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Publikationen

Meteorologischer Kalender 2011

 

Titel

 

Altocumulus Lenticularis bei Sonnenaufgang, 16.2.2009

Foto: Daniel Goetz

Dieses im Belladonne Massiv, französische Alpen, Nähe Grenoble, aufgenommene Bild wurde bei Sonnenaufgang mit Blickrichtung Ost fotografiert. Zu dieser Zeit war die Sonne durch den 2600 m hohen sehr schroffen Gipfelbereich des Ferrouillet verdeckt. So leuchteten lediglich die durchscheinenden Altocumulus lenticularis Wolken. Diese hoch aufgetürmten Föhnwolken entstanden in einer starken Nordströmung, die gegen die Bergkette wehte. Typischerweise sind sie in den unteren Bereich wirbelartig zerfetzt („Rotoren“), was auf starke Turbulenz schließen lässt.

 

 

 

 

Januar

 

Gewitter in Tibet, 3.7.2009, 20.57 Peking Zeit

Foto: Tobias Biermann

 

Ganz klein scheint sich die Forschungsstation Nam Co (30.8°N, 91,0°E) in Tibet vor der mächtigen Gewitterwolke zu machen. Sie liegt 4745 m über NN. Zum Vergleich: Der höchste Berg Europas ist der Mt. Blanc mit 4810 m Höhe! Der in der Nähe liegende Gebirgszug Nyenchen Thanglha erreicht 5700 m Höhe. Somit ist es kein Wunder, dass selbst im Hochsommer und in dieser subtropischen Breite der Niederschlag oft in fester Form fällt. Im linken Teil des Bildes sind gerundete Wolkenformen erkennbar, die auf Flüssigwasser, wenn auch stark unterkühlt, schließen lassen Eine mächtige Gewitterwolke (Cumulonimbus) reicht in der Atmosphäre weit über 10 km hinauf, was hier aber nur gut 5 km über Grund bedeutet - selbst im Hochsommer kann es nicht nur Graupel, sondern auch Schnee geben.

 

 

Februar

Entferntes Gewitter, 8.10.2009, 16.15 MESZ

Foto: Jordi Martín García

Nachmittagsflüge zwischen Rom und Paris sind allgemein gute Gelegenheiten, Gewitter im Alpengebiet zu sehen. An diesem Tag lag ein kleines Tief über Südfrankreich, in dessen Bereich sich über dem Rhone-Tal einige Schauer und Gewitter bildeten. Etwa über dem Aosta-Tal fliegend war über einer tief liegenden Wolkenschicht der mächtige, bereits zerfasernde und sich abschwächende Gewitterschirm zu sehen, der mehr als 100 km weiter im Westen emporgewachsen war und über 10 km Höhe hinaufreichte.

 

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März

Wolkenüberlauf , La Palma, Kanaren, 19.1.2010 nachmittags

Foto: Jürgen Sußebach

Das Klima auf den Kanarischen Inseln wird wesentlich vom Nordostpassat bestimmt, vor allem auf den Inseln mit hohen Gebirgen. In den nördlichen und östlichen Teilen der Inseln führt der Passat in Luv der Gebirge zu aufsteigender Luft, häufig mit Wolkenbildung und besonders im Winter auch zu Niederschlägen, über den südwestlichen Inselteilen in Lee der Gebirge hingegen zu absinkender Luft mit Wolkenauflösung bzw. zu mehr Sonne und Wärme (Föhn-Effekt). Das Kalenderbild zeigt die Lee-Wirkung östlicher Passatwinde auf der Westseite eines annähernd Nord-Süd-gerichteten Gebirgszuges auf La Palma. Es ist die um 1500 m über NN hohe, vulkanisch geprägte Cumbre Nueva östlich von El Paso. Die über dem Gebirgskamm geschlossene Bewölkung „fließt“ abwärts und löst sich dabei auf, wobei das Relief des Abhangs mit Bergrücken und -einschnitten zur Auflösung in unterschiedlichen Höhen und damit zu den eigenartigen Wolkenformen führt. Text: Jürgen Sußebach

 

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April

 

„Mr. Lenticularis persönlich“, Korsika, Melo-See, 14.11.2009, 14.52 MEZ

Foto: Tony Le Bastard

Diese Wolken scheinen ein Gesicht zu bilden mit Augen, Nase und Mund. Der Fotograf meint, „dass Mr. Lenticularis die korsischen Berge und deren Besucher aufmerksam beobachtet. Dies ist - wenn man darüber nachdenkt - ein Beweis dafür, dass der Himmel lebendig ist.“ Diese filigranen Wolken entstanden in einer südwestlichen Strömung, mit der feuchte Luft über die Berge heran wehte, dabei gehoben wurde und die durchscheinenden Wolken entstehen ließ. Da die Luft jedoch am Nordostrand des Gebirges absank, lösten sich die Wolken wieder auf. Die Form der Wolken spiegelt ein wenig die Höhen und Tiefen des davor liegenden Gebirges wider. Im Hintergrund sind auch kompaktere Wolken erkennbar, die zu einem sich nähernden Tief gehören.

 

 

 

 

Mai

 

Regenvorhang mit Blitzen, Lekeitio, Biskaya,  29.6.2009

Foto: Xabier Gezuraga Jauregi

 

Ein mächtiger, im Abendlicht dennoch großenteils durchscheinender Regenvorhang, durch den mehrere Blitze zucken, verzaubert die Küstenlandschaft der Biskaya. Der Fotograf notiert hierzu: „Als ob der Regenvorhang am späten Nachmittag nicht spektakulär genug war, der einen vom Gewitter umgebenen Bogen bildete, gab es diesen magischen Augenblick, als der dreifach verwobene Blitz in der Mitte des Wolkenbruchs herab fuhr.“

 

 

Juni

 

Leuchtende Nachtwolken, Vincennes, Val-de-Marne, 14.7.2009,

Foto: Louis Hecker

 

In dieser Sommernacht wird vom Vorort Vincennes aus die Silhouette von Paris beleuchtet. Aus Meteorologischem Kalender 2000: Die Wolken entstehen in Höhen mit sehr geringen Wasserdampfmengen. Damit sich dennoch Eiswolken bilden können, muss die Temperatur unter -130°C sinken, und es müssen Kristallisationskeime, z.B. aus Vulkanausbrüchen, vorhanden sein. In den betreffenden Mesopausenschichten wird es nur im Sommer so kalt als Kompensation zur dann warmen Erdoberfläche und der Troposphäre. Ebenso erklärt sich daraus die südliche Begrenzung der Beobachtbarkeit auf der Nordhemisphäre. Je weiter die Wolken in Richtung Äquator driften, desto wärmer wird die Luft, und die Eiskristalle lösen sich auf.

 

 

 

Juli

Gewitterwolke, Minaya, Albacete, Spanien, 9.8.2009

Foto: Antonio José Galindo Navalón

 

Diese rasch aufschießende Gewitterwolke steht majestätisch über den abgeernteten gelben Feldern, auf denen eine ebenfalls gelb erscheinende Schafherde in aller Ruhe Futter sucht. Im Hintergrund in der Mitte des Bildes ist bereits Starkregen zu erkennen, der dort die Wolke gleichförmig grau erscheinen lässt. Der linke obere Teil des Bildes zeigt den herauslaufenden Cirrus-Schirm, aus dem einige herabhängende Wolkenteile (Mammatus) das Auflösungsstadium dieser Wolke anzeigen. Rechts oben im Bild sind dagegen noch überwiegend scharf begrenzte Wassertröpfchen-Wolken zu sehen, die auf die weitere Verstärkung dieses Gewitterteils hinweisen. Etwas später gab es auch hier Hagel und Starkregen.

 

 

 

 

August

Verdrehte Wolke, Alcobendas, Madrid, 6.4.2009

Foto: Alberto Lunas Arias

In Spanien war das Frühjahr 2009 sehr trocken, vor allem im Inneren der Iberischen Halbinsel und in deren südlichen Teilen. Dennoch gab es einige sehr interessante Wolkenformen. Am frühen Morgen des 6. April war diese seltsame und in hohe Atmosphärenschichten reichende Wolke über Madrid zu sehen, eine sich offenbar drehende Wolke konvektiven Ursprungs, wobei der im untersten Teil herabhängende Mammatus auf die Auflösung dieses ehemaligen Schauers hinweist. Niederschlag wurde hierbei nicht beobachtet. Text: Alberto Lunas Arias

 

 

 

 

 

September

„Geflügelte Wolke“, Naantali, Velkua, Finnland, 15.8.2009, Foto: Eva-Maria Söderholm

 

An einem frühen Sommermorgen, etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang, entstand diese Wolkenformation. Obwohl sich die Wolke mächtig auftürmte, gab es weder Regen noch ein Gewitter. Offenbar erscheinen hier zwei verschiedene Wolken perspektivisch über einander, obwohl sie hinter einander liegen: Die aufquellende Wolke ist deutlich näher an der Fotografin als die dahinter liegende zerfasernde, also sich auflösende Wolke. Daher entsteht auch der Eindruck, dass die Wolke Schwingen oder Flügel hat.

 

 

 

 

Oktober

„Endzeit“, nahe Ajaccio, Korsika

Foto: Tony Le Bastard

 

Dieses Bild wurde während eines starken Gewitters  auf der Halbinsel Parata, Korsika, aufgenommen. Im Gegensatz zum Anschein entstand das Foto am 23.6.2009 nachts um 02.22 MESZ. Beweis ist links unten am Wasser der helle Lichtstrahl eines Leuchtfeuers. Der Fotograf teilt mit: „Ein starker Blitz ging hinter mir nieder und ließ diese unglaubliche Wolkenformation erkennen. Er zeigte auch die Kraft, die diesem Platz schon immer innewohnte: Dieser genuesische Leuchtturm scheint eine unüberwindliche Burg aus einem Märchen zu sein.“ Text: Tony Le Bastard

 

 

 

November

 

Wolkenrolle über München vom 17.7.2009

Foto: Michaela Gross

Dieses Bild zeigt einen Bruchteil einer beeindruckenden Wolkenrolle, welche, obwohl sie nur ca. einen km breit war, sich etwa 300 km über Bayern gewölbt und erstreckt hat vom Alpenvorland bis zur Grenze mit Thüringen. Die Wolke war beim Sonnenaufgang über Westbayern zu sehen und ist im Laufe des Vormittags nach Osten weitergezogen. Sie hat München um ca. 7:20 MESZ überquert.

Diese Wolkenrolle ist auf dem Kamm einer Welle entstanden, als sich der Kaltluftausfluss von mehreren Gewittern über Baden-Württemberg unter die kühle Bodenluft über Bayern ausgebreitet hat. Obwohl das Bild nur eine Wolkenrolle zeigt, war in Satellitenbildern eine Reihe von bis zur fünf Wolkenrollen über Nordbayern zu sehen. Text: Robert Goler

 

 


 

 

Dezember

 

Abendstimmung mit Lenticularis-Wolken, Coyhaique, Chile, 07. Januar 2009, 20.40 Uhr Ortszeit

Foto: Thomas Schubert

 

Stetiger Westwind ist typisch für Patagonien. Über Tausende von Kilometern stellt sich der südhemisphärischen Westwindzone über dem Pazifischen Ozean nichts in den Weg, bis die mehrere tausend Meter hohen Anden die Luftströmungen in die Vertikale ablenken. In Lee der Gebirgsketten bilden sich Wellensysteme, in denen die Luft erneut aufsteigen und Altocumulus-Lenticularis-Wolken hervorrufen kann. So auch an diesem Mittwochabend, wie der Blick nach Westen in der Südchilenischen Provinzhauptstadt Coyhaique zeigt. Mitten in den Anden werden hohe Cirrus- und Lenticulariswolken von der untergehenden Sonne angestrahlt und in ein Meer aus Orange getaucht. Text: Thomas Schubert