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Publikationen

Meteorologischer Kalender 2009

 

Titel

Aufquellende Gewitterwolke bei Laupheim (nahe Ulm, Süddeutschland), 22.06.2007, abends.

Foto: Michael Adam

 

Der bisher strahlend blaue Sommertag hält nicht mehr, was er versprach. Der Himmel erscheint in diesem Bild eher dunkelblau. Das liegt daran, dass ein Polfilter zwischengeschaltet war, der die Farben stärker sättigt und die Kontraste erhöht. - In höheren Luftschichten ist etwas kältere und auch feuchtere Luft herangeweht. Der Temperaturunterschied zwischen Boden und etwa 5,5 Kilometer Höhe hat 40 Grad erreicht: Dies ist derjenige Wert, bei dem sich nicht nur kleine Schönwetter-Wolken bilden, sondern mächtige Gewitterwolken, in diesem Fall über der Schwäbischen Alb. Man kann erahnen, dass dieses Gewitter bereits eine eigene Zirkulation entwickelt hat, denn die am Rande erfassten Wolken scheinen in das Gewitter herein zu ziehen. Rechts im Bild (Mittelgrund) ist bereits ein glatter, also vereister Wolkenturm zu erkennen, aus dem es regnet. Daher ist darunter auch der Horizont hinter dem Ort dunkel.

 

 

 

 

Januar

Vom Watzmann zum Wetterstein: Blick aus etwa 10 km Höhe Richtung Westen, 11.Oktober 2007, 16:30 MESZ. Foto: Hans Volkert

Die Vorwärtsstreuung von Sonnenlicht an vielen Aerosolteilchen (feuchter Dunst) in Alpentälern lässt Gebirgsstöcke plastisch hervortreten. Das Dunstgebiet im Vordergrund liegt über dem Königssee, dahinter reihen sich etwas rechts der Bildmitte die Gebirgsstöcke von Watzmann, Hochkalter, Loferer Steinberge und Wilder Kaiser. Dahinter erkennt man deutlich das quer durch das Bild laufende breite Inntal. Ganz hinten in der Mitte ragt das Wettersteinmassiv mit der Zugspitze heraus. Links der Bildmitte liegen das Steinerne Meer, die Leoganger Steinberge und eine Abfolge von gut zehn Ketten bis zum Kellerjoch vor dem hellen Dunstgebiet über Innsbruck. Der Mittagsaufstieg der Radiosonde von München zeigte relative Feuchte über 75 % bis 1400 m (über NN) und darüber deutlich geringere Werte (unter 20 %). Der Blick geht aus dem Fenster eines Linienflugzeugs etwa 10 km östlich des Salzachtals.

 

 

Februar

Zwischen Castor und Pollux: Gornergrat (etwa 3200 m), 12.Oktober 2007, 13:39 MESZ.

Foto: Kurt Schibler

Gleißendes Licht, das durch die weißen Wolken und die Schneedecke verursacht wird, sowie Effekte von Schattenwürfen geben dieser hochalpinen Landschaft ein fast märchenhaftes Aussehen. Die Wolken sind zum Teil durchscheinend, und an ihren Rändern haben sich durch Strahlenbrechung an den gleichmäßig verteilten kleinen Eiskristallen einige farbige "irisierende" Teile entwickelt. Die Wolken sind durch Föhn entstanden, der von Osten her weht und der sie in Lee des Gebirges bei absteigender Luftbewegung auflöst. Die Gipfelnamen von links nach rechts: Liskamm (4447 m), Castor (4223 m), Pollux (4022 m), Roccia Nera (4075 m), anschließend der Grat in Richtung Breithorn.

 

 

März

"Ein Vogel kommt geflogen.", Blick von Izaña zum Teide, Teneriffa, Kanarische Inseln (Spanien), 18.November 2007.

Foto: Gerardo Ibelli Rodríguez

Mit einigen Freunden stieg ich auf die Teneriffa-Berge in der Hoffnung, einige entfernte Cumulonimbus-Wolken zu "jagen", weil sich eine Front den Kanarischen Inseln näherte. Wir waren jedoch enttäuscht, weil wir bei allgemein klarem Himmel keine Wolken sahen. Während der letzten Abend-Augenblicke, als wir nach Hause gingen, machten wir einen letzten Halt in Izaña. Die Überraschung war groß, als die letzten Sonnenstrahlen uns einige vereiste Wolken-Tops erkennen ließen, die zu sehr entfernten (mehr als 300 km) Gewittern gehörten. Wir machten davon einige Bilder und, gerade als wir weiter gehen wollten, zeigte einer der Kollegen über unsere Köpfe hinweg auf eine dünne und sich gerade entwickelnde Lenticularis-Wolke. Wir entschieden, einige Fotos davon zu machen, merkten jedoch sehr schnell, dass etwas sehr Spezielles und Ungewöhnliches geschah: Eine Lenticularis-Wolke, so seltsam wie wir sie nie zuvor gesehen hatten, sie entstand und wuchs über dem Teide-Vulkan in einer sehr großen Höhe, als wenn ein riesiger unsichtbarer Spiegel den Teide am Himmel reflektierte. Um diese großartige Show zu vollenden, begann die Sonne, bereits unter dem Horizont stehend, Farben und Schatten einer Wolke zu geben, die - wie wir sicher wussten - wir nie wieder sehen würden.

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April

Balance haltende hoch aufgetürmte Wolken, Blick vom Los Leones Pass zur Sierra de Guadarrama, Madrid (Spanien), 22.März 2007, 18:45 MEZ.

Foto: José Antonio Quirantes Calvo

Nach längerer Zeit erschienen einige interessante Lenticularis-Wolken über Madrid. Zuerst sah ich sie vom Flachdach des Wetterdienst-Gebäudes AEMET (= Agencia Estatal de Meteorología), wie sie gegen 15 Uhr über den Guadarrama-Bergen standen. Ich beschloss, zum Los Leones Pass zu fahren und von einem Standpunkt aus zu fotografieren, der von meinem normalen verschieden ist. Als ich dort ankam, lag die Temperatur bei -2°C. Das Foto zeigt den Blick nach Nordost. Weiter aufwärts, bei 1750 m Höhe, war der Wind mit etwa 70 km/h sehr stark, und die Temperatur lag bei -3,5°C, so dass es sehr schwierig wurde, Fotos zu machen. Außerdem verdeckten tiefe Wolken die Lenticularis-Wolken, als sie bei den letzten Sonnenstrahlen farbig wurden. - Wetterlage: Nordströmung über Spanien mit Wellenwolken in Lee der zentralen Sistema-Berge.

 

 

 

Mai

Graupelschauer über Dingle Bay im County Kerry in Südwestirland, 17.März 2007.

Foto: Hauke Steinberg

Vom Rossbeigh Hill sind der Strand von Rossbeigh (links) mit seiner starken Brandung und das Townland von Cromane (rechts) mit noch sehr ruhigem Wasser gut erkennbar. Einige Sonnenstrahlen beleuchten die vorgelagerte Halbinsel. Auch weiter rechts, also im Osten, ist ein Teil der Landschaft noch von der Sonne beschienen, was einen starken Kontrast zur dunklen Wolke ergibt. Darüber fällt als weißlicher Vorhang Graupel und Schnee herab. Wo der Niederschlag auf das ruhige Wasser fällt, ist ein etwas hellerer Streifen zu sehen. - Eine Kaltfront hat von Nordwesten her Irland erreicht, wobei in der kalten Luft, in der bereits in etwa 500 Meter Höhe die Temperatur unter 0°C sinkt, die kompakten Schauerwolken entstanden sind.

 

 

Juni

Phantastischer Abendhimmel, Sort Meteorologisches Observatorium, Lleida (Spanien), 17.Mai 2007, 20:25 MESZ.

Foto: Ramón Baylina Cabré

 

Wenn der Nordwind über die Pyrenäen bläst (diese Wetterlage wird in den Lleida-Pyrenäen "Situación puerto" genannt), bilden sich oft über der Lee-Seite, der "spanischen Seite" Lenticularis-Wolken. Derartiges geschah an diesem Mai-Tag 2007, als solche Wolken in verschiedenen übereinander liegenden Schichten entstanden. Diese Tatsache zusammen mit einer klaren Atmosphäre, in der keine tiefen Wolken oder andere Hindernisse die Sonnenstrahlen verdeckt haben, verlieh mit den letzten Sonnenstrahlen diesen Wolken die besonderen Farben und mir die Gelegenheit, dieses Bild vom Meteorologischen Observatorium Sort, das in 700 m Höhe liegt, aus zu fotografieren.

 

 

Juli

Gewitterwolke mit Amboss, Tübingen (SW-Deutschland), 8.Juni 2004, gegen 17 Uhr.

Foto: Daniel Schalberger

 

Dieses spektakuläre Wolken-Foto zeigt den Blick nach Nordosten, wo sich über der Schwäbischen Alb ein nahezu stationäres Gewitter gebildet hat. Fachlich wird eine solche bis in Höhen um 12 Kilometer aufreichende Wolke "Cumulonimbus capellatus incus" genannt (Cb cap inc) = "Gewitterwolke" (Cb), "langhaarig" (cap) mit "Amboss" (inc). - An diesem Tag lag ein umfangreiches Hochdruckgebiet über dem südlichen Mitteleuropa, in dessen Bereich die Temperatur fast überall auf Werte von 28 bis 30°C gestiegen war, selbst an der in 975 m Höhe liegenden Station Klippeneck am Rande der Schwäbischen Alb wurde ein Maximum von 26°C gemessen. Da gleichzeitig in höheren Luftschichten etwas kältere Luft herangeführt wurde, bildeten sich insbesondere am späten Nachmittag über den hoch gelegenen Gebieten Gewitter. Interessanterweise wurde an keiner offiziellen süddeutschen Station an diesem Tag Niederschlag gemessen, obwohl das Satellitenbild (etwa zwei Stunden später aufgenommen) große Gewitterkomplexe zeigt.

 

 

August

Trocken-Landschaft in Namibia, Sossusvlei Namib Naukluft Park, 2.März 2007, 19:39 MEZ.

Foto: Stefan Huxoll

 

Der Namib Naukluft Park ist die älteste und eine der beeindruckendsten Dünenlandschaften der Erde. Das Sossusvlei liegt in Namibia und ist eine beige Salz-Ton-Pfanne ("Vlei"), die nur in sehr seltenen guten Regenjahren Wasser führt. Dann bildet sich sogar für kurze Zeit ein wenige Zentimeter tiefer See am Ende des Vlei. "Sossus" bedeutet "blinder Fluss" in der Sprache der Nama. Die umgebenden orangefarbenen Dünen zählen mit über 200 Meter Höhenunterschied gegenüber der Pfanne zu den höchsten der Welt. Das Foto zeigt ein lockeres Wolkenfeld (Stratocumulus), das wahrscheinlich vom nur etwa 50 km entfernten Meer herangetrieben ist, jedoch keinerlei Niederschlag enthält. Die Abendsonne verstärkt noch den Kontrast des roten Dünensandes zum umgebenden Bergland und der nahezu grauen Senke.

 

 

September

Eisfjord bei Jacobshavn, Grönland, 12./13.7.2002

Foto: Wolfgang Kötsche

Die tief stehende Mitternachtssonne bescheint die massive Eiswand in Nordostgrönland bei Jacobshavn, das auf 69°12'N/51°06'W liegt und taucht sie in freundliches, weiches Licht. Die Luft ist im Bereich einer sommerlichen Hochdruckzone ruhig, es ist nahezu windstill. In 3 Meter Höhe wurde eine Temperatur von +2°C gemessen. Die "Zinnen" des Eisbergs spiegeln sich zudem im Wasser und ergeben somit ein einmaliges Schauspiel der sonst so abweisenden eisigen Natur.

 

 

Oktober

Spektakuläres Nordlicht über Lappland bei Abisko, Schweden, 28.Oktober 2006, 21:50 MESZ.

Foto: Gunar Streu

Wie ein überdimensionaler Schirm wabert das grün leuchtende Nordlicht über dem Torneträsk-See bei Abisko, Lappland (Schweden). Nach einem ersten Wintereinbruch mit nächtlichen Tiefsttemperaturwerten bis -10°C ist es im Bereich einer Hochdruckzone windstill. Auf der daher glatten Wasseroberfläche spiegelt sich das Nordlicht und verstärkt den märchenhaften Eindruck. - Das grüne Licht entsteht durch Sauerstoffatome, die in einer Höhe von etwa 100 Kilometern über der Erde nach einem Plasma- (= Teilchen-) Ausbruch der Sonne zum Leuchten angeregt werden. (Weitere Information zu "Polarlicht": Oktoberblatt des Europäischen Meteorologischen Kalenders 2007.)

 

 

November

Wilde Wellen - turbulenter Fallwind

Sierra de Marbella, Málaga (Spanien), 14.September 2005, 10:30 MESZ.

Foto: Daniel Díaz Aragón

Der Tag begann mit starken "vientos de levante" (*), die am La-Concha-Gebirge, dem höchsten Gipfel der Sierra Marbella bei Malaga aufstiegen. In Lee, im Westen dieses Gebirges brach sich eine Wolke im Wind und formte diese wehenden Fäden und unglaublichen Formen. Nachdem dieses Bild aufgenommen worden war, bezog sich der Himmel vollständig mit mittelhohen und hohen Wolken. (*) = Wind von Osten: Dies kommt sehr häufig in der Straße von Gibraltar und der Umgebung vor, wenn das Relief am Rande des Meeres die Luftströmung kanalisiert. Dies geschieht bei Ostwind, wenn Hochdruckgebiete über der Iberischen Halbinsel liegen. Der Wind kann recht stark werden, auch wenn der Luftdruck-Gradient schwach ist.


 

 

Dezember

Lenticularis-Wolken wie "Zugvögel", Flug über die Sierra Nevada in Richtung Flughafen Malaga (Spanien), 11.Februar 2007, 08:30 MEZ.

Foto: Jordi Martín García

Meteorologische Bedingungen: SIGMET (SIGnificant METeorological weather report) meldete mittelschwere Turbulenz über der Sierra Nevada wegen Lee-Wellen. - Während wir das Gebiet zum Einflug in den Schluss-Kurs zur Landung auf der Runway 31 (310 Grad, also Nordwest-Südost verlaufend) überquerten, waren wir klar, um von 13.000 auf 7.000 Fuß zu sinken und dabei den Kontakt zum Boden zu halten. Der Blick war wegen der Formation der Lenticularis-Wolken über den Bergen unglaublich. Obwohl wir dicht an diese Altocumulus-Wolken heran flogen, war die Turbulenz nicht wirklich stark. Während wir an den Bergen in niedrigeren Höhen während des Landeanflugs vorbei flogen, wurden Windscherung und Turbulenz signifikanter.