quelle: DFG-Mitteilungen 9/2002

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Sprites-Phänomene in der Mesosphäre

Das Wort "Sprite" heißt aus dem englischen wörtlich übersetzt so viel wie "Kobold".
     Die Bezeichnung entstammt aber tatsächlich dem "'Sommernachts-traum" von W. Shakespeare (Fünfter Akt, 1. Szene): "Now it is the time of night... Every one lets forth his sprite".
     Die Wortwahl beruht allein auf den etwas romantisierten Rahmenbedingungen (laue Sommernächte), die zur Beobachtung von Sprites notwendig sind. Diese Bezeichnung ist mit Absicht unphysikalisch gewählt, da bereits nach den ersten Beobachtungen von Sprites vor rund 12 Jahren klar war, dass es sich "nicht" eindeutig um einen Entladungsvorgang zwischen Gewitterwolken und der Ionosphäre handelt, sondern um komplizierte, noch zu erforschende Prozesse. Mit den am 14.3.2002 in Nature beschriebenen Beobachtungen könnte sich die Meinung der wissenschaftlichen Gemeinde allerdings wieder ändern.
      Physikalisch handelt es sich bei Sprites um mit Polarlichtleuchten vergleichbare, schnell vorübergehende optische Emissionen oberhalb von Gewitterwolken in der Mesosphäre. Sie werden durch die Reorganisation der Ladungsverteilung in einer Gewitterwolke nach einem positiven Blitz ausgelöst, haben einen Durchmesser von 10-50 km und reichen bis zur unteren Ionosphäre in 70-80 km Höhe hinauf. Ihre rot-bläuliche Färbung wird vermutlich durch die Wirkung beschleunigter Elektronen hervorgerufen, die Stickoxide in der Mesosphäre ionisieren. Eine etwas ausführlichere Zusammenfassung findet sich hier: http://sprite.gi.alaska.edu/html/sprites.htm
     Sonderdrucke mit einer allgemeineren Beschreibung des Arbeitsgebietes können vom Autor erbeten werden. 

Martin Füllekrug
Inst. f. Met. & Geophys., Univ. Frankfurt/Main
Feldbergstr.47, 60323 Frankfurt/Main 
fuellekr@geophysik.uni-frankfurt.de

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Autorenwort

Es ist zwar unüblich, dass der Autor eines Buches zu einer Rezension Stellung nimmt, wenn aber den Lesern ein solch blühender Unsinn über das Buch "Die Atmosphäre der Erde" vorgesetzt wird wie in Ihrem Heft 1/2002, dann kann man dies als Autor kaum unwidersprochen hinnehmen.
     Das Buch ist ein Grundlagenbuch. Es trägt deshalb auch den Untertitel Eine Einführung in die Meteorologie. Das ist eine der vielen Möglichkeiten, Studenten in dieses Fachgebiet einzuführen. Es ist die Art, wie ich dies über viele Jahre hinweg gepflegt habe. Sie soll die Studierenden sowohl mit den Phänomenen als auch mit den theoretischen Grundlagen der Meteorologie vertraut machen. An keiner Stelle wird der Anspruch erhoben, dass es ein Standardwerk sei oder eines werden möchte, wie das der Rezensent behauptet.
     Dieser sagt dann "die Karten liegen bereits seit geraumer Zeit auf dem Tisch", zählt zur Untermauerung eine Reihe von Grundlagenbüchern auf, die teilweise mehr als 50 Jahre alt sind, um schließlich zu behaupten, "an der Basis unseres Wissens ändert sich nur wenig" und deshalb bedürfe es keines neuen Einführungs-Buches. Dazu ist zu sagen, dass sich sehr viel geändert hat und weiterhin ändert. Aber selbst wenn der Rezensent recht hätte, dann ist es doch jedem unbenommen, seinen eigenen Weg zu gehen, andere für die faszinierenden Vorgänge und Erscheinungen der Atmosphäre zu begeistern und sie ihm nahe zu bringen. Außerdem weiß jeder, der irgendeine Wissenschaft vertritt, wie notwendig es ist, neues Wissen, neue Erkenntnisse und neue Denkweisen bereits in die Grundlagen einfließen zu lassen. Wer das bestreitet, hat nicht verstanden, dass jede Art von Bildung die Fortschritte im Denken und so auch die Fortschritte in Wissenschaft und Technik mit einbeziehen muss. Wer das Buch liest, wird feststellen, dass vieles an neuen Erkenntnissen eingeflossen ist, was z.B. in den vom Rezensenten zitierten älteren Grundlagenwerken noch gar nicht stehen kann.
    Der Rezensent bezweifelt dann, das das Buch "innovativ" sei. Ich liebe dieses Modewort nicht, möchte aber die Frage so verstanden wissen, ob das Buch etwas Neues oder ihm Eigenes zu bieten hat im Vergleich zu den zitierten älteren Grundlagenwerken. Als Grundlagenbuch kann es sicher nicht die statische Grundgleichung oder Ähnliches neu erfinden, aber es besitzt in seiner Konzeption eine Reihe von ihm eigenen Schwerpunkten. Das ist nicht nur

  • das Einfließen neuer Erkenntnisse (s. o.), sondern auch
  • das Einfließen neuer Daten (es gibt z. B. keine Uraltbilder aus der Literatur, viele Bilder sind neu gezeichnet),
  • die Skalendenkweise,
  • das Denken in Haushalten (von Energie, Wasserdampf, Impuls),
  • das Herausarbeiten der physikalischen Basis,
  • klare Definitionen.
Dann gibt es Kritik an den beiden Werbeseiten. Kann denn der Rezensent sich nicht denken, warum der Autor sich um diese bemüht hat? Das Buch hätte in der ersten Auflage durch den Vieweg-Verlag im Jahre 2000 (bei Springer wurde der Preis nicht geändert) ohne Werbung im Buchhandel etwa 90 DM gekostet, ein Preis, der mir für die studentischen Leser als recht hoch erschien. Mit der Werbung konnte der Buchhandelspreis um mehr als 20 % auf etwa 70 DM gesenkt werden. Außerdem passen die Werbeseiten gut zum Inhalt des Buches, und sie sind gut gestaltet. Sie haben sehr viel mit Angewandter Meteorologie zu tun. Viele Versicherungen haben eigene Geophysik-Teams, in denen auch Meteorologen arbeiten. Für den Leser ist  die durch die Anzeigen gebotene Information sicher auch von Interesse.
     Es folgt die Kritik am Einführungskapitel (Kap. I). Was dem Rezensent als nicht systematisch erscheint, stellt sich dem Leser, der wirklich ins Buch hineinschaut, folgendermaßen dar: Als erstes wird in Kap. I.1 (Erster Blick in die Atmosphäre) dem Leser die Atmosphäre als Gegenstand des Buches vorgestellt. Ein Blick von einem Satelliten aus mit der entsprechenden Erklärung, was man da alles sieht, erweist sich als etwas, was die alten Bücher nicht bieten konnten und was Welten der Anschauung öffnet. Dass man Satellitenbilder groß drucken muss (auch das hat der Rezensent bemäkelt), liegt einfach daran, dass man sonst die kleinskaligen Erscheinungen nicht sieht. Damit ist eines der oben genannten konzeptionellen Merkmale des Buches, die Skalendenkweise, angesprochen. Diese wird folglich dann in Kap. I.2 behandelt. Schließlich muss der Leser nun darauf hingewiesen werden, was das Wort Meteorologie bedeutet und welche Vielfalt von Erscheinungen und Gesetzen in den Teil-gebieten der Meteorologie (Kap. I.3) behandelt werden. Ganz wichtig für die zu behandelnde Physik ist das Kap. I.4 über Größen, Zahlenwerte und Einheiten. Bei der Schreibweise von Gleichungen und der Angabe von Größen und Zahlenwerten wird viel gesündigt, und in einem Lehrbuch muss man diese Dinge von vorne herein klarstellen. Ist das unsystematisch?
     Stark ist die Behauptung, "der Autor gehe recht verschwenderisch mit physikalisch-mathematischer Wahrhaftigkeit zu Werke" und das relativiere den Breiten-Anspruch. Was in diesem Buche an mathematisch-physikalischer Denkweise geboten wird, ist heutzutage Standard für das Grundlagenwissen eines Meteorologen. Ich bin mir im Klaren darüber, dass manch einem das Buch zu anspruchsvoll erscheinen mag; aber das liegt nicht an dem Buch, sondern am Nachholbedarf mancher Leser. Es ist sonderbar, dass dieser Vorwurf des zu anspruchsvollen Grundlagenwissens gerade aus der Meteorologischen Gesellschaft kommt. Übrigens: Im Vorwort wird der po-enzielle Leser gleich gewarnt, dass dies kein anspruchsloses populärwissenschaftliches Buch ist. Dort heißt es u. a., dass dieses Buch Leser ansprechen möchte, "die in ihrem Bestreben, die Meteorologie verstehen zu lernen, die damit verbundenen Mühen nicht scheuen".
     Dann kommt in der Rezension der schöne Satz über die Grenzschicht-Meteorologie: "Die Grenzschicht ist die Spezialstrecke des Autors, heißt es auf dem Buchumschlag. Leider kommt sie so gut wie nicht im Text vor". Hätte der Rezensent den von ihm so geschmähten Index befragt, wäre er von insgesamt 8 Eintragungen zu Informationen über die Atmosphärische Grenzschicht geführt worden. Was von der Grenzschicht-Meteorologie in ein Grundlagenbuch hinein gehört, ist sehr wohl auch vertreten, so die Definition "Atmosphärische Grenzschicht", die Erläuterung des Begriffes Turbulenz und der turbulenten Flussdichten, die Parametrisierung der Flussdichten durch den K-Ansatz, die Anwendung der turbulenten Flussdichten in der Grenzschicht, viele Diagramme der Energiebilanz an der Erdoberfläche, Phänomene der Temperatur- und Feuchte-Verteilung nahe der Erdoberfläche, Querschnitte durch Seewind-Strömungen und - Fronten, der Grenzschicht-Strahlstrom, die gut durchmischte Atmosphärische Grenzschicht als ein Grenzschicht-Typ, die dynamische Grenzschicht mit der Ekman-Spirale als ein weiterer und die stabile Grenzschicht als ein dritter. Aber dies ist natürlich eingeflochten in die Konzeption eines Grundlagen-Buches. Dies ist eben ein Einführungs-Buch und kein Grenzschicht-Buch, aber der Leser weiß nach dem Studium des Buches eine Menge über die Atmosphärische Grenzschicht und dies auf einem Niveau, das dem Fortschritt unserer Wissenschaft angepasst ist.
     Dies ist auch kein Mathematik-Buch. Die Vektor-Analysis wird vorausgesetzt genauso wie die Differential- und Integral-Rechnung. Das ist selbstverständlich. Deshalb fallen die Begriffe auch nicht vom Himmel, wie der Rezensent meint. Wenn der Rezensent den Begriff des Gradienten beim Vektor Windgeschwindigkeit eingeführt haben möchte, so möge er auf S. 40 bei der kurzen Erläuterung des Nabla-Operators nachlesen, dass man den Operator grad nur mit einem Skalar verwenden kann.
     Das Kapitel V (Synoptische Meteorologie) hat der Rezensent überhaupt nicht gelesen. Sonst hätte er gemerkt, dass hier sehr vieles anders ist als in anderen Büchern. Wichtig erscheint es dabei, die synoptischen Systeme mittlerer Breiten geordnet nach Skalen und dabei auch die Zyklogenese und die Frontogenese zu verstehen. Die Polarfront-Theorie wird vor allem aus wissenschaftsgeschichtlichen Gründen erläutert und um zu zeigen, was sie nicht bieten kann (S. 337). Ihr wird die Feldtheorie gegenübergestellt (S.345), in der die ageostrophische frontale Querzirkulation (quer zur Frontfläche, also diese durchsetzend), die Frontogenese und die Jets entlang der Front (conveyor belts) eine zentrale Rolle spielen. Wichtig ist auch die Aussage, dass es so etwas wie einheitliche Luftmassen nicht gibt (S. 344 und S. 348). Der Q-Vektor wird für ein Grundlagenbuch hinreichend er-läutert, um den vertikalen Ast der Querzirkulation mit seiner Hilfe auszudrücken. Zudem wird die Anschauung der frontalen Felder durch Modell-Ergebnisse unterstützt.
     Auch dem Kapitel VI (Klimatologie) werden die Äußerungen des Rezensenten nicht gerecht. Dass es "stiefmütterlich an den Text gestrickt" sei, kann man bei einem Anteil von 67 der insgesamt 430 Textseiten dieses Grundlagenbuches sicher nicht mit Recht behaupten, zumal die Klimadefinition bereits im Skalenkapitel behan-delt ist und das Buch an vielen Stellen Klima-Darstellungen präsentiert, wie z. B. die Felder des langjährig mittleren Luftdruckes im Januar und Juli im Kapitel über den Luftdruck und viele Darstellungen in den Kapiteln II.5 (Die Strahlung) und II.6 (Der Aufbau der Atmosphäre). Beim Klima gibt es in diesem Grundlagenbuch drei Schwerpunkte, die Klima-Definition, die Allgemeine Zirkulation der Atmosphäre und das bodennahe atmosphärische Klima. Die Klima-Definition orientiert sich am gesamten Klimasystem und einer großen Zeitskala. Bei der Allgemeinen Zirkulation der Atmosphäre (AZA) wird in diesem Buch Wert darauf gelegt, dass zu ihrem Verständnis die Betrachtung sowohl der differentiellen Erwärmung des Systems Erde-Atmosphäre als auch der Erhaltung des Drehimpulses notwendig ist. Weiterhin werden die breitengemittelten meridionalen Transporte und ihre verschiedenen Anteile gezeigt. Schließlich entsteht so ein konzeptionelles Bild der AZA als verbale Zusammenfassung der vorher erläuterten physikalischen Gesetzmäßigkeiten.
     Der Abschnitt über das bodennahe atmosphärische Klima führt nicht nur die vielen hier notwendigen Begriffe ein, er liefert dem Leser auch eine Anleitung, selber beurteilen zu können, wie sich die bodennahen klimatischen Bedingungen in verschiedenen Teilen unserer Erde unterscheiden. Das Kapitel präsentiert auch einen großen Farbdruck der Klima-Karte von Köppen und Geiger, die trotz ihres Alters immer noch die beste und am weitesten verbreitete Klimakarte ist. Die dieser Karte zugrunde liegende Klassifikation wird ausführlich erläutert, was für den Anwender wichtig ist, aber in keinem anderen Grundlagenbuch geschieht. Auch das Problem der Klimaänderungen wird angesprochen und zwar aus der Sicht des Klimasystems und der Tatsache, dass auch der Mensch ein Teil der Biosphäre ist. Manchem mag dieses zu wenig sein, aber eine Einführung in die Meteorologie will Grundlagen erläutern und ist kein Buch über Global Change.
Nichts habe ich hier gesagt über die Kapitel II (Die meteorologischen Elemente), III  (Thermodynamik und Wolken) und IV (Dynamik). Aber die wurden vom Rezensenten ja auch nur als "verschwenderische physikalisch-mathematische Wahrhaftigkeit" abgetan. Was soll man dazu sagen?

Helmut Kraus, Bonn

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Leserbriefe

Nachfolgend werden zwei Leserzuschriften zum Artikel von  U. Cubasch, Berlin im Heft 1/2002 der MITTEILUNGEN DMG wiedergegeben. Es sei darauf hingewiesen, dass die abgedruckten Texte nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften zu kürzen. 

Der Beitrag von Cubasch ist natürlich sehr interessant, sollte vielleicht aber bezüglich des Abschnittes solare Variabilität einige Ergänzungen haben: Dass es seit dem Mittelalter ein Wissen um den 11-jährigen Sonnenzyklus gab ist neu. Vielleicht nennt Cubasch seine Quellen hierzu. Auch gab es ab dem 17. Jahrhundert keine regelmäßigen Sonnenfleckenbeobachtungen. Für die damalige Zeit finden sich zwar richtigerweise manche Sonnenflecken- und viele Polarlichbeobachtungen, doch dies kann nicht für den Nachweis einer solaren Variabilität genutzt werden. Vielleicht sollte man bei den Klimaschwankungen zurückhaltender argumentieren, vor allem aber bedenken, dass die Polarlichtbeobachtungen einen funktionierenden Solarzyklus zeigen. 

H.J. Treder, Bremen.
 

Der Beitrag von Cubasch geht außer auf Betrachtungen aktueller Klimadaten auch auf solche der letzten 1000 Jahre und auf erdgeschichtliche Entwicklungen als auch auf deren Simulation ein. Trotz der Darlegungen, dass die Prozesse des Energieein- und -austrags in bzw. aus der Atmosphäre weitgehend verstanden und deshalb Simulationen machbar seien, bleiben gewisse Zweifel an der Perfektion der bislang erbrachten Erklärungen und der schließlich darauf basierenden Simulationen. 
     Es ist sicher unzweifelhaft, dass zur Bestimmung und Analyse thermodynamischer Systeme, wie es auch die Troposphäre ist (vgl. IPCC, Climate Change, 1990, S.49), thermodynamische Größen und Gesetzmäßigkeiten beachtet werden müssen. Da wird im Beitrag von Cubasch jedoch ausschließlich von Temperatur und Wärme gesprochen. Die hier richtigerweise zu betrachtende Enthalpie (der Wärme- bzw. Energieinhalt) wird hingegen überhaupt nicht erwähnt. Die stellvertretende Nutzung der Temperatur als Indiz für Wärme und Energie ist problematisch. Luft geringerer Temperatur mit hohem Dampfgehalt kann mehr Energie enthalten, eine höhere Enthalpie ausweisen als wärmere, trockene Luft. Insofern ist auch aus der Temperatur und deren Änderung noch keine eindeutige Zuordnung des eingetretenen Vorgangs (z.B Erwärmung oder rückläufige Feuchte oder mehr nächtliche Bewölkung) zulässig.
     Bei der Betrachtung der Klimaänderung über längere zurückliegende Zeiträume ist zudem zu beachten, dass hierbei bisher stets stillschweigend eine Prämisse gesetzt wird, die keineswegs gesichert ist; es wird Konstanz der Atmosphärenmasse unterstellt. Weil aber die Troposphäre ein thermodynamisches System ist, spielt die Masse der Atmosphäre, der Druck der dadurch im untersten Bereich erzeugt wird, die womöglich entscheidendste Rolle für die Temperaturverhältnisse im Bodenbereich der Atmosphäre. Die Masse der Atmosphäre könnte damit die wichtigste Einflussgröße für die Temperatur sein. Wenn die Atmosphäre in der erdgeschichtlichen Entwicklung unterschiedlich mächtig gewesen wäre, dann wären hierdurch Temperaturunterschiede bereits erklärbar. Wenn die Atmosphärenmasse um nur 10% vermindert würde, d. h. wir hätten auf NN einen Druck, wie er derzeit in etwa 1000 m Höhe herrscht, dann hätten wir auch entsprechend verminderte Temperaturen, möglicherweise durch Rückkopplungseffekte noch verstärkt. Die wichtigsten Fragen für die Klimaforschung sind damit zu stellen: Hat sich die Masse der Atmosphäre in erdgeschichtlichen Zeiträumen geändert? Wenn ja, durch welche Ereignisse? Verändern wir durch unsere Aktivitäten gegenwärtig die Atmosphärenmasse? Welche Reaktionen sind es, wodurch die Atmosphärenmasse im gegenwärtig vorhandenen Umfang offenbar stabilisiert wird? Oder hat die Erde lediglich zufällig diese Atmosphäre?

Heinz Thieme, Bochum

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Geburtstage

94 Jahre
Dr. Georg Dölling, ZV Frankfurt, 13.12.1908

92 Jahre
Dr. Hans Vilkner, ZV Hamburg, 3.12.1910
Dipl.-Met. Werner Berth, ZV Berlin-Br., 17.1.1911

91 Jahre
Dr. Martin Teich, ZV Frankfurt, 30.11.1911

90 Jahre
Dr. phil. Reinhard Faust, ZV Rheinland, 10.11.1912
Dipl.-Ing. Rosemarie Wagner, ZV Frankfurt, 12.11.1912

89 Jahre
Dipl.-Phys. Rolf Immler, ZV M, 30.12.1913

87 Jahre
Dr. Hans Otto Mertins, ZV Hamburg, 21.12.1915

85 Jahre
Dr. Heinz Sinz, ZV München, 14.12.1917

84 Jahre
Dipl.-Met. Max Schlegel, ZV Frankfurt, 9.11.1918

83 Jahre
em. Prof. D Albert Baumgartner, ZV München, 13.11.1919
Dipl.-Met. Heinrich Börges, ZV Hamburg, 24.12.1919
Dipl.-Met. Otto Karl, ZV München, 10.1.1920

82 Jahre
Prof. Dr. Hans-Peter Schmitz, ZVBerlin-Br., 8.12.1920
Dr. Kurt Kohlsche, ZV Hamburg, 24.12.1920
Dipl.-Met. Fritz Brandt, ZV Rheinland, 29.12.1920

81 Jahre
Dipl.-Met. Volkmar Schöne, ZV Leipzig, 14.11.1921
Dipl.-Met. Albert Cappel, ZV Frankfurt, 18.11.1921
Ing.-Met. Horst Gäbler, ZV Leipzig, 17.12.1921
Prof. Dr. Gustav Hofmann, ZV München, 25.12.1921
Dr. Siegfried Uhlig, ZV Rheinland, 23.1.1922

75 Jahre
Dipl.-Met. Paul Schlaak, ZV Berlin-Br., 10.1.1928

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In memoriam

Dipl.-Met. Thomas-M. Kuhlbarsch, ZV Berlin-Br., 
* 12.02.1949, + 23.06.2002

Dr. Johannes Plaetschke, ZV Hamburg, * 23.02.1909, 
+ 30.07.2002

Prof. Dr. Hans-Karl Paetzold, ZV Rheinland, * 02.01.1916, 
+ 30.07.2002

Dr. Hermann Schweitzer, ZV Frankfurt, * 06.03.1909,
+ 09.09.2002

Dipl.-Met. Günther K. Voss, ZV Hamburg, *09.08.1920,
+ 12.09.2002

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Nachrufe

Dipl.-Met. Franz Rolofs
* 18.06.1921 in Uerdingen       
+ 08.05.2002 in Kaarst

Das vieljährige DMG-Mitglied im ZV Rheinland, Franz Rolofs, ist am 8. Mai 2002 kurz vor Vollendung seines 81. Lebensjahres nach langer und schwerer Krankheit in Kaarst gestorben.
     Franz Rolofs wurde am 18.6. 1921 in Uerdingen/Rheinland geboren. Bereits mit 17 machte er in seiner Geburtsstadt Abitur, wurde zum Arbeitsdienst eingezogen und begann kurz nach Kriegsausbruch sein Meteorologiestudium in Berlin und Hamburg, unterbrochen von Einsätzen bei der Luftwaffe.
     Er gehörte zu den Jungmeteorologen, die im Krieg bereits nach 6 Semestern ihr Diplom erhielten. Kommilitonen und Freunde waren Prof. Weischet und Karl-Heinz Wollkopf, auch Wilhelm Sander. Franz Rolofs war schon mit 21 Jahren examinierter Meteorologe. Das Kriegsende erlebte er in Norwegen. Nach kurzer dortiger Internierung kehrte er noch 1945 zurück nach Deutschland. 
     1946 ging er nach Schwerin, weil sich ihm dort Arbeitsmöglichkeiten im erlernten Beruf boten. Er baute mit anderen den Wetterdienst in Mecklenburg-Vorpommern auf und wurde mit 30 Jahren Leiter des in Schwerin ansässigen Amtes für Meteorologie und Hydrologie. In Schwerin lernte er auch seine Frau Irene kennen, die er 1949 heiratete. 
    1960 erfolgte mit der mittlerweile schon vielköpfigen Familie die Flucht in den Westen. Noch im gleichen Jahr gab es erste Kontakte zum Deutschen Wetterdienst in Essen und Düsseldorf. 1961 begann Franz Rolofs seine Meteorologentätigkeit an der Flugwetterwarte Düsseldorf. Er arbeitete dort im wissenschaftlichen Betriebsdienst der Flugwetterberatung bis 1968. 
      Im gleichen Jahr konnte er sich einen Lebenstraum erfüllen. Er ging als Entwicklungshelfer nach Jamaika. Aus anfangs geplanten drei Monaten wurden drei Jahre. Seine Familie folgte ihm nach kurzer Zeit. In diesen für ihn wohl sehr glücklichen und erfüllten Jahren baute er im Rahmen eines Projektes für die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, einer Entwicklungshilfeorganisation des Bundes, maßgeblich den Wetterdienst in seinem Gastland auf.
     Im August 1971 endete diese Zeit, Franz Rolofs kehrte nach Deutschland und zum DWD zurück. Im Wetteramt Essen war er anfangs als Meteorologe in der Wettervorhersage und später als Leiter dieses Dezernates tätig; im November 1974 wurde er zum Regierungsdirektor ernannt. Kurz darauf wechselte in die Leitung des im Um- und Ausbau befindlichen Klimadezernates. In dieser Zeit erfuhr der Klimadienst eine wesentliche Weiterung: neues Arbeitsgebiet wurde im Zuge des wachsenden Umweltbewusstseins in der Gesellschaft der meteorologische Umweltschutz.
     Franz Rolofs gehörte zu einer Generation von Meteorologen, die sich mit der gesetzlichen Pensionierungsgrenze von 65 Jahren schwer taten. Zwar ging er 1986 mit Erreichen der Altersgrenze in den Ruhestand, er arbeitete aber im Rahmen eines Gutachtenprojektes noch neun Monate als Projektangestellter in seinem alten Wirkungs-kreis. 
     Als sein Nachfolger im Amt habe ich Franz Rolofs in den Zeiten gemeinsamen Arbeitens als honorigen Menschen und Kollegen kennen und schätzen gelernt.

Ulrich Otte, Essen

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Stand: 18. Dezember 2002, Webimplementierung: A. Spekat