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Publikationen

Meteorologischer Kalender 2006

 

Titel

Gewitterwolke mit Mammatus und Regenbogen, 30. Juni 2001, Nähe Mora, Siljan See, Schweden
Foto: Hanjo Steinborn

Eindrucksvoll zieht über der flachen Landschaft ein Gewitter ostwärts ab. Die bis in Höhen um 10 km aufreichende Wolke ist von der tief stehenden Sonne beschienen und erscheint brillant weiß, während die tieferen dahinter liegenden Wolken gänzlich dunkel erscheinen. Im Bereich des Regenbogens fällt in weißlichen Schlieren Niederschlag herab, der auch der Anlass für den Regenbogen ist. In der Mitte des Bildes hängen beutelförmige Wolken herab (Fachausdruck: Mammati), die darauf hindeuten, dass in diesem Randbereich der Gewitterwolke starke Abwinde herrschen, die stark unterkühlte Wassertröpfchen (um -20°C) nach unten bewegen und die dabei verdunsten. Dadurch entsteht in diesem Bereich der gut ausgeprägte Rand der Wolke.

 

 

 

Januar

Eisfjord bei Ilulissat (Jakobshavn), Grönland, 12./13.7.2002
Foto: Wolfgang Kötsche

Die tief stehende Mitternachtssonne bescheint die massive Eiswand in Nordwest-Grönland bei Danmarkshavn, das auf 68°41' Breite liegt und taucht sie in freundliches, weiches Licht. Die Luft ist im Bereich einer sommerlichen Hochdruckzone ruhig, es ist nahezu windstill. In 3 Meter Höhe wurde eine Temperatur von +2°C gemessen. Der Kontrast zu dem rot leuchtenden Fischerboot ist hinreißend. Boot und Eisberg spiegeln sich zudem im Wasser und ergeben somit ein einmaliges Schauspiel der sonst so abweisenden eisigen Natur.

 

 

Februar

Leewolken über Kiruna, Schweden, 1.3.2003
Foto:
Peter Loës

Das Foto entstand am 1. März 2003 kurz nach Sonnenuntergang an der knapp nördlich des Polarkreises liegenden "Arena Arctica" (Kiruna Airport) während einer meteorologischen Beobachtungs-Kampagne. Zu dieser Zeit steigt die Sonne dort zwar schon fast 10 Stunden lang über den Horizont, jedoch noch nicht sehr hoch, und die Dämmerungszeit ist deshalb auch relativ lang. An diesem Tag lag ein umfangreiches Hochdruckgebiet über Nordeuropa, wobei die Temperatur in Kiruna nachts noch auf Werte zwischen -10 und -15°C sank, während sie am Tage bereits bis nahe 0°C stieg. Eine schwache nordwestliche Strömung wehte in allen Schichten der Troposphäre über dem Flugplatz. Daher bildeten sich in Lee der norwegischen Gebirge zwar nur schwach ausgeprägte, jedoch von den letzten Sonnenstrahlen beleuchtete Föhnwolken. In ihrer Struktur ist an den massiveren und meist noch von unten beleuchteten Stellen der aufsteigende und Wolken bildende Luftstrom, an den dünneren - meist schon im Schatten liegenden - Stellen die absinkende Luft annehmen.

 

 

 

März

Schauerwolken bei Ushuaia, Feuerland, Argentinien, 25.12.2003
Foto:
Martin Alt

Ungewöhnlich ruhig ist das Wasser am geschützt liegenden Hafen von Ushuaia (54° 48'S/ 68° 19' W), der zum Meer hin durch den Beagle-Kanal, einem breiten Meeresarm, verbunden ist. In dem sich nur wenig kräuselnden Wasser spiegeln sich dunkle Wolkentürme, die nach links, nach Osten "verwehen". Diese Wolken verdecken auch die meist schneebedeckten Berge, die unmittelbar südwestlich (im Bild rechts) der Stadt beginnen. Am diesem Tag liegt - wie auch häufig sonst im Süd-Sommer - ein Tief südlich der Südspitze von Süd-Amerika. Dieses Tief hat für Feuerland westlichen Wind zur Folge, der in den unteren Luftschichten durch die Berge jedoch stark abgeschwächt wird. Daher wachsen die Schauerwolken über der Umgebung der Stadt zunächst nahezu senkrecht auf, werden dann jedoch durch den starken Höhenwind ,,verweht".

 

 

April

Regenbogen über Synagogen-Kuppel, Berlin, April 1997
Foto: Hannelore Quandt

Spektakulär leuchtet ein Regenbogen neben der von der tief stehenden Abendsonne erhellten Kuppel der Berliner Synagoge. Dahinter ist - etwas dunkler - die Kuppel des Berliner Doms erkennbar. Vom Ort der Aufnahme aus geht der Blick nach Südosten in Richtung eines starken Regenschauers, wo sich durch vielfache Brechung und Reflexion an den Regentropfen der lichtstarke Regenbogen zeigt, der jedoch wegen des starken Regens verschwimmt und insgesamt etwas unscharf erscheint. Ähnlich hell strahlt die von der Sonne beschienene und noch vom Regen nasse vergoldete Kuppel.

 

 

 

Mai

 

Cirrus-Aufzug über Mitteldeutschland, 25.5.1997, Nähe Weimar, Thüringen

Foto: Stefan Kämpfe

Ein schöner, ruhiger Frühsommertag bringt viel Sonnenschein, aber auch den Aufzug hoher Cirrus- (Schleier-) Wolken, die in 8 bis 10 Kilometer Höhe von Westen heran ziehen. Sie zeigen an, dass dort erhebliche Windgeschwindigkeit (mehr als 100 km/h) herrscht. Die lang gezogenen Wolkenfäden bestehen aus Eiskristallen, die langsam herabfallen. Dabei ziehen die höheren Wolken - in ca. 10 Kilometer Höhe - viel schneller als die in tiefere Luftschichten fallenden Kristalle, die demnach zurückbleiben und diese Wolkenformation bilden. - Der Kontrast zwischen weißen Wolken, blauem Himmel und einem gelb blühenden Rapsfeld sowie einem braunen, offenbar kurz zuvor bearbeiteten Feld gibt dem Bild einen typischen mitteldeutschen ländlichen Eindruck.

 

 

Juni

Böenwalze eines Unwetters, Ahaus, Nähe niederländische Grenze, 17.7.2004
Foto:

René Agneau

Außerordentlich drohend und für eine Wolke ungewohnt bizarr nähert sich von Westen eine sehr starke Gewitter-Böenwalze. Sie zeigt die typischen parallelen übereinander geschichteten Wolkenwalzen, die durch starke vertikale Bewegungen verursacht werden. Es kann angenommen werden, dass in einer derartigen Unwetterwolke Aufwindbereiche von 25 bis 30 m/s (um 100 km/h) existieren, während ähnlich hohe Absink-Bewegungen an ihrem Rande auftreten, die diese scharf begrenzten geschichteten Wolken erzeugen. Über dem gesamten Himmel breitet sich in diesem Foto bereits der in der Höhe herauslaufende Amboss aus, der bis weit über 10 km Höhe reichende vereiste Teil der Wolke, der auch in diesem Fall noch sehr mächtig ist und daher dunkel erscheint. - Die Gewitter entstanden im Übergangsgebiet zwischen feuchter aus dem Azoren-Raum stammender Luft und etwas trockenerer, jedoch erheblich wärmerer Subtropikluft aus dem Mittelmeergebiet. Die an diesem Tag in vielen Gebieten West- und Mitteldeutschlands auftretenden Gewitter brachten verbreitet Böen der Stärke 10 bis 11, allerdings nur vereinzelt (so in Göttingen 35 Liter Regen pro Quadratmeter) Starkregen

 

 

Juli

Föhnwolke über La Palma, Kanaren, 23. Mai 1996
Foto: Antje Dieckmann

Der Blick zum Himmel brachte an jenem Tag den Bewohnern und Besuchern von La Palma, einer der Kanarischen Inseln, ein spektakuläres Schauspiel: Über die Berge hinweg breitete sich diese mehrfach geschichtete Föhn-Wolke nach Westen aus, die jedoch während längerer Zeit an nahezu derselben Stelle fest zu stehen schien. Typischerweise weht während einer solchen Wettersituation starker Wind über die Berge hinweg, wobei sich bei konstanten Windverhältnissen in Lee eine so genannte Stehende Welle bildet, die je nach Windgeschwindigkeit und Höhe des Berges zwischen maximalem Aufsteigen und Absinken Entfernungen zwischen 15 bis 30 km aufweist. Direkt in der Nähe des Berges herrscht das stärkste Aufsteigen, und dort wird auch die Luft gehoben, wobei sie sich abkühlt. Wenn feuchtere Schichten in verschiedenen Höhen existieren, kondensiert dort die Feuchte zu Wolken, die sich oftmals wie Teller übereinander schichten. An den Rändern der Wolke sinkt die Luft wieder ab, und dort zerfasern sie und sehen deshalb oft auch unscharf aus.

 

 

August

Blitze über Bad Tölz (südl. von München), 20.6.2000
Foto:

Franz X. Kohlhauf

Während einer Hitzewelle in Mitteleuropa stieg in Deutschland am 20.6.2000 die Temperatur allgemein über 30°C, in München wurde 31 bis 32°C gemessen, in Sachsen bis zu 37°C. Dabei blieb es nahezu wolkenlos, nur örtlich entstanden in Nordostdeutschland am Nachmittag sowie in Alpennähe in den Abendstunden Gewitter, die aber nur vereinzelt Niederschlag brachten. Auch das mit seinen zahlreichen Blitzen dokumentierte Gewitter bei Bad Tölz brachte kaum Regen, weiter westlich wurde im Allgäu maximal 8 Liter pro Quadratmeter gemessen, während es am Ort der Aufnahme nahezu trocken blieb. Auf diesem Foto ist die hoch liegende Wolkenuntergrenze (vermutlich mehr als 1000 Meter über Grund) erkennbar, so dass die zahlreichen Blitze sehr gut sichtbar sind. Sie verzweigen sich stark, was typisch für Wolkenblitze ist. Im linken Teil des Bildes gibt es aber auch Wolke-Boden-Blitze, die an der relativ glatten Blitzbahn erkennbar sind

 

 

September

Gewitter-Walze über dem Onen-See, Finnland, Juni 2003,
Foto: Barbara Böhm

Ein starkes Gewitter zieht über den Onen-See in Finnland in Richtung des Standpunktes der Fotografin. Über dem relativ warmen Wasser besteht genügend Wärme- und Feuchtigkeits-Nachschub, so dass bei einem sommerlichen Kaltluftvorstoß aus der Arktis ausgeprägte Gewitter entstehen können. So lag die Wassertemperatur zu dieser relativ frühen Jahreszeit bei 15 bis 18°C, die Temperatur in 5 Kilometer Höhe bei -30°C. Eine Faustregel der Wettervorhersage ergibt, dass bei einem Temperaturunterschied von mehr als 40 Grad zwischen Erdoberfläche und 5 Kilometer Höhe mit starken Schauern und Gewittern zu rechnen ist. Charakteristisch ist der leicht zerfaserte Böenkragen, der von rechts her trotz dichter Bewölkung beleuchtet ist, während die hinter ihm liegende Wolke nahezu schwarz erscheint. Während aus der drohend heranziehenden Wolkenwalze, die vermutlich Sturmböen bringt, kein Niederschlag fällt, ist im linken hinteren Teil des Fotos deutlich der aus der eigentlichen Gewitterwolke herabstürzende Regenvorhang erkennbar.

 

 

Oktober

Castellanus-Wolken mit verdunstendem Niederschlag, Bochum, 6.8.2003
Foto: Peter Krämer

 

Der Sommer 2003 war in Mitteleuropa möglicherweise der heißeste seit dem Mittelalter. Anfang August wurde es vor allem in Frankreich und im westlichen Deutschland extrem warm mit Höchstwerten der Temperatur, die in Frankreich verbreitet 40°C überschritten, im westlichen Deutschland oftmals mehr als 35°C erreichten. So stieg an diesem Tag im Ruhrgebiet (Bochum) die Temperatur "nur" auf Werte um 32°C, während von Südwesten noch erheblich wärmere Luft heranwehte, die an diesem Tag z.B. am Oberrhein bis zu 37°C brachte. Diese heiße Luft erreichte nur in höheren Luftschichten oberhalb von etwa zwei Kilometer das Ruhrgebiet, zugleich wehte etwas feuchtere Luft heran. Dies bedeutete, dass sich einige Wolken bildeten, die jedoch nicht in größere Höhen aufsteigen konnten: Es entstanden so genannte Castellani = Türmchen-Wolken, die auf eine instabile Schichtung der Atmosphäre hinwiesen. Aus den Wolken fiel auch etwas Niederschlag ("Fallstreifen"), der jedoch in der darunter liegenden trockeneren Luft rasch verdunstete.

 

 

November

Gewitterwolke über Nord-Australien, 30.11.2004
Foto: Friedel Steinmüller

 

Aus einem in ca. 12 Kilometer Höhe fliegenden Flugzeug in der Nähe von Darwin/ Nord-Australien ist diese nahezu symmetrische Gewitterwolke fotografiert worden. Sie reicht deutlich höher hinauf, als es der Flughöhe entspricht, vermutlich bis 15 Kilometer - aber über dem Flugzeug selbst ist im obersten Teil des Bildes ein weiterer Gewitterschirm erfasst, der mindestens bis 16 Kilometer Höhe reicht. Dies sind typische tropische Gewitter, die in einer nahezu windstillen Atmosphäre nur sehr langsam ziehen. Dadurch werden sie kaum seitlich verweht und bekommen das symmetrische Aussehen. Entfernungen sind vom Flugzeug aus sehr schwer abschätzbar, man kann annehmen, dass diese in ihrem obersten ("Amboss") Teil vielleicht 50 Kilometer breite Wolke durchaus 100 Kilometer entfernt ist.


 

 

Dezember

Nordlicht über Rügen/Ostsee, 29.5.2003
Foto: Peter Krämer

Um Mitternacht vom 29. zum 30. Mai 2003 war der Himmel über der Insel Rügen/ Ostsee nahezu wolkenlos. Daher war das Nordlicht, das für diese relativ südliche geografische Breite ungewöhnlich farbenprächtig war, sehr gut zu beobachten. In typischen Streifen und Bändern bewegte sich verschiedenfarbiges Licht über den ganzen Himmel und bot ein seltenes Schauspiel. Nordlicht, auch Polarlicht oder Aurora borealis genannt, wird durch Korpuskularstrahlen hervorgerufen, die von der Sonne ausgehen, im erdmagnetischen Feld zu den Polen hin abgelenkt werden und die Luftmoleküle zum Leuchten anregen. Sie werden gewöhnlich zwischen 65 und 400 km Höhe beobachtet, bei erdmagnetischen Stürmen gelegentlich bis 1200 km Höhe. Hierbei entstehen die grünlichen Farben durch Anregung von Sauerstoffmolekülen in etwa 120 Kilometer Höhe, die rötlichen ebenfalls durch Sauerstoff-Moleküle, jedoch in Höhen um 200 Kilometer und die violetten durch Stickstoff-Moleküle, was hier gerade noch im oberen Bildteil der Fall sein kann.