Mitteilungen der DMG

Heft 4/2002 (Auszüge)


Schwerpunktthema: NEUES ZUM THEMA UMWELT UND KLIMA, EUROPAWEIT

Titelbild: Messfeld der Säkularstation Potsdam.

Süring-Stiftung
Lange Zeitreihen der Säkularstation Potsdam

Die meteorologischen Beobachtungen an der Säkularstation Potsdam stellen für die Klimaforschung ein einmalig umfassendes, vollständiges und qualitativ hochwertiges Datenmaterial dar. Die Säkularstation nimmt wegen ihres Datenumfangs und ihrer Homogenität eine weltweit einzigartige Stellung als Klimareferenzstation ein. Zur Absicherung der zukünftigen Messungen und Beobachtungen soll die Reinhardt-Süring-Stiftung dienen. Zur Bereitstellung des Gründungskapitals führt die DMG eine  Spendenaktion zur Stiftungsgründung durch. (Fortsetzung des Textes)

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Inhaltsverzeichnis (durch Anklicken eines Artikels kommen Sie direkt dorthin)
Editorial - der Neue stellt sich vor
My way - oder: alles bleibt anders
Alle Wetter!
Hydrometeorologische Untersuchungen zu Aspekten von Klimaveränderungen
Klimaänderungen in Frankreich im 20. Jahrhundert
Süring-Stiftung: Lange Zeitreihen der Säkularstation Potsdam
Der dritte Sachstandsbericht zum Klimawandel
EU-Programm für saubere Luft
Themenzentrum "Luft und Klimaänderung" der Europäischen Umweltagentur
FAGEM Tätigkeitsbericht 2001/2002
Bericht über die Arbeit des Fachausschusses Umweltmeteorologie
Ergänzung zum Ergebnis der Vorstandswahl
Die EMS wächst, blüht und gedeiht
EMS Education Workshop
Ausbildungsgang Führungskräfte im Umweltschutz
Meteorologie, Klimatologie, Klimaforschung
Wetterpatenschaft


Editorial - der Neue stellt sich vor

Im Sommer letzten Jahres haben Sie mich zum Vorsitzenden der DMG gewählt. Da vermutlich nicht alle Mitglieder mich kennen, möchte ich mich Ihnen kurz vorzustellen. Seit 1996 leite ich am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Klimasystemabteilung und lehre seit September letzten Jahres Klimaphysik am Institut für Physik der Universität Potsdam. Zurzeit bin ich für die Zeit der Beurlaubung des Gründungsdirektors, Professor Schellnhuber, amtierender Direktor des PIK. Der Weg zum Gipfel des Telegrafenberges in Potsdam - was selbstverständlich rein geografisch zu verstehen ist - führte mich skalenaufwärts von den Turbulenzspektren der bodennahen Luftschicht (Promotion, Universität Hamburg) über die Mesoskala-Meteorologie (Forschungszentrum Geesthacht) bis zur globalen Klimamodellierung (Max-Planck-Institut für Meteorologie) und der Theoretischen Klimatologie, die ich von 1996 bis 2002 auch in der Lehre an der FU-Berlin vertreten habe.
     Ein Vortrag über Vegetationsmodelle von Professor Prentice vor gut 10 Jahren war für mich ein gewisses Schlüsselerlebnis, da ich mir die Frage stellte, ob sich nicht Klimamodelle und Vegetationsmodelle miteinander koppeln lassen, so dass die geografische Verteilung der Vegetationszonen und gar die Dynamik der Vegetationszonen realistisch beschrieben werden. Nur wenige Wissenschaftler hatten sich mit diesem Problem beschäftigt, da Klimamodellierung im Allgemeinen noch als ein Geschäft der Atmosphäre-Ozean-Modelle betrachtet wurde. (Demnächst erscheint ein interessantes Promet-Heft zu diesem Themenbereich!) 
     Das Studium der Vegetationsdynamik führt wegen der zu betrachtenden langen Zeitskalen unweigerlich in die Paläoklimatologie und die Paläoklimatologie ist nun wegen der zurzeit noch geringen, aber stetig wachsenden Datenfülle ein großartiger Tummelplatz für Klimamodellierer. Allein für die Erklärung der Glazial-Interglazialzyklen finden sich in der Literatur ein gutes Dutzend sich widersprechender Theorien! Die Paläoklimatologie ist allerdings nicht nur von akademischem Interesse. In Anbetracht der gegenwärtigen Probleme des Globalen Wandels benötigen wir die Paläoklimatologie zum einen, um unser Verständnis der Klimadynamik zu vertiefen, und zum anderen, um die Modelle, mit denen mögliche künftige Klimaentwicklungen studiert werden, so weit es geht zu validieren.
     Verschiedene Vorsitzende der DMG haben verschiedene Akzente gesetzt. Meinen bisherigen Äußerungen werden Sie unschwer entnommen haben können, dass mir die Klimasystemmodellierung und die Paläoklimamodellierung - oder allgemeiner: das Studium des natürlichen Erdsystems - am Herzen liegt. Forschungspolitisch halte ich es für außerordentlich wichtig, die verschiedenen Gruppen, die sich mit dem Paläoklima und dem gegenwärtigen Klima befassen, zusammenzuführen. Das Deutsche Klimaforschungsprogramm des BMBF (siehe www.deklim.de) hat bereits eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit von Paläoklimatologen und Klimamodellierern mit sich gebracht, ebenso die Nähe des PIKs zum GeoForschungszentrum und zur Potsdamer Dependance des  Alfred-Wegner-Instituts. Daher wird auch die nächste Deutsche Klimatagung (6.DKT) im September 2003 als gemeinsame Veranstaltung dieser Institute auf dem Telegrafenberg in Potsdam stattfinden und dem Thema Klimavariabilität (auf Zeitskalen bis zu 100.000 Jahren) gewidmet sein (nähere Informationen dazu wird es auf unserer Internetseite www.met.fu-berlin.de/dmg/dmg_home/6DKT/ geben).
     Nun besteht die Meteorologie nicht allein aus Klimaforschung, auch wenn sich dies in den späten 80'er und 90'er Jahre so anhörte. Daher werden während meiner Amtszeit auch die folgenden Punkte auf der Tagesordnung der DMG stehen: 

  • Der Erhalt langer Messreihen ist eines der Sorgenkinder der Meteorologie und Klimatologie (siehe www.klima-potsdam.de).
  • Die Meteorologie oder allgemeiner: die Atmosphärenforschung scheint bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft nicht mehr auf der Prioritätenliste zu stehen. Hier bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung, z.B. der Abfassung einer Denkschrift für die DFG. Erste Schritte wurden bereits unternommen, insbesondere von Professor Heintzenberg und Professor Tetzlaff.
  • Obwohl die DMG eine Organisation ist, die sich der Förderung der Meteorologie als Wissenschaft verschrieben hat, sollten wir uns der Diskussion zwischen DWD und den privaten Wetterdiensten nicht verschließen. Der Zweigverein Berlin-Brandenburg wird zu diesem Thema bereits am 20. Januar 2003 eine Veranstaltung durchführen (siehe Internetseite des ZVBB zum Thema Tagungen).
  • Die Förderung europäischer Kooperation führe ich der Vollständigkeit an. Sie ist ja dank des bewundernswerten Engagements unseres nunmehr stellvertretenden Vorsitzenden, Professor Wehry, und unseres jetzigen Schriftführers und Sekretärs der EMS (European Meteorological Society), Arne Spekat, in guten Händen.
  • Last, but not least müssen wir die Attraktivität der DMG steigern. Das neue Layout der DMG-Mitteilungen, die eigene Meteorologische Zeitschrift sowie die unter Professor Wehry so erfolgreich begonnene Förderung meteorologischer Information für Öffentlichkeit und Bildung, vor allem an Schulen sind ein erfolgreicher Anfang. Allerdings sollten wir es schaffen, dass Kolleginnen und Kollegen, die noch nicht in der DMG sind, in Erklärungsnöte geraten und nicht umgekehrt wir unseren Nichtmitgliedern erklären müssen, warum es sinnvoll ist, der DMG beizutreten. Mit dem neuen Vorstand und insbesondere mit unserer neuen DMG-Sekretärin, Frau Schnee, aber natürlich auch mit Ihrer tatkräftigen Mitarbeit bin ich überzeugt, in den nächsten drei Jahren einen guten Schritt voranzukommen.
Martin Claußen

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My Way - oder: alles bleibt anders

Mit dem neuen Jahr, das schon ein paar Tage alt sein wird, wenn dieses Heft der Mitteilungen gedruckt ist, wird sich sekretariell bei der DMG eine ganze Menge tun. Viel mehr Wandel ist kaum denkbar, denn sowohl der Standort Berlin wird in Zukunft der alleinige sein, als auch die Besetzung des Sekretariats wird sich ändern. Und dennoch geht all dies in sanfter Kontinuität über die Bühne. Seit dem 1. Januar 2003 ist - bitte jetzt einen Tusch - meine Nachfolgerin, Frau Marion Schnee, Inhaberin des Sekretariatsleitungspostens. Auch wenn das Rechtschreibkorrekturprogramm die Worte Nachfolgerin und Inhaberin bekrittelt (also so was!), wir freuen uns außerordentlich, jemanden mit Schwung und Praxis und Ausstrahlung zur Nachfolge und Inhabe gewonnen zu haben. Einen Text zum besseren Kennenlernen finden Sie gleich nach diesem Beitrag.
     Da das Mikrofon gerade auf mich gerichtet ist, werde ich ein paar persönliche Worte hineinsagen. Im Jahr 1999 begann auch für mich ein spannender Werdegangsabschnitt, denn keinesfalls hatte ich pfeilgerade und 15 Berufsjahre lang exakt diese Position angepeilt. Das wäre auch nicht sonderlich sinnvoll gewesen, denn sie wurde ja erst in jenem Jahr erschaffen. Für diese Schaffenskraft und -tat danke ich der DMG, ganz aufrichtig. Einigermaßen zwanglos arrangierte sich dann im selben Jahr noch ein Dreigestirn aus Aufgaben, denn die DMG-Sekretariatsleitung war mit der Schriftleitung der Meteorologischen Zeitschrift verwoben und in die Helix wurde dann außerdem noch das Sekretariat der frisch gegründeten Europäischen Meteorologischen Gesellschaft hineinverwickelt. An anderer Stelle hatte ich Ihnen bereits dargelegt, dass dieses Gemisch gute Zündkraft hatte, aber im Laufe der Zeit eben doch, bei aller achsoschönen Synergie, entflochten werden musste. 
     Die DMG habe ich als einen Verband im Wandel kennengelernt. Demografischen Entwicklungen galt es durch Attraktivitätssteigerung entgegenzuwirken. Eine Webpräsenz galt es zu entwickeln. Die wissenschaftlichen Publikationsaktivitäten galt es, auf ein international ansehnliches Niveau zu befördern. Nicht allüberall wurde mit voller Kraft in das gleiche Horn getutet, z.B. was die Einrichtung eines hauptamtlichen Sekretariats betraf - Indiz eines gut ausgeprägten Pluralismus und Korrektiv, damit Bäume nur tendenziell himmelwärts wachsen. Nicht allüberall fand die Schwermut vermeidende Art des Herren Sekretärs auf Anhieb Anklang. Nicht jedes erdachte und gedruckte Wort fand ein offenes Ohr. Aber, bitte verstehen Sie, das ist ja auch gar nicht Sinn der Übung. Allem (beinahe) ungeachtet entfährt mir ein non, je ne regrette rien - wahlweise auch ein unüberhörbares I did it my way.
     Mit Beginn des Jahres 2003 wird diese Stimme nicht verstummen, den Beweis lesen Sie gerade, sie kommt jedoch aus einer etwas anderen Kehle; als Sekretär der European Meteorological Society, als Schriftführer der DMG und Mitherausgeber der Mitteilungen werde ich zwar keine Kosten, aber vielleicht doch weiterhin Mühen verursachen. Meiner Nachfolgerin wünsche ich, dass ihr in etwa die selbe Dosis Offenheit entgegengebracht wird wie mir. Verlassen Sie sich darauf: Auch sie wird her way praktizieren...

Arne Spekat
as@zedat.fu-berlin.de

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Alle Wetter!

Der Name ist Schnee, Marion Schnee. Ich werde ab Januar 2003 das wissenschaftliche Sekretariat von Arne Spekat übernehmen. Und wenn die DMG weiter ihren listigen Plan verfolgt, für jedes Wetterphänomen einen Mitarbeiter entsprechenden Namens zu beschäftigen, werden wir nicht nur bald die größte wissenschaftliche Interessenvertretung des Landes sein, sondern sicherlich auch die mit dem aufmerksamkeitsstärksten und gleichermaßen subtilsten Branding.
     Aber ganz im ernst - Sie ahnen sicherlich, dass gute Öffentlichkeitsarbeit ganz so einfach nicht ist und auch ganz so teuer nicht sein muss. Jedenfalls wird das ein Kernbereich meiner zukünftigen Aufgaben sein. Darüber hinaus werde ich für die herausgeberische Betreuung der DMG-Mitteilungen sowie der Meteorologischen Zeitschrift und - das liegt mir besonders am Herzen - als Ihr Ansprechpartner innerhalb der DMG fungieren.
     Kurz zu meiner Person: Als Diplom-Bibliothekarin (Fachrichtung wissenschaftliche Bibliotheken) sowie durch ein zweites Studium der Geowissenschaften und meine Tätigkeit beim Deutschen Bibliotheksinstitut verfüge ich über reichhaltige Erfahrungen im wissenschaftlichen Umfeld. Die nachfolgenden 10 Jahre, meine "Wanderjahre", habe ich in der so genannten freien Wirtschaft verbracht. Die Stationen und Branchen waren jede in ihrem Umfeld spannend - von Architekturbüro über Werbeagentur, Onlineservice, Musikverlag und -vertrieb bis zum Designbüro. Die Tätigkeitsschwerpunkte umfassten Marketing und PR, Finanzen, Informationsgewinnung und Aufbereitung, sowie Projektplanung -und koordination. Zuletzt war ich als Bereichsleiterin Marketing in einem mittelständischen Software-Unternehmen beschäftigt.
     Ein Auge für Details wie auch für das ganze Bild, sowie ein Blick für Neues, Ungewöhnliches war mir jobübergreifend immer eine gleichermaßen sinnvolle Fertigkeit wie Haltung. Das zieht sich wohl ebenso durch meine Hobbys- privat beschäftige ich mich nämlich mit Fotografie und Kinematografie. Außerdem habe ich großes Interesse an fernen Ländern und fremden Kulturen - so viel angewandte Geowissenschaft muss sein.
     Nachdem die DMG sich jetzt also für mich als wissenschaftliche Sekretärin entschieden hat, schließt sich so mit dem Weg in den Wasser-/Wetterturm in Berlin-Steglitz ein Kreis. Basierend auf der Summe meiner vielfältigen Erfahrungen erwarte ich dort in meinem neuen Tätigkeitsfeld  zusätzliche Akzente setzen zu können und wünsche mir darüber hinaus, möglichst viele von Ihnen recht bald auch persönlich kennenzulernen.
     Einigen von Ihnen wird die Berliner Aktion der Patenschaftsübernahme für Druckgebilde bekannt sein, wobei ein Hoch teurer als ein Tief ist. Inwiefern dies widerspiegelt, wo "mehr passiert", darüber lässt sich trefflich streiten. Ich freue mich jedenfalls, bei der DMG hereingeschneit zu sein, um sicherzustellen, dass auch zukünftig immer "etwas passiert".

Marion Schnee
dmg@met.fu-berlin.de

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SCHWERPUNKT: Neues zum Thema Umwelt und Klima, europaweit

Hydrometeorologische Untersuchungen zu Aspekten von Klimaveränderungen

Nach den Feststellungen im "Third Assessment Report - Climate Change 2001" des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) wird für die nächsten 100 Jahre mit einer Erhöhung der mittleren globalen Lufttemperatur um 1,4 bis 5,8 K gerechnet. Eine solche signifikante globale "Klimaveränderung" hat auch spürbare Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, da ein Temperaturanstieg allgemein zu einer Intensivierung des hydrologischen Kreislaufs führt. Die Folgen sind: Erhöhte Verdunstungs- und Niederschlagsraten. Für die Wasserwirtschaft können sich signifikante und regional unterschiedliche Veränderungen der mittleren Größen sowie Veränderungen im Schwankungs- und Extremverhalten ergeben. Betroffen davon wären Gewässerabflüsse (NW, MW, HW) in Größe und Häufigkeit, der Bodenwasserhaushalt und die Grundwasserneubildung. Untersuchungen über die Variabilität der hydrometeorologischen Größen für verschiedene Zeit- und Raumbereiche sowie die Aufdeckung eventueller systematischer Trends sind daher von wasserwirtschaftlichem Interesse.
Aus diesem Grunde wurde von der ATV-DVWK-Arbeitsgruppe HW-1.1 "Niederschlag" angeregt, im Rahmen des Projektes "Hydrometeorologische Untersuchungen zum Problem der Klimaveränderungen" (HUK) eine Analyse des Langzeitverhaltens hydometeorologischer Größen im Auftrag der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) in Angriff zu nehmen. Die Untersuchungen wurden auf der Basis einer umfangreichen Datengrundlage und unter Einsatz verschiedener statistischer Methoden (Zeitreihenanalyse) sowie bewährter hydrometeorologischer Modelle und Verfahren im Deutschen Wetterdienst/Geschäftsfeld Hydrometeorologie durchgeführt.
Das Gesamtziel des Projektes bestand in der Gewinnung und Bereitstellung detaillierter und regional differenzierter Informationen über das Langzeitverhalten hydrometeorologischer Größen und Parameter, insbesondere über deren Variabilität und die Aufdeckung systematischer Veränderungen (Trends). Die umfangreichen Ergebnisse der Untersuchungen liegen in vier Teilberichten (1) vor.
     Im Interesse der Wasserwirtschaft galt es zu untersuchen, ob die sich global abzeichnende Klimaveränderung an den hydrometeorologischen Grundgrößen Niederschlag einschließlich Schneedecke und Verdunstung in Deutschland feststellbar sind. In dem Beitrag werden Ergebnisse der statistischen Zeitreihenanalyse dieser Größen für Beobachtungsstationen mitgeteilt, für die lange Messreihen verfügbar sind und die die niederschlags- und verdunstungsklimatischen Bedingungen in einem großen Teil Deutschlands repräsentieren. Im Langzeit- und Trendverhalten ergaben sich jahreszeitlich differenzierte Bilder und markante Unterschiede zwischen den Stationen in der maritim beeinflussten Klimaregion sowie dem Süden einerseits und den östlich gelegenen Stationen im Übergang zum kontinental geprägten Klima. So zeigten die Jahreswerte der Niederschlagshöhe im Zeitraum 1891 bis 1997 in Hamburg, Karlsruhe und München einen positiven linearen Trend, in Potsdam und Bamberg keine tendenzielle Veränderung. In der jahreszeitlichen Verteilung ist an allen Stationen eine Zunahme der Winterniederschläge festzustellen. Der Trend der Anzahl der Tage mit geringem Niederschlag  N < 3,0 mm/Tag) ist - außer in Karlsruhe - signifikant negativ, während die Anzahl der Tage mit über 3 mm Niederschlagshöhe praktisch unverändert bleibt und keinen Trend aufweist. Die Schneedeckendauer (Zahl der Tage mit Schneedecke) hat, von Ausnahmen abgesehen, flächendeckend abgenommen. Besonders betroffen sind davon die tieferen Lagen. Die generalisierte Aussage hinsichtlich sommerlicher Starkniederschläge von weniger als einer Stunde lautet: Im untersuchten 40-jährigen Zeitabschnitt (1951-1990) gab es insgesamt sowohl geringfügige, sowie negative als auch positive, Abweichungen zu den KOSTRA-Auswertungen (1951-1980), die aber in jedem Fall nicht signifikant sind. Die potenzielle Verdunstung und die Verdunstungsverluste von Gewässerflächen zeigen an fast allen untersuchten Stationen (außer Karlsruhe) eine signifikante Zunahme der Jahreswerte mit dem Schwerpunkt des Anstiegs im Sommerhalbjahr.

Auszug aus einem Artikel von Th. Günther und V. Stalmann
KA Wasserwirtschaft, Abwasser, Abfall 7/2002

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Klimaänderungen in Frankreich im 20. Jahrhundert

Der Artikel von J. M. Moisselin et al. in "La Métérologie", August 2002, beschäftigt sich mit Untersuchungen zu langzeithomogenisierten Daten der Temperatur und des Niederschlags. Die Erfassung langzeitiger Datenreihen hat in Frankreich eine lange Tradition.


     Seit 1994 ist ein Forschungsschwerpunkt von Météo-France die Erhaltung und Homogenisierung langer klimatologischer Zeitreihen. Dieses erlaubt die Rekonstruktion homogener monatlicher Temperaturen  (minimale und maximale) (70 Stationen) und des Niederschlags (226 Stationen) in Frankreich im 20. Jahrhundert. 
     Der positive Trend der mittleren Temperaturen  ist für Frankreich signifikant größer, als derjenige, der vom IPCC für die gesamte Erde festgestellt wurde. Regionale Besonderheiten zeigen sich in einer markanten Anhebung des nächtlichen Minimums im Westen und in einem Nord- Südgefälle der Erhöhung der Maximumtemperatur. Damit einher geht eine markante Abnahme der täglichen Temperaturamplitude im Nordwesten und im Südosten Frankreichs. Der Trockenheitsindex zeigt eine schwachpositive Tendenz mit Ausnahme des südlichen Frankreich. Der Niederschlag zeigt regional keine einheitlichen Tendenzen, aber generell einen Anstieg, insbesondere in einem Streifen von de l'Ariège bis in der Pariser Raum einen  signifikanten Anstieg. 
     Im Heft 5/2002 von La Météorologie ist ein weiterer Artikel (Chr. Dreveton) zur Anzahl der Stürme über Frankreich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts enthalten.  Es zeigt sich in der betrachteten Periode keine Tendenz zur Zunahme der Sturmanzahl. 

S. Theunert, Wittlich
dmg-archiv@t-online.de

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Süring-Stiftung: Lange Zeitreihen der Säkularstation Potsdam

Die Bedeutung langjähriger Zeitreihen wurde durch die beiden Artikel zuvor verdeutlicht. Die meteorologischen Beobachtungen an  der Säkularstation Potsdam stellen für die Klimaforschung ein einmalig umfassendes, vollständiges und qualitativ hochwertiges Datenmaterial dar. Die Säkularstation nimmt wegen ihres Datenumfangs und ihrer Homogenität eine weltweit einmalige Stellung als Klimareferenzstation ein. Der Deutsche Wetterdienst sieht sich nicht in der Lage, die Potsdamer Station im bisherigen Umfang weiterzuführen. Zur Absicherung der zukünftigen Messungen und Beobachtungen  soll die Reinhardt-Süring-Stiftung dienen. Zur Bereitstellung des Gründungskapitals wird um Beteiligung an der Spendenaktion zur Stiftungsgründung gebeten. Dabei ist jede Spende willkommen. Das Spendensonderkonto wird geführt bei der Dresdner Bank AG, Filiale Elmshorn,  Konto: 07 133 066 00, BLZ: 221 800 00 Kontobez.: DMG e.V., Süring-Stiftung. 
     Die Spende ist steuerlich absetzbar. Jeder Spender erhält eine Spendenbescheinigung. 

S. Theunert, Wittlich
dmg-archiv@t-online.de

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Der dritte Sachstandsbericht zum Klimawandel

In seinem umfangreichen dritten Bericht stellt das IPCC den gesamten derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Ursachen, Auswirkungen und Handlungsoptionen zum globalen Klimawandel zusammen. Damit legen die Autoren für die internationalen Verhandlungen eine solide wissenschaftliche Grundlage. Die Berichtsentwürfe wurden von Experten und Regierungsvertretern kritisch geprüft. Das UBA war maßgeblich  daran beteiligt.
      Die Arbeitsgruppe I stellte fest, dass sich unser Klima in den letzten zwei Jahrhunderten wesentlich verändert hat. Während des 20. Jahrhunderts stieg die global gemittelte Temperatur um etwa 0,6 °C (mit einer Unsicherheit von +/- 0,2 °C). Dies ist die stärkste Temperaturerhöhung während der letzten 1000 Jahre auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts waren weltweit das wärmste Jahrzehnt (sieben der zehn wärmsten Jahre traten hier auf), und 1998 war das wärmste Jahr in diesem Zeitraum. Der Meeresspiegel erhöhte sich im vergangenen Jahrhundert um 10 bis 20 Zentimeter. Die Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre haben sich infolge menschlicher Aktivitäten weiter erhöht und erreichen für Kohlendioxid und Methan Werte, die seit 420.000 Jahren einzigartig sind.
     Untersuchungen zu den Ursachen der beobachteten Klimaänderungen, die sowohl den gestiegenen Treibhausgasausstoß als auch Änderungen der Sonnenaktivität und des Vulkanismus einschlossen, führten zu der klaren Schlussfolgerung: Neue und robustere Befunde zeigen, dass der größte Teil der in den letzten 50 Jahren beobachteten Erwärmung menschlichen Aktivitäten zuzuordnen ist.
     Die Klimamodelle berechnen für ein sehr breites Spektrum an Emissionsszenarien eine Zunahme der Temperatur um 1,4 bis 5,8 °C und eine Erhöhung des Meeresspiegels um 10 bis 90 cm bis zum Jahre 2100. Die Geschwindigkeit der Klimaänderung seit dem Ende der letzten Eiszeit wäre damit einmalig und ohne Analogie für die zivilisierte Menschheit.

Aus: UBA, Jahresbericht 2001 

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EU-Programm für saubere Luft

Die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission hat über ihr neues Luftreinhalteprogramm "Clean Air for Europe" (CAFE) informiert. Ziel dieses, in das 6. Umweltaktionsprogramm der EU eingebetteten Programms ist es, eine langfristige Politik zum Schutz vor schädlichen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt insgesamt zu entwickeln. Die Strategie soll in regelmäßigen Abständen - gedacht ist an einen Fünf-Jahres-Rhythmus - überarbeitet und aktualisiert werden.
     Weitere Informationen sind im Internet unter der Adresse http://www.europa.eu.int/comm/environment/policy_de.htm#b verfügbar. 

Aus: UBA, Jahresbericht 2001 

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Themenzentrum "Luft und Klimaänderung" der Europäischen Umweltagentur

Seit 2001 ist das Umweltbundesamt, Berlin, Partner im neu gegründeten Europäischen Themenzentrum (ETC) "Luft und Klimaänderung" der europäischen Umweltagentur (EEA). Das Themenzentrum wird vom Reichsinstitut für Volksgesundheit und Umweltschutz der Niederlande (RIVM), Bilthoven, geleitet. Das UBA leitet die Untergruppe "Klimaänderung".
     Das ETC hat die EU-Kommission  hauptsächlich bei den Arbeiten unterstützt, die sich aus den internationalen Klimakonferenzen in Bonn und Marrakesch ergaben.
     Eine der Aufgabe war es Indikatoren für Klimawirkungen zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit den Partnern RIVM und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung  (PIK)  hat das UBA auf der Basis von Fragebögen, Literatur und Interviews eine umfassende Liste von Klimawirkungsindikatoren zusammengestellt. Diese Liste wurde bei einem internationalen Expertentreffen in Kopenhagen (www.etc-acc.eionet.eu.int) diskutiert. Der aktualisierte Kernsatz der Indikatoren soll im Jahre 2003 veröffentlicht werden.
     Themenbericht der EEA, Bezugsquelle: EEA, Kongens Nytorv 6, DK-1050 Kopenhagen. Der Bericht ist auch im Internet unter der Adresse www.eea.eu.int verfügbar.

Aus: UBA, Jahresbericht 2001 

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FAGEM Tätigkeitsbericht 2001/2002

Der FAGEM führte verschiedene Fachtagungen durch oder beteiligte sich an Veranstaltungen. 
     Während der DACH-MT2001 in Wien hat der Fachausschuß eine Sitzung mit fünf Vorträgen zum Thema "Institutionalisierung der Meteorologie seit 1847" durchgeführt. 
     Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung zum hundertjährigen Bestehen der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik organisierte er eine gemeinschaftliche Sitzung über "Anfänge, Kontinuität und Umbrüche in der Meteorologie, Meeresforschung und Meeresnutzung" in Hamburg am 29. September 2001 und war mit drei vortragenden Mitgliedern vertreten.
     Zur 20. Internationalen Guericke Tagung unter dem Thema "Vakuum Mensch" in Magdeburg wurde die Vorsitzende des FAGEM eingeladen, einen Vortrag über die instrumentelle Meteorologie zu Otto von Guerickes Zeit zu halten.
     Weiterhin trug am 28.03.2002 Professor James R. Fleming, Präsident der International Commission on History of Meterology auf Einladung des FAGEM und mit finanzieller Unterstützung durch das DLR Oberpfaffenhofen und den DMG ZV München bei der DLR über  "Historical Perspectives on Climate Change: From the Enlightment to Global Warming" vor. Der Vortrag wurde von Mitgliedern der DMG aus dem Münchener Raum, Angehörigen des DLR und Vertretern der Münchener Rückversicherung sehr gut besucht. 
     Die Bezold-Sammlung, ein Findbuch für biographische Angaben deutschsprachiger Meteorologen/Innen, ist nun über die Homepage des FAGEM im Internet abrufbar.
     Eine Bibliographie mit Veröffentlichungen der FAGEM-Mitglieder zu historischen Themen ist auf der Homepage des FAGEM eingerichtet worden und wird laufend ergänzt.
     Die FAGEM-Tagung 2002 fand vom 26.-27.09.2002 unter dem Titel "Internationale meteorologische Kooperation und Projekte" in Leipzig statt. Am 28.09.2002 schloß sich eine Besichtigung des Observatorium auf dem Collm an.

Cornelia Lüdecke, FAGEM
c.luedecke@lrz.uni-muenchen.de

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Bericht über die Arbeit des Fachausschusses Umweltmeteorologie

Der Vorsitzende des Fachausschusses ist derzeit Prof. Dr. Wilhelm Kuttler, Universität Essen, sein Stellvertreter Dr. Ulrich Reuter, Landeshauptstadt Stuttgart. Die Zahl der Mitglieder (Stand August 2002) beträgt  71.
     Der Berichtszeitraum beginnt mit der Wahl des neuen Vorsitzenden des Fachausschusses Umweltmeteorologie (UMET) im Januar 2002 und erstreckt sich bis August 2002. Während des o.g. Zeitraums wurden zwei Sitzungen des FA durchgeführt, über deren wichtigste Ergebnisse nachfolgend berichtet wird.
     Es wurde die Publikation eines Promet-Heftes zur Umweltmeteorologie (Moderator: Reuter) mit Erscheinungstermin Anfang 2003 vorbereitet.  Folgende Themen werden behandelt: Historische Entwicklung (Helbig), Messmethodik (Kuttler), Modelle (Kerschgens oder Groß), Gerüche (Richter, Röckle, Kost), Anwendungen/Bewertungen (Baumüller/Reuter), Ausblick (Mayer, Matzarakis).
     Die AG "Qualitätssicherung" wurde neu eingerichtet. Mitglieder sind Mayer, Bächlin, Katzschner, Reuter. Ziel ist es, unter Orientierung an der Qualitätssicherung "Wettervorhersage" ein vergleichbares Papier zur UMET zu erstellen.
     Die Notwendigkeit der Anfertigung einer neuen VDI-Richtlinie zum Thema (Arbeitstitel) "Methodik von Untersuchungen zum planungsrelevanten Stadtklima" diskutiert.
     METTOOLS V soll vom. 06.-08. Oktober 2003 an der Universität Essen stattfinden. Zur Vorbereitung der Tagung wurde ein Tagungskomitee zusammengestellt, das den Vorsitzenden bei der Vorbereitung unterstützen soll. 
     METTOOLS V wird zusammen mit der KRdL im VDI und DIN (Kommission Reinhaltung der Luft) durchgeführt, da der VDI ebenfalls eine Tagung zur Umweltmeteorologie im Jahre 2003 geplant hatte.

Wilhelm Kuttler
w.kuttler@uni-essen.de

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Ergänzung zum Ergebnis der Vorstandswahl

Heft 3/2002 der Mitteilungen DMG, S. 5: Die beiden Kassenprüfer der DMG sind Dipl. Met. Günter Heise und Dr. Stefan Bakan. Ihre Stellvertreter sind Dipl. Met. Horst Günther und Dipl. Met. Wolfgang Seifert sind, wobei keine konkrete Zuordnung Kassenprüfer/Stellvertreter existiert.

Arne Spekat
as@zedat.fu-berlin.de

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Die EMS wächst, blüht und gedeiht

Und das zu jeder Jahreszeit. Hoffentlich bewahren diese Worte ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie aus der Tastatur des EMS-Sekretärs geflossen kommen. Wir haben in der Tat ein ereignisreiches Jahr hinter uns, auch aus EMS-Sicht. Weitere Mitglieder und Unterstützer konnten gewonnen werden, so dass wir von nun an 29 Gesellschaften in 24 Ländern Europas (Dänemark und Bulgarien eingeschlossen, die sich jüngst um die Aufnahme in die EMS beworben haben) umfassen und 18 Assoziierte Mitglieder haben werden. 
     Nachdem die EMS mehrere Komitees begründet hatte, die sich der Dinge annehmen, die einzelne Mitgliedsgesellschaften nicht oder nicht so erfolgversprechend in Angriff nehmen können, haben diese Komitees ihre Arbeit aufgenommen. Bei der Gebirgsmeteorologietagung, die im Sommer 2002 in Utah stattfand, wurden die ersten Student Travel Awards der EMS an fünf europäische Teilnehmer verliehen. Es gab einen Auftaktworkshop des Education Committee im November 2002 in Brüssel - siehe nachfolgender Kurzbericht. Im November 2002 gab es auch ein Vorstandstreffen der EMS, eine EMS-Mitgliederversammlung und das 2nd Annual Meeting of the EMS. Letzteres fand in Verbindung mit der 4th European Conference on Applied Climatology (ECAC) in Brüssel statt. Es war ein zweitägiges Symposium mit hochkarätigen Vortragenden aus dem Bereich von Klimamodellierung und der Schnittebene von Klimatologie und Ökonomie. Und wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst.
     2002 war auch das Jahr einer Stabübergabe, denn die auf drei Jahre festgesetzte Amtszeit des seit der Gründung 1999 amtierenden EMS-Präsidenten, René Morin, ging zu Ende. Ein Visionär mit Esprit und Weisheit. Seine Nachfolge tritt ein weiteres EMS-Urgestein mit Vitalität und Umsicht an: Prof. Wehry, bis 2002 Vorsitzender der DMG und ab 2003 stellvertretender Vorsitzender. Gleichviel, aus dieser Quelle meinen herzlichsten Glückwunsch und auf gute Zusammenarbeit.

Arne Spekat
ems-sec@met.fu-berlin.de

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EMS Education Workshop

Ein rundes Dutzend Experten aus dem Bereich Meteorologie/Bildung und aus 10 europäischen Ländern trafen sich am 16. November 2002 in Brüssel zu einem Workshop des EMS Education Committees. Es galt, kurz-, mittel- und langfristige Ziele zu erörtern sowie die Aktivitäten des neugegründeten Komitees zu fokussieren. Die Leitung hatte der Vorsitzenden des EMS Education Commitee, Jon Wieringa aus Wageningen. Für die DMG nahmen Christian Zick und Werner Wehry teil. Ich selbst trug einen Hut mit DMG- und EMS-Beschriftung.

Teilnehmer des Workshops des EMS Education Committees am 16. November 2002 in Brüssel. Vorn: Nicholas Prezerakos (Griechenland), Jon Wieringa (Niederlande), Carola Sundius (Finnland), Kees Floor (Niederlande). Mitte: Christian Zick (Deutschland), Agueda Benito Capa (Spanien), Marina Grcic (Kroatien), Ross Reynolds (Großbritannien), Vincent Pircher (Frankreich). Hinten: Pal Kirkeby Hansen (Norwegen), Arne Spekat (Europa) und Tomas Halenka (Tschechien).
 

     Ein zentrales Anliegen des Komitees ist, sich über Ländergrenzen hinweg der Schulbildung anzunehmen. Eine norditalienische Stadt mit schiefem Turm hatte sich 2002 zur Namenspatronin, bzw. Akronymlieferantin einer reichhaltig diskutierten Studie ins Gespräch gebracht. Ein besseres Verständnis des Wetters und der Umwelt generell - wem sage ich das? - ist natürlich per se schon wünschenswert. Wir sehen darüber hinaus die Möglichkeit, Meteorologie auch als didaktisches Vehikel, sozusagen, für das Vermitteln physikalischer Vorgänge und naturwissenschaftlicher Methoden zu nutzen. Just im Jahre 2003 findet in Madrid die alle vier Jahre abgehaltene "Education Weather Ocean, Climate"(EWOC) - Conference statt, auf der sich auch viele Experten aus dem Schul-Naturwissenschaftsbereich treffen. Für diese Tagung wird das EMS Education Committee etliche Beiträge erarbeiten.
     Eine weitere, sehr wichtige Aktivität des Komitees wird die Aktualisierung des European Catalog of Training Opportunities in Meteorology (ECTOM) sein. ECTOM besteht aus zwei Teilen: einer europaweiten Bestandsaufnahme des Meteorologieangebots in verschiedenen Schulzweigen und einer Übersicht zu den Meteorologie-Studiengängen in verschiedenen Ländern. Sie wurde erstmalig 1997 von Gérard de Moor (Météo France) zusammengestellt, für den Teilbereich Schulen (europaweit) sowie Deutschland von Werner Wehry, und wird nun von der EMS weitergepflegt. Als Ihr EMS-Sekretär werde ich an dieser Stelle auch über die weitere Entwicklung und die Aktivitäten der anderen EMS-Komitees berichten.

Arne Spekat
ems-sec@met.fu-berlin.de

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Ausbildungsgang Führungskräfte im Umweltschutz

1. Einleitung
Seit über fünf Jahrzehnten werden in der Bundesrepublik Deutschland für den höheren technischen Verwaltungsdienst in zahlreichen Fachrichtungen Vorbereitungsdienste, die mit der Abnahme der Großen Staatsprüfung enden, angeboten.
     Die Einrichtung von staatlichen und kommunalen Umweltverwaltungen führte zu Einstellungen von Absolventen naturwissenschaftlicher und anderer technischer Studiengänge. Zudem machte die Zusammenlegung des Immissionsschutzes mit der Wasser- und Abfallwirtschaft zu einer staatlichen Umweltverwaltung in einigen Bundesländern Überlegungen zur Neuordnung der Ausbildungen für den gehobenen wie auch den höheren technischen Vorbereitungsdienst notwendig.

2. Zielvorgabe für eine neue Ausbildung im höheren Verwaltungsdienst
Für die Lösung der Aufgaben in der Staatlichen Umweltverwaltung wird technisches, naturwissenschaftliches und rechtliches Wissen benötigt. Das technische und naturwissenschaftliche Wissen ist den Referendaren bereits während ihres Studiums an den Hochschulen vermittelt worden. 
     Die Vorbereitungszeit soll sie für eine Übernahme von Aufgaben vorrangig in der Staatlichen Umweltverwaltung, aber auch in anderen Institutionen, im kommunalen Bereich und in der Wirtschaft qualifizieren. Dazu gehört die Vermittlung der über die Hochschulausbildung hinausgehenden notwendigen Kenntnisse über die Aufgaben der Staatlichen Umweltverwaltung, die Anwendung von Rechts- und Verwaltungsvorschriften und die Methoden zur Sicherstellung einer effektiven und wirtschaftlichen Verwaltung. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen die medienübergreifenden Aufgaben aus den Bereichen Immissionsschutz, Wasser- und Abfallwirtschaft sowie Bodenschutz. Des Weiteren sollen die Referendarinnen und Referendare den Anforderungen gewachsen sein, die ihnen Verwaltungsabläufe der Umweltverwaltung stellen, und die Lösungen der Aufgaben mit eigener Initiative angehen.
     Von großer Bedeutung sind die praktischen Ausbildungsabschnitte in den Dienststellen (Staatliche Umweltämter, Bezirksregierungen, Landesumweltämter) und Wahlstationen (z.B. Kommunen, Unternehmungen): In diesen Ausbildungsabschnitten soll ein Überblick über die Aufgaben, die Tätigkeiten, die Arbeitsweisen und die Funktionsweisen der einzelnen Einrichtungen geboten werden, wobei die praktische Mitarbeit im Vordergrund stehen wird.
     Diese Zielvorgaben sind in einem Arbeitskreis des Kuratoriums für das Oberprüfungsamt eingehend erörtert worden. Vorgabe seitens des Oberprüfungsamtes war die Einhaltung  der altbewährten Prüfungsabläufe bis hin zur mündlichen  Prüfung. Die Einbeziehung moderner prüfungsdidaktischer und pädagogischer Erkenntnisse musste daher zukünftigen Erörterungen vorbehalten bleiben.
     Das Kuratorium des Oberprüfungsamtes hat am 3. Juni 1996 den Abschlussbericht des Arbeitskreises zustimmend zur Kenntnis genommen und seinen Mitgliedsverwaltungen empfohlen, die Inhalte in Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen umzusetzen. Gleichzeitig wurde die Einrichtung der Abteilung IX "Umwelttechnik / Umweltschutz" beim Oberprüfungsamt beschlossen. 
 
3. Neue Inhalte und Strukturen
Einstellungsvoraussetzungen:
Voraussetzung ist  ein wissenschaftliches Studium mit einer Regelstudienzeit von mindestens acht Fachsemestern an einer Technischen Hochschule / Universität oder einer Gesamthochschule mit gleichwertigem wissenschaftlichen Studiengang mit einer Überprüfung. Für das Umweltreferendariat sind folgende Studiengänge geeignet:
Bauingenieurwesen, Biochemie, Biologie, Chemie, Chemietechnik, Elektrotechnik, Geologie, Hüttenwesen, Maschinenbau, Physik, Umweltschutz, Verfahrenstechnik. Die Einstellungsbehörde kann überdies weitere geeignete Studiengänge anerkennen.
     Das Ausbildungsprofil für dieses Referendariat spiegelt das derzeitige medienübergreifende Aufgabenspektrum der Staatlichen Umweltverwaltung wieder.

Gliederung und Ausbildung: 
Die Ausbildung dauert zwei Jahre, sie umfasst auch die häusliche Prüfungsarbeit. Der häuslichen Prüfungsarbeit schließen sich der schriftliche und der mündliche Teil der Großen Staatsprüfung unmittelbar an; die schriftlichen Arbeiten unter Aufsicht können schon während der Ausbildung angefertigt werden. Die große Staatsprüfung soll innerhalb von zwei Monaten nach Abschluss der Ausbildung durchgeführt sein. Die Ausbildung gliedert sich in fünf Abschnitte:

  • § I (13 Wochen): Grundlagen und Grundsätze der  allgemeinen und fachbezogenen Rechts- und Verwaltungsvorschriften, fachübergreifende Zielsetzungen und Strategien zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen,
  • § II (10 Wochen): Leistungsaufgaben und Wirtschaftlichkeit
  • § III (11 Wochen): Vertiefung fachbezogener Rechts- und Verwaltungsvorschriften,  fachgebietsbezogene Zielsetzungen und Strategien zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen
  • § IV (39 Wochen):  Information und praktische Mitarbeit bei einem Staatlichen Umweltamt und einem Landesumweltamt
  • § V (19 Wochen): Hospitation bei Kommunen, privaten Überwachungseinrichtungen oder Unternehmen, Bezirksregierung,  Anfertigung der häuslichen Prüfungsarbeit.
Die Ausbildung wird durch Lehrgänge und Seminare ergänzt, insbesondere für die Prüfungsfächer "Allgemeine Rechts- und Verwaltungsgrundlagen" sowie "Leitungsaufgaben und Wirtschaftlichkeit".
     Bei der Ausbildung in einem Staatlichen Umweltamt steht die praktische Mitarbeit im Vordergrund. Es geht darum, am Beispiel einzelner unterschiedlicher Fälle die Rechtsgrundlagen und die notwendigen Handlungsmöglichkeiten konkret kennen zu lernen und eigenständig Bescheide, Ordnungsverfügungen und ähnliche behördliche Verwaltungsakte zu erarbeiten und einen Überblick über das Zusammenwirken der beteiligten Behörden zu gewinnen.
     Zum Kennenlernen des Verwaltungshandelns ist es wichtig, an Außenterminen, z.B. Abnahme und Überwachung von Anlagen, Probenahmen, Orts-, Anhörungs- und Gerichtstermine,  wahrzunehmen und an deren Vor- und Nachbereitung mitzuwirken
     Der sechswöchige Ausbildungsabschnitt im Landesumweltamt beginnt mit der Einführung in die Organisation, die Aufgaben und Tätigkeiten des Landesumweltamtes. Im Rahmen der Ausbildung sollten die Referendarinnen und Referendare die Erstellung von Gutachten kennen lernen, an Messungen und Untersuchungen teilnehmen.
     Ziel der Hospitation bei Kommunen, privaten Überwachungseinrichtungen, Unternehmen (Wahlstationen), ist es, dass die Referendarinnen und Referendare Umweltaufgaben und den Aufbau der Organisation kennen lernen. 
     Die Bezirksregierungen sind in der Regel Genehmigungsbehörden für Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz, für die eine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist, sowie für  Bewilligungen, Erlaubnisse und Verfahren zum Gewässerausbau nach dem Wasserhaushaltsgesetz  u.a..  

4. Ausblick
Das Jahr 2002 gilt als Startjahr für das neue Umweltreferendariat. Im Land Nordrhein-Westfalen sind zum 1. April sieben Umweltreferendarinnen und -referendare unterschiedlicher Studienrichtungen eingestellt worden. Das Land Hessen eröffnete zum 1. Oktober 2002 diese neue Ausbildungsmöglichkeit. Andere Bundesländer - Sachsen Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg - werden vermutlich in absehbarer Zeit folgen.
     Die Initiatoren des neuen Ausbildungsganges für den höheren technischen Verwaltungsdienst in Umweltverwaltungen sowie die mit der Durchführung und Abnahme der Prüfungen befassten Einrichtungen sind übereinstimmend der Auffassung, dass jüngeren Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, die ihr bisher erworbenes technisches und naturwissenschaftliches Wissen um Kenntnisse und Fähigkeiten im Verwaltungs- und Umweltrecht sowie Verwaltungsmanagement erweitern wollen, mit der Ableistung des Umweltreferendariats ein hervorragendes Training zur Übernahme von Führungsaufgaben  in der staatlichen  wie auch kommunalen Umweltverwaltung , Verbänden, Ingenieurbüros und bauausführenden Firmen angeboten wird.

A. Spillner und H.-W. Breuer,
in KA Wasserw. Abwasser, Abfall, 11/2002

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Meteorologie, Klimatologie, Klimaforschung

Die folgenden Betrachtungen mögen manchem Leser vielleicht überflüssig vorkommen, da sie für seine Praxis wenig bedeuten. Diese Meinung vertritt sicher vor allem jemand, der in einem größeren meteorologischen Institut oder beim DWD tätig ist. Anders jedoch, wenn ein Meteorologe als "Einzelkämpfer" an einer nichtmeteorologischen Einrichtung arbeitet und deshalb ständigen Kontakt z. B. mit  Chemikern, Hygienikern, Raumplanern, Forst- oder Landwirtschaftswissenschaftlern o. a. hat. Dann werden das Vorhandensein seiner Stelle, seine Aufgaben und Leistungsbewertung usw. - sogar z. B. bis zur Nomenklatur einer meteorologischen  Professur - von Nichtmeteorologen bestimmt und beurteilt. Terminologische Fragen erhalten dann schnell Gewicht. 
     Als ich im Jahre 1953 das Meteorologie-Studium aufnahm, erfuhren wir Studienanfänger in der ersten meteorologischen Vorlesung, dass die Klimatologie ein Teilgebiet der Meteorologie ist, also zweckmäßiger Weise Meteorologie und Klimatologie nicht als auf gleicher Stufe stehende Begriffe gebraucht würden.
Der Sachverhalt läßt sich schematisch vereinfacht darstellen: 

Meteorologie (oder neuerdings gelegentlich: Atmosphärische Wissenschaften)

  • Allgemeine Meteorologie (ohne Bezug auf einen bestimmten Zeitraum) 
  • Wetterkunde einschließlich Wetterprognostik (Kurzfrist-Bezug) 
  • Klimatologie einschließlich Klima der Vergangenheit und Klimaprognostik (Langfrist-Bezug)
  • Angewandte Meteorologie 
In älteren Lehrbüchern wurden dagegen manchmal - als zweite Zuordnungsvariante -  Meteorologie und Klimatologie auf eine Stufe nebeneinander gestellt. Es erscheint aber unzweckmäßig und eher verwirrend, wenn für so eine einfache und übersichtliche Gegenstandsdefinition wie "Wissenschaft von der Atmosphäre" zwei parallele Fachgebiete benötigt würden. Die in diesen Lehrbüchern genannten Abgrenzungen zwischen den Parallelbegriffen Meteorologie und Klimatologie erschienen mir immer gekünstelt, wortreich und letztlich nicht überzeugend. Es gibt zudem viele Themen, die für beide Gebiete gleich wichtig sind, z. B. der Tagesgang der meteorologischen Elemente, thermische und lokale Winde usw. Teilweise wurde die Meteorologie im Vergleich zur Klimatologie als physiknäher aufgefasst. Dabei beruht das Klima genauso auf physikalischen (und z. T. chemischen) Gesetzmäßigkeiten wie kurzfristige Prozesse, und langfristige Wärme- sowie Wasserhaushaltsbilanzen sind sogar leichter aufstellbar als kurzfristige. Der Gegensatz des Klimas im Vergleich zum Wetter lässt sich poetisch sehr schön mit dem Wort "Das Bleibende in der Erscheinungen Flucht" charakterisieren. 
     Die Notwendigkeit der Klimaprognose durch Meteorologen wird nicht dadurch eingeschränkt, dass zunächst Zuarbeit anderer Fächer über die Prognose des CO2-Gehalts der Atmosphäre u. a. notwendig ist. Die Klimatologie ist zugleich ein Zweig der Physischen Geographie, für die naturgemäß mehr die langfristigen als die kurzfristigen Aspekte Gewicht besitzen. 
     Auch für die zweite, ungünstigere Zuordnungs-Variante wird neuerdings manchmal der Oberbegriff "Atmosphärische Wissenschaften" verwendet:
Atmosphärische Wissenschaften
  • Meteorologie 
  • Klimatologie
Dabei wird aber nichts gewonnen, denn die fragwürdige Gegenüberstellung Meteorologie - Klimatologie bleibt bestehen. Entsprechend fragwürdig erscheinen dann Buchtitel oder Institutsnamen in Form von "Meteorologie und Klimatologie" (vgl.: "Obst und Äpfel"). In den letzten Jahren gibt es sogar - für mich überraschend und wohl vom Ausland ausgehend - verstärkt rückläufige Tendenzen, wieder auf diese an sich seltener gewordene ungünstigere Auffassung von Meteorologie und Klimatologie als auf gleicher Stufe stehenden Wissenschaften zurückzugreifen. 
     Bei Übernahme von Begriffen vom Ausland ist die Gefahr groß, dass diese Übernahme nicht Ergebnis eines Denkprozesses ist, sondern völlig unbewusst erfolgt, vielleicht als Ausdruck eines Minderwertigkeitsgefühls, erstens allgemein der Deutschen, zweitens speziell der Meteorologen. Dies soll selbstverständlich nicht heißen, dass jede Übernahme aus dem Ausland negativ zu werten wäre. (Eine ähnliche Problematik besteht z. B. allgemein in den Naturwissenschaften bei der völlig unkritischen und unbewussten Übernahme mancher englischer Fachtermini, nach dem Motto "Was aus den USA kommt, muss gut sein".) 
     Eine Kompromisslösung zwischen der günstigeren und der ungünstigeren Grundvariante soll erwähnt werden: Man könnte die Meteorologie (im engeren Sinne) als Nebenbegriff zur Klimatologie von der Meteorologie (im weiteren Sinne) als Oberbegriff für Meteorologie (im engeren Sinne) und Klimatologie auffassen.- Als Beispiel sei W. Köppen in seinem Buch "Grundriss der Klimakunde" genannt: "Die Klimakunde oder Klimatologie ist ein Zweig der Meteorologie im weiteren Sinne". Es gälte also:
Meteorologie im weiteren Sinne 
  • Meteorologie im engeren Sinne
  • Klimatologie
Jedoch bleibt ein solcher Kompromiss schon wegen der mit ihm verbundenen  Doppeldeutigkeit des Begriffs Meteorologie unbefriedigend. Ähnlich unbefriedigend ist es z. B., wenn für Regen (im engeren Sinne) und Schauer der Oberbegriff Regen (im weiteren Sinne) verwendet wird. 
     Auch nach 50 Jahren erscheint mir insgesamt die Unterordnung der Klimatologie unter die Meteorologie genauso überzeugend wie damals. Es besteht für mich kein Grund, von diesem Sprachgebrauch abzugehen.  Die meteorologischen Dienste (und nicht: meteorologische und klimatologische  Dienste) besitzen Klimaabteilungen. Es existiert eine Internationale Gesellschaft für Biometeorologie (also nicht für Bioklimatologie), die sich selbstverständlich auch für die langfristigen, d. h. spezifisch bioklimatischen Fragen zuständig fühlt. Nach wie vor gibt es den Diplom-Meteorologen. 
     Die gelegentlich gebrauchte Bezeichnung "Dynamische Meteorologie" als Gegensatz zur Klimatologie eignet sich nicht, weil auch das Klima den dynamischen Gesetzen gehorcht. Die Meteorologie erschöpft sich auch nicht in "Physik der Atmosphäre". Die Meteorologie benötigt die Physik als wichtigste Hilfswissenschaft, aber sie geht nicht in ihr auf. Die Physik der Atmosphäre zieht sich quer durch die gesamte Meteorologie und ihre Untergebiete. Ähnliches gilt für die Chemie. Der Satz "Aus Stickstoffdioxid entsteht photochemisch Ozon" ist - da eine chemische Umwandlung erfolgt - zu 100 % und ohne jeden Abstrich Chemie. Zugleich ist dieser Satz - da der Prozess in der Atmosphäre erfolgt - zu 100 % und ohne jeden Abstrich Meteorologie. Entgegentreten muss man aber dem Anspruch mancher Atmosphärenchemiker, die Spurenstoffe ganz aus der Meteorologie herauszulösen und für die Chemie zu beschlagnahmen. Konsequenter Weise würde dann auch die Luftfeuchte als Stoff  "Wasser" aus der Meteorologie herauszulösen sein! 
     Seit einigen Jahren gewinnt der Modebegriff "Klimaforschung" immer mehr an Raum. Er hat sich auffällig schnell auch in Kreisen außerhalb der Meteorologie bzw. in der Öffentlichkeit eingebürgert. Aber brauchen wir wirklich neben der Klimatologie eine Klimaforschung? Offenbar nicht! Schließlich braucht die Biologie keineswegs eine zusätzliche Bioforschung, die Geologie und Geographie keine extra  Geoforschung. Sinnvoll wäre der Begriff Klimaforschung, wenn eine Gegenüberstellung der Forschungsarbeit zu klimatologischer Routinearbeit (Datenverarbeitung usw.) gemeint wäre. Aber so wird der Begriff im Sprachgebrauch tatsächlich eben nicht aufgefasst. 
     Gemeint ist im Begriff Klimaforschung eigentlich der Spezialaspekt Klimaentwicklungs- bzw. Klimaänderungsforschung oder auch Klimaprognostik. Dies sind sinnvolle Bezeichnungen. Mit der üblichen Auffassung des Begriffs "Klimaforschung" wird eine abwertende Abgrenzung z. B. zur regionalen Klimatologie hergestellt. Forschungsarbeit zum regionalen Klima eines Gebietes ist dann keine Klimaforschung, auch wenn komplizierte  Modelle für die Berechnung schwer messbarer Größen und schwer erfassbarer Prozesse (z. B. Föhn), aufwändige Interpolationsverfahren bei der Konstruktion von Isolinien auf Karten entwickelt und detaillierte Niederschlagskorrekturen berechnet werden! Der Einwand, Klimaforschung im Sinne von Klimaprognostik benötige ja auch den Gegenwartszustand des Klimas und untersuche ihn, trifft den Kern der Sache nicht. Erstens bleibt dann Klimatologie der Gegenwart kein selbständiges Forschungsziel. Zweitens muss regionale und lokale Klimatologie räumlich differenzierter vorgehen, als es für die Aufgabe der Klimaprognose notwendig wäre. Beispiele sind vor allem für die angewandte Klimatologie wichtige Klimaunterschiede, etwa zwischen Waldlichtung und Wald oder zwischen den vier Seiten eines Bauwerks. 
     Analog zur "Klimaforschung" gilt ferner: Der gelegentlich verwendete Begriff "Klimafolgeforschung" bedeutet eigentlich "Klimaänderungsfolgeforschung" bzw. "Klimaentwicklungsfolgeforschung". 
     Die leider üblich gewordene Auffassung des Begriffs Klimaforschung muss also bedauert werden! (Bewusst überspitzt und etwas boshaft ausgedrückt könnte man sagen: je sinnloser ein neuer Begriff ist, um so schneller bürgert er sich ein). Neuerdings wird bei der oben besprochenen weniger günstigen Zuordnungsvariante gelegentlich der Meteorologie nur noch die Klimaforschung gegenübergestellt und die Klimatologie verschwindet als Bezeichnung völlig. Dies stellt zweifellos erst recht keine glückliche Tendenz dar.
     Allerdings könnte es sein, dass z. B. ein Institut den Namen "Institut für Meteorologie und Klimaforschung" unabhängig von Sachgründen bevorzugt, weil der hohe Bekanntheitsgrad des Begriffs "Klimaforschung" zu mehr Geldmitteln verhilft, als wenn es nur "Institut für Meteorologie" hieße. Dann bleibt nichts anderes übrig, als sich seufzend abzuwenden! Vielleicht soll auch der Modebegriff "Klimaforschung" den Meteorologen zu mehr Selbstvertrauen verhelfen?
     Zum Verhältnis von Meteorologie und Physik vgl. Meteor. Rdsch. 19 (1966) S. 83-85, zu weiteren Problemen der Klimatologie Mitt. DMG 2/95, zu gegenwärtigen Fehlentwicklungen in der Meteorologie Mitt. DMG 1/97, zum Wetterbegriff Mitt. DMG 4/2001.
 
G. Flemming 
Dorfhainer Str. 6
01189 Dresden

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Wetterpatenschaft

Seit 1954 ist das Meteorologische  Institut der FU Berlin für die Vergabe der Namen der Hoch- und Tiefdruckgebiete zuständig. Diese Namen, d.h. Vornamen, werden häufig von Wetterdiensten und Medien übernommen. 
     Studierende der FU Berlin haben nun die Idee einer Wetterpatenschaft entwickelt, d.h. die Namen  gegen Bezahlung reserviert.  Die Einnahmen dienen einem guten Zecken, ausschließlich zur Aufrechterhaltung der Wetter- und Klimabeobachtung am  Institut für Meteorologie. Die langjährige Reihe der Beobachtungen der Station Berlin-Dahlem wird hiermit weitergeführt. 
     Die Patenschaft wird durch eine Urkunde und eine entsprechende Wetterkarte dokumentiert. 
Dieses Projekt der Berliner Studenten hat auch eine große Medienwirksamkeit erfahren, Zeitschriftenartikel  und Radiobeiträge sorgten für die entsprechende Verbreitung. Viele Namen sind schon vergeben, die noch freien Namen können unter www.met.fu-berlin.de/wetterpate  eingesehen werden.

S. Theunert, Wittlich
dmg-archiv@t-online.de

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Stand: 26. Februar 2002, Webimplementierung: A. Spekat